Wo ist die Zeitlupe?
Hartmut Rosa beschwert sich darüber, dass alles immer schneller geht
von Ale Schmitz
Die Linken haben keine Zeit, Revolution zu machen. So gesehen sind sie tatsächlich der bewussteste Teil der Bewegung – denn die meisten Menschen klagen darüber, dass sie zu wenig Zeit haben. Aber die Revolution soll man ja auch nicht in der Freizeit machen, sondern in den Betrieben, oder?
Bücherkiste: Paul Frölich, Irène Némirovsky
Paul Frölich: Im radikalen Lager. Politische Autobiographie. 1890–1921. Berlin: BasisDruck, 2013. 416 S., 29,80 Euro
Paul Frölich, von 1908 an bis zu seiner Flucht vor den Nazis an führender Stelle in verschiedenen Parteien und Strömungen der deutschen Arbeiterbewegung aktiv, verfasste seine Autobiografie 1938. Dem Verlag BasisDruck kommt das Verdienst zu, das maschinenschriftliche Manuskript seiner Autobiografie im Internationalen Institut für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam ausgegraben und 2013 erstveröffentlicht zu haben.
Streifzüge durch das rote 20.Jahrhundert
Christoph Jünke, Hamburg: Laika, 2013. 320 S., 21 Euro
von Dieter Braeg
Spaziergang, Bewegung, Ausflug, Bummel, Marsch, Weg, Exkursion, Tour, Trip, Spritztour, Spaziergang, Bewegung, Bummel, Marsch, Exkursion, Abstecher, Fahrt ins Blaue, Lustfahrt, Landpartie, Abstecher, Erholungsfahrt, Vergnügungsfahrt, Wanderung, Ausflug…
25.April 1974 – Die Nelkenrevolution
Hrsg. Willi Baer, Karl-Heinz Dellwo. Hamburg: Laika, 2012
von Gaston Kirsche
Mit zwei Dok-Filmen: Viva Portugal!, Portugal/BRD 1975, von Malte Rauch, Christiane Gerhards und Samuel Schirmbeck, 115 Min.; Scenes from the Class Struggle in Portugal, Portugal/USA 1977, von Robert Kramer, 85 Min. Portugiesisch mit deutschen Untertiteln
Alfred Hackensberger: Letzte Tage in Beirut
Edition Nautilus, 2014. 159 S., 12,90 Euro
von Udo Bonn
Unendliche 966 Seiten lang ist Frank Schätzings Familien- und gleichzeitiger Politroman Breaking News, in dem es letztendlich um eine Verschwörung gegen Ariel Sharon geht, der 2005 in ein Koma fällt. Wie man dagegen auf 159 Seiten die Verwicklungen und inneren Interessenlagen der Nahostpolitik spannend erzählen kann, hat Alfred Hackensberger in seinem Buch Letzte Tage in Beirut demonstriert.
Die deutsche Sozialdemokratie 1914
Die Waffen hoch
von Arno Klönne
Friedrich Engels verstand etwas von der Realität des Militärischen im Prozess der Geschichte. Im Jahre 1887 schrieb er über einen drohenden modernen Krieg: «8–10 Millionen Menschen, Soldaten, werden sich untereinander abwürgen und dabei ganz Europa so kahl fressen wie noch nie ein Heuschreckenschwarm.
Aus der Vorgeschichte des Weltkriegs
Wirkliche Ursache Imperialismus
von Anton Pannekoek
Während der Weltkrieg seit über einem Jahr Europa in ein gewaltiges Schlachtfeld verwandelt, sind die Ursachen, die zu all dem Grauen geführt haben, noch sehr wenig bekannt. Nicht nur in den kriegführenden Ländern selbst, wo die Regierungen die Parole von der Verteidigung des bedrängten Vaterlands ausgaben, dem Feind die Schuld für den Krieg zuwiesen und mittels der Zensur die Äußerung jeder anderen Meinung verhinderten – auch in den anderen Ländern überwiegen dieselben oberflächlichen Erklärungen.
Kirchenkritiker Karlheinz Deschner
Gestorben am 8. April 2014
von Manuel Kellner
Es war ihm nicht vergönnt, seine monumentale Kriminalgeschichte des Christentums zu Ende zu bringen. In hohem Alter, bevor er jetzt mit 89 Jahren gestorben ist, vollendete er den zehnten Band zum „18. Jahrhundert mit Ausblick auf die Folgezeit“. Die im Juni erscheinende Printausgabe der SoZ wird eine Würdigung seines Lebenswerks bringen.
Der Große Krieg
Deutschlands imperialistische Bestrebungen
von Paul B. Kleiser
Der Erste Weltkrieg war in vielerlei Hinsicht ein einschneidendes Ereignis. Er forderte mindestens 10 Millionen Tote – rechnet man die indirekten Opfer, etwa die der Hungersnöte oder der Spanischen Grippe hinzu, bis zu 17 Millionen. Am Ende des Krieges waren 40 Staaten mit etwa 70 Millionen Soldaten an ihm beteiligt.
Manfred Jansen: Ihr seid Träumer – sagte der Traum
Beuwsstseinsentwicklung im Betrieb
von Wolfgang Hänisch
Die Welt der Warenproduktion ist das große Mysterium der bürgerlichen Gesellschaft. Gebirge von Waren begraben die Konsumenten unter sich – die Produzenten dieser Waren und die Umstände, unter denen sie leben und arbeiten, bleiben aber praktisch unsichtbar. Medial und gesellschaftlich sind sie nicht präsent.
Tony Benn
1925–2014
Am 14.März, drei Wochen vor seinem 89.Geburtstag, starb Tony Benn, der seit vier Jahrzehnten die Galionsfigur der antikapitalistischen Linken in der britischen Labour Party war.
Ulrich Renz: Die Tyrannei der Arbeit
Wie wir die Herrschaft über unser Leben zurückgewinnen. München: Ludwig, 2013. 272 S., 17,99 Euro
von Jochen Gester
Im Jahr 1998 beendete der Autor Ulrich Renz seine berufliche Karriere, die er als Arzt begonnen hatte und die ihn zum Leiter eines medizinischen Fachverlages machte. Er hatte das Gefühl, dass andere Dinge des Lebens vor lauter Arbeit zu kurz kommen. Deshalb wechselte zur freiberuflichen Tätigkeit als Publizist und Schriftsteller.