Tschikweiber
Die Tabakarbeiterinnen von Hallein
von Dieter Braeg
Tschik ist ein österreichisches Dialektwort für Zigarette; der Tschik gehört zur Geschichte der Stadt Hallein, eine kleine Stadt südlich von Salzburg.
Das denkende Herz
Vor 25 Jahren starb Rose Ausländer
von Peter Fisch
Die Vielvölkerstadt Czernowitz, Hauptstadt der Bukowina, am östlichsten Rand der versunkenen Habsburgermonarchie gelegen und heute zur Ukraine gehörend, wurde 1901 der Geburtsort der Rosalie Beatrice Ruth Scherzer. Fast das ganze 20.Jahrhundert umschließt das Leben der deutsch-jüdischen Dichterin: zwei Weltkriege, Flucht und Vertreibung, Shoah und Exil. Sie wurde zur Nomadin, die, nach dem Verlust der Heimat, zwischen Europa und Amerika unentwegt pendelte.
Louis Gill: George Orwell. Vom spanischen Bürgerkrieg zu „1984“
Lich: Edition AV, 2012. 156 S., 16 Euro
von Werner Abel
George Orwells Mein Katalonien gehört zweifelsohne zu den Klassikern der Literatur über den Spanischen Krieg. Orwell fühlte sich verpflichtet, die aus der Zweiten Republik heraus beginnende soziale Revolution und die junge Demokratie gegen die franquistischen Putschisten zu verteidigen. Hätte ihm die Kommunistische Partei Großbritanniens nicht ein Empfehlungsschreiben verweigert, wäre er vermutlich in die Internationalen Brigaden eingetreten. So trat er den POUM-Milizen bei, sicher auch deshalb, weil die POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista) gute Kontakte zur englischen Independent Labour Party hatte, mit der Orwell zu der Zeit sympathisierte und deren Mitglied er 1938 werden sollte.
Sobre la misma tierra – Von der Kunst des Überlebens
Film, Kolumbien, Spanien 2011. Regie: Laura Sipán
von Angela Huemer
Der Film der jungen Regisseurin Laura Sipán führt uns an zwei sehr entgegengesetzte Orte Kolumbiens: einmal in eine entlegene Bergregion, Sur de Bolivar, in der die Bewohner auf altmodische Weise Gold abbauen, ein anderes Mal nach Cali, eine der größten Städte Kolumbiens.
Merle Kröger: Grenzfall
Krimi, Hamburg: Argument, 2012. 347 S., 11 Euro
von Udo Bonn
Auf der Berlinale 2012 wurde der Dokumentarfilm Revision von Philip Scheffner und Merle Kröger gezeigt, leider kam er nur für kurze Zeit in die Programmkinos. Der Film versucht, den Tötungsumständen von zwei rumänischen Staatsbürgern an der deutsch-polnischen Grenze im Jahr 1992 nachzugehen und das zu recherchieren, was während des Prozesses unterlassen wurde. Aus dieser Filmarbeit hat Merle Kröger den Roman Grenzfall entwickelt.
Abraham Lincoln, der Revolutionär
Steven Spielbergs Film Lincoln rückt die Abschaffung der Sklaverei wieder in den Mittelpunkt des Verständnisses vom Amerikanischen Bürgerkrieg
von Alan Maass
Steven Spielbergs Lincoln handelt nur von einer – allerdings entscheidenden – Episode eines jahrelangen Kampfes: von der Abstimmung im Repräsentantenhaus während der letzten Monate des Amerikanischen Bürgerkriegs über den 13.Zusatzartikel zur Verfassung, der die Sklaverei für illegal erklärte. Und er handelt hauptsächlich von einem Protagonisten in diesem Kampf: Abraham Lincoln, eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Kampf gegen die Sklaverei. Seine Geschichte ist die eines politisch Moderaten, der durch die Ereignisse eine Wandlung durchmachte, dem es gelang, sich auf die Höhe der historischen Aufgaben zu erheben, als andere in seiner Umgebung dies nicht taten, und der auf diese Weise zur Sache der Freiheit einen wichtigen Beitrag leistete.
Wilder Streik – das ist Revolution!
Der Streik der Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss 1973. (Hrsg. Dieter Braeg.) Berlin: Die Buchmacherei, 2012. 176 S., 13,50 Euro
von Ulrich Peter
Wenn Linke heute die Stichworte «Ausländerstreik, Wilder Streik, 1973» hören, woran denken sie da? Mit Sicherheit an den Streik im Kölner Fordwerk, der vor allem von Arbeitsmigranten getragen wurde und mit einer Niederlage der Streikenden endete. Dabei spielte eine erhebliche Rolle, dass Betriebsrat und IG Metall den Streik ablehnten und Versuche, ihn auch auf Teile der nichtmigrantischen Belegschaft auszudehnen, fast komplett scheiterten. Die Schlagzeile von Springers Bild: «Deutsche Arbeiter kämpften ihr Werk frei» markierte das Desaster dieses Arbeitskampfs.
Sarah Kaminsky: Adolfo Kaminsky – Ein Fälscherleben.
München: Verlag Antje Kunstmann, 2012. 219 S., 19,90 Euro
von Dieter Braeg
«Als ich beschloss, das Leben meines Vaters aufzuzeichnen, hatte ich mich bewusst dafür entschieden, nur über seine Kämpfe zu berichten und die Erzählung im Jahr 1971 enden zu lassen, als er jede Untergrundtätigkeit aufgab. Ich meinte, dass sein anderes Leben, zu dem ich gehöre, nur für den engeren Kreis seiner Familie und Freunde interessant sei.»
Gerhard Schoenberner: Fazit
Hamburg: Argument, 2011. 191 S., 17,90 Euro
von Werner Abel
Lyrik hat selten oder nie Konjunktur in Deutschland. Wenn aber einer einen Band Gedichte, Prosagedichte nennt der Verfasser sie selbst, vorlegt und die Rezensenten – unter ihnen Martin Walser, Eckart Spoo, Fritz J. Raddatz, Matthias Ehlers, Walter Kaufmann und Friedrich Dieckmann – meinen, dass einiges an Hölderlin erinnert und dass seit Brecht solche Gedichte nicht mehr zu lesen waren, dann muss es sich um etwas Besonderes handeln.
Auf vielen Stühlen – Ein Leben in Deutschland
(Sobre varias sillas – Una vida en Alemania), Deutschland 2011 (Spanisch mit deutschen Untertiteln), Regie: Ainhoa Montoya Arteabaro
von Gaston Kirsche
Vicente Martínez, Andrea Miragaya, Rosa Fava, Encarnación Gutiérrez und José Valdueza sind fünf sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind mit einem oder zwei Elternteilen aus Spanien in Deutschland aufgewachsen und leben in Hamburg. Im Dokumentarfilm erzählen sie, wie es war, als «Gastarbeiterkind» aufzuwachsen.
Neue Krimis von Stuart Neville
Stuart Neville: Die Schatten von Belfast. Berlin: Aufbau, 2012. 445 S., 9,99 Euro
Stuart Neville: Blutige Fehde. Berlin: Rütten & Loening, 2012. 475 S., 19,99 Euro
von Udo Bonn
Beruhigende Nachrichten von der irischen Insel haben nur kurze Gültigkeitsdauer. Die Feierorgien anlässlich des Wirtschaftswunders des gälischen Tigers sind nachhaltig abgesagt, und die Straßenkämpfe in Belfast, ausgelöst durch die läppische Entscheidung, die britische Fahne nicht mehr täglich vor dem Rathaus zu hissen, deuten an, wie brüchig der soziale und politische Frieden in der Republik und in Ulster sind.
Russische revolutionäre Plakate
David King hat eine herausragende Sammlung sowjetischer Plakatkunst aus den 20er und 30er Jahren zusammengestellt
von Werner Abel
Im Jahre 1925 schrieb der Wirtschaftswissenschaftler Lew N. Kritsman sein Buch über «Die heroische Periode der großen russischen Revolution», eine großteils ökonomische Analyse der Zeit des «Kriegskommunismus». Dabei ahnte er nicht, dass sein Buchtitel auf ein weit emotionaleres und expressiveres Genre als die Welt der Wirtschaft Anwendung finden sollte: Weil es für die darstellende Kunst neu, einmalig, für den Fortschritt parteiergreifend war, bezeichnet man das, was in der visuellen Agitation und Propaganda seit der russischen Oktoberrevolution bis zur Zeit der Neuen Ökonomischen Politik entstand, als die heroische Periode der sowjetischen Plakatkunst.