Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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Geschichte 30. Mai 2013

Von der Anpassung zur Zerschlagung

Gewerkschaften und SPD im Mai 1933
von Jörg Wollenberg

Am 2. Mai 1933 wurden in ganz Deutschland Gewerkschaftshäuser von SA- und SS-Truppen umstellt, besetzt, das Eigentum beschlagnahmt und Gewerkschaftsfunktionäre verhaftet und gefoltert. Die so mächtige deutsche Arbeiterbewegung erlitt eine Niederlage, die bis heute nachwirkt.

Film 30. Mai 2013

Mad Men – Fernsehserie, USA, seit 2007

Erfinder der Serie und Chef-Autor: Matthew Weiner
von Angela Huemer

Mad Men, verrückte Männer möchte man meinen, doch nein, gleich nach dem Vorspann – eine Art Animation, in der ein Mann in New York viele Stockwerke langsam hinunterfällt – wird erklärt, was der Begriff bedeutet. ‘A term coined in the late 50s to describe the advertising executives of Madison Avenue.’ Kurze Pause und dann, im nächsten Absatz: ‘They coined it.’ (Ein Begriff, der in den späten 50er Jahren geprägt wurde, um die Werbeleute der New Yorker Madison Avenue zu beschreiben. Sie prägten ihn.)

Krimi 30. Mai 2013

Vins Gallico: Respekt

Ein ’Ndrangheta-Krimi. Berlin: Assoziation A, 2013. 380 S., 14 Euro
von Udo Bonn

Anfang April beschlagnahmten italienische Behörden knapp 50 Firmen, Grundstücke, Villen und Bankkonten im Wert von 1,3 Mrd. Euro. Der Eigentümer, Vito Nicastri, soll als «Herr der Winde» im Geschäft mit erneuerbaren Energien Geldwäsche für die sizilianische Mafia betrieben haben. Im Herbst vorigen Jahres meldete das Magazin Stern die Verwicklung der HSH Nordbank in einer von ihr mit 200 Mio. finanzierten Windparkanlage in Kalabrien. Hierbei soll es sich um ein Geldwäscheprojekt der ’Ndrangheta handeln.

Buch 30. Mai 2013

Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

Eine Geschichte von Faszination und Verachtung
von Michael Banos

Sich selbst ein Bild machen, mit eigenen Augen nachsehen; etwas überprüfen; sich vor Augen führen; sich eine eigene Meinung bilden; sich informieren – das ist eine eigentlich positiv besetzte Kulturtechnik. Dass es auch anders geht, wie Bilder von Verzerrung, Hass, Verachtung und vermeintlicher Bedrohung gemacht und weitergegeben werden, zeigt Klaus-Michael Bogdal in einem fundiert recherchierten Buch, wofür ihm kürzlich auf der Buchmesse in Leipzig den Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen wurde. Er berichtet über ein kollektives Gedächtnis der Ablehnung alles Fremden über Jahrhunderte hinweg, nennt es treffend das «böse Gedächtnis» der Kultur.

Nur Online 1. Mai 2013

Bernd Köhler: Keine Wahl

Lieder, Gesänge und Balladen aus Arbeiterkämpfen (1971–2013)
JumpUp, 15 Euro
von Dieter Braeg

Das Lied gegen das Herrschende, das gibt es schon lange. Der Musikwissenschaftler Otto Brusatti stellt in seinem feinen Text «Vermutungen um Walther (von der Voegelweide), den Liedermacher» unter anderem fest: «Er agierte auch als Liedermacher für/gegen Kreuzzüge.» Also, der «Vater» der Liedermacherei, er hat wohl nicht nur saftigste Minnelieder geträllert, er hat auch zur Politik die Stimmbänder strapaziert.

Sonstiges 25. April 2013

Handke begegnen

«Die Arbeit des Zuschauers. Peter Handke und das Theater»
von Dieter Braeg

«Ich habe gerade mit Ach und Krach ein Stück geschrieben. Es heißt ‹Publikumsbeschimpfung› und ist mein erstes und mein letztes. Ich möchte es nun aufführen lassen und auch sonst dazu sehen, dass ich es vielleicht anbringe.» Das schrieb am 21.Oktober 1965 der damals 22 Jahre alte Peter Handke an den Verleger Siegfried Unseld. 1966, inszeniert von Claus Peymann, wurde das Stück in Frankfurt uraufgeführt.

Buch 25. April 2013

Ulrich Chaussy, Gerd R. Ueberschär: «Es lebe die Freiheit!»

Die Geschichte der Weißen Rose und ihrer Mitglieder in Dokumenten und Berichten. Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2013. 534 S., 10,99 Euro

von Peter Fisch

«Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit – entscheidet Euch, eh es zu spät ist.» Vor 70 Jahren wurden Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst verhaftet und hingerichtet.

Die letzten Gründe, warum Hans und Sophie Scholl am 18.Februar 1943 Flugblätter vor den noch verschlossenen Hörsälen und in den Gängen der Universität München ablegten und weitere in deren Lichthof warfen, werden wir wohl nie erfahren. War es doch eine fast öffentliche, geradezu leichtfertige Aktion, die zur Festnahme der Geschwister durch den Pedell Jakob Schmid und zur Übergabe an die herbeigerufene Gestapo führte. Neue Erkenntnisse, die das im Februar 2013 von Ulrich Chaussy und Gerd R. Ueberschär unter dem Titel «Es lebe die Freiheit!» herausgegebene Kompendium vermittelt, machen annähernde Vermutungen möglich.

Film 25. April 2013

Work hard play hard

Deutschland 2011. Regie: Carmen Losmann. DVD 15,99 Euro
von Angela Huemer

Vor ein, zwei Jahren saß ich mal in der S-Bahn, wohin, weiß ich nicht mehr, nur noch, dass mit mir im Viererabteil drei sich angeregt miteinander unterhaltende, korrekt und adrett gekleidete Manager saßen. Sie sprachen rasch und nicht leise. Es brauchte etwas zu merken, dass sie tatsächlich deutsch sprachen, englische Begriffe in strammer deutscher Aussprache flogen durch den Raum. Obwohl ich mich – neugierig wie ich nun mal bin – darum bemühte zu verstehen worüber sie reden, verstand ich nichts. Eine fremde Welt.

Krimi 25. April 2013

Elmore Leonard: Raylan

Berlin: Suhrkamp, 2013. 368 S., 19,95 Euro
von Udo Bonn

Mit dem Film Harlan County USA setzte die Dokumentarregisseurin Barbara Kopple 1976 streikenden Bergarbeitern und ihren Frauen aus einem der Kohlereviere Kentuckys ein kämpferisches Denkmal. Er war als Unterstützung für die Demokratisierungskampagne der Bergarbeitergewerkschaft gedacht und berichtete von dem mit allen Mitteln, auch mit Waffengewalt, ausgetragenen Streit um höhere Löhne, gesündere Arbeitsbedingungen und das Recht auf Streik in den Jahren 1972/73. Erst der Mord an einem Arbeiter zwang die Bergwerksgesellschaft an den Verhandlungstisch.

Buch 2. April 2013

Roadmap zum Frieden?

Abdullah Öcalan, Die Roadmap für Verhandlungen: Gefängnisschriften.
Bonn 2013: Pahl-Rugenstein. 146 Seiten, Paperback: 9,90 Euro.
von Nick Brauns

Zwischen dem in Isolationshaft auf der Gefängnisinsel Imrali gefangene Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, und dem türkischen Geheimdienst laufen derzeit Verhandlungen über ein Ende des Krieges in Kurdistan. Wie eine solche Lösung aussehen könnte, hat Öcalan bereits im Jahr 2009 in einer „Roadmap für Verhandlungen“ skizziert. Der vom türkischen Staat eineinhalb Jahre lang geheim gehaltene Text ist auch für die weiteren Verhandlungen von zentraler Bedeutung, betont die Internationale Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan –  Frieden in Kurdistan“; sie ist die Herausgeberin der nun vom Pahl-Rugenstein Verlag vorgelegten deutschen Übersetzung.

 

Buch 2. März 2013

Alice im Niemandsland: Alice Schwarzer in der Kritik

Miriam Gebhardt: Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor.
München: DVA, 2012. 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser

Das Buch der in Konstanz lehrenden Autorin Miriam Gebhardt mit dem Untertitel «Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor» ist nicht nur eine Kritik an den Positionen und der dominanten Rolle, die Alice Schwarzer, als Schülerin von Simone de Beauvoir, seit den 70er Jahren in der deutschen Frauenbewegung einnimmt. Es bringt einen Abriss der Entwicklung der deutschen und internationalen Frauenbewegung und geht der Frage nach, warum die Situation in Deutschland – verglichen mit anderen westlichen Ländern und selbst mit der Vergangenheit im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – so provinziell ist. Eine erklärte Antifeministin wie Kristina Schröder konnte hierzulande Frauenministerin werden.

Geschichte 2. März 2013

Heuberg: Das erste KZ in Deutschland

Das erste Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft war die kommunistische und sozialdemokratische Arbeiterbewegung
von Manfred Dietenberger

Gerade mal zwei Tage, nachdem Adolf Hitler mit seiner Ernennung zum Reichskanzler die Macht übertragen worden war und die faschistische Gewaltherrschaft begann, rief Kurt Schumacher, nach dem Krieg bis 1952 Vorsitzender der SPD, am 1.Februar 1933 auf der antifaschistischen Kundgebung der Eisernen Front* in Stuttgart den Teilnehmern zu: «In der Stunde der Gefahr wenden wir uns auch an die kommunistischen Arbeiter, denn nicht Bruderkampf, sondern Klassenkampf tut not … Die neue Epoche des Kampfes gegen den Faschismus sollte auch ein neues Verhältnis zwischen uns und den Kommunisten einleiten (Schwäbische Tagwacht, 2.2.1933).» Fünf Monate später wurde Schumacher in Berlin verhaftet, in «Schutzhaft» genommen und in das Konzentrationslager Heuberg gesteckt.