Wolf Wetzel: Der NSU-VS-Komplex
Münster: Unrast, 2013. 130 S., 12 Euro
von Angela Klein
Wenn die zuständigen Behörden – Polizei, Landes- und Bundeskriminalamtes, Landes- und Bundesverfassungsschutz bis hinauf zu den Innenministern – alles wussten, wie zuletzt Report Mainz an Hand einer vergessenen Kladde aus dem sächsischen Innenministerium enthüllte. Wenn der NSU im Untergrund dank 25 eingesetzten V-Leuten von den Behörden «wie Goldfische im Aquarium» gehalten wurden und der Kontakt nie abgebrochen ist. Wenn es zwischen den Behörden vielleicht Kompetenzstreitigkeiten gab, sie aber auf den beiden Feldern «Gewährenlassen» und «Vertuschen» alle an einem Strang zogen. Dann stellen sich viele Fragen, denen Wolf Wetzel bohrend nachgeht.
Silvia Federici: Aufstand aus der Küche.
Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. Münster: Edition Assemblage, 2012. 128 S., 9,80 Euro
von Rahel Wusterack
Der breite Zugang von Frauen zur Lohnarbeit hat bisher nicht zur vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern geführt. In der Regel wird dieser Umstand damit erklärt, dass derartige Umbrüche Zeit benötigen. Dann folgt meist ein leicht rechtfertigend anmutender Verweis auf die immensen Fortschritte der letzten Jahrzehnte.
Gisela Notz: «Freiwilligendienste» für alle.
Von der ehrenamtlichen Tätigkeit zur Prekarisierung der «freiwilligen «Arbeit». Neu-Ulm: AG SPAK, 2012. 120 S., 10 Euro
von Rolf Euler
Stopfen der Löcher im Sozialstaat – ehrenamtliche und freiwillige Arbeit ist erneut das Thema dieses Buchs von Gisela Notz. Seit langem forscht und publiziert sie über die nicht (oder gering) bezahlte Arbeit, vor allem von Frauen. Sie beschreibt die Geschichte der sozial Tätigen – «ehrenamtlich» oder «freiwillig» beschäftigt, mehr oder weniger gezwungen durch Kriegs- oder Krisenfolgen.
Clemens G. Arvay: Friss oder stirb
Wie wir den Machthunger der Lebensmittelkonzerne brechen und uns besser ernähren können. Salzburg: Ecowin, 2013. 232 S., 21,90 Euro
Pferdefleisch und Bioeier brachten zuletzt die Missstände unserer Art der Ernährung wieder in «aller Munde». Auch das österreichische Fernsehen beteiligte sich an der Diskussion mit einer Debatte, an der auch ein junger Agrarbiologe, Clemens Arvay, beteiligt war.
Die neuen Rechten in Europa
Zwischen Neoliberalismus und Rassismus. (Hrsg. Peter Bathke, Anke Hoffstadt.) Köln: PapyRossa, 2012. 365 S., 18 Euro
Als Nachtrag zu einer Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW vom November 2011 haben Peter Bathke und Anke Hoffstadt einen Sammelband herausgegeben, der Politik und Ideologie der diversen Rechtsparteien in Europa «zwischen Neoliberalismus und Rassismus» beleuchtet.
Volksfront von Sozialisten und Kommunisten
Der Arbeiterwiderstand gegen die NS-Diktatur am Beispiel Bremen
von Jörg Wollenberg
Die politische Spaltung der Arbeiterbewegung in der Endphase der Weimarer Republik war maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass die Nazis siegen konnten. Die Einheitsfront, die vor ’33 boykottiert worden war, kam nach ’33 allmählich in Gang. Ihre Vorreiter waren vor allem junge Arbeiter der KPD und aus den «Dissidentenorganisationen» von SPD und KPD: SAP/SJV, KPO, ISK.*
*David King: Ganz normale Bürger. Die Opfer Stalins
Essen: Mehring, 2012. 192 S., 196 Abbildungen, 29,90 Euro (englische Erstveröffentlichung 2003)
von Werner Abel
«Die Weltpartei des Leninismus», diesen Titel gab der wortgewaltige Vorsitzende des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, Grigori Sinowjew, der Buchausgabe seiner Eröffnungsrede auf dem V.Weltkongress der KI im Juni 1924. Sinowjew begründete mit dem «Leninismus» nicht nur eine neue Theorie, die den Marxismus in der Epoche des Imperialismus ergänzen sollte (ein «-ismus», verbunden mit seinem Namen, wäre von Lenin mit Sicherheit entschieden abgelehnt worden), er zeigte auch den Weg auf, wie die kommunistischen Parteien in aller Welt auf diese Theorie eingeschworen werden sollten.
Anja Röhl: Die Frau meines Vaters
Erinnerungen an Ulrike. Hamburg: Edition Nautilus, 2013. 157 S., 18 Euro
von Dieter Braeg
Kindheitserinnerungen, die Ende der 50er Jahre beginnen. Es ist schwer, zu einer Zeit zurückzufinden, sie zu beschreiben, wieder zu durchleben. Anja Röhl kam im Jahre 1955 in Hamburg zur Welt. Sie ist die Tochter aus erster Ehe von Klaus Rainer Röhl (Gründer der Zeitschrift Konkret).
Woodstock in Timbuktu
Deutschland 2012, Regie: Désirée von Trotha
von Angela Huemer
Ein fast klischeehaftes, emblematisches Bild, das auch das Filmplakat ziert, rahmt den Film ein: Vor der untergehenden Sonne stehen Kamele im Gegenlicht, schwarze Silhouetten sind zu sehen. Nur kurz schwelgen wir in der Wüstenromantik, dann sehen wir einen Musiker auf der Bühne des Musikfestivals «Festival au désert». Kurz darauf stellt sich die Filmemacherin selbst vor, Désirée von Trotha, geb. 1961, Regisseurin, Autorin und Fotografin. Sie studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, hat zahlreiche Dokumentationen gedreht. Seit 1991 verbringt sie rund sechs Monate im Jahr in der südlichen Sahara, den Tuareggebieten Algeriens, Nigers und Malis sowie im Norden des Tschad.
No Place on Earth
USA 2012, Regie: Janet Tobias
von Peter Nowak
Der Film erzählt die bisher unbekannte Geschichte des Überlebenskampfs ukrainischer Juden im Nationalsozialismus.
Die deutschen Verbrechen in der Nazizeit werden schon lange historisiert. Die Menschen, die sie noch selber erleiden mussten, sind fast alle tot. Daher verdienen Filme, in denen die heute Hochbetagten noch selber zu Wort kommen, besondere Aufmerksamkeit.
75 Jahre seit dem „Anschluss“
Gedenkfeier in Gusen-Mauthausen
von Angela Huemer
Dieses Jahr war es anders als sonst. 2013 ist ein Gedenkjahr: 75 Jahre sind seit dem „Anschluss“ vergangen, der Annexion Österreichs durch NS-Deutschland, andererseits wurde in diesem Jahr eine neue Ausstellung im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen fertiggestellt und Anfang Mai der Öffentlichkeit präsentiert. Daher gab es in diesem Jahr zwei große Feiern in Mauthausen: am 5.Mai die Eröffnungsfeier der neuen Ausstellung und am 12.Mai die alljährlich stattfindende Befreiungs- und Gedenkfeier – diesmal ohne Bundespräsident und mit weniger offiziellen Ansprachen.