Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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1. September 2023

Wessen Wahnsinn ist der Wahnsinn?

Über die Hintergründe des Ukrainekriegs und seine Folgen
von Albrecht Kieser

Kriegsfolgen. Wie der Kampf um die Ukraine die Welt verändert. Hrsg. von Hannes Hofbauer und ­Stefan Kraft. Wien: Promedia, 2023. 255 S., 23 Euro

Wer künftig über den Ukrainekrieg und seine Folgen mitreden will, muss dieses Buch gelesen haben. Es ist eine Pflichtlektüre zumindest für Menschen, die sich aus der kurzatmigen Betrachtungsweise lösen wollen, von der aus diese Schlächterei gemeinhin beurteilt wird.

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1. September 2023

Die langen Schatten der Migration

Sunjeev Sahota: Das Porzellanzimmer. Aus dem Englischen von ­Ulrike Wasel und Klaus ­Timmermann. München: Hanserblau, 2023. 240 S., 23 Euro
von Gerhard Klas

Leid und Schmerz prägen die beiden Hauptfiguren im Roman des Briten Sujeev Sahota, dessen Familie 1966 vom Punjab nach England einwanderte. Patriarchalische Machtstrukturen und rassistische Gewalt erzeugen bei ihnen nicht nur Sucht und Depression, sondern die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung.

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1. Juli 2023

Je prekärer die soziale Lage, desto freier dürfen wir uns ›lesen‹

Identitätspolitik spaltet und verdunkelt gemeinsame ­Klasseninteressen
von Gerhard Hanloser

Identität & Politik. Kritisches zu linken Positionierungen. Hrsg. Gerhard Hanloser. Mit Texten u.a. von Anne Seek, Christoph Jünke, Bernhard Schmid, Karin Wetterau, Ilse Bindseil, Moshe Zuckermann. Wien: Mandelbaum, 2022. 266 S., 22 Euro

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1. Juli 2023

Neue Osthilfe

Anmerkungen zu einer systemkonformen Westkritik
von Erhard Weinholz

Sechs Auflagen binnen weniger Wochen, vordere Ränge auf der Spiegel-Bestsellerliste: Dirk Oschmann, Jahrgang 1967, Professor für deutsche Literatur an der Leipziger Uni und einer der wenigen aus dem Osten stammenden Lehrstuhlinhaber hierzulande, scheint mit Der Osten: eine westdeutsche Erfindung* einen Nerv getroffen zu haben. Doch wen spricht sein Buch an?

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1. Juli 2023

Mumia Abu-Jamal: Texte aus dem ­Todestrakt. Essays eines politischen Gefangenen in den USA

Frankfurt am Main: Westend, 2023. 240 S., 25 Euro
von Peter Nowak

Am 24.April wurde Mumia Abu-Jamal 69 Jahre alt. In vielen Städten gab es aus diesem Anlass Veranstaltungen mit dem neuen Buch, das unter dem Titel Texte aus dem Todestrakt kürzlich im Frankfurter Westend-Verlag erschienen ist. Darin sind größtenteils Texte von Mumia veröffentlicht, die bislang noch nicht auf deutsch erschienen waren.

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1. Juli 2023

Eva Weissweiler: Villa Verde oder das Hotel in ­Sanremo. Das italienische Exil der Familie Benjamin

München: btb, 2022. 288 S., 22 Euro
von Manuel Kellner

Auf den ersten Blick erstaunt es, dass eine profilierte jüdische Publizistin auf der Flucht aus Nazideutschland ausgerechnet im faschistischen Italien für sechs Jahre ein Refugium gefunden hat, das auch immer wieder von ihrem geschiedenen Ehemann Walter Benjamin als »stiller Hafen« genutzt wurde. Ein genauerer Blick auf die Verhältnisse, die das ermöglichten, lohnt sich.

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1. Juni 2023

Der Kern der kapitalistischen Ausbeutung

Die Zurichtung des Leibes und die Entwicklung von Klassenbewusstsein
von Angela Klein

Wolfgang Hien: Die Arbeit des Körpers von der Hochindustrialisierung bis zur neoliberalen Gegenwart. Wien: Mandelbaum, 2022. 364 S., 25 Euro

Das Buch behandelt die Geschichte der deutschen und österreichischen Arbeiterbewegung aus der Perspektive der Vernutzung von Körper und Seele der Arbeiterinnen und Arbeiter. Betrachtet werden vor allem die Arbeitsbedingungen in der Grundstoffindustrie (Kohle und Chemie), der Stahlindustrie, Metallverarbeitung, Druckindustrie, in der Textilindustrie und in den Firmenbüros.

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1. Mai 2023

Krieg und Exil brütet Krieg und Exil

Das Wirken exilkroatischer Gruppen in Deutschland
von Peter Nowak

Matthias Thaden: Migration und Innere Sicherheit. Kroatische Exilgruppen in der ­Bundesrepublik Deutschland 1945–1980. Berlin: De Gruyter, 2022

Sie warfen die Sprengkörper in die jugoslawische Handelsmission. Dann übergossen sie Möbel, Teppiche und Akten mit Benzin, sodass binnen weniger Minuten alles in Flammen stand. Der Hausmeister der Handelsmission wurde im Beisein seines 12jährigen Sohnes durch einen Lungenschuss getötet.

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1. Mai 2023

Ein Bündnis mit Hindernissen

Zum Stand der Zusammenarbeit von Klimaaktiven und Gewerkschaften
von Jakob Schäfer

Sozial-ökologische Transformationskonflikte und linke Strategien. Prokla, Heft 210, März 2023. 176 S., 15 Euro

In insgesamt neun Beiträgen gehen die verschiedene Autor:innen auf die unterschiedlichen Konfliktkonstellationen von Umweltbewegung und abhängig Beschäftigten ein und erörtern mögliche Strategien für ein gemeinsames Programm.

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1. Mai 2023

Hobbes oder Rousseau?

Von falschen Geschichten und möglichen Ansätzen
von Manuel Kellner

Rutger Bregmann: Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit
Hamburg: Rowohlt, 2022. 479 S., 15 Euro

Dieses Buch nicht zu lesen, wäre keine gute Idee. Es ist in 55 Sprachen übersetzt worden und erreicht seit Jahren weltweit hohe Auflagen. Überaus erfreulich ist, dass viele junge Leute es zur Kenntnis nehmen und sich davon inspirieren lassen.

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1. April 2023

Der Spätkapitalismus

Ernest Mandel zum 100.Geburtstag (5.April)
von Ingo Schmidt

Ernest Mandel: Der Spätkapitalismus. Versuch einer marxistischen Erklärung. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1972. 541 S., antiquarisch noch zu haben

In Der Spätkapitalismus (dt., 1972) versucht sich Ernest Mandel an der Entzauberung des »Wirtschaftswunders«, d.h. des langen Aufschwungs, der dem »Zeitalter der Katastrophen« (Eric Hobsbawm) von 1914 bis 1945 folgte.

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1. April 2023

Vom Mythos des fortschrittlichen Imperialismus

Ernest Mandel über die Rolle der arbeitenden Klassen im Zweiten Weltkrieg
von Angela Klein

Ernest Mandel: Der Zweite Weltkrieg. Frankfurt am Main: ISP, 1991. 248 S., 17,50 Euro, über Manifest-Verlag zu beziehen

Als Ernest Mandel 1995 starb, nannte ihn die Taz den »letzten Klassenkämpfer«. Mit der Landnahme des westlichen Kapitals in Osteuropa und dem Siegeszug des Neoliberalismus schien Klassenkampf obsolet geworden zu sein; Identitätspolitik trat an dessen Stelle. Die multiplen Krisen, die uns seither heimsuchen, allen voran die laufende Produktion von failed states, der zunehmende Hunger in der Welt und über allem die Klimakrise, haben die soziale Frage aber wieder auf die Tagesordnung gesetzt. In welcher Weise der Klassenkampf innerimperialistische Kriege beeinflussen kann, zeigt Mandel am Beispiel des Zweiten Weltkriegs.

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