Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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1. September 2022

Ist Gasunabhängigkeit von Russland wirklich so eine gute Idee?

Gründe gegen einen kurzfristig vollständigen Verzicht auf russisches Gas
von Hanno Raußendorf

Dem Überfall Russlands auf die Ukraine begegnet auch Deutschland mit Sanktionen auf Gasimporte. Die Folgen sind einschneidend. Die dringend notwendige Klimawende gerät dabei aus dem Blick.

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1. September 2022

Eine Tobinsteuer für Warenterminmärkte

Die Finanzialisierung der Lebensmittelrohstoffmärkte und der ­Klimawandel sind auf Dauer die größten Preistreiber
von David Stein

Seit Anfang August das Abkommen zwischen Russland und die Ukraine über die Getreidelieferungen in Kraft getreten ist und von drei Häfen in Odessa wieder Getreide exportiert werden kann, sinken an den internationalen Rohstoffbörsen die Weizenpreise wieder auf Vorkriegsniveau; Mitte Mai 2022 hatten sie bisher nie erreichte Höhen erreicht. Gleiches gilt für Mais und Raps. Allein die Aussicht auf eine Einigung ließ dies die Preise sinken.

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1. September 2022

Eine Revolte der Natur

Was die Pandemie uns über den Wahn der Naturbeherrschung sagt
von Angela Klein

Wolfgang Hien: Eine Revolte der Natur. Gesellschaftskritik in ­Zeiten der Pandemie. Berlin: Die Buch­macher, 2022. 110 S., 8 Euro

Das Büchlein zählt nur 110 Seiten, doch die haben es in sich.

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1. September 2022

›Das zerbrechliche Paradies‹

Eine Ausstellung im Gasometer Oberhausen
von Rolf Euler

Der Gasometer in Oberhausen ist schon lange Ausflugsziel erster Güte und die Ausstellung, die jetzt dort läuft, ist noch einmal einen ausführlichen Besuch wert. Sie heißt »Das zerbrechliche Paradies« und betrifft den gegenwärtigen bedrohten Zustand des Lebenssystems Erde.

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1. Juli 2022

Aufruf

‹Klima schützen & Lützerath erhalten›
dokumentiert

Lützerath lebt ist eine der Initiativen, die den ­vorliegenden Aufruf initiiert haben
(https://luetzerathlebt.info/)

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1. Juli 2022

Zur Transformation in der Automobilindustrie

Klima in den Gewerkschaften, Arbeit in der Umweltbewegung
von Carsten Büchling

«Das Geschäftsmodell der Automobilindustrie, jedes Jahr 70 bis 80 Millionen neue Autos in den Weltmarkt zu pumpen, ist nicht mehr zeitgemäß. Mit einem Bestand von 1,4 Milliarden Autos weltweit ist die Grenze des Aushaltbaren für Mensch und Natur sehr wahrscheinlich erreicht.»*

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1. Juli 2022

Grünanlagen, Grünanklagen

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Diese langen hellen Sommerabende mit dem Fahrrad durch die Felder, die Gerste wird schon langsam gelb, der Roggen steht hoch, die Linden blühen und duften, und bis abends um halb elf singen die Vögel in den Gärten. In der Dämmerung Fledermäuse auf der Jagd nach den wenigen Mücken in diesen trockenen Wochen. Ja, das Ruhrgebiet ist «grüner geworden».

Ja, in den Städten gibt es grüne Oasen zwischen SUV-Stellplätzen, Straßenfluchten, Marktplätzen und Schottergärten. Ja, die Schwerindustrie ist fast völlig aus dem Blickfeld verschwunden, verschwunden die Arbeitsplätze, betoniert die Brachen. Aber dann: In der Abendstille und durch die Vogelstimmen das stetige Lärmen der fernen Autobahn. Im Kopf das Rumoren der Krisen unserer Tage, das nicht aufhören kann. Du könntest dich verlieren im Schönen, aber du kannst nicht vergessen, was der Krieg und die Klimakrise woanders anrichten. Und nicht vergessen: Diese Krisen werden hier mit erzeugt.
Vor fünfzig Jahren erschien das berühmte Buch Die Grenzen des Wachstums mit dem einfachen und klaren Hinweis, dass auf einer endlichen Erde kein ewiges Wachstum des materiellen Outputs möglich ist. 50 vertane Jahre? Im Jahr 2021 wurde der höchste Jahresausstoß an CO2 gemessen. Im Ruhrgebiet sind ehemalige Zechen zu Museen, Freizeiteinrichtungen, Spielorten, Brachen mutiert. Daneben wird heftig betoniert, Landschaft besiedelt, Gewerbegebiete ausgewiesen, Wohngebiete vor die Vorstädte gebaut. Allein der Autobahnerweiterungsbau frisst hektarweise Grünfläche. Die A43 von Münster nach Wuppertal wird zwischen Marl und Bochum-Witten sechsspurig ausgebaut. Ganze Waldgebiete am Rand verschwinden zugunsten meterhoher Lärmschutzwände. Eine Wiegeeinrichtung mit Schranken verhindert, dass schwere Laster über die marode Emscherbrücke fahren. Hunderte Millionen werden hier in den Autoverkehr investiert. Neben und auf alten Industriegebieten wachsen die Logistikhallen in die Breite und in die Höhe – Lastwagenverkehr inklusive. Die Forderung, den Personennahverkehr im Revier auf einen mit anderen «Metropolen» wie vielleicht Hamburg vergleichbaren Stand zu bringen, verhallen seit Jahren. Dafür dürfen die A40 rund um Bochum und die A57 von Marl über Gladbeck – mit Tunnellösung – nach Essen neu gebaut werden.
Eine große, landwirtschaftlich genutzte Grünlandschaft im Norden des Reviers, die Dortmunder Rieselfelder, soll seit Jahrzehnten der Ansiedlung neuer Industrien weichen. Hier sollte schon ein Atomkraftwerk, eine Autofabrik oder eine «New-Park» genannte Sonderwirtschaftszone errichtet werden. Noch fahren die Trecker, noch wandern die Störche ein, noch grünen die Wiesen, aber weder Rot-Grün noch Schwarz-Grün, weder große noch kleine Koalitionen in Düsseldorf oder im Ruhrparlament haben bisher dieses Umweltvergehen eingestellt und den Mahnungen von 1972, 1992, 2015 Rechnung tragen wollen.
Sorgen ums Klima? Wieso, das Ruhrgebiet ist doch so grün geworden…

1. Juli 2022

Reine Propaganda

‹Bundeswehr & Umweltschutz – ein unzertrennliches Paar›
von Kathrin Vogler

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 haben sich fast alle Staaten der Erde völkerrechtlich verbindlich verpflichtet, Maßnahmen zur ergreifen, den Klimawandel zu bekämpfen. Die fortgesetzte weltweite Aufrüstung, Rüstungsproduktion und Krieg stehen der Erreichung dieses Ziels allerdings auf vielfache Weise im Weg. Trotzdem blenden die beteiligten Staaten bis heute die Frage nach ihrem militärisch bedingten CO2-Fußabdruck systematisch aus.

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1. Juli 2022

‹Lerne du deinen Kopf in die Erde stecken›…

Die unwiderrufliche Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ruft Angst und Wut hervor. Wie kann die Klimagerechtigkeitsbewegung damit ­umgehen? Versuch einer Annäherung
von Matthias Becker

Die psychologische Forschung beschäftigt sich zunehmend mit Emotionen wie Angst, Wut und Trauer, die durch die ökologische Krise ausgelöst werden. Für die Klima­gerechtigkeitsbewegung ist der Umgang damit nicht einfach. Denn Angstbewältigung und Hoffnung können nur auf einer wirksamen gesellschaftlichen Reaktion gründen. Kann die Psychologie überhaupt einen Beitrag dazu leisten, die Klimakrise zu verstehen? Oder wenigstens, ihre mögliche Folge zu ertragen: das Ende der menschlichen Zivilisation?

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1. Juli 2022

Der laute Frühling

Ein Dokumentarfilm über Klima und Arbeitswelt von Johanna Schellhagen
von Moritz Binzer

­Der laute Frühling, Deutschland 2022, Dokumentarfilm, 62 Min., Regie: Johanna Schellhagen
Kinostart: 4.8.2022. Es werden lokale Gruppen gesucht, die eine Filmvorführung in einem Kino oder sozialen Zentrum organisieren möchten.

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1. Juli 2022

Pandemie und Klimakrise

Eine kopernikanische Wende ist eingeleitet, meint der Wissenschaftssoziologe Bruno Latour
von Gerhard Klas

Nach der Pandemie gibt es kein Zurück mehr zum alten Leben, meint der französische Philosoph und Wissenschaftssoziologe Bruno Latour in seinem neuesten Buch, das er vor dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine geschrieben hat. Die Klimakrise wird die Menschheit zu einem neuen Naturverständnis zwingen, zu mehr «Erdverbundenheit», wie der postmoderne Theoretiker formuliert. Eine Zäsur, die er mit der kopernikanischen Wende vergleicht.

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Nur Online 23. Juni 2022

Tschüss russisches Gas …

… hallo schnelle Dekarbonisierung
von Simon Pirani*

Drei Monate nach dem Krieg des Kremls gegen die Ukraine arbeiten europäische Politiker an Plänen, die Importe fossiler Brennstoffe aus Russland auf Null zu reduzieren. Die Europäische Kommission will die Gasimporte bis 2027 stoppen – Klimaschützer aber sagen, dies ist viel früher möglich.

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