Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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Sonstiges 13. März 2012

Literatur und Demenz

Von der Notwendigkeit einer literarischen Auseinandersetzung
von Tanja Schultz

Spätestens durch die Bekanntwerdung der Alzheimererkrankung des Fussballmanagers Rudi Assauers ist das Thema in der ganz breiten Öffentlichkeit angelangt. In den letzten Jahren widmeten sich vermehrt eminente Autoren der deutschsprachigen Literatur mit dem Thema. Tanja Schulz zeigt anhand konkreter Beispiele, wie wichtig und notwendig eine solche literarisch-künstlerische mit diesem so schwierigen Thema ist.

Buch 13. März 2012

Hans Rudolf Vaget, Thomas Mann, der Amerikaner

Frankfurt: Fischer, 2011, 545 S., 24,95 Euro
von Peter Fisch

Vom Cover der Studie von Vaget blickt uns der fast 70-jährige «Doyen des antifaschistischen deutschen Exils», Thomas Mann, an. Offensichtlich wurde das Foto im Garten seines Wohnhauses in Pacific Palisades am San Remo Drive, inmitten der «seven palms», aufgenommen. Es zeigt uns den Thomas Mann, wie wir ihn kennen, ganz seiner Rolle bewusst und entsprechend stilvoll gekleidet.

Film 13. März 2012

Michel Hazavanicius, The Artist

Frankreich 2011
von Angela Huemer

Schon bei der Titelsequenz, den «opening titles», merkt man, dass man hier nicht nur einen Film sieht, sondern eine Zeitreise unternimmt. Ein Stummfilm, kein Dialog, nur schwarz-weiß und noch dazu kein Breitband-Format, an das wir uns mittlerweile nicht nur im Kino gewöhnt haben. Kann das gut gehen?

Krimi 13. März 2012

Mike Nicol, payback

München: btb, 2011, 574 S., 9,99 Euro
von Udo Bonn

Mace Bishop und Pylon Buso haben sich im Guerillacamp der südafrikanischen Befreiungsbewegung kennengelernt und sind dann zu Waffenhändlern geworden. Jetzt, nach dem Ende der Apartheid, leben sie von einer besonderen Begleitagentur für begüterte Weiße: Zuerst geht’s zum Schönheitschirurgen und dann auf Fotosafari in einen der Nationalparks.

Film 13. März 2012

Theo Angelopoulos (1935–2012)

Studien zur europäischen Geschichte
von Paul B. Kleiser

Am 24.Januar 2012 wurde der griechische Filmregisseur Theodoros Angelopoulos bei den Dreharbeiten zu seinem neuen Film Das andere Meer, in dem er sich auch mit den Folgen der Finanzkrise für Griechenland auseinandersetzen wollte, beim Überqueren der Straße in Piräus von einem Motorrad erfasst. Er starb ein paar Stunden später im Krankenhaus. Er wurde 76 Jahre alt. Das Land verliert mit ihm seinen größten Filmemacher und das europäische Kino einen der bedeutendsten zeitgenössischen Regisseure.

Buch 5. Februar 2012

Hörbild zum Zionismus

Söldner gegen die Zukunft oder «Die einzige Demokratie im Nahen Osten». Hörbild zum Zionismus, Neu-Isenburg: Melzer-Verlag, 2011, 14,99 Euro

von Anton Holberg

Der Melzer Verlag hat ein überaus wichtiges, aus zwei CDs bestehendes Hörbuch zum Zionismus und dessen staatlicher Gestalt, Israel, herausgegeben. Von Bedeutung ist insbesondere die erste CD.

Buch 5. Februar 2012

Die Chancengewerkschaft

Martin Kempe: 10 Jahre Ver.di. Die Chancengewerkschaft, Münster: Westfälisches Dampfboot, 2011, 113 S., 9,80 Euro

von Helmut Born

Im letzten Jahr hat Martin Kempe, ehemals Chefredakteur der Ver.di-Zeitschrift Publik, in einem Essay die Geschichte der vereinten Dienstleistungsgewerkschaft aus seiner Sicht zu Papier gebracht. Dabei hat er einen gut lesbaren Text geschrieben. Dass ihn eine sehr spezielle Sicht darauf leitet, verwundert nicht. Allerdings sieht er manches zu positiv.

Buch 5. Februar 2012

Die Quandts: Reich geworden am Elend der anderen

Joachim Scholtyseck: Der Aufstieg der Quandts. Eine deutsche Unternehmerdynastie, München: C.H.Beck, 2011. 1184 S., 39,95 Euro

von Larissa Peiffer-Rüssmann

Der Bonner Historiker Joachim Scholtyseck legt erstmals im Auftrag der Familie Quandt die Firmengeschichte dieses deutschen Industrieimperiums offen.
Mit ihrem weit verzweigten Industrieimperium gehören die Quandts zu den reichsten Familien in Deutschland; das US-Wirtschaftsmagazin Forbes listete 2011 gleich drei Familienmitglieder unter den zehn reichsten Deutschen: Susanne Klatten auf Platz 3, Stefan Quandt auf Platz 5 und Johanna Quandt auf Platz 7.

Buch 5. Februar 2012

Hotel Lux

Ruth von Mayenburg: Hotel Lux. Die Menschenfalle. Mit Drehbuchnotizen von Heinrich Breloer, München: Sandmann, 2011, 384 S., 24,80 Euro

von Werner Abel

Die Kunde von dem Mord im fernen Mexiko im August 1940 versetzte die Bewohner des riesigen Hauses in der Moskauer Maxim-Gorki-Straße 10 in helle Aufruhr. In dem mächtigen Bau, der 1911 als Hotel errichtet und 1921 von der Kommunistischen Internationale zur Unterbringung ihrer nach Moskau gereisten Mitglieder requiriert worden war, wohnten noch immer Funktionäre der Komintern, aber auch Emigranten aus jenen Ländern, in denen die kommunistischen Parteien verboten worden waren.

Buch 5. Februar 2012

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts, Reinbek: Rowohlt, 2011, 426 S., 19,95 Euro

von Jürgen Meier

Dieser Roman ist wahrlich keine erbauliche Lektüre für Kommunisten, die, wie die Romanfigur Kurt, vierzig Jahre der SED die Treue gehalten haben, vielleicht im besten Glauben, auf diese Weise den Sozialismus zur Entfaltung bringen zu können, vielleicht aber auch nur, weil sie zu feige waren, die Welt nicht nur nach den Direktiven des ZK zu interpretieren, sondern sie Marschen Sinne permanent verändern zu wollen. Nach flüchtiger Lektüre scheint dieses mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnete Buch nichts anderes im Sinn zu haben, als den Sozialismus als Alternative zum Kapitalismus in den Dreck zu ziehen. Doch dieser Schein trügt.

Buch 5. Februar 2012

Poststalinistische Eierschalen

Herbert Meißner: Trotzki und der Trotzkismus, Berlin: Verlag Wiljo Heinen, 2011, 190 S., 13,50 Euro

von Paul B. Kleiser

Es gibt keine Figur der modernen Geschichte, die in einem solchen Umfang geschmäht und verleumdet worden ist wie der russische Revolutionär Leo Trotzki. Auch in der Nachkriegszeit erschienen im Ostblock in regelmäßigen Abständen Schriften, die seine Ansichten «widerlegten»; gleichwohl konnte man die «Widerlegungen» nicht überprüfen, da sich Trotzkis Schriften im Giftschrank befanden.

Buch 5. Februar 2012

Paradies in schwerer Zeit

Thomas Blubacher: Paradies in schwerer Zeit. Künstler und Denker im Exil in Pacific Palisades, München: Sandmann, 2011, 169 S., 29,90 Euro

von Peter Fisch

Tausende Kilometer hatten sie hinter sich gelassen, Staatsgrenzen, Berge und Ozeane, um hierher zu gelangen mit dem alles beherrschenden Ziel, dem Terror und Tod, all dem, was ihnen in Nazideutschland drohte, zu entgehen. Es waren meist deutschsprachige Intellektuelle, denen es gelang, überwiegend von Südfrankreich aus, den Pazifik zu erreichen.
So entstand eine einzigartige «Republik des Geistes» in Südkalifornien, ein «überdimensioniertes Sanary-sur-mer» (die Gemeinde an der Côte d’Azur beherbergte im Zweiten Weltkrieg zahlreiche deutsche Emigranten, von denen einige später in Los Angeles wieder zusammentrafen).