Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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Buch 1. November 2013

Jörg Huwer: «Gastarbeiter» im Streik

Die Arbeitsniederlegung bei Ford im August 1973. Köln: Edition DOMiD, 1973. 114 S., 12 Euro
von Dieter Braeg

In seinem Vorwort schreibt Manfred Kolb, Geschäftsführer von DOMID (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V.): «Zweifellos war der Ford-Streik ein deutliches Zeichen für das Ende der ‹Gastarbeiterzeit›. Die bereits zuvor aufgetretenen Fragen nach dem ökonomischen Nutzen und den sozialen Folgen der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte wurden noch kritischer diskutiert. Die Bundesregierung reagierte auf ihre Weise: Knapp drei Monate nach Ende des Streiks verkündete sie im November 1973 den offiziellen Anwerbestopp für ausländische Arbeitskräfte.»

Film 1. November 2013

Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand

Deutschland 2012
von Gaston Kirsche

Bei der aktuell erhältlichen DVD-Fassung fehlt der Name des Regisseurs. Der Grund: Es bestand keine Einigkeit mit der Produktionsfirma und den beteiligten Sendern darüber, wie die Geschichte erzählt werden sollte. Vielleicht bezeichnend für einen Film über die Treuhand, denn hier ist jüngste Zeitgeschichte Thema, seit der Einverleibung der DDR durch die BRD, mit deren Folgen, deren sozialen Verwerfungen wir alle leben.

Krimi 1. November 2013

Robert Wilson: Stirb für mich

München: Page & Turner, 2013. 537 S., 14,99 Euro
von Udo Bonn

London, Anfang März 2012, die Olympischen Spiele stehen bevor. Die Erwartungen des Establishments an das Großereignis sind groß, positive Auswirkungen auf die Märkte sind eingeplant. Wie ein i-Tüpfelchen auf die gespannte Stimmung wirkt da das Angebot des charismatischen indischen Aufsteigers Frank D’Cruz, eine Elektroautofabrik im entindustrialisierten England zu errichten. Dann aber wird D’Cruz’ Tochter Alyshia entführt.

Geschichte 1. November 2013

Die Völkerschlacht von Leipzig, oder:

Die Geburt der deutschen Nation aus dem Geist des Krieges
von Angela Klein
In der deutschen Geschichtsschreibung gilt die Völkerschlacht von Leipzig als die Geburtsstunde der deutschen Nation: Die Erhebung gegen die napoleonische Fremdherrschaft habe erstmals ein Nationalbewusstsein herausgebildet, das, über viele Rückschläge hinweg, 1871 zur Bildung des Deutschen Reichs und damit zu einem deutschen Nationalstaat geführt habe. Dieselbe Geschichtsschreibung vermerkt mit Stolz, dieser Weg der Nationenbildung sei ohne die Gräueltaten der Französischen Revolution ausgekommen.

Buch 1. Oktober 2013

Haben wir ein Umweltproblem, weil es zuviele Menschen gibt?

Stephen Emmott, Zehn Milliarden. Berlin 2013: Suhrkamp Verlag, 206 Seiten, 14,95 Euro. Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger.
von Gerhard Klas

Seit dem spektakulären Scheitern des Weltklimagipfels Dezember 2009 in Kopenhagen ist das Thema Erderwärmung in der veröffentlichten Meinung zunehmend in den Hintergrund gerückt. Mit der Veröffentlichung des neuesten Berichts des Weltklimarates unter dem indischen Direktor Rajendra Pachauri Ende September ist die Aufmerksamkeit wieder etwas gestiegen.

Buch 1. Oktober 2013

Duisburg. Eine Stadt wird zerstört

Roland Günter: Stadtmassaker und Sozialverbrechen. Studie zur Kommunalpolitik am Fallbei(l)spiel ‚Stadtzerstörung und Stadtentwicklung in Duisburg‘. Essen 2013, Klartext-Verlag. 432 Seiten mit vielen Bildern, 23,95 Euro.
von Leo Löwe

Nein, dieses Buch wirft den Leser nicht in eine tiefe Depression, wie der Autor im Vorwort selbst vermutet und wofür er angesichts der geschilderten Ungeheuerlichkeiten in Duisburg allen Grund hat. Nein, dieses Buch, die dargestellten Vorgänge machen wütend. Sie machen mich so wütend, dass ich mich wundere, dass die Menschen in Duisburg nicht längst zu ganz anderen Mitteln als dem gesprochenen Wort und der politischen Debatte greifen.

Buch 1. Oktober 2013

Wie Bund und Länder bei der NSU-Aufklärung versagen

Bodo Ramelow (Hg.), „Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen. Wie rechter Terror, Behördenkumpanei und Rassismus aus der Mitte zusammengehen“. Hamburg 2013: VSA, 238 Seiten, 12,80 Euro
von Andreas P. Zaleshoff

„958 Seiten Inkonsequenz“. So lautete kurz und knapp die Beurteilung des Abschlussberichts des Bundestagsuntersuchungsausschusses durch die sächsische Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. Köditz ist Obfrau der LINKEN im sächsischen Untersuchungsausschuss, der sich allerdings – ein wichtiger Unterschied – als Gegenstand der Arbeit „Neonazistische Terrornetzwerke in Sachsen“ vorgenommen hat.

Buch 1. Oktober 2013

Eine Linie von Lassalle zu Peer Steinbrück?

Ralf Hoffrogge: Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland.
Von den Anfängen bis 1914. 215 Seiten, Stuttgart 2011: Schmetterling Verlag, 10 Euro.

von Jörg Roesler

Vor 150 Jahren, am 23. Mai 1863, gründete Ferdinand Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Das Datum gilt als Geburtsstunde der Arbeiterbewegung in Deutschland und wurde im vergangenen Mai groß begangen – meist unter dem Titel „150 Jahre Sozialdemokratie“. Doch führt wirklich eine gerade Linie von Ferdinand Lassalle zu Peer Steinbrück?

Buch 1. Oktober 2013

Kein Kochbuch

Reinhard P.Gruber, „Einfach Essen!“ Kochbuch für die harten Zeiten. 120 Seiten. Graz-Wien 2010: Literaturverlag Droschl. 18 Euro
von Dieter Braeg

Über den Autor Reinhard P.Gruber, muss man doch mehr als nur einige lobende Worte erwähnen. Er hat viele gute Texte geschrieben, er wäre es wert, im deutschsprachigen Raum mehr gelesen zu werden. Da wäre zum Beispiel sein Buch „Nie wieder Arbeit“ da kann man ein Manifest lesen, hier eine kurze „Kostprobe“:

Krimi 1. Oktober 2013

Der Polizist aus der Bronx

Jerome Chagrin, Unter dem Auge Gottes. Diaphanes 2013, 285 Seiten, 16,95 Euro
von Udo Bonn

Der Krimidelikatessenzubereiter Thomas Wörtche hat es – jetzt als Herausgeber der Penser-Pulp-Reihe – wieder einmal geschafft, Feines auf den Büchertisch zu zaubern. Kurz nach seinem Erscheinen in den USA liegt die Übersetzung von Jerome Charyns Roman „Unter dem Auge Gottes“ auf deutsch vor.

Film 1. Oktober 2013

Aus dem Widerstand gegen die chilenische Militärdiktatur

Calle Santa Fe, Chile 2007. Regie: Carmen Castillo, Länge: 163 Minuten
von Gaston Kirsche

Calle Santa Fe ist ein sehr persönlicher Film aus dem Widerstand gegen die chilenische Militärdiktatur. Den Putschisten vom 11. September 1973 ist es nicht gelungen, den Kampf und die Erinnerung daran auszulöschen.

Zur Person 1. Oktober 2013

„Unser Leben ist der Mord durch Arbeit“

Zu Georg Büchners 200. Geburtstag
von Paul B. Kleiser

Im 19.Jahrhundert gibt es nach 1815 in der deutschen Literatur niemanden, der Büchner sowohl in der Radikalität seiner Ansichten und Poetik wie der Tiefe seiner Philosophie gleichkäme. Daher hat es unzählige Versuche gegeben, dem revolutionären Büchner’schen Werk den Zahn zu ziehen und es als „poetischen Realismus“, als „existentialistisch“ oder geschichtsfatalistisch zu deuten.