25 Jahre Mauerfall
Teildeutsche Geschichtslegenden
von Arno Klönne
Den «Nationalfeiertag» am 3.Oktober, die Erinnerung an den Tag des Beitritts der DDR zur BRD, haben wir wieder einmal hinter uns. Große Gefühle erzeugt er nicht. Das mag auch an dem Nebel liegen, der sich über seine lange Vorgeschichte gelagert hat.
Phoenix – eine Filmkritik
Was dabei herauskommt, wenn ideologische Verblendung die Feder führt
Phoenix: Deutschland 2014. Regie: Christian Petzold. Mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf
von Paul B. Kleiser
Alfred Hitchcock sagte einmal von seinen Filmen, er gestatte es der äußeren Realität nicht, ihr gemeines Haupt zu erheben. Seine Filme funktionieren daher als eine Art Doppelgänger der Realität, wie Träume bzw. Alpträume; ein Verweis auf Vertigo, Psycho oder Die Vögel sollte hier zur Verdeutlichung dieses Sachverhalts genügen.
Marianne Faithfull
Give my love to London (Naive/Lotus Records)
von Dieter Braeg
Marianne Faithfull hat in ihrem Leben viele wichtige Leute, die ihr halfen und helfen, wo sie nur konnten, so gut sie konnten. Mick und Keith, die beiden Rolling Stoners, schrieben ihr einen Nummer-1-Hit. Dann waren es Wirte und Drogendealer, die ihr alles das besorgten, was sie fürs Leben, oder auch nicht, haben wollte.
Das große Museum
Österreich 2014. Regie: Johannes Holzhausen
von Angela Huemer
Ein großes, ein sehr großes Bild wird in prunkvollen Räumen vorsichtig abgehängt. Kaiserin Maria Theresia und ihre Kinder sind darauf zu sehen. Es soll renoviert werden. Das Bild hängt in der Präsidentschaftskanzlei, eine barocke Raumfluchtpracht, eigentlich unangemessen für den Präsidenten einer kleinen europäischen Republik.
The Cut
Deutschland u.a. 2014. Regie: Fatih Akin
von Angela Huemer
Der junge Schmied Nazaret holt seine Zwillingstöchter von der Schule ab. Er fragt die Lehrerin, wie sie sich denn so machen und erfährt, dass es mit der Geografie ein wenig hapert. Er fragt die Töchter nach der Hauptstadt Frankreichs, nun ja, wenigstens eine der beiden weiß die Antwort. Ein Kranich fliegt über sie hinweg und Nazaret erklärt seinen Töchtern, dies sei ein Vorbote für eine lange Reise, wer einen Kranich sieht, so sagt man, wird eine lange Reise unternehmen. Vielleicht unternehmen sie ja gemeinsam diese Reise, fügt er noch hinzu.
Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer
München: Wilhelm Heyne, 2014. 320 S., 9,99 Euro
von Udo Bonn
Der Autor Joe R.Lansdale ist in dieser Kolumne schon mehrfach vorgestellt worden, zum ersten Mal vor über zehn Jahren mit dem Roman Die Wälder am Fluss, spielend in den Sumpfgebieten von Osttexas, erzählt aus der Sicht des 11jährigen Harry Crane, der in den Wäldern um den Sabine River die Leiche einer mit Stacheldraht gefesselten Schwarzen findet. Ku-Klux-Klan oder der mythologische Ziegenmann?
Georg Trakl, 1887–1914
Eine Dichterexistenz am Vorabend des Ersten Weltkriegs
von Dieter Braeg
«Inzwischen habe ich viel gelesen: ergriffen, staunend, ahnend und ratlos; denn man begreift bald, dass die Bedingungen dieses Auftönens und Hinklingens unwiederbringlich einzig waren, wie die Umstände, aus denen eben ein Traum kommen mag.
Denn Trakls Erleben geht wie in Spiegelbildern und füllt seinen ganzen Raum, der unbetretbar ist, wie der Raum im Spiegel.
Wer mag er gewesen sein?»
Rilke über Trakl
Tails – The amnesic incognito live system
Hefte zur Förderung widerständigen Praxis gegen den digitalen Zugriff, Bd.1, 36 S.*
von Florian Osuch
Kaum eine Woche vergeht ohne Meldungen von Datendiebstahl, neuer Schadsoftware, Computerviren oder Überwachungsskandalen der Geheimdienste. Die Cyberspione in Berlin, London, Paris, Washington und Moskau bespitzeln sich gegenseitig und schneiden alles mit, was ihnen zwischen die Finger oder vor den Bildschirm gerät.
Tayfun Guttstadt: Çapulcu
Die Gezi-Park-Bewegung und die neuen Proteste in der Türkei. Münster: Unrast, 2014. 327 S., 18 Euro
von Bernard Schmid
Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Türkei riefen im vergangenen Jahr zeitweilig erhebliche Hoffnungen in fortschrittlichen Kreisen hervor, brachte doch die breite Protestbewegung ab dem Juni 2013 die Verhältnisse auf spektakuläre Weise zum Tanzen. Nichtsdestotrotz gewann die islamistisch-wirtschaftsliberale Regierungspartei unter Recep Tayyip Erdogan (AKP) vielerorts sowohl die Kommunalwahlen im März dieses Jahres als auch die Präsidentschaftswahl im August.
Wolfgang Leonhard 1921-2014
Die Revolution entlässt ihre Kinder
von Manuel Kellner
Am 17.August 2014 ist Wolfgang Leonhard im Alter von 93 Jahren gestorben. Berühmt wurde er wegen seines zuerst 1955 erschienenen autobiografischen Buchs Die Revolution entlässt ihre Kinder.
Eve Blau: Rotes Wien
Architektur 1919–1934. Wien: Ambra, 2014. 532 S., 102,13 Euro
von Fritz Keller
Nach dem Zusammenbruch der k. und k. Monarchie bracht Wiens sozialdemokratischer Gemeinderat 1919 ein radikales Reformprogramm zur Umgestaltung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur von Österreichs Hauptstadt nach sozialistischen Leitlinien auf den Weg. Kernstück dieses Programms und zugleich die dauerhafteste Errungenschaft des «Roten Wien» war die Errichtung der Wiener Gemeindebauten:
Eurovisionen
Aspekte und Entwicklungen der europäischen Repressionsstruktur. (Hrsg. Redaktionskollektiv Hamburger Roten Hilfe.) Hamburg: Laika, 2014. 132 S., 17 Euro
von Florian Osuch
Der Sammelband skizzierte aktuelle Trends der Innen-, Außen- und Sicherheitspolitik in der Europäischen Union. Die Hamburger Ortsgruppe der linken Solidaritätsorganisation Rote Hilfe hat dazu elf Beiträge zusammengestellt.