Ernesto Kroch, 1917–2012
Arbeiter und Widerstandskämpfer gegen mehrere Diktaturen
von Gert Eisenbürger
Ich traf Ernesto zum ersten Mal 1990 in Montevideo. Im Gepäck hatte ich seine Autobiographie «Exil in der Heimat – Heim ins Exil». Durch sie hatte ich Einiges über seine Geschichte erfahren:
Essen 1952: «Feuer frei!»
Philipp Müller – erstes Todesopfer der BRD-Repression
von Arno Klönne
Die damals in Hamburg erscheinende Tageszeitung Die Welt meldete am 12.Mai 1952 in großer Aufmachung:»Getarnte FDJ schießt auf Polizei in Essen. Demonstration gegen Generalvertrag. Ein Toter und zahlreiche Verletzte.»
Leben und Tod des Jakob van Hoddis
von Peter Fisch
Es scheint eine Widersinnigkeit zu sein. Jakob van Hoddis (eigentlich Hans Davidsohn) gehört zu den großen, aber weitgehend unbekannten Berühmtheiten der deutschen Literatur jüdischer Herkunft.
Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels
München: Liebeskind, 2012, 303 S., 19,80 Euro
von Udo Bonn
Im mittleren Westen gibt es viele Orte, die nach den wirtschaftlichen und sozialen Verwüstungen der Großen Depression keine Erholung erfahren haben. Die Heimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg finden aufgegebene Fabriken und unbestelltes Land vor, und bis sie ihre Söhne knapp 20 Jahre später in den Vietnamkrieg ziehen lassen, hat sich bis auf die Musik und die nächste Autogeneration nichts geändert.
Die Farbe des Ozeans
Deutschland/Spanien 2011, Regie: Maggie Peren
von Angela Huemer
Der Film beginnt mit einem langen Prolog. Eine junge Frau klopft heftig an Tür und Fenster, José ruft sie, José. José liegt noch im Bett, er hört sie – doch er ignoriert sie. Er stellt sich unter die Dusche und hält sich die Ohren zu.
Der Dichter und das Phantasieren
Nachwort zur Debatte um Günter Grass
von Helmut Dahmer
In einem poetologischen Essay Sigmund Freuds heißt es: «Man darf sagen, der Glückliche phantasiert nie, nur der Unbefriedigte. Unbefriedigte Wünsche sind die Triebkräfte der Phantasien, und jede einzelne Phantasie ist eine Wunscherfüllung, eine Korrektur der unbefriedigenden Wirklichkeit.»
Die Ideologie der Ungleichwertigkeit
Zehn Jahre «Deutsche Zustände»
von Christian Linde
Zehn Jahre lang hat das Team um den Soziologen Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld zur «gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit» geforscht. In dieser Zeit hat sich die Bundesrepublik verändert.
Diagonale 2012
Festival des österreichischen Films
von Kurt Hofmann
Eine Leistungsbilanz, ein Blick auf das breite Spektrum unterschiedlicher Formen, ein unprätentiöser Versuch von Gegenöffentlichkeit mit filmischen Mitteln: All dies und mehr ist das Festival des Österreichischen Films, die Diagonale. Der Ort ist Graz, die Ausgabe war die fünfzehnte.
Buch: Ingrid Bachér: Die Grube.
Roman, Berlin: Dittrich, 2011, 173 S.
von Dieter Braeg
Ohne Kriegserklärung gibt es zwischen Köln und Mönchengladbach eine Gegend, die Menschen heimatlos gemacht hat und wohl auch noch macht, dort gibt es eine tote Landschaft.
Landschaft? Nein, es ist ein Bild der Zerstörung, verursacht durch Kapital und Politik. Blühende Landschaften verrecken, Schaufelradbagger, deren größter am Tag (!) 240.000 Kubikmeter Erde, also Landschaft, „bewegt», damit RWE Power Geschäfte macht – auf Kosten der Menschen, ihrer Gesundheit und gegen ihre Interessen.
Kai Degenhardt
Näher als sie scheinen. Plattenbau, 13 Euro
von Peter Nowak
«Auch meine fünfte Platte ist selbstverständlich wieder ein politisches Liedermacher-Album – was sonst? Allerdings nicht in dem Sinne, dass ich zur Klampfe singend tagespolitische Themen erörtere», schreibt der Hamburger Liedermacher Kai Degenhardt auf den Waschzettel zu seiner kürzlich veröffentlichten CD Näher als sie scheinen.
Film: Generation Kunduz – Der Krieg der Anderen
Dokumentarfilm, BRD 2011, Regie: Martin Gerner
von Rolf Euler
Das Beeindruckendste an diesem Film sind die Nahaufnahmen von Mirwais, dem zehnjährigen Jungen aus Afghanistan, der uns erzählt, warum der Krieg schlecht ist: Er kann nicht richtig zur Schule gehen, er muss Schuhe putzen, er wärmt sich die Hände am Straßengrill, riecht die gebratenen Stücke und kauft sich nichts zu essen, um das wenige Geld nach Hause zu bringen. Mirwais erklärt uns den Krieg – den man in dem Film nicht sieht, aber immer im Hintergrund spürt – nur zwei-, dreimal fahren deutsche gepanzerte Fahrzeuge durchs Bild – das ist der Krieg der anderen, und der Film zeigt afghanische junge Menschen, die die Folgen täglich zu spüren bekommen.
Krimi: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale
Berlin: Aufbau, 2012, 575 S., 12,99 Euro
von Udo Bonn
Vecchio ist der alte geheime Hintermann der politischen Geschäfte im Italien der 70er Jahre. Während sich im Roman Der Leopard von Giuseppe Tomasi di Lampedusa die Verhältnisse noch ändern müssen, damit alles so bleibt, wie es ist, reicht es hundert Jahre später aus, alles wie bei einer Jonglage in Bewegung zu halten, um den gesellschaftlichen Status quo abzusichern.