Angriffe auf die Arbeitszeit
›Wir haben allen Grund, die Fäuste zu ballen‹
Rede von Nicole Mayer-Ahuja
Zum 1.Mai war Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie, nach Weinheim eingeladen. Sie setzte sich dort mit dem Plakat des DGB zum 1.Mai auseinander. Wir bringen Auszüge aus ihrer Rede, die sich mit den geplanten Angriffen auf die Arbeitszeit und unseren Alternativen befasst.
Tarifrunde ÖPNV: Testfall für Verkehrswende
Tarifrunde Nahverkehr und die Verkehrswende
von Helmut Born und Gerhard Klas
Die Tarifauseinandersetzungen im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) verlaufen in diesem Jahr nach dem bekannten Muster – und markieren zugleich eine neue Dimension gewerkschaftlicher Koordination.
Die Ambivalenz der Mitbestimmung
Betriebsräte: ein widersprüchliches, umkämpftes Terrain
von Andreas Buderus
Als »größte demokratische Wahlen in diesem Land« werden Betriebsratswahlen häufig bezeichnet. Millionen Beschäftigte sind noch bis zum 31.Mai aufgerufen, ihre gesetzliche Interessenvertretung zu wählen. Aber schon hier bekommt das Bild Kratzer: Heute verfügen nur noch weniger als zehn Prozent der Betriebe überhaupt über einen Betriebsrat.
Reallohnverluste sind kein Erfolg
Warum der Tarifvertrag der Länder nicht schönzureden ist
von Orhan Akman
Es ist eine Sache zu sagen: »Wir haben ein Ergebnis«, eine andere Sache zu sagen: »Wir haben den Tarifabschluss erkämpft!« Allein durch diese Wortwahl, mit der die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di im Februar den Abschluss der Tarifrunde der Länder (TVL) bekannt gab, wird Kennern solcher Verhandlungen schnell klar: Für Beschäftigte kann das erzielte Ergebnis kein Gutes sein.
Siemens Energy
Gewählte Betriebsrätin darf nicht ins Werk
von Gerhard Klas
Noch bis zum 31.Mai 2026 werden neue Betriebsräte gewählt. Allein in der Metall- und Elektroindustrie sind es rund 50.000. Diese Wahlen erhalten kaum mediale Aufmerksamkeit. Der Konflikt um Isabella Paape, Spitzenkandidatin der Liste »Gemeinsam aktiv« im Erlangener Werk des Konzerns Siemens Energy, macht dabei nochmal deutlich, welche Bedeutung Betriebsratswahlen haben können.
Anpassung
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Am Ende des letzten Jahres kündigten große Unternehmen den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen an – Siemens, Ford, Zalando usw. Es ist fast wie vor vielen Jahren, mit dem Unterschied, dass die Unternehmen auf der anderen Seite Facharbeiter dringend suchen.
Zahlensalat
Tarifauseinandersetzungen, Pendlerpauschale und soziale Ungleichheit
von wop
Kurz nach Redaktionsschluss haben die Verhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder begonnen. Ver.di und die GEW fordern 7 Prozent mehr Einkommen – mindestens monatlich 300 Euro. Die Ausbildungsvergütung soll um 200 Euro steigen und die Laufzeit des Tarifvertrags auf zwölf Monate beschränkt werden.
138 Tage aktiv gegen DuMont-Schauberg
Ein Streik wie aus einem Krimidrehbuch
von Ayse Tekin
Streik doch einfach mit! 138 Tage Arbeitskampf beim Bundesanzeiger Verlag. Hrsg. Jan Schulze-Husmann et al. Hamburg: VSA, 2025. 168 S., 12 Euro
Das Buch ist handlich und hat nur 165 Seiten, erzählt aber eine Geschichte wie aus dem Lehrbuch des Klassenkampfs gegen den Kapitalismus.
›Streiks mehr Sichtbarkeit nach außen geben‹
Labournet TV stellt Filme über Arbeitskonflikte zur Verfügung und produziert auch selbst welche
Gespräch mit Johanna Schellhagen
Johanna Schellhagen hat 2011 Labournet TV mitgegründet. Sie dreht, produziert und schneidet Videos und Dokumentarfilme. Mit ihr sprach Gaston Kirsche über ihre Arbeit als Filmverleih und Produktionskollektiv.
Klima und Klassenkampf
Wer zahlt den Preis der Zerstörung?
von John Clarke
Wenn wir an Klassenkampf denken, sehen wir meist Streiks oder Proteste gegen Sozialabbau. Doch die Klimakatastrophe wird zum zentralen Konfliktfeld der Arbeiter:innenbewegung werden. Denn wie bei der Covid-Pandemie treffen ihre Folgen Menschen ungleich – entlang sozialer, rassistischer und globaler Spaltungen.
„Ich möchte nicht arbeiten, wenn ich krank bin“
Lieferando-Rider kämpfen gegen moderne Tagelöhnerei
von Gerhard Klas
Lieferando galt in der Branche lange als Vorzeigeunternehmen. Der Großteil der Fahrer ist direkt fest angestellt und es gibt Betriebsräte an mehreren Standorten. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Im Juli kündigte Lieferando an, 2000 fest angestellte Kuriere zu entlassen und stattdessen auf Fleetlery und weitere Subunternehmer zu setzen.
24stündiger Vollstreik
›Wir bleiben Ford – gemeinsam weiterkämpfen für Köln‹
von Manfred Neugroda
Am 14.Mai 2025 haben die Kolleginnen und Kollegen von Ford Köln einen 24stündigen Vollstreik für einen Sozialtarifvertrag in den drei Standorten Niehl/Produktion, Merkenich/Entwicklungszentrum und Merkenich/Ersatzteilzentrum durchgeführt. Zu den Kundgebungen an den Toren haben sich jeweils mehr als 500 Kolleg:innen eingefunden.
Was Belegschaften vom ›Fall Gillette‹ lernen können
›Man darf dem Management einfach nichts glauben‹
Gespräch mit Jutta Schneider und Hermann Nehls
Standort, Standort über alles – in Zeiten der Krise kommen solidarische Konzepte schnell unter die Räder. Das gilt auch für die Situation heute und die Haltung vieler Gewerkschafsfunktionäre und Betriebsräte: Die Rettung eigener Arbeitsplätze auf Kosten von anderen erscheint als einzige (Not-)Lösung.
Aber es gibt auch Gegenbeispiele. Der »Fall Gillette« ist jetzt in einem Buch mit dem Titel Solidarität statt Konkurrenz im Verlag Die Buchmacherei veröffentlicht worden. Mit zwei der Autor:innen, Jutta Schneider (JS), langjährige Betriebsrätin von Gillette in Berlin, und Hermann Nehls (HN), Unterstützer und damals Sozialsekretär des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, sprach Gerhard Klas über eine beispielhafte Auseinandersetzung, die nichts an Aktualität verloren hat.
Ver.di-Abschluss: Kein Geld für den öffentlichen Dienst
Die Tarifrunde vertieft den Riss zwischen Basis und Gewerkschaftsführung
von Andreas Buderus
»Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. Sie verfehlen ihren Zweck zum Teil, sobald sie von ihrer Macht einen unsachgemäßen Gebrauch machen. Sie verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als einen Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, d.h. zur endgültigen Abschaffung des Lohnsystems.«
Karl Marx: Lohn, Preis und Profit, 1865
Literatur im Zeichen des Klassenkampfs
Das dritte Working-Class-Literaturfestival – Campi Bisenzio, 4.–6.April 2025
von Eva Gaßen und Riccardo Schreck
Die Sonne scheint heiß auf die Via Fratelli Cervi, die zur Ex-GKN-Fabrik in Campi Bisenzio führt. Ebenso wie die namensgebenden Cervi-Brüder – allesamt Partisanen, die von den Faschisten getötet wurden – ist der Kampf des Fabrikkollektivs Ex-GKN gegen den Investmentfonds Melrose bereits heute in die Geschichte der italienischen Arbeiter:innenbewegung eingegangen.
›Wir sind der öffentliche Dienst‹
Arbeitgeber suchen die Machtprobe
von Levent Hacioglu
Der öffentliche Dienst begleitet einen von morgens bis abends und von der Geburt bis zum Tod. Wenn wir morgens das Licht anschalten, duschen gehen, mit der Straßenbahn fahren, die Geburt eines Kindes erleben, heiraten, krank sind oder unsere Liebsten bestatten – immer nehmen wir den öffentlichen Dienst in Anspruch.
Teure Yachten, Autos und ein exzentrischer Lebensstil
Gewerkschaft ›stört‹ verschuldeten Prothesenhersteller Ottobock
von Gerhard Klas
Abmahnungen an kritische Beschäftigte, außerordentliche Kündigung von Betriebsräten, verweigerter Zugang zum Werksgelände für Gewerkschaftssekretäre: Bei Ottobock, dem Weltmarktführer für Prothesen und mit 1600 Beschäftigten zweitgrößten Arbeitgeber in Duderstadt (Südniedersachsen), herrscht seit Monaten Ausnahmezustand.
Drohendes Berufsverbot
›Was mich am meisten radikalisiert hat, war der Staat selbst‹
Statement von Lisa Poettinger
Am 22.November hat das Bayrische Kultusministerium in einem Schreiben an Lisa Poettinger ankündigt, ihr die Zulassung zum Referendariat für das Lehramt zu versagen. Daraufhin hat Lisa am 16.Dezember eine lange Antwort geschrieben, in der sie schildert, warum sie dieses Referendariat machen will.
Bisher gibt es keine Rückmeldung des Kultusministeriums dazu, obwohl das Referendariat bereits Mitte Februar beginnen sollte. Der nachfolgende Text ist Lisa Poettingers Statement von ihrer Pressekonferenz am 31.Januar 2025.
500 Jahre Bauernkrieg
Der Pfeifer von Niklashausen
von Angela Klein
Zeitig im Frühjahr 1476 liefen Zehntausende »Handwerksknecht aus den Werkstätten, die Baurenknechte von dem Pflug und die Grasemägde mit ihren Sicheln und Stümpfen, ohne allen Uhrlaub ihrer Meister und Obrigkeit dahin, liessen liegen Werkzeug, Pflüge, Kötzen und anders, und reiseten in den Kleidern, darinnen sie diese Tobesucht begriffe, gen Niclashausen. Der mehrere Teil aus ihnen hatte keine Zehrung, die aber, zu denen sie auf dem Wege einkehrten, versahen sie mit Essen und Trinken. Und war der Gruß unter ihnen nicht anders, denn Bruder und Schwester.«
VW-Tarifabschluss
Niederlage für die Beschäftigten
von Thorsten Donnermeier
Ungewöhnlich, dass es so lange dauerte: Bis Redaktionsschluss lag der Tarifvertrag noch nicht vollständig in gedruckter Version vor. Doch was über die Ergebnisse durchgesickert ist, macht eines klar: Der Vertrag, unterzeichnet von der Tarifkommission der IG Metall und dem VW-Vorstand kurz vor den Weihnachtstagen, ist nicht das »Weihnachtswunder«, als das er der Öffentlichkeit verkauft wurde.
Europäisches Workers-Economy-Netzwerk
Vernetzung von Betrieben in der Hand der Arbeitenden
von Elisabeth Voß
Angesicht sich zuspitzender Krisen sind Gegenwehr und Alternativen notwendiger denn je. Seit zehn Jahren vernetzen sich europäische Betriebe, die von den Beschäftigten übernommen wurden. Von Anfang an lag der Schwerpunkt auf dem Mittelmeerraum und öffnete sich auch für Neugründungen ohne Vorgeschichte von Betriebsbesetzungen. Willkommen wären ebenfalls Betriebe aus anderen europäischen Ländern, die sind aber bislang nicht vertreten.
Der Bauernkrieg in Lindau
Broschüre über die Erhebung der Bauern am Bodensee und im Allgäu
von ak
Karl Schweizer, Johannes C. Wolfart: Der Bauernkrieg 1525/26 in Stadt und Landkreis Lindau. Lindau: Edition Inseltor, 2024. 118 S., 19 Euro
www.edition-inseltor-lindau.de
Ein Jahr Streik bei Tesla in Schweden
Der lange Kampf für einen Tarifvertrag zeigt noch keinen Erfolg
von Lars Henriksson
Am 27.Oktober ist der seit hundert Jahren längste Streik in Schweden in sein zweites Jahr getreten. Der Konflikt zwischen der Gewerkschaft IF Metall und dem Tesla-Konzern ist zu einem Thema geworden, das weit über die mehrere hundert direkt betroffenen Automechaniker hinausgeht.
Lars Henriksson, ehemals langjähriger Volvo-Arbeiter und seit 45 Jahren aktives Mitglied von IF Metall, hat die Situation und die Herausforderungen für die Gewerkschaft in der schwedischen Online-Zeitung Internationalen zusammengefasst.

Kein Streikrecht nirgendwo
Berliner Landesarbeitsgericht verbietet Kita-Streik
von Matthias Becker
Es ist ein schlechtes Beispiel, das Schule machen könnte. »Ein Schlag ins Gesicht«, »ein Tritt in die Magengrube«, »niederschmetternd« – so kommentierten Berliner Erzieherinnen das Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG). Die Richter untersagten im Oktober einen Streik, mit dem die Gewerkschaft Ver.di den Senat zu Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen an den landeseigenen Kitas zwingen wollte.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Die Bundesländer mauern
Harte Tarifverhandlungen bei ARD und ZDF
von Maximilan Schröder
Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk rumort es. 2024 gab es mehrere Warnstreiks. Die Gewerkschaften wollen den Lohnverlust durch die hohe Inflation der vergangenen Jahre begrenzen. Ein schwieriges Unterfangen. Denn die Geschäftsleitungen wollen sparen. Und ARD und ZDF stehen auch von außen unter Druck.
Bangladesh: Textilarbeiterinnen rebellieren
Die Regierung Yunus pflegt weiter den Kontakt zu Geschäftsfreunden des alten Regimes
von Dominik Müller

Eigentlich hatten die Textilarbeiterinnen in Bangladesh gehofft, dass sich ihre Situation mit dem Sturz des Regimes von Sheik Hasina Wajeed Anfang August verbessert.
Die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen gehören zu den schlechtesten weltweit: In der Presse wird Bangladesh auch als »Schmuddelkind der globalen Textilindustrie« bezeichnet. Fast alle großen Modelabels lassen hier produzieren.
Ex-GKN Florenz
Bereit zur Aufnahme der neuen Produktion
von Kathy Ziegler
Am 13.Oktober 2024 fand in Campi Bisenzio bei Florenz die erste Versammlung der Genossenschaft GKN For Future (GFF) statt; viele Arbeiter des Fabrikkollektivs Ex-GKN, das auch GFF-Gründer ist, Genossenschaftsmitglieder und Vertreter:innen verschiedener Gruppen wie Fridays for Future aus Florenz nahmen daran teil. Prominenter Gast war Greta Thunberg, die in ihrer Rede alle ermutigte, weiter an das ökosoziale Projekt der GFF zu glauben und dafür zu kämpfen.
VW will Audi-Werk in Brüssel schließen
Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter fordern Verstaatlichung
von Klaus Meier
Am 16.September demonstrierten über 10.000 Menschen in Brüssel gegen die drohende Schließung des Audi-Werks in der Gemeinde Forest, Region Brüssel. Im dortigen Audi-Werk arbeiten rund 3000 Beschäftigte; es ist auf die Produktion des Elektro-SUV Audi Q8 e-tron spezialisiert. Dazu kommen noch viele tausend weitere Beschäftigte in den Zulieferbetrieben der Region. Eine Schließung des Standorts würde die Pläne der VW-Bosse stützen, auch in Deutschland Massenentlassungen und Werksschließungen durchzuführen.
Tierindustrie abschaffen! Und dann?
Perspektiven für die Vergesellschaftung und Konversion von Tönnies und Co.
von Sebastian Schubert
Miese Arbeitsbedingungen, Tierleid, Verantwortung für Klimakrise und Umweltzerstörungen: Die Missstände in der Tierindustrie sind bekannt. Dennoch richten wir gegenwärtig wenig gegen die Macht der Konzerne aus. Aktivistische Gruppen diskutieren nun über Enteignung und fordern die Vergesellschaftung der Unternehmen zugunsten einer pflanzlich basierten Produktion.
11.Bundeskonferenz »Betriebsräte im Visier«
BR-Mobbing-Konferenz in Mannheim
von gk
Zur 11.Bundeskonferenz »Betriebsräte im Visier« am 12. Oktober 2024 in Mannheim trafen sich achtzig Betriebs- und Gewerkschaftsaktive. Es gebe eine »viel zu geringe Wahrnehmung offener Rechtsbrüche und ihrer Hintergründe«, schrieben sie in ihre Entschließung.
›Siamo tutti exGKN!‹
VW-Konzern
Sparen? Arbeitszeitverkürzung und Verkehrswende!
von Thorsten Donnermeier
Wir dokumentieren die Rede des IGM-Vertrauensmanns auf der Betriebsversammlung im VW-Werk Kassel-Baunatal am 8.September vor 7000 Kolleg:innen. Anders als das VW-Vorstandsmitglied Thomas Schmall wurde er nicht ausgepfiffen, sondern erhielt Zustimmung und Beifall.
Drogeriekette dm auf dem Pfad des Betriebsratsbossings
Fünf Kündigungen gegen BR-Vorsitzenden gescheitert
von Albrecht Kieser
»Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein« lautet der Werbespruch der Drogeriekette dm, der größten in Europa mit etwa 50000 Beschäftigten allein in Deutschland. Seit ihr Gründer Götz Werner gestorben ist und sein Sohn Christoph den Konzern übernommen hat, setzt es Prügel: nicht auf die Kund:innen, die mit dem abgewandelten Goethe-Zitat »Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein« umgarnt werden, sondern auf Beschäftigte.
Fehlanzeige: Menschenrechte im Betrieb
Das Arbeitsunrecht der Nazis wirkt im geltenden Arbeitsrecht ungehindert fort
von Heinrich Neuhaus
»Nie wieder ist jetzt!« ? unter diesem Motto haben sich seit dem 12.Januar 2024 im ganzen Land weit über vier Millionen Menschen an mehr als 2200 Protestaktionen gegen den Faschismus beteiligt. Das hatte niemand erwartet. Aber es reicht nicht gegen den bedrohlichen Rechtsruck. Für die Arbeitswelt etwa hat die Parole »Nie wieder ist jetzt!« eine ganz besondere Bedeutung. Dafür müssen wir einen Blick zurückwerfen.
Solidarische Alternativen zu kapitalistischen Pleiten
Arbeiterinnen und Arbeiter erobern ihre Betriebe zurück und öffnen Wege zu einer nichtkapitalistischen Produktion
von Ayse Tekin
Laut Insolvenzstatistik des Statistischen Bundesamts wurden im vergangenen Jahr 2023 in Deutschland rund 176000 Unternehmen geschlossen. Davon haben 11 Prozent Insolvenz angemeldet. Immer wieder wird berichtet, dass Firmen trotz voller Auftragsbücher Insolvenz anmelden. Entweder stimmt die Gewinnmarge nicht, oder das Geld soll woanders lukrativer angelegt werden. Die Beschäftigten müssen schauen, wo sie bleiben. Manchmal bleiben sie dort, wo sie waren: In ihren Betrieben, die sie weiterführen wollen. Dario Azzellini nennt diesen Prozess, in Anlehnung an den berühmten Marxschen Begriff »Wiederaneignung«, Rückeroberung der Betriebe unter Arbeiter:innenkontrolle. Auf einer Veranstaltung in Köln im Mai dieses Jahres stellte er dies an Beispielen von Betrieben in Europa und Lateinamerika dar.
Betriebe rückerobern statt Sozialplan verhandeln
Rückeroberte Betriebe vernetzen sich europaweit
von Manfred Neugroda
Noch ist er nicht entschieden, doch das Beispiel des Kampfes der Belegschaft um die Rückeroberung ihres Betriebs GKN bei Florenz hat die Gewerkschafts- und Arbeiter:innenbewegung und die Linke in Deutschland und Europa angefeuert. Mit ihm wird die Diskussion um den Kampf gegen Betriebsschließungen über das in Deutschland übliche Niveau von Sozialplan oder Sozialtarif hinausgehoben und auf eine grundlegende Systemtransformation orientiert. Mit dabei bedacht wird auch die Verbindung von Ökonomie und Ökologie.
Tarifabschlüsse im Handel
Schlechtes Ergebnis mit extrem langer Laufzeit
von Helmut Born
Die Tarifrunden im Handel haben über ein Jahr gedauert, bevor Einigungen zwischen den Arbeitgeberverbänden und Ver.di möglich wurden. Von den Ursprungsforderungen: Erhöhung der Löhne um 2,50 Euro oder 13 Prozent mit einer Laufzeit der Tarifverträge von 12 Monaten konnte nichts durchgesetzt werden. Ganz im Gegenteil, im Einzelhandel werden die 2,50 Euro erst zum 1.Mai 2025 erreicht.
GKN-Kolleg:innen auf Konversionstour
Ende Juni soll sich entscheiden, wie es mit dem Plan eines selbstverwalteten Betriebs weitergeht
von Manfred Neugroda
In früheren Ausgaben (SoZ 4/23 und 9/23) aber auch in vielen anderen linken Publikationen ist über den Kampf der Arbeiter:innen von GKN Florenz berichtet worden. Statt um einen Sozialplan mit Abfindungen kämpfen sie um die Rückeroberung der Fabrik unter ihrer Kontrolle und die Aufnahme einer klimafreundlichen Produktion von Lastenfahrrädern und Sonnenkollektoren. Am 13.Juli werden sie den 3.Geburtstag ihres Kampfes feiern.
Die Arbeiter und das Vaterland
Notwendiger Rückblick auf eine historische Debatte
von Angela Klein
Der Begriff der »Nation« erhält seit dem Ende des 18. Jahrhunderts eine doppelte Bedeutung: Zum einen bezeichnete er die Bevölkerung eines Staatsgebildes mit einem mehr oder weniger ausgebildeten Binnenmarkt, in dem die alten Zollschranken gefallen sind. In diesem Sinne benutzten Marx und Engels den Begriff »Nation« und feierten sie als einen Fortschritt. Zum anderen bezeichnete er, vor allem in ökonomisch rückständigeren Ländern, eine ethnische Gemeinschaft, die durch Sprache, Kultur und gemeinsame Geschichte miteinander verbunden ist. Für diese benutzen Marx und Engels den Begriff »Nationalität«. Sie ist nicht an eine Staatlichkeit gebunden; umgekehrt umfasst eine Nation (ein Nationalstaat) in aller Regel mehrere Nationalitäten.
Kampf für soziale Rechte auch in Kriegszeiten
Die gewerkschaftliche Ukrainekonferenz war ein voller Erfolg
von Angela Klein, Hermann Nehls, Justin Turpel
Am Samstag, dem 8. Juni 2024, fand im Berliner IG-Metall-Haus die Veranstaltung »Für einen selbstbestimmten Wiederaufbau der Ukraine« mit 70 Teilnehmenden statt. Gewerkschafter:innen und Aktivist:innen aus der Ukraine waren angereist. Die Veranstaltung war vom Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin und der Initiative »Solidarität mit ukrainischen Gewerkschaften« organisiert worden. Sie war ein voller Erfolg.
Labor-Notes-Konferenz 2024
Am Puls der amerikanischen Arbeiter:innenbewegung
von Yanira Wolf und Berit Ehmke
Vom 19. bis 21.April fand die Labor-Notes-Konferenz in Chicago statt. Mit ihrem basisorientierten und klassenkämpferischen Gewerkschaftsansatz begeistert sie von Mal zu Mal mehr – diesmal kamen 4500 Teilnehmende zusammen.

Yanira Wolf und Berit Ehmke konnten dieses Jahr teilnehmen und berichten von ihren Eindrücken.
Alstom: Massenentlassungen geplant
Kapitalinteressen gegen Klimaschutz
von Gerhard Klas
Alstom, der größte europäische Hersteller von Schienenfahrzeugen, ist in der Krise. Den Preis dafür sollen jetzt Beschäftigte bezahlen – und in der Folge auch der Klimaschutz. Denn soll eine Verkehrswende erfolgreich sein, gibt es definitiv einen hohen Bedarf an Fachpersonal, das die Konzernführung jetzt in die Arbeitslosigkeit schicken will: Von 1500 geplanten Entlassungen weltweit, viele davon in den deutschen Werken in Henningsdorf bei Berlin und Görlitz, ist die Rede.
Ergebnislos
Erste zentrale Verhandlungsrunde in der chemischen Industrie
von J.H.Wassermann
Die Verhandlungen für die etwa 580000 Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie blieben Mitte Mai ohne Ergebnis. Weiter geht es am 4. und 5.Juni in Wiesbaden.
›Starkes Selbstbewusstsein entwickelt‹
Pflege: Bilanz des Kampfs um personelle Entlastung
Gespräch mit Dana Lützkendorf
Die Proteste und Streiks der Beschäftigten in der stationären Versorgung haben die Tariflandschaft aufgemischt. Die Berliner Krankenhausbewegung hat die Forderung nach Entlastung für die Pflegekräfte ins Zentrum gerückt. Dana Lützkendorf war Vorsitzende des Gesamtpersonalrats in der Charité, einem Zentrum der Bewegung. Mittlerweile ist sie im Parteivorstand der Partei Die LINKE und hauptamtliche Gewerkschaftssekretärin bei Ver.di.
›Lasst uns aufstehen und gemeinsam Geschichte schreiben‹
VW-Beschäftigte in Chattanooga, USA, haben einen historischen Erfolg erzielt
von Dianne Feeley
Am 19.April 2024 stimmte die überwältigende Mehrheit der Volkswagen-Arbeiter in Chattanooga, Tennessee, für den Beitritt zur Automobilarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW) – ein historischer Erfolg, der erste Erfolg der UAW bei einer Gewerkschaftswahl in einer Autofabrik des US-amerikanischen Südens seit 1940. Ziehen die anderen Autohersteller dort jetzt nach?
Stahltarifrunde 2023
Hochschulen: Erstmals entfristete Verträge in Hessen
Gegen Arbeitsverdichtung und unbezahlte Überstunden
Gespräch mit Frauke Banse
Seitdem Hessen unter Ministerpräsident Koch aus der Tarifgemeinschaft der Länder ausgestiegen ist, verhandeln die Gewerkschaften dort eigenständig für die Landesbeschäftigten. Ende März wurde ein Abschluss erzielt, der in vielen Punkten – Inflationsausgleichsprämie, Sockelbetrag, Entgelterhöhungen – dem Abschluss der Länder ähnelt. An einem Punkt konnte jedoch ein Durchbruch erzielt werden: Erstmals wurde Entfristung als Tarifziel aufgenommen. Violetta Bock sprach mit Frauke Banse, wie dies gelang und wo es an den Hochschulen brennt.
ProMinent: Ein dritter Betriebsrat wird gemobbt
… und ein Offener Brief von Günther Wallraff
von Gerhard Klas
Der Feldzug der Geschäftsführung gegen unbequeme Betriebsratsmitglieder hört nicht auf: Am 14.März stand vor dem Arbeitsgericht in Heidelberg erneut ein Termin an. Diesmal forderte einer der mittlerweile erkrankten Betriebsräte seinen Lohn ein, den er seit Dezember nicht mehr ausgezahlt bekommen hat.
›Wir sind unverzichtbar und wir sind gut‹
Die Belegschaft beim Lokomotivenhersteller Alstom wehrt sich gegen Personalabbau
Gespräch mit Otto Schäfer, aus: Avanti2
Der Schienenfahrzeughersteller Alstom kaufte im Jahr 2021 die Bahnsparte von Bombardier. Dies hat Folgen für die Beschäftigten des Werks in Mannheim. Die Zeitschrift Avanti2 sprach im Februar mit dem Betriebsrat Otto Schäfer über die Zukunftsaussichten und Möglichkeiten der Gegenwehr.
Tarifrunde Chemische Industrie 2024
Vollwaschgang oder doch gebremster Schaum?
von J.H.Wassermann
In SoZ 4/2024 berichteten wir über den Auftakt zur Tarifrunde 2024 im Bereich Chemische Industrie. Die Diskussionen in den Betrieben und regionalen Tarifkommissionen zur Aufstellung der Forderung haben stattgefunden, mit Beschluss der Bundestarifkommission (BTK) am 10.April steht jetzt die Forderung.
Die großen Streiks 1924
Eine Ausstellung in Wuppertal
dokumentiert
14.April bis 12.Mai 2024
Verteilungsstelle Kunst und Geschichte
Sedanstr.86/88, 42281 Wuppertal
Jeweils Sa und So von 13 bis 17 Uhr, Tel. (0202) 763553, Eintritt frei
Strike Germany
Ein Aufruf von Kulturschaffenden aus aller Welt
dokumentiert

Strike Germany ist ein Aufruf an internationale Kulturschaffende, deutsche Kulturinstitutionen zu bestreiken. Es ist ein Aufruf, die repressiven Maßnahmen deutscher Kultureinrichtungen zurückzuweisen, die die freie Meinungsäußerung einschränken, insbesondere den Ausdruck von Solidarität mit Palästina.
Strike Germany verweigert deutschen Kulturinstitutionen Arbeit und Präsenz und verpflichtet sich zu den unten stehenden Forderungen. Bis diese Forderungen durchgesetzt sind, wird die Teilnahme an Festivals, Panels und Ausstellungen zurückgezogen.
Strike Germany hält am Einsatz für Befreiungsbewegungen fest – wider das deutsche Embargo gegen internationale Solidarität.
Eine Lektion für Elon aus Schweden
Zum ersten Mal weltweit wird Tesla bestreikt – ein Signal auch nach Deutschland
aus ipg-journal.de
Seit gut vier Monaten, seit dem 27.Oktober 2023, sieht sich der Elektroautohersteller Tesla erstmals mit einem Streik konfrontiert. Die schwedische Gewerkschaft IF Metall rief zum Streik auf, nachdem Tesla sich fünf Jahre lang geweigert hatte, einen Tarifvertrag für seine Werkstattbeschäftigten im ganzen Land auszuhandeln – Tesla betreibt in Schweden keine Fabriken, sondern bietet nur Fahrzeugwartung, Reparaturen und Ladeinfrastruktur an.
Wende zu einer neuen Streikkultur?
Weniger Forderungen werden durchgesetzt
von Jakob Schäfer
Noch in den 80er Jahren haben die hiesigen Gewerkschaften in den Tarifrunden im Schnitt etwa zwei Drittel der aufgestellten Forderungen durchgesetzt, allerdings damals schon mit abnehmender Tendenz. Seitdem ist die Anpassung der Gewerkschaftsführungen (und bedeutender Teile des jeweiligen Apparats) an die Standortpolitik vorangeschritten.
ChemieTarifrunde 2024: Die Löhne rauf!
Die Entgelttarifverträge für den Bereich Chemische Industrie laufen zum 30.Juni aus. Betroffen sind 585000 Beschäftigte in knapp 1700 Betrieben.
von J.H.Wassermann
Traditionell stellt der Hauptvorstand der IG BCE eine »Forderungsempfehlung« zur Diskussion. Eigentlich immer ergibt die Diskussion in den Betrieben und Tarifkommissionen, dass diese Forderung übernommen wird.
›Technologie wird uns nicht retten!‹
Informationstechniker:innen organisieren sich
Gespräch mit Peter Müller
In Berlin organisieren sich Programmierer:innen und Informationstechniker:innen in der Tech Workers Coalition (TWC) – Versuche der Selbstorganisation in einem schwierigen Umfeld. Mit dem Aktivisten Peter Müller sprach Matthias Becker.
Betriebsratsmobbing
Lidl lohnt sich nur für Dieter Schwarz
von Albrecht Kieser
Der Discounter Lidl ist als gewerkschaftsfeindlicher Konzern bekannt. Doch immer wieder regt sich hier auch Widerstand. »Lohnt sich Lidl?«, fragen sich gerade zahlreiche der 200 Beschäftigten im Lager des Einzelhandelskonzern in Herne. Und nicht nur da. Vermutlich haben sich viele der rund 100000 Beschäftigten des Unternehmens in Deutschland diese Frage schon einmal gestellt.
Mit Gesetzen aus der Nazizeit gegen Betriebsräte
Über die Kontinuität des faschistischen Arbeitsunrechts
von Heinrich Neuhaus*
Nur selten wird auf den Demonstrationen gegen Rechts zur Sprache gebracht, dass die Ideologie des deutschen Faschismus bis heute in gesetzlichen Bestimmungen verankert ist, z.B. im Arbeitsrecht. Verdachtskündigungen eröffnen Unternehmern bis heute die Möglichkeit, mit einem Höchstmaß an Willkür gegen unliebsame Mitarbeiter:innen und Betriebsrät:innen vorzugehen.
Crimmitschau: ›Eine Stunde fürs Leben!‹
Vor 120 Jahren streikten im roten Sachsen die Textilarbeiterinnen
von Gisela Notz
Die Stadt Crimmitschau war im 19.Jahrhundert ein Zentrum der aufstrebenden Textilindustrie. Sie spielte schon früh eine Rolle in der deutschen Arbeiterbewegung. Bereits 1860 wurde hier ein Arbeiterbildungsverein gegründet, in dem die Weber:innen Unterricht im Rechnen und Schreiben, in Sprachen und Buchführung erhalten konnten.
Nur wer kämpft, kann gewinnen
Der Streik bei der Deutschen Bahn AG ist bis zum 3.März unterbrochen.
Am 29.Januar 2024 ist der fünftägige Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn AG beendet worden. Avanti hat mit Danny Grosshans über die Hintergründe des aktuellen Tarifkonflikts bei der DB AG gesprochen. Kollege Grosshans ist 2. stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Süd-West der GDL.*
Starke Mobilisierung gegen Prekarität
Studentische Beschäftigte kämpfen für einen Tarifvertrag

Integrale Fassung des Gesprächs mit Laura und Heidi von TVStud.
Der Einsatz der studentischen Beschäftigten, Tarifbeschäftigten und Studierenden für die Abschaffung prekärer Arbeits- und Studienbedingungen und die Einführung eines Tarifvertrags für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte und Tutor:innen hat in den letzten Monaten zur größten Mobilisierung an Hochschulen seit Jahrzehnten geführt. Am 20.November 2023 kam es zu Aktionen an über 100 Standorten, gleichzeitig wurde an mehr als 80 davon gestreikt.
Für die SoZ sprach Justin Turpel mit Laura und Heidi von TVStud darüber, wie es dazu kam, wie die Mobilisierung verlief und was herausgekommen ist.
Laura studiert an der Universität Hamburg im Master Politikwissenschaft, arbeitet dort als wissenschaftliche Hilfskraft und ist seit circa 2020 bei TVStud in Hamburg und bei Ver.di aktiv.
Heidi studiert Master Geschichte an der Universität Hamburg und arbeitet dort ebenfalls als wissenschaftliche Hilfskraft; sie ist seit Anfang 2020 bei TVStud und bei Ver.di aktiv. (1)
›Wir wollen vom Verkauf unserer Produkte leben, nicht von Subventionen‹
Wirtschaftliche Perspektiven und Planungssicherheit gefordert
Gespräch mit Berit Thomsen (AbL)

Berit Thomsen ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL).
Die AbL ist eine Interessenvertretung für konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe. Mit Berit Thomsen sprach Gerhard Klas
Bauernproteste
Ein konservativer Aufstand
von Matthias Becker
Was wollen die Landwirte? Schwer zu sagen. Der Versuch der Bundesregierung, ihnen Subventionen und Steuervergünstigungen zu nehmen, hat sie auf die Straße getrieben, offensichtlich wehren sie sich gegen höhere Treibstoffkosten.
Von diesem kleinsten gemeinsamen Nenner abgesehen, bleibt die Stoßrichtung diffus.
Streik bei Allnex, Hamburg
Statt Sozialplan – Sozialtarifvertrag!
von Jakob Wassermann
Allnex in Hamburg beschäftigt 123 Kolleg:innen, die Kunstharze herstellen. Früher war der Betrieb mal bei der Hoechst AG, heute ist er Teil eines thailändischen Konzerns, der weltweit Standorte mit ähnlichen Produkten betreibt – in Deutschland in Wiesbaden und Bitterfeld, aber auch in den USA und China.
Arbeitszeitverkürzung
Für die Bosse immer noch tabu
von Thies Gleiss
Die Kämpfe der arbeitenden Klasse – so heißt es schon bei Karl Marx – drehen sich letztlich alle um die beiden Themen Lohnhöhe und Länge der Arbeitszeit.
Gerade haben die Stahlbeschäftigten wieder für die Einführung der 32-Stunden-Woche gekämpft, die Lokführer:innen sind noch in einer solchen Tarifrunde.
›Wir sitzen jetzt mit am Tisch!‹
Studentische Beschäftigte erkämpfen sich Zugang zum Tarifvertrag
Gespräch mit Laura und Heidi von TVStud
Am 20.November demonstrierten und streikten studentische Beschäftigte, Tarifbeschäftigte und Studierende an über 100 Standorten für die Abschaffung der prekären Arbeits- und Studienbedingungen an deutschen Hochschulen und für die Einführung eines Tarifvertrags für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte und Tutor:innen. Es war die größte Mobilisierung an Hochschulen seit Jahrzehnten.
Die wilden Streiks von ’73
Arbeitskämpfe vor 50 Jahren
von Thies Gleiss
Im Jahr 2023 jährten sich spektakuläre Arbeitskämpfe in Deutschland zum fünfzigsten Mal. Anders als noch zehn Jahre früher, wo der »Vierzigste« nur von der kleinen Szene linker Gewerkschafter:innen gewürdigt wurde, gab es diesmal eine umfangreiche politische und wissenschaftliche Begleitung des Jahrestages.
Ein geheimer Versuch, die obersten Gewerkschaftsgremien zu umgehen
von Thomas Rowley und Serhiy Guz
Wie die unabhängige britische Medienplattform openDemocracy erfahren und aufgedeckt hat, befürchten führende Gewerkschafter:innen, die Regierung wolle die Gewerkschaften in der Ukraine über ein neues „Beratungsgremium“ schwächen. Ukrainische Spitzenbeamt:innen treiben hinter den Kulissen eine Initiative zur Einrichtung eines eigenen hochrangigen gewerkschaftlichen Beratungsgremiums voran, um die Macht der größten Gewerkschaftsverbände des Landes zu beschneiden.
GDL vor den nächsten Bahnstreiks
von Helmut Born
Nachdem es im Dezember die letzten Streiks und die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik bei der Bahn gegeben hat, geht die Tarifrunde der Lokomotivführer in die entscheidende Phase. Ihre Gewerkschaft GDL fordert:
Ukraine. Der Krieg
Nachbetrachtungen zu einer Reise
von Angela Klein

Die Reise, die die Gewerkschafterdelegation Anfang Oktober in die Ukraine unternommen hat, verfolgte das Ziel, Kontakte zu ukrainischen Gewerkschaften zu knüpfen, sich über die sozialen Probleme der Kolleg:innen dort zu informieren und Austauschmöglichkeiten zwischen den Gewerkschaften herzustellen. Der Krieg spielte nur am Rande eine Rolle, war aber natürlich ständiger Begleiter der sozialen Probleme, mit denen die Kolleg:innen in der Ukraine konfrontiert sind. Dazu nun einige Nachbetrachtungen.
›Wir brauchen endlich einen Tarifvertrag‹
Arbeitskampf bei Tesla in Schweden und in Brandenburg
von Hermann Dierkes
Der US-Elektrofahrzeugkonzern Tesla stellt sich mit seiner Arbeitsproduktivität, seinen Produkten und seiner Profitabilität als Spitzenreiter dar. Der Konzern mit Herrn Musk am Ruder hat dafür das passende Rezept: Seine Entgeltbedingungen liegen an allen Standorten unter dem Branchendurchschnitt, die Arbeitsbedingungen sind unfallträchtig und gesundheitsgefährdend.
2024: Kämpfe im Verkehr
Fahren alle zusammen?
von vb
Das neue Jahr nimmt Fahrt auf. Die Tarifrunden von Ver.di im Nahverkehr werden von Fridays for Future begleitet. Im Bahnbereich kommt es durch die GDL schon bald zu weiteren Streiks. Kernthema in beiden Bereichen: die Arbeitszeit und attraktivere Arbeitsbedingungen.
Tarifabschluss öffentlicher Dienst Länder
Das Ergebnis reicht nicht – auch wenn die Lücke zum Abschluss Bund/Kommunen im April geschlossen wurde
von Helmut Born
Am 9.Dezember wurde nach der dritten Verhandlungsrunde die Einigung zwischen der Tarifgemeinschaft der Länder (TDL) und den DGB-Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes (Ver.di, GEW und GDP) und des Deutschen Beamtenbunds (DBB) bekannt gegeben.
Fortlaufend: Arbeitskämpfe 12/23
Wie Kiewer Universitäten den Winter ignorieren
Die zweite Novemberhälfte war in der Hauptstadt von Frost und Schneefällen geprägt. Infolgedessen mussten die Gebäude und Wohnheime in Kiew wirksam geheizt werden, um angemessene Lern- und Lebensbedingungen aufrechtzuerhalten, aber die Leitungen einiger Universitäten weigerten sich beharrlich, die Heizung einzuschalten, um auf Kosten der Studierenden Geld zu sparen.
Das Heizungsproblem waren eines der Themen, die bei den Protesten an der Kiewer Mohyla-Universität zur Sprache kamen. Nur sechs der zwölf Stockwerke des Gebäudes waren beheizt, die Studierenden, einschließlich derjenigen, die besondere Unterrichtsräume benötigten, mussten während des Unterrichts oft frieren. Gleichzeitig bekundete die Leitung der Universität ihre Absicht, die Ausbildung ausschließlich offline durchzuführen in einer Universität, die über keinen angemessenen Schutz verfügt. Die Studenten berichten auch, dass es im Studentenwohnheim der „Elite“-Universität keine Heizung gibt.
Zuvor hatten die Studierenden der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine ihre Unzufriedenheit mit der Heizungssituation zum Ausdruck gebracht. Ihrer Forderung nach Heizung wurde nur teilweise entsprochen, was die neue Leitung mit den Schulden der Lutsker Verwaltung und dem Unfall von Kyivteploenergo erklärt.
Auch die Studierenden der Kunsthochschulen haben mit Heizungsproblemen zu kämpfen: Die Wohnheime von KNUKiT und NAOMA sowie die TDs von Lukianivka bleiben kalt, weil der Heizungskeller seit Beginn der groß angelegten Invasion außer Betrieb ist. In diesem Jahr wurde die Heizung nur teilweise wiederhergestellt, nachdem NAOMA-Studenten eine Mahnwache organisiert hatten.
Das Problem der fehlenden Heizung in den Kiewer Universitäten und Studentenwohnheimen wird zu einem Systemproblem und erfordert daher organisierte Maßnahmen der Studenten. Es liegt auf der Hand, dass äußerst ungünstige Bedingungen dem im Wege stehen: die Vorlesungszeit, die aktive Ignoranz des Problems durch die Verwaltung und die Behörden, manchmal sogar das Risiko von Repressalien gegen aktive Studenten. Deshalb sind Solidarität und ein gemeinsamer Kampf für bessere Studien- und Lebensbedingungen notwendig, den Direct Action und andere betroffene Studeierende so weit wie möglich zu fördern versuchen, und zu dem wir alle aufrufen, die nicht bereit sind, die Verletzung ihrer Rechte und Interessen hinzunehmen.
Eine öffentliche Erklärung von Oksana, der Präsidentin von BeLikeNina
Ich möchte an die Direktoren der Krankenhäuser in der Region Lviv appellieren:
Versteht doch endlich, dass dies die Zeit für Veränderungen ist, für große Veränderungen. Unsere regionale Gewerkschaft der Gesundheitsarbeiter:innen in Lviv ist keine fügsame Gewerkschaft, wie ihr es gewohnt seid. Wir werden für unsere Töchter aufstehen, ob es euch gefällt oder nicht, ja, wir sind Krankenschwestern und Gesundheitspfleger und wir sind ein wichtiger Teil der Arbeit, wir haben Verantwortung und wir haben Rechte! Ich habe das schon oft erklärt, die Kürzung der Gehälter auf den Mindestlohn, die Nichtzahlung von Gesundheitsleistungen, die Nichtzahlung von Gehältern an „ungehorsame“ Menschen, der Druck auf die Menschen durch das direkte Management, die Versetzung von Krankenschwestern auf schlechter bezahlte Stellen „auf eigenen Wunsch“, die übermäßige Arbeitsbelastung der Krankenschwestern usw. – das sind alles Verbrechen, aber es wird keine „Amnestie“ mehr geben. Das wird durch die Gerichte gehen, es wird durch die Gerichte gehen und es wird öffentlich sein, die Zeit für Veränderungen ist gekommen.
30.November 2023
Ein Mitglied von BeLikeNina stellte sich im Fernsehen dem Premierminister
Yana Demchuk, eine Krankenschwester aus Novohrad-Volynskyi, Mitglied von BeLikeNina, erklärte dem Premierminister in der Fernsehsendung Freedom of Expression, dass es unmöglich ist, vom derzeitigen Gehalt des Pflegepersonals zu leben.
Premierminister Shmyhal hob schuldbewusst die Hände: Es ist kein Geld im Haushalt. Als ehemaliger Direktor von Achmetow [dem ukrainischen Oligarch] weiß er sehr wohl, dass die Gewinne der Oligarchen am Haushalt vorbei ins Ausland fließen. Aber der Minister kann das nicht öffentlich zugeben.
„Der Staat braucht unsere Arbeit, aber er braucht uns nicht. Mit anderen Worten: Es scheint, dass medizinische Leistungen erbracht werden, ohne dass das Gesundheitspersonal sie erbringt. Bislang hat das Gesundheitsministerium keine Standards für die Arbeitsbelastung einer Krankenschwester oder eines Arztes festgelegt. Es gibt keine Qualitätskontrolle der medizinischen Leistungen, keine Analyse des Zusammenhangs zwischen postoperativen Komplikationen und der Anzahl des medizinischen Personals“, sagt BeLikeNina.
Erfolg für das Gesundheitspersonal in Oleksandria
Mitteilung von BeLikeNina
Am Vorabend des Jahreswechsels erreichten die Beschäftigten des Gesundheitswesens der Stadt Oleksandria in der Oblast Kirowohrad die Nachzahlung mehrerer Monatsgehälter für rund 150 Beschäftigte in Höhe von insgesamt 4 Millionen Griwna (96 000 Euro).
Das medizinische Personal des Zentralkrankenhauses der Oblast Oleksandria musste seit September 2023 Gehaltsrückstände hinnehmen. Wegen unzureichender Finanzmittel des ukrainischen staatlichen Gesundheitsdienstes wurde die medizinische Einrichtung aufgelöst und das Personal in ein anderes Krankenhaus (das Zentralkrankenhaus der Stadtverwaltung Oleksandria) verlegt. Das Problem der Lohnschulden wurde jedoch nicht gelöst. Das Pflegepersonal beschloss daher, für seine Gehälter zu kämpfen. Sie wandten sich an den ehemaligen Direktor, an den Nationalen Arbeitsdienst der Ukraine, der eine Inspektion durchführte, und an den Bürgermeister, der versprach, die Frage der Zuweisung zusätzlicher Mittel auf der Stadtratssitzung zu prüfen.
„Eineinhalb Monate Kampf um unser hart verdientes Geld waren nicht umsonst. Unsere Leitung hat nicht reagiert, aber dank der Stadtverwaltung wurden uns am 22. Dezember unsere zwei Monatsgehälter vollständig ausgezahlt und wir erhielten eine Entschädigung für den nicht genommenen Urlaub“, sagte Svetlana Degtyarenko, eine der Krankenschwestern.
Juristische Unterstützung bei der Formulierung ihrer Forderungen erhielten die Gesundheitsarbeiter:innen von Vitaliy Dudin, einem Anwalt der Gesundheitsbewegung BeLikeNina und einem Aktivisten von Sotsialny Rukh.
"Im Namen des Personals des Zentralkrankenhauses des Bezirks Oleksandriya möchten wir Vitaliy Dudin und dem Team von Sotsialny Rukh für ihre Beratung, Unterstützung und kostenlose Hilfe danken! In einer für unser Land so schwierigen Zeit ist diese Hilfe von unschätzbarem Wert. Wenn sich jemand in einer ähnlichen Situation befindet, warten Sie nicht, schweigen Sie nicht, bitten Sie um Hilfe. Unsere Erfahrung zeigt, dass Sie allein nicht weiterkommen werden. In einer solchen Situation braucht man die Hilfe von echten Fachleuten", sagte Svitlana.
Sie dankte auch der Gesundheitsbewegung BeLikeNina für ihre ständige Aufmerksamkeit für die Rechte des medizinischen Personals.
„Die Bewegung BeLikeNina spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, auf die Probleme im medizinischen Sektor hinzuweisen. Sie ist die einzige Bewegung in der Ukraine, die sich wirklich für die Rechte des medizinischen Personals einsetzt“, so die Krankenschwester.
27.Dezember 2023, BeLikeNina
Regierung nimmt Gewerkschaften an die Leine
von Thomas Rowley und Serhiy Guz
Hinter den Kulissen treiben ukrainische Spitzenbeamte eine Initiative zur Einrichtung eines eigenen hochrangigen gewerkschaftlichen Beratungsgremiums voran, um die Macht der größten Gewerkschaftsverbände des Landes zu beschneiden, wie openDemocracy erfahren hat.
Aus Dokumenten, die über das Gesetz zur Informationsfreiheit zugänglich gemacht wurden, geht hervor, dass zwei führende Abgeordnete der ukrainischen Regierungspartei der Regierung vorgeschlagen haben, im Juli 2023 einen brandneuen „Rat der Gewerkschaftsführer“ einzurichten – ein ausdrücklicher Versuch, die bestehende Institution für den Dialog der Regierung mit Arbeitgebern und Gewerkschaften zu umgehen.
Amazonkolleg:innen brauchen eine weltweite Strategie
…und fachbereichsübergreifende Organisierung bei Ver.di
Gespräch mit Nonni Morisse
Zunehmend gelingt die gewerkschaftliche Organisierung entlang der Lieferkette bei Amazon. Doch für einen bundesweiten Durchbruch müsste die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit bei Ver.di gestärkt werden. Violetta Bock sprach mit Nonni Morisse, Ver.di-Sekretär für Amazon in Niedersachsen/Bremen.
Automobilarbeiterstreik in den USA
Ein Sieg, der die Arbeiterbewegung verändern könnte
Erstmals bestreikten Automobilarbeiter:innen alle drei großen Konzerne gleichzeitig
von Dan La Botz
Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) führte einen 45tägigen Streik gegen die drei großen US-Autokonzerne – Ford, Stellantis und General Motors – mit dem sie im Oktober nicht nur große Lohnerhöhungen und die Abschaffung der Schichtarbeit vertraglich durchsetzte, sondern auch die Kontrolle der Konzerne über ihre Werke und die Branche einschränkte.
Fortlaufend: Arbeitskämpfe, 10/23
Quelle: labour@framagroupes.org
Die nachstehenden Nachrichten und Berichte wurden über die Liste labour@framagroupes.org gepostet; das ist eine Liste der Gewerkschaftsgruppe von European Network Solidarity with Ukraine (ENSU): ukraine-solidarity.eu
Die Nachrichten werden monatlich zusammengefasst, aus dem Englischen übersetzt und auf den Ukraine-Blog gestellt – d.Red.
Tesla – Belegschaften und Gewerkschaft beginnen sich zu wehren
In Schweden, Deutschland und den USA kommt der E-Autobauer erstmals unter Beschuss
von Hermann Dierkes
Die enormen Umsätze und Profite des US-Elektrofahrzeugbauers Tesla haben eine wesentliche Ursache: Der Konzern mit dem superreichen Herrn Elon Musk an der Spitze zwingt seinen Belegschaften Ausbeutungsbedingungen auf, die weit schlimmer sind als bei den meisten Konkurrenten in der Autobranche. Musk hat sein Management auf strikten Anti-Gewerkschaftskurs gebürstet, behindert gewerkschaftliche Organisierung, lehnt Tarifverträge ab, verstösst massiv gegen Arbeits- und Gesundheitsschutz, verlangt höchste Produktionszahlen und lässt bestenfalls handzahme Betriebsräte zu. Das gilt für alle seine Standorte, sei es in den USA, in Deutschland oder in Schweden. Doch inzwischen bekommt er mächtig Gegenwind.
„Ich weiß nicht, wie man dieses System bekämpft, aber ich fang jetzt damit an“
sagt Tonya Shatsylo von #BeLikeNina
Wie im ukrainischen Gesundheitswesen eine neue Gewerkschaft entstanden ist
von Angela Klein
Auf Initiative der Gruppe „Solidarität mit den Gewerkschaften in der Ukraine – Humanitäre Hilfe“ reiste vom 9.-14.10. 2023 eine Gruppe von vier GewerkschafterInnen aus Deutschland und der Schweiz in die Ukraine. Das Ziel der Reise war, mit so vielen verschiedenen Gewerkschaften und gewerkschaftlichen Initiativen wie möglich Kontakt aufzunehmen und aus erster Hand Informationen über die Situation abhängig Beschäftigter in verschiedenen Branchen zu sammeln. Diese Informationen sollen helfen, in eigenen Gewerkschaften für einen engen Austausch und für eine solidarische Unterstützung der ukrainischen KollegInnen zu werben. Eines unserer Treffen führte uns ins Haus der Journalistenunion in Kiew zu Vertreterinnen von #BeLikeNina, einer von Krankenschwestern neu gebildeten Gewerkschaft in den Krankenhäusern.
Bei der Gewerkschaft der Krankenschwestern
›Ich weiß nicht, wie man dieses System bekämpft, aber ich fang jetzt damit an‹
Wie im ukrainischen Gesundheitswesen eine neue Gewerkschaft entstanden ist
von Angela Klein
Auf Initiative der Gruppe „Solidarität mit den Gewerkschaften in der Ukraine – Humanitäre Hilfe“ reiste vom 9.-14.10. 2023 eine Gruppe von vier GewerkschafterInnen aus Deutschland und der Schweiz in die Ukraine. Das Ziel der Reise war, mit so vielen verschiedenen Gewerkschaften und gewerkschaftlichen Initiativen wie möglich Kontakt aufzunehmen und aus erster Hand Informationen über die Situation abhängig Beschäftigter in verschiedenen Branchen zu sammeln. Diese Informationen sollen helfen, in eigenen Gewerkschaften für einen engen Austausch und für eine solidarische Unterstützung der ukrainischen KollegInnen zu werben. Eines unserer Treffen führte uns ins Haus der Journalistenunion in Kiew zu Vertreterinnen von #BeLikeNina, einer von Krankenschwestern neu gebildeten Gewerkschaft in den Krankenhäusern.
Undercover bei Tesla
Arbeitshetze und Unfälle sind an der Tagesordnung
von Rolf Euler
Es macht immer wieder wütend, was für Arbeitsbedingungen im »modernen« Kapitalismus an der Tagesordnung sind, und wie unterbesetzte Behörden gar nicht nachkommen, Änderungen einzufordern, wenn Gefahren im Verzug sind. Greenwashing und Beschönigungen gegenüber der offiziellen Politik, Drohungen gegen Beschäftigte, die das anprangern, und eine Produktion, die die Wasserversorgung einer ganzen Region in »Geiselhaft« nimmt – das ist die Milliardärsstrategie des Elon Musk – unter dem Beifall von Landes- und Bundesregierung.
Union Busting bei ProMinent
Ein weiterer Betriebsrat geht
von Gerhard Klas
ProMinent, die Firma des Arbeitgeberpräsidenten Rainer Dulger, ist Vorreiterin im Union Busting.
Eigentlich sollte am 18.Oktober die Berufungsverhandlung zur Kündigung des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden des Dosieranlagenherstellers ProMinent vor dem Landesarbeitsgericht in Mannheim stattfinden. Ein Termin, der sicher viel Öffentlichkeit erregt hätte, sitzt doch in der Geschäftsführung des Heidelberger Unternehmens Rainer Dulger, Präsident der Bundesverbands der Deutschen Arbeitgeber (BDA).
Bürgerpost statt Börsenpost
Größte Demonstration von Postbeschäftigten in Berlin
von Violetta Bock
Es war eine der größten Demonstrationen von Postbeschäftigten, die es je gab. Busse aus dem ganzen Bundesgebiet fuhren rund 30000 Beschäftigte der Post am 9.Oktober nach Berlin, um den Forderungen der Gewerkschaft Ver.di zur Novellierung des Postgesetzes Nachdruck zu verleihen.
Bei ArcelorMittal
Trotz Krieg wird der Kollektivvertrag gekündigt
von Hermann Nehls
Die vier Gewerkschafter:innen, die in der Zeit vom 10. bis 13.Oktober 2023 in die Ukraine reisten, um Aktivist:innen zu treffen, besuchten auch die Gewerkschaft der Metall- und Bergbauarbeiter von ArcelorMittal in Krywyj Rih. Das Gespräch fand im Gebäude der Gewerkschaft statt. Es wurde unterbrochen durch einen Bombenalarm, der uns zwang, das Gespräch in einem sicheren Luftschutzkeller fortzuführen.
Vor 50 Jahren – der Ford-Streik
Erinnerungskultur und Arbeitskämpfe von Migrant:innen
von Ayse Tekin
In diesem Jahr wurde mit zahlreichen Veranstaltungen und Publikationen an den Kölner Ford-Streik 1973 und andere Arbeitskämpfe von Migrant:innen erinnert. So gut und so umfangreich diese Erinnerungsaktionen auch waren, stellt sich die Frage dennoch, warum diese Arbeitskämpfe nicht in das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft, der Migrationsgesellschaft und auch nicht in die Gewerkschaftsgeschichte als ein Meilenstein für einen Wechsel der Perspektive eingegangen sind.
Arbeiterschinderei bei Ford Köln
Gericht weist Kritik an den Arbeitsbedingungen zurück
von Albrecht Kieser
Ford Köln stellt Autos her. Das weiß jede und jeder. Ford Köln zahlt gut. Besser jedenfalls als die Großschlachterei Tönnies. Auch das ist allgemein bekannt. Dass auch die Arbeitsbedingungen bei Ford Köln besser sind als die bei Tönnies, bezweifeln einige. Unter anderem Betroffene. Nur ist das schwer zu beweisen. Warum? Die Antwort kommt hier.
BR-Mobbing
Eine Herausforderung für die IG Metall
von Heinrich Neuhaus
Die Bekämpfung von Betriebsräten (BR) und Gewerkschaften ist nicht neu im Kapitalismus. Auch in der »sozialen Marktwirtschaft« der BRD greift sie immer mehr um sich. Das Gerede von »Einzelfällen« hatte lange auch in gewerkschaftlichen Kreisen Konjunktur, gerne in Verbindung mit dem bis heute nicht völlig verstummten Geraune, die gemobbten BR-Mitglieder seien wegen ihres »unbotmäßigen« Verhaltens selbst an ihrer Lage schuld.
Die IG Metall vor dem Gewerkschaftstag
Die Arbeitenden als Subjekte der Transformation?
von Stephan Krull
Der 25.Gewerkschaftstag der IG Metall Ende Oktober fällt in eine konfliktgeladene Zeit. Der Krieg in der Ukraine, die Klimakatastrophe und die Dekarbonisierung sind die großen Themen. Sie hängen mit den klassischen Gewerkschaftsthemen zusammen: Mitbestimmung, Arbeitszeit, Entgelt, soziale Sicherheit sowie Erhalt und Stärkung der Kraft der Gewerkschaftsmitglieder.
Abmahnen. Rauskaufen. Kündigen
BR-Mobbing bei ProMinent. Beschäftigte berichten
dokumentiert
Fünf Betriebsräte sind bereits weg, sieben weitere stehen auf der Abschussliste. So mobbt der Heidelberger Dosierpumpenhersteller ProMinent Betriebsräte. Besonders brisant: Miteigentümer ist Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA). »Ihr könnt helfen: Unterschreibt den Brief von Wallraff an Arbeitsminister Heil«, heißt es auf dem Aktivenportal der IG Metall, auf dem die Originalversion dieses Artikels erschienen ist.
USA: Automobilarbeiter bestreiken Werke aller drei großen Konzerne
Eine neue Gewerkschaftsführung bringt neuen Wind
von Luis Feliz Leon und Jane Slaughter
Der allererste gleichzeitige Streik bei den drei großen Automobilherstellern – General Motors, Ford und Stellantis* – begann am 15.September, als 13000 Beschäftigte drei Montagewerke in Michigan, Ohio und Missouri bestreikten. Bei den Big 3 sind 146000 Mitglieder der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) beschäftigt.
Vom Automobilzulieferer zum Lastenradproduzenten
Die GKN-Belegschaft in Florenz ist seit zwei Jahren im Widerstand
von Kathy Ziegler
Statt am 9.Juli 2021 ihre Kündigung und die Schließung der GKN-Fabrik bei Florenz hinzunehmen, halten die Beschäftigten seit zwei Jahren eine unbefristete Betriebsversammlung ab und planen die Konversion des Autozulieferbetriebs. Kathy Ziegler, Mitglied der Initiative »Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für den Klimaschutz«, berichtet von einer Delegationsreise, die sie im vergangenen Juli unternommen hat.
EVG steuert auf Kompromiss zu
Das Tarifeinheitsgesetz prägt die Deutsche Bahn
von Violetta Bock
Die Tarifrunde der EVG startete stark. Besonders hervorzuheben sind: die branchenweite Zusammenführung aller 50 Unternehmen, mit denen die EVG 2023 verhandelt; der Megastreik im März mit 31000 Streikenden an 350 Standorten; die angekündigten 50 Stunden Streik im Mai, die erst durch staatliche Klassenjustiz bei der Bahn abgesagt wurden; und nicht zuletzt die klaren Forderungen: 12 Prozent mehr, ein Mindestbetrag von 650 Euro, 325 Euro für die Nachwuchskräfte.
Der Generalstreik ist ein soziales Phänomen
Wolfgang Däubler über den politischen Streik
dokumentiert
Auf der fünften Streikkonferenz der Rosa Luxemburg Stiftung in Bochum hielt der Arbeitsrechtler Wolfgang Däubler zum Abschluss ein Plädoyer ganz im Sinne des Mottos der Konferenz, »Gemeinsam in die Offensive«. Wir dokumentieren seine Rede in leicht gekürzter Form. In ganzer Länge ist sie auf www.daeubler.de zu finden.
30 Stunden sind genug!
Für eine tarifpolitische Kampagne für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung
von Thies Gleiss
Die IG Metall in der nordwestdeutschen Stahlindustrie diskutiert, in die kommende Tarifrunde mit einer Forderung nach Verkürzung der Wochenarbeitszeit für alle und bei vollem Lohnausgleich zu gehen. Das ist eine gute und wichtige Entscheidung, um auf die aktuelle und bevorstehende Herausforderung der großen strukturellen Veränderungen in der Produktion und in den Büros und auf die ständig wachsende Arbeitsbelastung zu reagieren.
Vier Stunden sind genug
Für den 4-Stunden-Tag! Bei vollem Lohn- und Personalausgleich! Zahlen muss das Kapital!
von Jürgen Stander
Die 4-Stunden-Liga ist ein Bündnis, das sich vor sieben Jahren an die Aufgabe machte, den Kampf um die radikale Arbeitszeitverkürzung in die Gesellschaft zu tragen.
https://4hour-league.org
Kontakt: 4-stunden-liga-nrw@riseup.net
Beispielhafte Zusammenarbeit
In Hanau machen Ver.di und IG Metall vor, wie man sich gegenseitig unterstützen kann
von Friedhelm Winkel, Hanau
Das Interview mit Andreas Müller von der EVG in der Mai-Ausgabe der SoZ steht unter dem Motto: »Eine Strategie der Gemeinsamkeit«. Das nehme ich zum Anlass, um über eine solche Strategie von IG Metall und Ver.di in Hanau (Main-Kinzig-Kreis) zu informieren, auf die in diesem Gespräch leider nicht hingewiesen wurde.
Von Schlichtung bis Klassenjustiz
Tarifrunden werden nach und nach beendet
von Violetta Bock
Im öffentlichen Dienst ist die Tarifrunde für 2,5 Millionen Beschäftigte beendet. Knapp 66 Prozent der Mitglieder stimmten dem Tarifergebnis zu (2018 lag die Zustimmung bei über 80 Prozent). Nominell ist es das beste Tarifergebnis, das je erzielt wurde. In Zeiten der Inflation bedeutet es jedoch wegen einmalig 3000 Euro netto für den Inflationsausgleich und tabellenwirksamen Erhöhungen erst ab März 2024 einen Reallohnverlust. Mit der langen Laufzeit von 24 Monaten in instabilen Zeiten setzte sich die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände durch. Positiv ist, dass Mindestbeträge inzwischen immer öfter Eingang in die Ergebnisse finden.
Größer, besser – ausbaufähig!
Die 5.RLS-Konferenz zur ›gewerkschaftlichen Erneuerung‹
von Michael Petersen
1550 Aktive haben vom 12. bis 14.Mai in Bochum die 5. »Streikkonferenz« besucht, gestaltet, mitdiskutiert und zu einem Erfolg gemacht.
Eine Mehrheit der Teilnehmenden war betrieblich aktiv und jung. Vielleicht nicht die Mehrheit, aber für eine Gewerkschaftskonferenz beachtlich, war der wirklich große Anteil von Kolleginnen und Genossinnen.
Immer mehr Erfahrung mit Union Busting
Ein Workshop auf der RLS-Konferenz zum Umgang mit Gewerkschaftsbekämpfung
von gk
Auf dem Podium stellten Betriebsräte verschiedene Fälle vor, in denen versucht wurde, eine BR-Gründung zu verhindern: bei Amazon, dem Lieferdienst Hello Fresh, beim Sägeblatthersteller Wikus. Es sprach auch ein Sekretär der IG Metall, die sich wie keine andere Einzelgewerkschaft des Themas angenommen und sogar eine mehrköpfige Task Force dazu ins Leben gerufen hat.
10 Jahre Rana Plaza
Gefragt ist handeln, nicht Lippenbekenntnisse
von Femnet/Gerhard Klas
Die Fashion Revolution Week oder #RememberingRanaPlaza, wie die Betroffenen in Bangladesh das Erinnern an den Einsturz des Fabrikgebäudes am 24.April 2013 nennen, zeigt auch zehn Jahre nach dem Unglück, dass trotz vieler Fortschritte von einer Revolution in der Textilbranche nicht die Rede sein kann. Damals starben 1138 Menschen, während sie für internationale Marken nähten. Derzeit stehen vor allem Slogans und Gedenkaktionen hoch im Kurs.
Lohnbetrug im sechsstelligen Bereich
Prozess gegen Subunternehmen bei DHL
von Klara Matt
Am 19.4. rief die FAU Göttingen gemeinsam mit der FAU Kassel zu einer Kundgebung vor dem Arbeitsgericht Göttingen auf. Grund dafür war die dort stattfindende Güteverhandlung in einem Konflikt zwischen der Zeitarbeitsfirma WorKings und ehemaligen Beschäftigten der Firma.
Unsichtbare Hände
Formen gesellschaftlicher Arbeit und Klassenpolitik (IV – Zwangsarbeit)
von Ingo Schmidt
Zwangsarbeit interessiert in der liberalen Gesellschaft nur am Rande. Das Zusammenleben regeln von rechtlich freien Bürgern geschlossene Verträge, nicht von oben mit Zwang durchgesetzte Zucht und Ordnung. Wird Zwangsarbeit doch einmal angesprochen, geht es meist um illiberale Gesellschaften.
Gern wird auf China und Russland gezeigt. Auch die Sklaverei in den amerikanischen Südstaaten und die Vernichtung durch Arbeit in Nazi-Konzentrationslagern wird mitunter erwähnt. Menschenhandel und Zwangsprostitution in den liberalen Gesellschaften der Gegenwart werden bevorzugt osteuropäischer Mafia und islamischen Clans angelastet.
›Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will‹
Eine Strategie der Gemeinsamkeit: Streiktag am 27.März
Gespräch mit Andreas Müller
Für den ersten gemeinsamen Warnstreik von Ver.di und EVG könnte es kaum ein besseres Bild geben: Am Montag, dem 27.März 2023 standen wohl mehr Räder still als jemals zuvor. Was bewegt die Kolleginnen und Kollegen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft? Und wie steht es um die Strategie der Gemeinsamkeit? Darüber sprach Sabine Leidig mit Andreas Müller (EVG).
Wissenschaftsarbeiter:innen
Proteste gegen Beibehaltung der Befristung
von Simone Claar
Arbeitsverhältnisse im wissenschaftlichen Betrieb an Hochschulen sind schon lange ein Skandal. Die am 17.März 2023 veröffentlichten Eckpunkte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Sonderbefristungsrecht haben – insbesondere auf Twitter – jetzt erneut zu einem Sturm der Entrüstung von Betroffenen, den Beschäftigteninitiativen und Gewerkschaften geführt.
Deutsche Post
Wettbewerbsförderung mit der Brechstange
von Violetta Bock
Der Tarifkampf bei der Deutsche Post AG (DPAG) ist offiziell beendet. In den Startlöchern steht nun die Novellierung des Postgesetzes.
Im Januar wurde ein Eckpunktepapier dafür vorgelegt. Noch im Sommer soll ein Gesetzesvorschlag vorliegen und die Novelle bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Bundesregierung setzt auf mehr Wettbewerb.
Brandgefährlich
Bankencrash, Wirtschaftskrise und Arbeitskämpfe
von Winfried Wolf
Diese Bank hatte niemand auf dem Schirm. Am 10.März 2023 musste in den USA die Silicon Valley Bank (SVB) von der Aufsichtsbehörde geschlossen werden. Verluste in Höhe von 2 Mrd. Dollar hatten sich angehäuft, einen »Bank-Run« ausgelöst und die Aktien des Instituts um 80 Prozent schrumpfen lassen.
Weiter, immer weiter…
Zehn Jahre Streik bei Amazon
Gespräch mit Andreas Gangl
Seit zehn Jahren kämpfen Beschäftigte bei Amazon Deutschland für einen Tarifvertrag. Den Anfang nahm die Organisierungswelle neben Leipzig in Bad Hersfeld. Violetta Bock sprach mit Andreas Gangl, einem Aktiven der ersten Stunde. Er ist Betriebsrat und Vertrauensleutesprecher.
Aktuelles von Amazon
Der Widerstand wächst
von Violetta Bock
Nach zehn Jahren Streik bei Amazon gehören Gewerkschaften im Unternehmen zum Alltag. Amazon ghostet sie weiterhin. Der Arbeitskampf bleibt von zentraler Bedeutung, weil das Unternehmen das Paradebeispiel für vieles ist, was derzeit nicht richtig läuft.
Lkw-Fahrer-Streik in Gräfenhausen
Widerstand gegen Ausbeutung auf der Straße
von Anton Stortchilov
»Wenn ich für uns alle einen Wunsch äußern darf, Herr Minister«, ließ mich der grauhaarige Fahrer übersetzen, »geben Sie uns die Möglichkeit, hier in Deutschland eine Einstellung zu finden. Wir wissen, dass es hierzulande an erfahrenen Spediteuren mangelt. Wir kriegen hier sofort Arbeit, aber wir brauchen die rechtliche Möglichkeit.« Alexander Schweitzer, Arbeitsminister in Rheinland-Pfalz (SPD), wollte keine klare Zusage machen – es liegt vermutlich auch nicht in seiner Kompetenz, aber er wollte die allgemeine Frage der Speditionen auf deutschen Straßen in der Arbeitsministerkonferenz ansprechen.
Frankreich: Macron bleibt auf Konfrontation gebürstet
Der Spruch des Verfassungsrats hat eher Öl ins Feuer gegossen
von Bernard Schmid
Er hatte sich das so schön vorgestellt. Am Abend des 17.April sprach Staatspräsident Emmanuel Macron im französischen Fernsehen, er wollte einen Schlusspunkt unter den Streit um die Rentenreform setzen. Doch es kam anders.
Streiks und Inflation: Die Streikwelle 1973/74
Zweistellige Inflationsraten und eine Tarifrunde im öffentlichen Dienst, die aus dem Rahmen fällt, das gab es schon einmal in Deutschland – vor fast 50 Jahren
von ak
Da ist zunächst die Inflation. Nach der Rezession 1966/67, der stärksten seit den 50er Jahren, die einen Rückgang des Wirtschaftswachstums, aber kein Minuswachstum brachte, kletterte die Konjunktur sehr schnell wieder auf einen Höhepunkt 1970 mit Wachstumsraten um die 5,6 Prozent – auch dank der Konzertierten Aktion, die der damalige Wirtschaftsminister Karl Schiller in die Wege leitete.
Das war der ÖTV-Streik 1974
Er machte der Regierung einen Strich durch die Rechnung
Nachdruck aus Was tun
Lange Zeit galten im öffentlichen Dienst nur die Müllmänner und die Eisenbahner als kampffähig. Der ÖTV-Streik 1974 bewies erstmals das Gegenteil. Der nachstehende Nachdruck eines Artikels aus Was tun, einer Vorläuferzeitung der SoZ, beschreibt, wie es dazu kam.
Streik
In Frankreich hui, in Deutschland pfui
von Gerhard Klas
Während die Streiks in Frankreich gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters von einer deutlichen Mehrheit der dortigen Bevölkerung begrüßt werden, will die Mehrheit der Deutschen, dass das Streikrecht angesichts der aktuellen Tarifauseinandersetzungen eingeschränkt wird.
GKN Florenz
Fabrikbesetzung für das Klima
von Paul Michel
Das Collettivo di Fabbrica GKN kämpft gegen die Schließung einer Zulieferfabrik der Automobilindustrie nahe Florenz. Das Kollektiv fordert einen radikalen ökologischen Umbau der Produktion. Aus dem Abwehrkampf einer einzelnen Belegschaft ist ein breites Bündnis aus Beschäftigten, Klimaaktivistinnen und Wissenschaftlern geworden.
Generalstreik auf deutsch?
Tarifrunden schlagen den Takt beim Kampf gegen die Inflation
von Violetta Bock
Zu Redaktionsschluss liegt der Showdown Ende März noch vor uns. Werden die Beschäftigten der Post erneut für einen Erzwingungsstreik stimmen? Werden die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und bei den Eisenbahnen den Druck soweit erhöhen, dass es schon zu Ergebnissen kommt. Oder steht nach dem lauen Herbst doch noch ein heißer Sommer in Deutschland bevor?
›Die Klassenfrage steht für uns im Mittelpunkt‹
Ohne innere Veränderungen wird es keinen schnellen Wandel an der Front geben
Gespräch mit Witalyj Dudin
Witalyj Dudin ist Arbeitsrechtler und Vorsitzender von Sozialnyj Ruch [Soziale Bewegung]. Er lebt in Kiew. Ein Artikel von ihm über die Einschränkung der Arbeitsrechte erschien in SoZ 9/2022
Frankreich: Das Kräftemessen geht weiter
Macron hat für seine Rentenreform keine Mehrheit – und will sie dennoch durchsetzen
von Michel Rousseau
Der nachstehende Text ist die schriftliche Fassung eines Vortrags, den Michel Rousseau am 9.März vor der Koordination der Euromärsche gehalten hat. Er wurde nach der Abstimmung über das Misstrauensvotum am 20.März von der Redaktion aktualisiert.
Austausch über Erfahrungen und Strategien
Die Streikkonferenz 2023 der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Gespräch mit Florian Wilde
Florian Wilde ist Referent für aktivierende und internationale Gewerkschaftspolitik in der Rosa-Luxemburg-Stiftung und organisiert die Streikkonferenzen von Anfang an mit.
Harte Bandagen im Kampf um die Post
In der Tarifrunde Deutsche Post AG geht es um mehr als um Lohn
von Tim Laumann
Nach drei Streikwellen ließ sich der Post-Vorstand endlich zu einem Angebot an die Verhandlungsführung der Gewerkschaft Ver.di herab. Es ist unmäßig kompliziert und besteht im wesentlichen aus einer Aufsplitterung der als »Inflationsbekämpfung« deklarierten steuer- und damit auch sozialabgabenfreien 3000 Euro, deren Auszahlung die Bundesregierung ermöglicht hatte. Ein Teil dieses Betrags wird nach Ablauf von einem bzw. zwei Jahren in die Entgelttabelle eingetragen.
›Yasmin Fahimi muss ihre Aussagen zurücknehmen!‹
Die »Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften« hat eine Unterschriftenaktion gegen die kapitalfreundlichen Äußerungen der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi gestartet
dokumentiert
»Die DGB-Vorsitzende Fahimi hat zum Jahreswechsel verteidigt, dass Konzerne, die mehr als 50 Millionen Euro »Krisenhilfe« vom Staat erhalten haben, diese Millionen direkt als Dividenden und Boni ausschütten dürfen. Vor dem Hintergrund der kürzlich veröffentlichten Zahlen der Organisation Oxfam zum Vermögenszuwachs erscheint die Aussage von Fahimi nochmals skandalöser:
Großbritannien
Größte Streikwelle seit einem Jahrzehnt
von Terry Conway
Die Arbeitskämpfe der letzten sieben Monate haben begonnen, den Niedergang der britischen Gewerkschaften umzukehren.
Am 1.Februar traten rund eine halbe Million abhängig Beschäftigte in ganz Großbritannien in den Ausstand – es war die größte Streikwelle seit über einem Jahrzehnt.
Frankreich: Unbefristete Streiks ab dem 7.März
Die Massenmobilisierung gegen die Rentenreform eilt von Höhepunkt zu Höhepunkt
von Christian Mahieux
Seit Mitte Januar haben an mehreren Tagen jeweils Millionen Menschen gestreikt und demonstriert. Die Bewegung wird fortgesetzt; in Aussicht stehen unbefristete Streiks in mehreren Sektoren und ein Generalstreik im März. An der Spitze der Bewegung steht seit Wochen ein landesweiter Gewerkschaftsverbund, dem CFDT, CGT, FO, CGC, CFTC, UNSA, Solidaires und FSU angehören. Der Grund für diese seltene gewerkschaftliche Aktionseinheit ist der Gesetzentwurf der Regierung zu den Renten.
Vio.Me wird nicht weichen!
Die einzige selbstverwaltete Fabrik in Griechenland
von Manfred Neugroda
In früheren Ausgaben hat die SoZ über die Fabrikbesetzung der Arbeiter:innen von Vio.Me in Thessaloniki und die Fortsetzung ihrer Produktion in Arbeiterselbstverwaltung berichtet. Seit 2012 halten die Arbeiter:innen den Betrieb besetzt, seit 2013 haben sie mit der Produktion von ökologischen Reinigungsmitteln begonnen. Hinzu gekommen ist ein medizinisches Behandlungszentrum der sozialen Klinik der Solidarität und eine Sammelstelle für Hilfsgüter für Flüchtlinge.
Inflationsausgleich und Personalentlastung
Anfang Januar haben Tarifverhandlungen für elf Millionen Beschäftigte im Dienstleistungssektor begonnen
von Violetta Bock
Für über elf Millionen Beschäftigte geht es in diesem Jahr darum, ob sie in Zeiten der Inflation spürbare Verbesserungen in Tarifkämpfen durchsetzen können, vom Handel bis zur Zeitarbeit. Die Voraussetzungen sind ganz unterschiedlich, gemeinsam ist vielen, dass der Organisationsgrad nicht hoch und die Arbeitgeber stur sind.
›Wir sind keine Handelsware‹
Warum der gemeinsame Kampf mit ausländischen Pflegekräften wichtig ist
von Karen Spannenkrebs
Karen Spannenkrebs ist Ärztin und arbeitet für den Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ) mit an dem Projekt »Pillars of Health«: Seit 2021 sammeln Organisationen aus Serbien, Rumänien, Deutschland und den Niederlanden Informationen über die Verteilung von Gesundheitsfachkräften innerhalb Europas und versuchen, die Migrations- und Gesundheitspolitik im Sinne von internationaler Solidarität zu beeinflussen.
Ukraine
›Die Unternehmer nutzen den Krieg, um Arbeiterrechte zu beseitigen‹
Interview mit Juryj Samojlow von der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft
Mitte November 2022, vier Tage nach dem Rückzug der russischen Armee aus Cherson, sprach Ignacy Józwiak von der polnischen Gewerkschaft der Arbeiterinitiative (IP) mit Juryj Samojlow, dem Vorsitzenden der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft in der Stadt Krywyj Rih. Der Bergarbeitergewerkschaft gehören derzeit auch Metallarbeiter und einige medizinische Fachkräfte an. Sie wurde 1992 gegründet und hat in Krywyj Rih 2400 Mitglieder. Samojlow vertritt darüber hinaus den lokalen Bund freier Gewerkschaften, dem auch Eisenbahner, Lehrer, Mediziner und Beschäftigte im Dienstleistungssektor angehören.
Tarifrunde Deutsche Post
Statt schlechter Qualität in Zukunft noch weniger Qualität
von Violetta Bock
15 Prozent mehr Lohn – das ist mal eine angemessene Ansage angesichts einer Inflation von gut 10 Prozent. Ab Januar 2023 verhandelt Ver.di bei der Deutschen Post AG über die Erhöhung der Tarifentgelte der Beschäftigten, Auszubildenden und dual Studierenden.
Streiks in Großbritannien
Mehr Streiktage als unter Thatcher
von Violetta Bock
Der große Showdown – Regierung will Polizei und Militär einsetzen
Die Arbeitskämpfe in Großbritannien weiten sich aus. Im November stimmten nun auch Krankenpfleger:innen beim NHS (National Health Service) in Schottland, Wales, Nordirland und England für Streiks. Sie fordern eine Lohnerhöhung von rund 17 Prozent angesichts einer Inflation von 11,1 Prozent. Die Regierung bot bis Mitte Dezember lediglich 4–5 Prozent. Seit 2010 sind die Löhne aber real um 20 Prozent gesunken, wie Forscher von London Economics berechneten.
Mehr als Inflationsausgleich
Am Gesundheitswesen wird gespart, Konzerne erhalten Milliardensubventionen
dokumentiert
Die Lohnschlacht, die derzeit im National Health Service (NHS) entbrennt, ist aus zwei Gründen von zentraler Bedeutung. Sie betrifft sehr viele Beschäftigte: Der NHS ist mit 1,6 Millionen Beschäftigten bei weitem der größte Arbeitgeber in Großbritannien und sogar einer der größten weltweit. Beim aktuellen Lohnkampf geht es vor allem auch darum, den NHS als frei zugänglichen öffentlichen Dienst für alle zu retten bzw. wieder herzustellen.
EUGH-Urteil: Tarifverträge für die Leiharbeit unwirksam
Die Leiharbeiter:innen haben eine großen Erfolg errungen
von Violetta Bock
Ein bahnbrechendes Urteil am Europäischen Gerichtshof könnte endlich der krassen Ausbeutung durch Leiharbeit einen Riegel vorschieben. Demnach dürfen Leiharbeiter:innen nicht schlechter gestellt sein als Stammbeschäftigte im Sinne des Gesamtschutzes.
Union Busting
BDA-Präsident unterliegt vor Gericht
von Gerhard Klas
Am 1.12.2022 stellte das Arbeitsgericht in Heidelberg die Unrechtmäßigkeit der fristlosen Kündigung des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden des Dosieranlagenherstellers ProMinent GmbH fest. Die Firma gehört dem Präsident der Bundesverbands der deutschen Arbeitgeber (BDA), Rainer Dulger, zusammen mit seinem Bruder Andreas. Das Komitee »Solidarität gegen BR-Mobbing!« organisierte vor dem Gerichtsgebäude eine Unterstützungsaktion für den Kollegen. Zahlreiche gewerkschaftlich engagierte Aktive zeigten sich im Gerichtsgebäude mit dem gekündigten Betriebsrat solidarisch.
Tarifabschluss Metall
Reallohnverlust ist eingeplant
von Jakob Schäfer
Mit Hilfe der Bundesregierung ist es dem Kapital der Metall- und Elektroindustrie gelungen, einen Tarifabschluss über zwei Jahre zu erzielen, bei dem die Einkommenszuwächse drastisch hinter den zu erwartenden Preissteigerungen zurückbleiben werden.
Sicherheitsbranche
Eine neue Dimension des Bossings
Gespräch mit Andreas Rech
Andreas Rech (50) ist seit 2013 Ver.di-Sekretär für die Sicherheitsbranche in NRW und hat das Netzwerk für Sicherheitsbeschäftigte in NRW (Wach- und Sicherheitsdienste – WaSi) aufgebaut. Gerhard Klas sprach mit ihm über einen besonders brutalen Union-Busting-Fall bei Prodiac, einem Bielefelder Tochterunternehmen der Kieler Wach- und Sicherheits GmbH & Co. KG (KWS), dem drittgrößten Sicherheitsdienstleister in der Bundesrepublik.
77 Tage Krankenhausstreik in NRW
›Auch unter derzeitigen Bedingungen können wir Siege erzielen‹
Gespräch mit Caroline Heitmann und Jonas Schwabedissen
Krankenhausbeschäftigte schauen darauf, was ihnen der Streik gebracht hat
Was bleibt vom Entlastungsstreik im Sommer 2022 aus der Sicht der Beschäftigten? Violetta Bock sprach mit Caroline Heitmann und Jonas Schwabedissen vom Uniklinikum Essen.
Tarifabschluss in der Chemieindustrie
Tarifpolitik in Krieg und Krise
von J.H. Wassermann
Wieder weitgehend geräuschlos, diesmal aber mit erheblicher Beachtung in den Medien, hat die IGBCE einen Tarifabschluss für die 580000 Beschäftigten der Chemischen Industrie getätigt. Bei einer Laufzeit von formal 20 Monaten bis zum 30.Juni 2024 werden die Tariftabellen zum 1.Januar 2023 und 2024 jeweils um 3,25 Prozent erhöht. Außerdem gibt es spätestens Ende Januar 2023 und 2024 jeweils 1500 Euro netto Einmalzahlung – »tarifliches Inflationsgeld« genannt.
Ölarbeiter voran
Regierungen drohen das Streikrecht einzuschränken
von Matthias Becker
In Frankreich und Großbritannien nehmen die Arbeitsniederlegungen gegen die Inflation zu. Die Regierungen wollen deshalb das Streikrecht einschränken.
VKG-Konferenz für kämpferische Gewerkschaften
Im Oktober finden mehrere Gewerkschaftskonferenzen statt
dokumentiert
Am 8. und 9.Oktober lädt VKG (Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften) nach Frankfurt am Main zur Konferenz. Nach Ansicht der VKG müssten die DGB-Gewerkschaften jetzt ihre fast sechs Millionen Mitglieder für Proteste mobilisieren und einen heißen Herbst organisieren. Denn die Arbeiterklasse und Teile der Selbständigen bezahlen für die Krise, für die Kosten der Pandemie und für den Krieg.
Grossbritannien – Heißer Sommer von Streiks und Solidarität
Abertausende Gewerkschafter haben die größte Streikwelle seit Jahrzehnten losgetreten
von Terry Conway*
Von Juni bis August hat Großbritannien eine Streikwelle gegen die Teuerung erlebt, wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Dann ist die Queen gestorben und die Gewerkschaften haben alle Streikpläne für Herbst abgesagt.
Krankenhausbewegung NRW
Lernprozesse für eine Gewerkschaftsbewegung im Alltag
Gespräch mit Katharina Wesenick
Nach elf Wochen Streik und 22 Verhandlungstagen endete im Sommer in Nordrhein-Westfalen einer der längsten Krankenhausstreiks in der BRD. Violetta Bock sprach mit Katharina Wesenick, NRW-Landesfachbereichsleiterin von Ver.di.
Schöne agile Arbeitswelt?
Eine Kritik moderner Managementmethoden
von Peter Nowak
Hermann Bueren: Bewegt euch schneller. Zur Kritik moderner Managementmethoden. Bremen: Kellner, 2022. 320 S., 18,90 Euro
»Wo Arbeitern Respekt gezollt wird, ist von Ausbeutung nicht mehr die Rede, es ist die romantische Verklärung schnöder Profitvermehrung«, schreibt der Publizist Felix Klopotek. Es ist auch ein Kommentar über die agile Arbeitswelt, wie sie Hermann Bueren in seinem Buch analysiert.
Olaf und das Gespenst der ›konzertierten Aktion‹
Gegensteuern mit gewerkschaftsübergreifendem Kampf für Lohnerhöhungen
von J.H.Wassermann
Im Juli rief der Bundeskanzler die Spitzenvertreter der Kapitalisten und der Gewerkschaften ins Kanzleramt – zur »konzertierten Aktion«. Und alle kamen brav, um hinterher sehr allgemein festzustellen, dass man gemeinsam weiter miteinander sprechen müsse, im September wolle man sich wieder treffen und dann vielleicht Maßnahmen gegen die Inflation verabreden.
Kahlschlag bei Benz
In Mannheim sollen hunderte Stellen in der Omnibusfertigung gestrichen werden
von Mina Gogel
Die Geschäftsführung der Daimler Truck AG ging vor den Sommerferien mit einem »Einsparprogramm« an die Öffentlichkeit: Mindestens 1000 Arbeitsplätze in Mannheim und 600 weitere in Neu-Ulm sollen vernichtet werden.
Zu wenig Personal
Der Tarifabschluss im Sozial- und Erziehungsdienst ist unzulänglich
von Antonia Wolf
«Mehr braucht mehr» lautete das Motto der Ver.di-Kampagne zur diesjährigen Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE). Das zweite «mehr» bezog sich vor allem auf mehr Personal: Verbessern sich die Arbeitsbedingungen, so die Hoffnung, entscheiden sich mehr Menschen für diese Berufe. Das abschließende Ergebnis kann dazu aber kaum beitragen, zu wenig weitreichend ist es und zu wenig eingebettet und abgesichert.
Inflationsmonster stoppen!
Hafenarbeiter gegen Preissteigerung und Arbeitsverdichtung
von J.H.Wassermann
Nach Jahrzehnten Kampfpause waren die Hafenarbeiter der norddeutschen Häfen wieder im Warnstreik und auf der Straße.
Bossing im Konzern des BDA-Präsidenten
Präzedenzfall für neues Gesetz?
von Gerhard Klas
«Der Gütetermin wurde von zahlreichen Zuschauern mitverfolgt, die dem Betroffenen offensichtlich ihre Solidarität ausdrücken wollten», schrieb die Rhein-Neckar-Zeitung. Auch die Unterstützer:innen ließen sich den Termin am 8.Juni vor dem Arbeitsgericht in Heidelberg nicht entgehen, dabei ging es um die Ersatzzustimmung für die Kündigung des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden von ProMinent, dem Konzern des amtierenden Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Arbeitgeber (BDA), Rainer Dulger.
Die Enteignung der Zeit
34 Geschichten vom Leben mit der Arbeit
von Wolfgang Hien
Spuren der Arbeit. Geschichten von Jobs und Widerstand (Hrsg. Mark Richter u.a.) Berlin: Die Buchmacherei, 2021 257 S., 14 Euro
Dieses Buch ist ein Hammer – ein Hammer auf den Amboss versteinerter Sprachlosigkeit über himmelschreiende Arbeits- und Lebensverhältnisse der Arbeiter:innenklasse. Es ist kein Buch über die Vergangenheit, es ist ein Buch über die Jetztzeit.
Kampf gegen die Arbeit
Über die Arbeitsbedingungen im Versandhandel und in der Fleischindustrie
von Wolfgang Hien
Peter Birke: Grenzen aus Glas. Arbeit, Rassismus und Kämpfe der Migration in Deutschland. Wien: Mandelbaum, 2022. 398 S., 27 Euro
Dies ist ein beeindruckendes und zugleich schwieriges Buch.
Lernen, machen, lehren
Ehrenamtliches Organizing verwandelt den Moment in eine Bewegung
von Stephanie Basile, Brittany Carloni und Andrew Pantazi
In der Diskussion um die Erneuerung der Gewerkschaften wird Organizing oft auf hauptamtliche Projektsekretär:innen reduziert. Wir übersetzen daher einen Text von Stephanie Basile, Brittany Carloni und Andrew Pantazi, der zuerst auf labornotes.org erschien. Am Beispiel der Zeitungsjournalist:innen in den USA zeigen sie, wie es anders gehen kann.
Sozial- und Erziehungsdienst
Es ging nie um Entlastung
von Violetta Bock
Am 18.Mai kam es zu einer Einigung zwischen der Tarifkommission von Ver.di, dem Beamtenbund dbb und dem Verband kommunaler Arbeitgeber (VKA) für die 330000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Bis Mitte Juni werden nun die Mitglieder befragt.
Klinikstreik NRW: Der Delegiertenrat der 200
Die Verhandlungen mit den Unikliniken in NRW haben begonnen
von Violetta Bock
An den sechs Unikliniken in NRW streiken die Beschäftigten, von der Küche bis zur Pflege, seit Anfang Mai unbefristet. Der Arbeitgeberverband hatte Verhandlungen abgelehnt, deshalb verhandeln die sechs Unikliniken nun direkt mit der Tarifkommission, die von einem 200köpfigen Delegiertenrat begleitet wird.
Der Lohnabschluss in der chemischen Industrie
Tarifpolitik in Krieg und Krise
von J.H.Wassermann
Nach einem dreijährigen Abschluss 2019 stand in diesem Frühjahr die Tarifrunde zum Entgelt in der chemischen Industrie für rund 580000 Beschäftigte an.
Streiks an Unikliniken und S&E
Entlastung ist zentral für Carearbeit
von Violetta Bock
Der Mai wird für zwei Tarifrunden entscheidend: die Entlastungsbewegung an den Unikliniken in Nordrhein-Westfalen und die bundesweite im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE). In beiden geht es um die kollektiv organisierte Sorge- und Pflegearbeit.
Das Treffen von Amazon Workers International in Bad Hersfeld
Internationale Basisvernetzung entlang der Wertschöpfungskette
vom Streiksolibündnis Leipzig
Vom 25. bis 27.März 2022 fand in Bad Hersfeld das Halbjahrestreffen der Amazon Workers International (AWI) statt, einem Netzwerk von Amazon-Beschäftigten und Unterstützer:innen vor allem aus Europa. Diesmal kamen Menschen aus Polen, Deutschland, Frankreich und Italien sowie – per Liveschaltung – den USA zusammen.
Flughäfen
Erst Pandemie, dann Union Busting
von Gerhard Klas
Viele Unternehmen an den Flughäfen sind während der Pandemie in die Krise geraten und haben auf Kurzarbeit umgestellt. Jetzt läuft der Betrieb wieder an, aber die Spuren der Pandemie schlagen sich in den Bilanzen nieder. Der ökonomische Druck ist groß – und soll anscheinend auf die Beschäftigten abgewälzt werden.
Streik für kleinere Schulklassen
Die Entlastungsbewegung hat die Schulen erreicht
von Christoph Wälz*
Am 7.April streikten in Berlin 3000 Lehrkräfte für kleinere Klassen und mehr Personal. Die Gewerkschaft GEW hatte die angestellten Lehrkräfte der 683 öffentlichen Berliner Schulen zu einem Warnstreik für einen Tarifvertrag Gesundheitsschutz aufgerufen.
Streik im Frauenhaus
Für den Schutz von Frauen muss noch viel geschehen
von Friederike Schneider*
Im Zentrum der Sozialen Arbeit stehen zumeist Menschen, die gesellschaftlich benachteiligt sind. Konsequenterweise ist es für sie ohnehin schwieriger bis unmöglich, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.
Betriebsratswahlen 2022
Neuer Aufbruch oder letzte Reste von Demokratie im Betrieb auf dem Prüfstand?
von Gerhard Klas
Seit dem 1.März wählen Millionen Beschäftigte ihre Betriebsräte. Wie alle vier Jahre. Drei Monate haben sie dafür Zeit. Doch in vielen Betrieben sind sie gar nicht erwünscht, Vorstände, Geschäftsführungen und von ihnen beauftragte Anwaltskanzleien versuchen, die Gründung selbst oder eine tatsächliche Interessenvertretung durch die Gremien zu verhindern.
Kampf um das Krankenhaus Holweide
Ein Lehrstück über Profitorientierung im Gesundheitssystem
dokumentiert
In den Anfängen der Pandemie schienen die Träume von der Privatisierungsorgie bei den Krankenhäusern vom Tisch. Doch die schwarz-gelbe Regierung in NRW hält an der Schließung von Krankenhäusern fest. Betroffen ist auch das Krankenhaus in Köln-Holweide. Ein Korrespondent der Subversiven Aktion hat sich mit den Auswirkungen befasst.
Mehr braucht mehr!
Die Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsdienst hat begonnen – zieht Ver.di Lehren aus dem Streik 2015?
von Violetta Bock
330000 Beschäftigte arbeiten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst (SuE). Die Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) wurden im Frühjahr 2020 coronabedingt unterbrochen und werden jetzt wieder aufgenommen. Der letzte große Streik war 2015, er zeigte durch kreative Aktionen die Entschlossenheit der Kolleg:innen, hinterließ aber viele Enttäuschungen. Hat Ver.di daraus gelernt?
Es geht ums ganze Krankenhaus
Ver.di NRW übernimmt den Staffelstab aus Berlin und kämpft für einen Tarifvertrag Entlastung
von Violetta Bock
Bei der Diskussion um die Gesundheitsversorgung stehen derzeit Intensivstationen, Impfpflicht und Corona im Vordergrund. Für eine tatsächliche Verbesserung kämpfen jedoch die Beschäftigten. Ende letzten Jahres blickten viele nach Berlin, als an der Charité und bei Vivantes durch neue Streik- und Verhandlungsmethoden ein Durchbruch für mehr Personal gelang. Der Staffelstab wurde nun an NRW weitergegeben.
Amazon stiehlt Zeit…
…und hält nicht viel von Mitbestimmung
Gespräch mit Alexander Hähnel
Alexander Hähnel arbeitet seit 2003 bei Amazon in Bad Hersfeld. Er ist seit 2012 Betriebsratsmitglied und seit 2014 BR-Vorsitzender. Violetta Bock sprach mit ihm über die aktuelle Auseinandersetzung zur Vergütung der Wegezeiten und die Mitbestimmung bei Amazon.
Der Arbeitskampf im Sozial- und Erziehungsdienst
Warum er uns alle angeht – und warum er feministisch ist
von Aktivistinnen des feministischen Solibündnisses SuE Kassel
Zum diesjährigen Frauenkampftag schmieden Ver.di und Frauenstreik ein Bündnis rund um die Tarifrunde des Sozial- und Erziehungsdienstes (SuE).
Dem Phantom der „Lohn-Preis-Spirale“ entgegentreten!
Die anstehenden Tarifverhandlungen müssen die Teuerungsrate berücksichtigen
von Jakob Schäfer
Ende 2021 wurde deutlich, dass die hohe Teuerungsrate so schnell nicht wieder sinken wird.1 Die gewerkschaftsoffiziellen Reaktionen auf diese Entwicklung sind extrem leise und haben mit dem Abschluss des Tarifvertrags im Öffentlichen Dienst (Länder) vom November einen traurigen Tiefpunkt erreicht.
Betriebsrat gegen Amazon
Abmahnung wegen Antisemitismusvorwurf muss aus der Akte entfernt werden
von Violetta Bock
Amazon ist bekannt dafür, neben Waren allerlei Tricks auf Lager zu haben, um gegen Betriebsräte und Gewerkschaften vorzugehen. Diesmal hat das Unternehmen versucht, den Ruf eines Beschäftigten mit dem Vorwurf des Antisemitismus zu beschädigen.
‹Ohne uns hat das System keine Relevanz mehr›
Die nächste Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsdienst will betriebliche Streiks und Frauenstreik miteinander verbinden
Gespräch mit Ariane Raad
Der Tarifkampf im Sorgebereich im kommenden Frühjahr will ein gesamtgesellschaftlicher Streik sein. Darüber sprachen wir mit Ariane Raad, Gewerkschaftssekretärin bei Ver.di im Bezirk Stuttgart für den Fachbereich Gemeinden und aktiv in der AG Feministische Lohnarbeitskämpfe.
Jetzt kommt es auf die Umsetzung an
Tarifeinheitsgesetz bei der Deutschen Bahn
Gespräch mit GDL-Mitglied
Nach dem Streik der GDL geht die Auseinandersetzung bei der Bahn weiter
Bei der Bahn soll nun zum ersten Mal das Tarifeinheitsgesetz angewandt werden. Damit gilt in einem Betrieb nur der Tarifvertrag der Mehrheitsgewerkschaft. Wie wird das umgesetzt? Darüber sprachen wir mit dem aktiven GDL-Mitglied Lukas (Name von der Red.geändert), der seit 2012 als Lokführer bei der Bahn arbeitet.
ProMinent
Corona und BR-Mobbing im Betrieb des BDA-Präsidenten
von Gerhard Klas
ProMinent ist Hersteller von Dosieranlagen und Systemen für die Wasseraufbereitung mit etwa 700 Beschäftigten am Stammsitz in Heidelberg; weltweit arbeiten in den Niederlassungen etwa 2700 Kolleg:innen.
Ikea
Belegschaft kämpft für einen Tarifvertrag Digitalisierung
von vb
Bei Ver.di ist die Digitalisierung inzwischen in der Tariflandschaft angekommen. Zum 1.Januar 2022 tritt der Tarifvertrag Digitalisierung Bund in Kraft – zwischen Ver.di, dem Deutschen Beamtenbund und dem Bundesinnenministerium. Er regelt Ziele wie Qualifizierung, Entgelt- und Arbeitsplatzsicherung.
Sein «zweiter Anlauf»
Lieder und Texte für den Arbeitskampf
von Gerhard Klas
Bernd Köhler: Halt-LOS. Der zweite Anlauf. Texte, Lieder und Geschichten 1990–2020. Llux Agentur und Verlag 2021. 272 S., 18 Euro + 2 Euro Versand,
Bestellung über bk@ewo2.de
Die IG Metall und der sozial-ökologische Umbau
Die Automobilgewerkschaft meldet sich mit eigenen Vorstellungen zu Wort
von Christiaan Boissevain, München
Der derzeitige «ökologische» Umbau der Wirtschaft ruft auch die IG Metall auf den Plan. Sie will, dass dieser sozial gerecht gestaltet wird. Dafür hat sie am 29.Oktober einen bundesweiten Aktionstag durchgeführt. Der Testfall für ihre Vorstellungen wird die Schließung des Bosch-Werks in München.
Krankenhausbewegung: Neuer Stil bringt neuen Schwung
Das neue Arbeitskampfkonzept hat sich voll ausgezahlt
von Violetta Bock
Viele haben im Herbst nach Berlin geblickt. Nicht nur wegen des Volksentscheids zur Enteignung großer Wohnungskonzerne, sondern auch wegen des über vier Wochen andauernden Erzwingungsstreiks zur Entlastung der beiden größten Krankenhäusern Berlins. Ein Leuchtturm sollte geschaffen werden für Arbeitskämpfe im Gesundheitswesen, und darüber hinaus.
Autoverleih Sixt: Bossing nach Lehrbuch
Drei engagierte Beschäftigte, drei fristlose Kündigungen
von Gerhard Klas
Die Geschäftsführung des Autoverleihers Sixt geht aktiv gegen Betriebsratsgründungen vor. Ganz aktuell am Düsseldorfer Flughafen.
‹Die Seele nimmt Schaden – egal, ob man am Ende Recht bekommt›
In Mannheim diskutieren Betroffene von Union Busting über Gegenstrategien
von Clemens Melzer
Bei der Konferenz «Betriebsräte im Visier – Bossing, Mobbing & Co.» am 16.Oktober im Gewerkschaftshaus Mannheim kochten die Emotionen hoch. Eingeladen wurde zum Austausch über effektive Gegenwehr gegen die systematische Bekämpfung engagierter Betriebsräte, für die Unternehmen immer häufiger auf die Dienste professioneller Agenturen wie die als «Fertigmacher» bekannt gewordene Kanzlei Schreiner + Partner zurückgreifen.
Tarifrunden Handel
Für Ver.di ist der Abschluss ein Erfolg
von Helmut Born
Am 29.September kam es in Hessen zu einem ersten Ergebnis in den laufenden Tarifrunden des Einzel-, Groß- und Außenhandels.
Ohne uns läuft hier nichts!
Studentische Beschäftigte kämpfen für einen Tarifvertrag
von Ann-Kathrin Hoffmann
Es ist die größte Tariflücke im öffentlichen Dienst: Mehr als 300000 studentische Beschäftigte an den Hochschulen sind bundesweit von Tarifverträgen ausgeschlossen. Die einzige Ausnahme: Berlin. Dort nutzten Tutor:innen Ende der 1970er Jahre angesichts drohender Massenentlassungen die Gunst der Stunde und erkämpften einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TVStud).
Berliner Krankenhausbewegung
Eine neue Schicht betrieblicher Aktivist:innen
von Christoph Wälz
Seit dem 9.September wird bei Charité und Vivantes unbefristet gestreikt.
Unbefristete Erzwingungsstreiks sind in deutschen Gewerkschaften nicht gerade die Regel. Eine Mehrheit von 98 Prozent der in Ver.di organisierten Beschäftigten in elf Berliner Kliniken von Charité und Vivantes und ihren Tochterunternehmen hat sich in einer Urabstimmung dafür ausgesprochen.
Endlich ein Urteil
Geschäftsführer muss wegen Behinderung des Betriebsrats zahlen
dokumentiert*
Der Geschäftsführer eines saarländischen Logistikdienstleisters muss wegen Behinderung des Betriebsrats 80 Tagessätze Strafe zahlen. Die IG Metall Völklingen hatte die Strafanzeige 2019 gestellt und nun nach zwei Jahren Verfahren Erfolg, wie sie in einer Pressemitteilung berichtet. Das ist ein Durchbruch.
IG Metall vs. Schreiner & Partner
Widerstand gegen professionelle Betriebsrätemobber
von Gerhard Klas
Sechzig Jahre ohne Betriebsrat, bis heute ohne regulären Tarifvertrag – das ist Teil der Geschichte der Wikus-Sägenfabrik GmbH & Co. KG. Das wollen die Beschäftigten nun ändern und werden am 26.Oktober zum ersten Mal einen Betriebsrat wählen. Sie haben dabei den Rückhalt der IG Metall, aber auch weit darüber hinaus.
Basta! statt Pasta
Wochenlange Streiks bei Teigwaren Riesa waren erfolgreich
von vb
Seit die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) es sich zum Ziel gesetzt hat, die Lohnmauer zwischen Ost und West einzureißen, wird der Aufbruch Ost in den Betrieben erlebbar.
Reiche Ernte. Volle Scheune. Neue Aussaat
Der erfolgreiche GDL-Arbeitskampf ist ein Vorbild für alle Gewerkschaften
von Winfried Wolf
Der Herbst ist die Jahreszeit, in der die Ernte eingefahren wird. Und diese wird nun reichlich eingebracht – in die Scheunen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Und wie in der Landwirtschaft der Fall, so wurde die Ernte der Bahnbeschäftigten mit harter Arbeit verdient.
Lohnerhöhung nach Geschäftslage?
Bei den Tarifrunden im Handel hat Ver.di eine harte Nuss zu knacken
von Helmut Born
Seit April dieses Jahres laufen die Tarifrunden im Einzel-, Groß- und Außenhandel, ohne dass ein Ergebnis erzielt wurde. Das Problem ist: Kaum jemand nimmt Notiz davon, was in diesen Bereichen passiert, es gelingt nur schwer, die Öffentlichkeit zu erreichen.
Das Selbstbewusstsein der GDLer steigt
Eindrücke von den ersten Tagen des Streiks
von Violetta Bock
Als wir uns frühmorgens am Mittwoch, dem 11.August, dem weißen Pavillon etwas abseits des Haupteingangs nähern, spürt man noch die Unsicherheit. Es ist der erste Streiktag der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Monatelang war das Thema in den Medien, und der GDL-Vorsitzende stand im Zentrum. Vier Wochen wurde abgestimmt, 95 Prozent der Beteiligten machten ihr Kreuz für den Arbeitskampf. Nun ist es an den Kolleginnen und Kollegen ihr Gesicht zu zeigen.
Start-Ups kommen und gehen, die Rider-Community bleibt
Arbeitskampf bei Gorillas: ‹Ohne uns können sie nicht existieren›
von Clemens Melzer
Mit Streiks und Blockaden haben sich die Fahrer:innen des Lebensmittelbringdienstes Gorillas in die öffentliche Aufmerksamkeit katapuliert. In den sozialen Medien ist das Gorillas Workers Collective präsenter als das Unternehmen selbst, sogar Bundesarbeitsminister Hubertus Heil stattete den Ridern einen Besuch ab. Wofür kämpfen die Rider und wie stehen ihre Chancen, das Kräfteverhältnis zwischen Straße und Management dauerhaft zu verschieben?
Was uns nach der Wahl blüht…
…wenn die Gewerkschaften sich nicht besinnen, endlich mal die Zähne zu zeigen
von Manfred Dietenberger
«Im Bund regieren wie in NRW» will Armin Laschet, wenn die Union es in die nächste Bundesregierung schafft. «Entfesselung» heißt das Zauberwort, auf das sich Union und FDP auch bundesweit in ihrem Wahlplattformen verpflichtet haben. Die Unternehmerverbände sagen deutlich, was sie entfesselt haben wollen.
Wolfgang Hien, Wolfgang Alles: Gesundheitsschutz muss erkämpft werden!
Mannheim: IG Metall Mannheim, 2021
von Angela Klein
Wolfgang Hien war Referent für Arbeitsschutz beim DGB; Wolfgang Alles war Betriebsratsvorsitzender bei Alstom in Mannheim schon zu Zeiten, als das Werk noch Brown Boveri (BBC) gehörte.
20 Jahre Genua
Kampfansage gegen den Kapitalismus
von Anja
Heute vor 20 Jahren fanden in Genua die Proteste gegen den G8-Gipfel statt. Ich war damals mit 250.000 anderen Menschen auf der Straße und habe gegen den Kapitalismus gekämpft. Die Proteste markierten nur den Endpunkt einer langen, intensiven Vorbereitungs- und Mobilisierungsarbeit.
Gewerkschaft der Lokführer vs. Deutsche Bahn
Die Medienschlacht tobt schon längst, der Arbeitskampf beginnt jetzt
von Violetta Bock
Die erste Arbeitskampfmaßnahme, die der GDL-Vorsitzende Weselsky in der Pressekonferenz am 24.Juni ankündigt, ist die Urabstimmung unter den 37000 Mitgliedern, die bei der Bahn beschäftigt sind.
Riders United!
Robin De Greef: Riders United! Arbeitskämpfe bei Essenslieferdiensten in der Gig-Economy, das Beispiel Berlin. Berlin: Die Buchmacherei, 2020. 143 S., 10 Euro
von Peter Nowak
Immer mehr prägen Essenslieferdienste das Straßenbild großer Städte. Dabei wird oft vergessen, welche Arbeitsbedingungen in der Branche dominieren. Und immer wieder erinnern die Beschäftigten selber daran, dass Ausbeutung zum Geschäftsmodell gehört.
Sie machen uns kaputt
Psychische Belastungen sind seit jeher Ergebnis struktureller Gewalt am Arbeitsplatz
von Violetta Bock
Es ist bekannt, wie krank machend die moderne Arbeitswelt ist, und dennoch wird wenig bis gar nichts dagegen unternommen. Vor zehn Jahren erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den beruflichen Stress zu «einer der größten Gefahren des 21.Jahrhunderts». Erst vor kurzem erhielt das Thema neue Aufmerksamkeit.
‹Gebraucht, beklatscht, aber bestimmt nicht weiter so›
Berliner Krankenhausbewegung stellt Kliniken und Politik ein Ultimatum von hundert Tagen
von Violetta Bock
Pflegenotstand, Fachkräftemangel, und keine Besserung in Sicht? Die Politik dankt fürs Durchhalten – doch damit ist nun Schluss, zumindest in Berlin.
Streikbereit und auf Wachstum aus
Die GDL will Mehrheitsgewerkschaft werden
von vb
Es kann spannend werden. Am 17.Mai legte die Deutsche Bahn AG der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ein Angebot vor.
‹Unzureichend, lasch, halbherzig›
Das Betriebsrätemodernisierungsgesetz stärkt Betriebsräte nicht
von vb
Von Politikern heißt es oft, sie brauchen viele Worte, um wenig zu sagen. Beim Betriebsrätemodernisierungsgesetz scheint es ähnlich zu sein. Am 21.5. wurde es im Bundestag verabschiedet. Es zählt 33 Buchstaben, und von verschiedensten Seiten heißt es bislang, dass es nicht ausreicht.
Krankmelden is nich
Im Assistenzdienst wird Pflegemindestlohn verweigert und die Gründung eines Betriebsrats verhindert
von Gerhard Klas
Ipsa-Vita ist der Name eines Dienstleistungsunternehmens aus Köln, das persönliche Assistenz für behinderte Menschen anbietet. Die etwa 200 Beschäftigten arbeiten in mehr als einem Dutzend Teams, die sich jeweils die 24-Stunden-Schichten für eine Klient:in aufteilen.
Nichts zu feiern am ‹Tag der Pflege›
Am Tag des Pflegenotstands demonstrierten in Hamburg Pflegekräfte und Menschen aus dem Stadtteil gegen den Verkauf ihres Krankenhauses
von Axel Hopfmann*
Von berufsständischen Vereinigungen der Pflege wird der 12.Mai als «internationaler Tag der Pflege» gefeiert. Nicht so von Initiativen, die sich um die Personalausstattung im Gesundheitswesen kümmern. Aus deren Sicht wurde der Feiertag umbenannt in «Tag des Pflegenotstands», und zu feiern gibt es wenig.
Die Genossen und die Geno
Bremen: Senatorin der LINKEN stimmt Personalabbau in Kliniken zu
von vb
Allein im Vor-Corona-Jahr 2019 wurden in deutschen Krankenhäusern 4000 Klinikbetten abgebaut, so viel wie in den acht Jahren zuvor – das ergab eine Anfrage der LINKEN im Bundestag. Und auch noch während der weltweiten Pandemie werden weitere Krankenhäuser und Betten geschlossen. Die Privatisierung schreitet weiter voran. Öffentliche Krankenhäuser agieren zunehmend wie private. Die schwarze Null und mehr ist das Ziel.
Deutsche Post/DHL: bester Arbeitgeber?
Der Konzern hat 2020 4,8 Mrd. Euro erwirtschaftet –
ein Rekord. Die Beschäftigten sehen davon nichts
von San del van Letniz
Wenn man die Morgenbesprechungen der Führungskräfte mit der Belegschaft verfolgt oder die Öffentlichkeitsarbeit des «gelben Riesen» mit seinen Verlautbarungen wie «Bester Arbeitgeber» bzw. «Wir zahlen die besten Löhne» betrachtet, könnte man den Eindruck gewinnen, hier stelle sich wirklich mal ein guter Arbeitgeber vor.
Sicherheitsbranche
‹Ihr habt gefälligst euer Handy anzumachen, auch nachts›
von Gerhard Klas
Depressionen und Burnout sind in der Sicherheitsbranche nicht unüblich. Für die Arbeit gibt es zwar Regeln, doch die Unternehmer halten sich nicht daran.
Für Stress und Gesundheitsgefährdung gibt es nur den Mindestlohn
In der Fleischindustrie herrscht Tarifkampf, die Arbeitgeberverbände
blockieren die Verhandlungen
von Tina Ress
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der DGB riefen am Samstag, dem 17.4., in der Region Nordhessen zu einer Kundgebung in Gudensberg im Schwalm-Eder-Kreis nahe Kassel auf.
Die IG Metall knickt ein
Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie: Die Kampfbereitschaft der Metaller:innen wurde nicht genutzt
von Otto Ersching*
Noch vor Ostern einigten sich IG Metall und der Gesamtmetall NRW auf einen Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie. Vorangegangen waren kreativ gestaltete Warnstreiks der Metaller:innen zur Durchsetzung ihrer Forderungen. 800000 Gewerkschafter:innen beteiligten sich daran. Der Tarifabschluss in Nordrhein-Westfalen kam nicht ganz überraschend, der IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hatte ihn bereits angekündigt.
Amazon Alabama
Niederlage für die Gewerkschaft
von vb
Amazon hat die Gewerkschaftswahl gewonnen, doch die Gewerkschaften werden sie nicht mehr los.
Gebannt haben viele Menschen in den letzten Wochen nach Alabama geblickt.
Organizing…
…das Wort geistert schon länger durch die Gewerkschaftsdebatten
von der Redaktion
Zunehmend findet es auch Eingang in den Wortschatz von Klimaaktivisten, Mietenbewegung und Parteiaktiven. Doch was ist damit eigentlich gemeint? Und ist das nicht ohnehin das, was die Linke seit eh und je macht?
Die linke Debatte bleibt oft in der Phase der Wut stecken
Jede Aktivistin kennt das Problem: Wie verwandle ich meine Wut in eine kollektive Kraft? Organizing gibt Methoden an die Hand. Der Podcast Klassenfrage will sie breiter bekannt machen
Gespräch mit Stefan Reiner und Katja Barthold
Der Podcast Klassenfrage zu Themen wie dem Matrosenaufstand 1918 bis hin zu Interviews mit Aktiven aus Betrieben und Initiativen will helfen, die Klasse sichtbar zu machen und Handwerkszeug für erfolgreiche Kämpfe zu liefern. Eng damit verzahnt ist die Homepage organisier-dich.info, um Organizing-Tools bekannter zu machen.
Wie subjektive Erfolge objektiv folgenlos bleiben…
Organizing ist ein anerkanntes Mittel, Interessenvertretung im Betrieb aufzubauen. Was wurde damit erreicht? Eine persönliche Bilanz, nach mehr als einem Jahrzehnt
von Slave Cubela*
Jeffrey Raffo, heute Verdi-Organizer und ohne Zweifel derjenige, von dem ich am meisten über Organizing gelernt habe, sagt gern, dass sich im Schnitt in einem Jahr Organizing-Arbeit die Erlebnisse von vier normalen Lebensjahren ballen.
‹Hauptsache kämpfen› reicht nicht
Für den Aufbau einer sozialistischen Bewegung brauchen wir auch Kader
von Michael Heldt
Die alltägliche politische Arbeit besteht in der Hauptsache darin, Menschen, die bisher unentschlossen und ohne Hoffnung sind, zu sichtbaren Aktivisten, Kernen von Kampagnen und festen Mitstreiter:innen zu entwickeln.
Organizing heißt Ermächtigung
Organizing ist nicht gleich Organizing. Beim Ansatz von Jane McAlevey kommt es darauf an, die Neutralen zu organisieren, nicht die ohnehin Aktiven
von Florian Wilde*
Als vor 15 Jahren die ersten Organizing-Pilotprojekte in Deutschland in einer Kooperation von Ver.di mit der US-amerikanischen Dienstleistungsgewerkschaft SEIU gestartet wurden, war diese Übernahme spezifischer, von den amerikanischen Gewerkschaften entwickelten Organisierungsmethoden hierzulande von großen Hoffnungen begleitet.
Cari… – was?
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Der fast «unglaubliche» Vorgang, dass die Caritas der katholischen Kirche einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für Pflegeberufe verhindert hat, verdient einige Aufmerksamkeit.
Streik bei Amazon in Italien
Den Taktgeber bremsen
von Violetta Bock
In Italien legten am 22.März die Beschäftigten von Amazon die Arbeit nieder. Schon vorher hatte es an verschiedenen Standorten Kämpfe und Streiks gegeben. Das Besondere diesmal: Der Streik betraf die gesamte Lieferkette in ganz Italien.
Vom Geschäft mit der Behinderung
Wer die Autokonzerne bestreiken will, sollte sich an die Werkstätten wenden
von Leni Klaaß
Selbst entwickelte Produkte aus Behindertenwerkstätten, das war einmal. Heute arbeiten Menschen mit Behinderungen vor allem für große und kleine Unternehmen – für ein Taschengeld.
Umweltfragen? Nicht unser Bier
Ver.di-Tarifvertrag zum Kohleausstieg stärkt RWE den Rücken
von Helmut Born
Im September 2019 hat der Bundeskongress der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di einen Beschluss «Nachhaltige Wirtschaft und aktiver Staat» gefasst. Darin ist die Forderung nach dem Erhalt des Hambacher Waldes und der Dörfer im Rheinischen Revier enthalten. Für die Umsetzung dieser Forderung ist seither in der Gewerkschaft so gut wie nichts passiert.
Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie
Es geht nicht nur um 4 Prozent
von Violetta Bock
Am 1.März endete die Friedenspflicht der 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Seitdem haben sich schon über eine halbe Million an Warnstreiks beteiligt (Stand: 23.3.).
Rest in Power
Eine ungewöhnliche Trauerfeier für einen ungewöhnlichen Kämpfer
von Violetta Bock
Am 21.Februar fand die internationale Gedenkveranstaltung zu Ehren von Christian Krähling statt. Christian wurde bekannt als Arbeiterführer, Vertrauensleutesprecher und einer der Streikaktivisten der ersten Stunde bei Amazon in Bad Hersfeld. Für viele stand er noch für einiges mehr. Das wurde auf dieser Veranstaltung deutlich.
Endlich vereint
Gewerkschaften und Umweltverbände in Frankreich Hand in Hand
von Bernard Schmid
Er will sozialen Kampf und Ökologie in Einklang bringen, und das in einem Industriezweig, dessen Produktion jedenfalls in ihrer bisherigen Form unter Klima- und Umweltgesichtspunkten nicht wünschenswert ist – die Rede ist vom Arbeitskampf beim französischen Energiekonzern Total am Raffineriestandort Grandpuits, gut fünfzig Kilometer östlich von Paris.
systemrelevant.tv
Hier kommen ArbeiterInnen zu Wort
von Clemens Melzer*
Auf dem YouTube-Kanal erzählen Arbeiterinnen und Arbeiter, wie ihr Alltag aussieht, was sie morgens motiviert aufzustehen und wie sie für ein besseres Leben kämpfen.
«Wir wollen nicht um Lohnerhöhungen betteln»
LEG-Beschäftigte streiken für einen Tarifvertrag
Gespräch mit Patrick Koch
Patrick Koch arbeitet als Objektbetreuer seit knapp drei Jahren bei TSP (Technik Service Plus), einer Tochtergesellschaft des Wohnungsunternehmens LEG, und ist Mitglied der Tarifkommission. Er und seine 410 KollegInnen streiken derzeit dafür, dass der Haustarifvertrag der LEG auch für sie gilt.
Lernen, Mehrheiten zu gewinnen
Organizing an Schulen
von Christoph Wälz*
Die Impulse der US-Organizerin Jane McAlevey für ein „tiefes“ Organizing werden in Deutschland zu Recht mit großem Interesse diskutiert und ausprobiert.
Das war 2020 bei ZF-Friedrichshafen
«…kurz gesagt, ein Jahr zum Vergessen»
von Manfred Dietenberger
Wie kein anderer Konzern wäre ZF-Friedrichshafen dazu prädestiniert, den Vorreiter in der Mobilitätswende zu geben. Man sollte meinen, die Tatsache, dass er der paritätischen Mitbestimmung unterliegt, würde die Sache erleichtern. Dem ist aber nicht so. Nachstehend Folge 6 unserer Serie über ZF-Friedrichshafen.
Eskalation in Untertürkheim
Daimler-Vorstand will Belegschaft erpressen
von Paul Michel
Bei Daimler spitzt sich der Streit um den drohenden Personalabbau im Powertrain-Werk Untertürkheim weiter zu. In einem Schreiben an die Beschäftigten hat die Konzernführung den Beschäftigten mit einem Aus für das geplante «Kompetenzzentrum Elektromobilität» im Stammwerk für den Fall gedroht, dass die Betriebsräte weiter auf ihren Forderungen beharren.
Tarifauseinandersetzung Metall und Elektro
Klassenkampf nur von oben?
aus Avanti2
Die Mitte Dezember beginnende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie hat es in sich. Der Kapitalistenverband Gesamtmetall nutzt die «Corona-Krise» zur Verschärfung des Klassenkampfs von oben. Was setzt die IG Metall dem entgegen?
Abschiedsbrief einer Betriebsrätin
Eine engagierte Bauhaus-Angestellte appelliert an ihre ehemaligen KollegInnen
dokumentiert
Mehr als zehn Jahre hat sie in einer Bauhausfiliale gearbeitet, die letzten drei davon als Betriebsrätin. Solche gibt es bei Bauhaus nur sehr wenige. Nach zahllosen Klagen und Schikanen entschied sie sich, aufzuhören und sich anderswo zu bewerben. Sie ist nicht gerne gegangen.
Kampffähig trotz Corona
Im Mercedes-Stammwerk Untertürkheim stehen die Zeichen auf
Sturm
Gespräch mit Michael Clauss
In der Automobilindustrie stehen die Beschäftigten seit Monaten unter einem doppelten Druck: Sie sollen die Kosten der Elektromobilität tragen, indem Arbeitsplätze im Verbrennerbereich ersatzlos wegfallen. Zudem werden weiter Standorte in europäische Billiglohnländer verlegt.
Die Sozialpartnerschaftsideologie
Sand im Getriebe des Fortschritts
von Manfred Dietenberger*
Wie kein anderer Konzern wäre die ZF Friedrichshafen dazu prädestiniert, Vorreiter für die Mobilitätswende zu werden. Auch wegen seiner Eigentumsstruktur. Nachstehend die 5.Folge unserer Serie über die ZF Friedrichshafen.
Jetzt wart ihr dran
Ein Rückblick auf die Tarifrunde im öffentlichen Dienst
von Violetta Bock
Seehofer nennt das Ergebnis in der Süddeutschen Zeitung finanziell gesehen «an der Grenze des Verkraftbaren». Für den Bund bedeute das Tarifergebnis 1,2 Mrd. Euro jährliche Mehrkosten.
Tarifrunden öffentlicher Dienst
Die Ergebnisse
von vb
Nach viertägigen Verhandlungen wurde am 25.Oktober das Ergebnis für die 2,3 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst verkündet.
Etwas mitgenommen
Tarifabschluss in den Kliniken
von Tobias Michel*
Es bleibt kühn, das Tarifergebnis im öffentlichen Dienst vorausschauend zu kritisieren. Das zehnseitige Einigungspapier der Arbeitgeber mit den Gewerkschaften vom 25.Oktober ist noch lang kein Tarifvertrag. Auf den werden wir noch einige Monate warten. Und die Erfahrung der letzten Jahre lehrt: Da werden wir über manche Überraschung stolpern.
Aufbruch Ost
Erfolgreicher Tarifkampf der Gewerkschaft NGG in Ostdeutschland
Gespräch mit Olaf Klenke und Thomas Lissner
In den letzten Monaten konnte die NGG mit einer offensiven Tarifkampagne beachtliche Lohnerhöhungen in Betrieben der Ernährungswirtschaft durchsetzen und damit die Lohnlücke zum Westen verkleinern (siehe SoZ 10/20).
Raus aus der Routine?
Tarifrunde im öffentlichen Dienst
von Christoph Wälz*
Die «neuen Wege» der Gewerkschaft Ver.di könnten einen gewerkschaftspolitischen Wendepunkt markieren.
Die Fahrer sterben aus
BusfahrerInnen streiken, weil ihr Beruf dringend attraktiver werden muss
Gespräch mit Patrick Mellor
PATRICK MELLOR ist Busfahrer am Niederrhein. Er fährt dort für einen kleinen privaten Betrieb, der die städtischen Linien bedient. Bis vor einem Jahr war der Betreiber noch öffentlich, doch dann hat die Niederrheinische Verkehrs AG die Aufgaben des Verkehrsbetriebes übernommen.
Null Toleranz bei Angriffen von Arbeitgebern
Konferenz gegen BR-Mobbing in Mannheim
von Violetta Bock
Am 17.Oktober fand die siebte Konferenz «Betriebsräte im Visier – Bossing, Mobbing & Co.» statt. Nicht online, sondern physisch trafen sich rund 100 Teilnehmende im Gewerkschaftshaus in Mannheim. Viele weitere standen auf der Warteliste, doch die Abstandsregeln ließen nicht mehr zu.
Transformation?
Arbeitsplätze sichern und Klima schützen!
Ein Vortrag von Bernd Riexinger
Der nachstehende Text ist die leicht überarbeitete Mitschrift eines Vortrags, den Bernd Riexinger am 2.Oktober in Stuttgart im Rahmen einer von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisierten Podiumsdiskussion zum Thema «Linker Green New Deal für die Mobilitätswende – eine sozial-ökologische Transformation der (Auto-)Industrie» gehalten hat.
Neue Wege für gute Tarife
Ein Blick auf die Tarifrunden Öffentlicher Dienst und Nahverkehr
von Volker Brauch
Ver.di macht jetzt den Anfang in der Tarifrunde für 2,3 Millionen Beschäftigte in Bund und Kommunen und fordert die Erhöhung von Löhnen und Gehältern um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten, eine alles in allem moderate Tarifforderung. Verhandlungsauftakt war der 1.September.
7.Konferenz «Betriebsräte im Visier»
«Nutzt dieses Forum, es gibt in dieser Form kein zweites»
Gespräch mit Wolfgang Alles
Am 17.Oktober 2020 findet ab 13 Uhr die 7.Konferenz «Betriebsräte im Visier» im Mannheimer Gewerkschaftshaus statt. Sie wird vom Mannheimer Komitee «Solidarität gegen BR-Mobbing» organisiert. Violetta Bock sprach mit WOLFGANG ALLES über die Ziele und Entwicklung der Konferenz im Lauf der Jahre.
Lohnmauer einreißen!
Über hundert Streiks in drei Monaten in der Nahrungsmittelindustrie
von Violetta Bock
Seit drei Monaten läuft die NGG (Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten) auf Hochtouren. Wöchentlich gibt es Meldungen von Streiks und Demonstrationen. Dabei geht es nicht nur um Lohnsteigerung, sondern besonders im Osten um eine Mission: 30 Jahre nach der Wiedervereinigung soll die Lohnmauer fallen.
Tarifkampf öffentlicher Dienst
Ver.di geht neue Wege
von Violetta Bock
Der Tarifkampf im öffentlichen Dienst ist immer ein Kraftakt – unter Corona-Bedingungen gilt das erst recht. Dabei ist die Signalwirkung und Strahlkraft des Abschlusses nicht zu unterschätzen, wirkt er doch weit über die im öffentlichen Dienst angestellten KollegInnen hinaus. Hier wird stellvertretend die Frage ausgekämpft, wer für die Krise zahlen soll.
Tarifrunde Öffentlicher Dienst
«Jetzt seid ihr dran!»
von vb
Um was geht es bei dieser Tarifrunde?
Die Tarifrunde betrifft rund 2,3 Millionen Beschäftigte bei Bund und Kommunen. Sie arbeiten in der Verwaltung, in der Kinderbetreuung, in der Pflege und in den Gesundheitsämtern, in der Ver- und Entsorgung, in den Jobcentern, den Sparkassen, kurz: in den Bereichen, in denen die öffentliche Daseinsfürsorge abgesichert wird und für die in den letzten Monate applaudiert wurde.
Endstation Burnout
Erfahrungen eines Facharbeiters und Technikers
Gespräch mit Lars Gronau*
Wie ist es möglich, nach drei Jahren Anstellung in einem Betrieb völlig ausgebrannt zu sein und arbeitsunfähig zu werden? Die Erfahrungen von Lars Gronau sind ziemlich typisch für die heutigen Zustände in weiten Teilen der Arbeitswelt.
Krisenzeiten = Burgfriedenszeiten?
Die Gewerkschaften haben wenig Grund, in den nächsten Monaten stillzuhalten
von Violetta Bock und Stefan Schoppengerd
Während aus anderen Ländern von Streiks gegen die Maloche unter Corona-Risiken zu lesen war, wurde in Deutschland nichts Vergleichbares bekannt. Ohnehin bleibt die deutsche Gewerkschaftspolitik durch die Tariftaktung bestimmt. Seit März war stillhalten angesagt.
Kahlschlag bei Karstadt/Kaufhof
Der gnadenlose Herr Benko
Profite sind «systemrelevant» – Beschäftigte anscheinend nicht
von Helmut Born
Bis Ende Juni musste ein Konzept für den Weiterbetrieb des unter den staatlichen Schutzschirm geflohenen Unternehmens Galeria Karstadt/Kaufhof erarbeitet werden, um ein Insolvenzverfahren zu verhindern.
Selbstbestimmtes Leben produzieren
Erfolg nach zehn Jahren Kampf: In der Persönlichen Assistenz in Berlin gilt jetzt der Tarifvertrag der Länder
Gespräch mit Klaus Drechsel
Bei den Assistenzbetrieben Neue Lebenswege GmbH und ambulante dienste e.V. in Berlin mit zusammen etwa tausend Beschäftigten ist es im April und Mai gelungen, zwei der ersten Haustarifverträge in der Persönlichen Assistenz durchzusetzen – mit beinahe vollständiger Angleichung an den Tarifvertrag der Länder (TVL).
Dokumentation: Trotz Corona und Schließungsbeschluss
Bei Voith in Sonthofen wird gestreikt
von Thies Gleiss
Die 500 Beschäftigten des Sonthofer Werks der Voith-Turbo BHS-Getriebe GmbH streiken seit dem 23.April aus Protest gegen die geplante Schließung des Werks. Sie haben trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise zu 98 Prozent einem unbefristeten Streik zugestimmt.
Der Berliner Corona-Krankenhauspakt
Pflegekräfte stellen Krankenhäusern ein Ultimatum
von Violetta Bock
Die Pflegekräfte führen vielleicht den zentralen Kampf in dieser Krise: den um unsere Gesundheit. Sie können dabei auf die Entlastungsbewegung der vergangenen Jahre aufbauen und mit diesem festen Fundament, das sie in den vergangenen Kämpfen aufgebaut haben, die Wirkung vervielfachen.
Amazon: Widerstand in Zeiten der Pandemie
„Das war es, was den Funken der Revolution ausgelöst hat“
dokumentiert
Episode 1, New York, United States
Interview mit Christian Smalls, Streikführer in New York,
übersetzt und leicht gekürzt von Christian Krähling
Virenschleuder Amazon
Ein Weltkonzern genießt Sonderstatus
von Gerhard Klas
Emily Cunningham und Maren Costa heißen die jüngsten Opfer des Logistikriesen Amazon in den USA. Beide waren aktiv in der Gruppe Amazon Employees for Climate Justice – Amazon-Beschäftigte für Klimagerechtigkeit. Sie wurden Mitte April entlassen, weil sie sich für ihre KollegInnen eingesetzt und den unzureichenden Gesundheitsschutz in der Corona-Krise öffentlich kritisiert hatten.
Die Klatsche für die Systemrelevanten
Wen trifft die neue Arbeitszeitverordnung und wie wehren wir uns dagegen?
von Michael Heldt
Um was geht es?
Am 10.April wurde die sogenannte «Covid-19-Arbeitszeitverordnung» wirksam – wenn es gut läuft, gilt sie nur, wie angekündigt, bis zum 31.Juni.
Großer Erfolg bei Ryanair
Kurzarbeit zwingt die Fluggesellschaft, mit Ver.di zu verhandeln
Gespräch mit einer Flugbegleiterin
Auf gewerkschaftsfeindlichem Terrain hat die Belegschaft der Fluggesellschaft Ryanair 80 Prozent Kurzarbeitergeld herausgeholt.
Corona im Betrieb
Chancen und Gelegenheiten
von Tobias Michel*
Niemand muss überrascht sein. Epidemien traten und treten alle paar Jahre auf, gelegentliche umfassende Pandemien sind zu erwarten. Detaillierte Planungen für diese Krisen liegen seit rund 15 Jahren vor. Sie liegen heute nicht in den Schubladen der Managerschreibtische, aber im Internet. Betriebliche Aktivisten können diese Lage nutzen.
Erst streiken, dann verhandeln!
Reaktionen von Beschäftigten auf die Maßnahmen gegen die Coronakrise
von Joe DeManuelle-Hall und Jane Slaughter*
Direkte Aktion zahlt sich aus. Wenn dein Arbeitgeber sich immer noch so benimmt, als würde das Leben der Beschäftigten nicht zählen, nimm dir ein Beispiel an Gewerkschaftsmitgliedern, die ordentlich Muskeln zeigen bevor sie verhandeln – sie machen den Laden einfach dicht.
Tarifabschluss der IG Metall
Weniger als ein Linsengericht
von Jakob Schäfer
Der IGM-Tarifabschluss vom 20.3.2020 bringt für die KollegInnen weder eine Entgelterhöhung noch mehr Sicherheit für ihren Arbeitsplatz.
Leute, legt die Arbeit nieder, kommt erst nach Corona wieder!
Immer noch wird zuviel nichtnotwendige Produktion geleistet
von Violetta Bock
Die Straßen leer, der Himmel blau. Draußen scheint alles zu ruhen. Der Ernst der Lage ist verstanden. Die wirksamste Maßnahme ist, ein Treffen in Gruppen zu vermeiden. Kommunale Parlamente – ausgesetzt. Spielplätze – geschlossen. Gaststätten – zu. Doch hinter den Werkstoren toben Arbeit und Klassenkampf unbeeindruckt weiter.
Tarifrunden 2020
Eine Übersicht
dokumentiert
Für mehr als 10 Millionen Beschäftigte verhandeln die DGB-Gewerkschaften in diesem Jahr neue Vergütungstarifverträge.
Weniger wir, mehr du?
Ver.di setzt in der Tarifrunde öffentlicher Dienst auf verkürzte Arbeitszeiten
von Tobias Michel*
Die Verkürzung der geschuldeten Arbeitszeit steht auf der Tagesordnung. Denn für den Herbst, wenn der Tarifvertrag im öffentlichen Dienst neu ausgehandelt wird, gilt dieser Regelungsgegenstand als gesetzt. In der für den TVöD hauptsächlich zuständigen Gewerkschaft Ver.di diskutieren regionale Konferenzen über die Forderungen.
IG Metall macht den Hamlet
Tarifrunde oder Nicht-Tarifrunde, das ist hier die Frage
von Thies Gleiss
Die Tarifrunde 2020 im Bereich Metall und Elektro wird keine gewöhnliche Auseinandersetzung zwischen den Unternehmern und der Gewerkschaft – so viel ist klar.
Gewalt gegen Frauen – kein Thema in Deutschland?
«Das Leben muss in den Mittelpunkt der Politik rücken»
Gespräch mit Nina Eumann
Der Aufstand gegen die zunehmende Gewalt gegen Frauen – eine Begleiterscheinung der gesellschaftlichen Verrohung unter den Bedingungen des neoliberalen, entfesselten Konkurrenzkampfs aller gegen alle – ist der zentrale Motor hinter den Massenprotesten von Frauen und Frauenstreiks in den letzten Jahren. Hierzulande steht das Thema nicht im Brennpunkt, obwohl die Situation sich zusehends verschlechtert.
Benko hat es geschafft
Neuer «Sanierungstarifvertrag» für Karstadt/Kaufhof
von Helmut Born
Kurz vor Weihnachten gab es eine «schöne Bescherung» für die Beschäftigten der Warenhäuser von Kaufhof und Karstadt.
Jahrelang gemobbt und dann gekündigt
Softwareentwickler in Stuttgart klagt seinen Arbeitsvertrag ein
von Peter Nowak
Ein Arbeitsgerichtsprozess in Stuttgart zeigt einmal mehr, dass Arbeitsunrecht nicht auf dem Rechtsweg bekämpft werden kann.
Etwa 20 Menschen versammelten sich am 14.Januar vormittags vor dem Landesarbeitsgericht in Stuttgart zu einer Protestkundgebung.
Eine bislang uneinnehmbare Bastion
50 Jahre Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
von Mirko Düsterdieck*
Was heute selbstverständlich anmutet, nämlich die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall seitens der Arbeitgeber, war seit Gründung der BRD bis ins Jahr 1969 alles andere als selbstverständlich. Am 1.1.2020 wurde die Lohnfortzahlung 50 Jahre alt: ein Rückblick.
Schöne neue Arbeitswelt. Prekarisierung
Über die Bedingungen von Widerstand unter prekären Verhältnissen
von Thomas Goes
«Man vernutzt uns hier wie Maschinen», sagte ein Leiharbeiter, den ich im Rahmen eines Forschungsprojekts interviewen konnte, über seine Arbeitssituation. Leistung würde sich nicht lohnen, führe nicht zu einer unbefristeten Anstellung – von Anerkennung durch Vorgesetzte im Betrieb kaum eine Spur. Der Lohn war so niedrig, dass er noch einen Nebenjob brauchte.
Großer Bedarf
Strategiekonferenz zur Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften
von Violetta Bock
Rund 140 Basisgewerkschafterinnen und -gewerkschafter drängten am 25./26.1. ins Haus der Jugend in Frankfurt. Aus dem gesamten Bundesgebiet waren sie angereist, viele aus der Automobilindustrie, die allermeisten politisch organisiert.
Tarifflucht = Lohnraub und Sozialdiebstahl
Um die Tarifbindung ist es in der Bundesrepublik nicht mehr gut bestellt
von Manfred Dietenberger
Die deutschen Gewerkschaften feierten letztes Jahr das sog. Stinnes-Legien-Abkommen. Am 15.November 1918, nur wenige Tage nach dem Beginn der deutschen Novemberrevolution, ging damals unter den Fabrikherren die Angst vor der Räterepublik um.
«Dieser Betrieb wird bestreikt»
Eine wichtige Neuerscheinung zum legendären Metallerstreik von 1963
von wa
Einer der härtesten Arbeitskämpfe der westdeutschen Nachkriegsgeschichte ist selbst in der IG Metall weitgehend in Vergessenheit geraten. Das könnte sich jetzt ändern.
Am 3.12.: Ich für mich! Du für dich! Wir für uns!
Aus der Betriebszeitung «Was tun bei thyssenkrupp steel»
dokumentiert
Seit das geplante Joint Venture von Thyssenkrupp mit Tata Steel am Veto der EU-Kommission gescheitert ist, fürchtet die IG Metall, dass das Stahlgeschäft in seiner Existenz bedroht ist.
…und am Schluss die Internationale
Weltkonferenz der Coca-Cola-Beschäftigten
Interview mit Jürgen Hinzer
Am 27. und 28.November fand in Paris die Weltkonferenz der Coca-Cola-Beschäftigten statt. Violetta Bock sprach mit JÜRGEN HINZER von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und Konferenzdelegierter für die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Bewegung am Uniklinikum Jena
Und die LINKE?
von Max Manzey
DIE LINKE, in Thüringen die stärkste Regierungspartei, nahm bei der Bewegung eine besondere Rolle ein, die sich unter anderem darin ausdrückte, dass Bodo Ramelow als Ministerpräsident – und somit als Arbeitgeber des Landeskrankenhauses – öffentlich eine neutrale Position einnahm, die Linksfraktion um Susanne Hennig-Wellsow sich aber von Anfang an klar auf die Seite der Beschäftigten stellte.
Gemischtes Ergebnis
Bei GM ist die Tarifverhandlung beendet
von Jane Slaughter/Chris Brooks*
Der Streik der Automobilarbeiter in den USA gegen General Motors endete Ende Oktober nach sechs Wochen Streik. Die Arbeiter stimmten dafür, einen Vertrag zu unterschreiben, der eindeutig unbeliebt war, aber mit 57 Prozent Fürstimmen angenommen wurde.
Organisieren · Kämpfen · Gewinnen
Bericht der Oktoberkonferenz
von Violetta Bock
Am 26./27.Oktober fand in Kassel die zweite OKG-Konferenz statt. An zwei Tagen gab es Workshops, Podien, gemeinsame Diskussionen sowie einen Abend mit dem 2019 erschienen Film Luft zum Atmen (Regie: Johanna Schellhagen) über die Gruppe Gegenwehr ohne Grenzen bei Opel. OKG zieht ein positives Fazit.
Für eine kämpferische Gewerkschaftspolitik
Strategiekonferenz am 25./26.Januar 2020 in Frankfurt am Main
von Jakob Schäfer
Die Gewerkschaftstage von IGM und Ver.di, die vor kurzem stattgefunden haben, haben zweierlei an den Tag gebracht: Unter den ehrenamtlichen FunktionärInnen und zum Teil sogar unter Hauptamtlichen auf Verwaltungsstellenebene (deutlicher erkennbar bei der IGM) gibt es heute stärkere Widerstände gegen den politischen Anpassungsdruck ihrer Vorstände. Bei der IGM wurde dies bspw. in der Frage des Versorgungswerks bei Rententarifverträgen deutlich, bei Ver.di vor allem in der Klimaschutzpolitik und bei der Durchsetzung einer Debatte zur Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich.
Keine rechtliche Schranke gegen Lohnraub
Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts zeigt die Grenzen des Rechtswegs
von Peter Nowak
Große Enttäuschung gab es am 16.Oktober bei Ovidiu Mindrila und Bogan Droma. Gerade hatte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt ihre Klage gegen den Investor der Mall of Berlin abgewiesen. Sie wollten vor Gericht durchsetzen, dass der Bauherr als letztes Glied in der Kette haftet, wenn die von ihm beauftragten Subunternehmen zahlungsunfähig sind und Insolvenz anmelden, wie es bei der Mall of Berlin geschehen ist.
TIP-TOP, Arbeitsstopp!
Zu Besuch beim Streik in der Gebäudereinigung
Interview mit Michaela Höhle
Zum Streik aufgerufen waren unter anderem die Beschäftigten der Firma TIP-TOP. Violetta Bock sprach mit Michaela Höhle, Betriebsratsvorsitzende in Baunatal, über den Streik und die Forderungen. Das Interview wurde am 11.Oktober 2019 geführt.
Bundesweite «Konferenz Betriebsräte im Visier»
Stop der illegalen Bekämpfung von Betriebsräten, Personalräten und Mitarbeitervertretungen!
von W.A.
Am Samstag, dem 19.10., fand im Mannheimer Gewerkschaftshaus die 6.bundesweite Tagung «Betriebsräte im Visier – Bossing, Mobbing & Co.» statt. Rund einhundert Menschen aus sehr unterschiedlichen Branchen nahmen an der Konferenz teil.
Die unsichtbare Macht
Großer Erfolg für Beschäftigte in der Gebäudereinigung
von Violetta Bock
Der Streik in der Gebäudereinigung hat ein überraschend schnelles Ergebnis gefunden.
Sie kommen meist dann, wenn alle anderen schon weg sind oder noch nicht da waren. Sie sorgen dafür, dass die Räume, Toiletten, Fenster und Kantinen sauber sind. Und sie sind überall, in der Produktion, in Rathäusern, in Schulen, in Krankenhäusern, an Flughäfen. Ohne sie würde nichts laufen und dennoch landet bei ihnen fast nichts.
Organisieren – Kämpfen – Gewinnen
Die Konferenz für Störenfriede und Gewerkschaftsdemokratie
von vb
Am 26. und 27.Oktober 2019 findet in Kassel die Tagung von «Organisieren Kämpfen Gewinnen» (OKG) statt. Sie öffnet für betrieblich Aktive, Menschen aus Solidaritätskreisen und interessierte GewerkschafterInnen einen Raum, um über Herausforderungen und Erfolge in der eigenen Arbeit für eine unbequeme, lebendige und solidarische Gewerkschaftsbewegung zu diskutieren – und voneinander zu lernen.
GM-Streikende kämpfen an zwei Fronten
Beschäftigte wehren sich gegen weitere Spaltungen
von Jane Slaughter, Chris Brooks*
Fast 50000 UAW-Beschäftigte streiken gegen General Motors in den USA und gegen ein zweistufiges Einstellungssystem, das die Solidarität der Beschäftigten untergräbt. Doch die Mitglieder müssen möglicherweise an zwei Fronten kämpfen – gegen das Unternehmen und gegen ihre eigene Gewerkschaftsführung.
Die Theorie der sozialen Reproduktion
Der internationale Frauenstreik ist die Nahtstelle aller sozialen Bewegungen
Gespräch mit Tithi Bhattacharya*
Die Theorie der sozialen Reproduktion hat seit einigen Jahren neuen Aufschwung erhalten. Sie setzt sich vom «marxistischen» Dogma ab, das Kapitalismuskritik vor allem die Ökonomie betrifft und als Subjekt nur den Lohnarbeiter ins Visier nimmt.
Treuhand und die Folgen
Der größte Raubzug in Friedenszeiten zeigt Folgen bis heute
von Werner Rügemer*
Die Treuhand eröffnete die Übermacht der Unternehmer in der Ex-DDR. Dies setzte sich in ganz Deutschland fort, auch mit der politischen Rechtsentwicklung.
Tarifrunde Einzelhandel NRW
Gut gekämpft, mageres Ergebnis
von Helmut Born
Die Tarifrunden der letzten Jahre waren im Einzelhandel immer hart umkämpft. Das liegt an der Erwartungshaltung der Unternehmer, die regelmäßig bemüht sind, die Lohnkosten zu drücken, und denen Tarifsteigerungen überhaupt nicht ins Konzept passen.
Vom Systemwarenhaus zum Systemtarifvertrag?
Beschäftigte bei Kaufhof und Karstadt fordern Rückkehr in den Flächentarif
von Helmut Born
Immobilienhai Benko baut den Kaufhof zu einem Unternehmen mit Billiglöhnern um.
Nach der Übernahme des Kaufhof durch die dem österreichischen Immobilienmogul Benko gehörende Signa-Gruppe und dem darauf folgenden Zusammenschluss mit Karstadt wurde der Kaufhof mächtig durcheinandergewirbelt und auf das Niveau von Karstadt zurechtgestutzt.
Weniger Arbeit – mehr Geld
Arbeitszeitverkürzung ist kein Allheilmittel
von Michael Heldt
«Ich kann die Forderung nach der Kürzung der Arbeitszeit nicht mehr hören. Merken die noch, wie wir heute arbeiten?» Michael, arbeitet in einem Industriebetrieb
«Die fordern, dass ich auf diesem Niveau weiter leben soll? Von vier Stunden am Tag kann ich nicht leben und Vollzeitstellen werden bei uns nur noch im Management ausgeschrieben.» Manuel, arbeitet in der Lebensmittelindustrie
«Wer heute die Senkung der Arbeitszeit fordert, hat wohl verpasst, dass wir froh wären, wenn wir wirklich mal nach acht Stunden nach Hause gehen könnten.» Katrin, arbeitet in der Persönlichen Assistenz
Prime Days für Amazon-Beschäftigte
Kleine Erfolge machen Mut
von Joe DeManuelle-Hall
Die «Prime Days» am 15. und 16.Juli sind bis jetzt die größten Shoppingtage im Jahr 2019 für Amazon. Sie wurden begleitet von Protesten und Arbeitsniederlegungen in den USA und Deutschland. Die Proteste waren halb koordiniert und auf die Tage abgestimmt, an denen Amazon auf Hochtouren läuft und das Unternehmen im medialen Scheinwerferlicht steht.
Brigitte Kiechle: Frauen*streik. «Die Welt steht still, wenn wir die Arbeit niederlegen»
Stuttgart: Schmetterling, 2019. 112 S., 10 Euro
von Gisela Notz
Frauenstreiks gestern und heute
Das 21. soll das Jahrhundert der Frauenbefreiung werden. Das ist ein Resümee des Buches Frauen*streik, das Brigitte Kiechle geschrieben hat. Es ist ein handliches Büchlein, schön zu lesen, ein Essay ohne akademische Floskeln, gut gegliedert und sparsam mit Literaturverweisen. In acht kurzen Abschnitten werden viele Facetten von Frauenstreiks, Frauenkämpfen, Protesten und Demonstrationen vorgestellt.
Ein Riesenerfolg
Der Frauenstreik in der Schweiz am 14.Juni setzt neue Maßstäbe
Redaktionskollektiv der Bewegung für den Sozialismus, Zürich
Ohne zentrale Führung, aber mit Hunderten von lokalen Initiativen ist der Schweizer Frauenstreik zu einer richtigen Bewegung geworden.
Kleinbürgerliche Abweichungen?
Das Komitee für eine Arbeiterinternationale (CWI) in der Krise¹
von Manuel Kellner
Die CWI ist eine internationale Organisation, die in trotzkistischer Tradition steht. Ihre stärkste nationale Organisation ist die «Mutterpartei» Socialist Party. In den 80er Jahren, als ihre Mitglieder noch in der Labour Party arbeiteten, damals als Militant-Strömung, erwarb sie sich großes Ansehen u.a. durch den Kampf gegen Margret Thatchers Poll tax (Kopfsteuer).
LESERBRIEF: Lehrerstreik in Polen ausgesetzt
Betr.: Den Lehrerinnen und Lehrern reicht es, SoZ 5/2019, S.9
von Norbert Kollenda
Im Artikel über den Lehrerstreik in der Mai-Ausgabe ist ein Fehler aufgetreten: Bei den Wahlgeschenken der PiS handelt es sich nicht um solche aus dem Jahr 2015, sondern aus 2019, vor den Europawahlen und auch mit Blick auf die kommenden Parlamentswahlen. Jetzt bekommen nicht die 700.000 Lehrer eine Lohnerhöhung, diese «Linken» wählen ja doch nicht die PiS. Es bekommen die 9 Millionen RentnerInnen seit Anfang Mai eine 13.Rente, schließlich sind sie potenzielle PiS-Wähler. 2015 gab die PiS nach der Regierungsübernahme ab dem 2.Kind 500 Zloty, jetzt gibt es schon ab dem 1.Kind 500 Zloty. Dankbare Eltern werden doch wohl die PiS wählen!?
Über den Schweizer Frauen*streik im Juni
«Unsere Forderungen sind konkret genug, um legal zu streiken»
Interview mit Hannah B.
Ein landesweiter Frauenstreik für die aktive Gleichstellung der Frauen in allen gellschaftlichen Bereichen der Schweiz erregte am 14.Juni 1991 weltweite Aufmerksamkeit. Die Losung hieß: «Frauen Basta, niente Pasta!» Das Beispiel fand 1994 Nachahmung auch in Deutschland. Doch es hat sich in Sachen Gleichstellung nur wenig getan. Die Schweizerinnen beklagen, dass die bürgerlichen Politiker und die Unternehmen verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung des Gleichstellungsartikels aktiv verhindern. Deshalb rufen sie zu einem neuen Frauenstreiktag am 14.Juni 2019 auf.
Gemischtes Ergebnis
Tarifabschluss im öffentlichen Dienst der Länder
von Jürgen Senge, Ver.di-Linke NRW
Seit der Aufteilung des alten BAT bzw. MTL bei der Tarifrunde 2006 in den TV-Länder bzw. den TVöD klaffen die Entgelte der Beschäftigen bei den Ländern und denen bei Bund und Kommunen teilweise bis zu 4,5 Prozent auseinander. Unterschiedlich lange Laufzeiten verhindern seitdem ein gemeinsames, abgestimmtes Vorgehen und schwächen Ver.di.
Vom Umgang mit Überstunden
Was machen die Gewerkschaften mit dem Urteil des EuGH zur Arbeitszeitprotokollierung?
von Rolf Geffken
Im Jahre 2018 blieben etwa 600 Mio. Überstunden von abhängig Beschäftigten in diesem Land unbezahlt. Das wären selbst bei Zugrundelegung eines Lohns von nur 15 Euro eine Vergütung von 6 Mrd. Euro, die die Unternehmer den Arbeitern und Angestellten dieses Landes vorenthalten oder «gestohlen» haben.
Initiativen gegen Pflegenotstand
Bundesweite Vernetzung
von Christian, Pflegebündnis Hamburg
Vom 3. bis 5.Mai gab es zum zweiten Mal ein bundesweites Vernetzungstreffen der Initiativen und lokalen Bündnisse gegen Pflegenotstand. Es war als Fortsetzung des ersten Treffens im November 2018 in Hamburg gedacht.
Diesmal in Düsseldorf. Dementsprechend waren überwiegend Initiativen aus Nordrhein-Westfalen (NRW) vertreten. Außerdem Hamburg und Berlin. Bayern war nur durch zwei Personen repräsentiert, die zu den dortigen Auseinandersetzungen (Verfassungsklage der Staatsregierung gegen das Volksbegehren) nicht Auskunft geben konnten, weil die maßgeblich Aktiven zu Hause alle Hände voll zu tun hatten. Es fehlten Initiativen aus Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Bremen. Durch zwei Einzelpersonen war Niedersachsen vertreten.
Aldi Süd
Beschäftigte kämpfen für eine Interessenvertretung
von Petra Stanius* und Helmut Born
Betriebsräte als Interessenvertretung der Beschäftigten? Das geht Aldi Süd zu weit. Wenn es schon einen Betriebsrat geben muss, dann kümmert sich die Geschäftsleitung lieber selbst darum, dass alles «richtig» läuft.
Die Unternehmensgruppe Aldi Süd gliedert sich nach eigenen Angaben in dreißig Regionalgesellschaften, die jeweils von einem alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer geleitet werden. Einer Regionalgesellschaft sind 50–70 Filialen zugeordnet. Die Regionalgesellschaften sind wiederum aufgeteilt in Verkaufsbezirke (Regionen) mit jeweils vier bis fünf Filialen und insgesamt etwa 50 Beschäftigten.
Massenhafter Arbeitsplatzabbau II
5000 bei Ford
von Max Sundermann
Ford Europa dümpelt seit einiger Zeit vor sich hin. Nun scheint der Konzern sich durch eine Kooperation mit VW bei der Entwicklung von Elektroautos retten zu wollen. Die Umstellung auf sog. «saubere Autos» soll weltweit 7000 Arbeitsplätze kosten, allein in Deutschland 5000.
In Ungarn brodelt es
Streiks und internationale Arbeit der IG Metall*
von Horst Hilse
Wer am Montag, den 6. Mai in Köln den Weg zur örtlichen ISO fand (Webseite: http://intersoz.org/) erlebte einen spannenden Vortrag.
Die Kollegin Marika Varga ist im Rahmen ihrer Arbeit für die Internationale Abteilung der IG Metall ganz nahe an den Ereignissen und beschäftigt sich seit sieben Jahren mit Ungarn.
Rolf Geffken: Umgang mit dem Arbeitsrecht. Handbuch für Beschäftigte
Neuauflage und Altauflage in einem. 400 S., 26,80 Euro
von Michael Sankari
40 Jahre Erfahrung mit dem Arbeitsrecht – Um es gleich vorweg zu nehmen: wir können nur hoffen, dass das Buch von Rolf Geffken zum Standard in jedem Betriebsratsbüro und in jedem Buchregal betriebspolitisch interessierter und Organizer und Aktivisten wird. Wo wir es ganz sicher nicht finden werden, ist in den Stuben professioneller Konfliktabwickler, in den Büros der Versicherungen und den Schreibtischen des DGB-Rechtsschutz im Gewerkschaftshaus (sofern die nicht schon zum Call-Center umstrukturiert wurde) – nötig wäre es dort umso mehr.
«Die bad boys sind wieder von der Straße»
DHL Delivery ist wieder bei der Deutschen Post – für die Beschäftigten eine Niederlage
Gespräch mit Michael Akinlaton
Ver.di und die Deutsche Post AG haben im März eine Tarifeinigung zum 1.Juli 2019 verkündet. Die rund 13000 Beschäftigten der im Jahre 2015 gegründeten Regionalgesellschaften (DHL Delivery GmbHs) sollen in die Haustarifverträge der Deutschen Post AG übergeleitet werden. «Jetzt gibt es wieder eine Belegschaft bei der Deutschen Post AG. Künftig gilt wieder: ein Betrieb, ein Tarifvertrag», sagte die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. Aber ist das wirklich so? Violetta Bock sprach darüber mit Michael Akinlaton. Er ist seit Ende 2015 Betriebsratsvorsitzender bei der DHL Delivery Kassel. Im Herbst 2018 erhielt er den Betriebsrätepreis.
Den Lehrerinnen und Lehrern reicht es
Über 70 Prozent in Polen streiken
Gespräch mit Urszula Frey
Die Lehrer sind recht geduldig, das letzte Mal haben sie 1993 gestreikt. Sie sind es gewohnt, dass sie zu den Geringverdienern gehören. 2009 gab es eine Lohnerhöhung, aber die Inflation hat sie längst aufgefressen. Als die PiS im Angesicht der diesjährigen Europa-und Parlamentswahlen Geschenke verteilte, gehörten die 700.000 Lehrer nicht dazu, schließlich zählen sie nicht zu den potenziellen PiS-Wählern. Zu potentiellen PiS Wählern gehören aber die 9 Millionen Rentner, die in diesem Jahr bereits eine 13. Rente ausbezahlt bekommen haben. Nach der Regierungsübernahme 2015 gab es ab dem zweiten Kind außerdem 500 Zloty. Jetzt gibt es auch schon für das erste Kind 500 Zloty.
Urszula Frey unterrichtet seit 21 Jahren an einer Sonderschule und hat dementsprechende Zusatzqualifikationen wie etwa Pädagogik für Kinder mit Autismus, Asperger, Montessori-Pädagogik, u.a. Sie ist Mitglied der Gewerkschaft der Polnischen Lehrer (ZNP). Die ZNP ist die größte Lehrergewerkschaft, sie ist bei den Konservativen als links, ja gar als kommunistisch verschrien, es gibt sie mit kurzen Unterbrechungen (durch Krieg und Kriegsrecht) seit 1905, und sie war auch zu Zeiten der Volksrepublik aktiv. Mit Urszula sprach Norbert Kollenda für die SoZ.
Kampagne «Uni Kassel Unbefristet»
Angestellte an den Unis wehren sich gegen die Dauerbefristung ihrer Arbeitsverträge
Gespräch mit Frauke Banse
An der Uni Kassel arbeiten gut 3000 Beschäftigte. Viele von ihnen sind befristet angestellt. Neuverträge, ob volle Stellen oder Aufstockungen, waren 2017 über 90 Prozent befristet. Die Kampagne Uni Kassel Unbefristet hat sich vor etwa einem Jahr gegründet und will das ändern. Violetta Bock sprach darüber mit Frauke Banse, Politikwissenschaftlerin und aktiv in der Kampagne Uni Kassel Unbefristet.
Generalstreik gegen den Kapp-Putsch 1920
Die Revolution hebt wieder ihr Haupt
von Manuel Kellner
Nach dem blutigen Rückschlag der deutschen Revolution in Berlin schrieb Rosa Luxemburg am 14.Januar 1919 in der Roten Fahne der KPD: «Eure Ordnung ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon ‹rasselnd wieder in die Höh› richten und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: ‹Ich war, ich bin, ich werde sein.›»
Syncreon will Betriebsrat herausklagen
Ein weiteres Beispiel für Union Busting
von vb
Der Logistikdienstleister Syncreon will seinen Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Rainer Reising hinauswerfen und die fristlose Kündigung beim Arbeitsgericht Bremen durchklagen. Angeblich soll Reising Reisekosten falsch abgerechnet haben.
Tarifverhandlungen bei der BVG
Mehr für die Busfahrer ist im allgemeinen Interesse
von Violetta Bock
Wir befinden uns mitten in der Debatte, wie die Klimakatastrophe noch aufzuhalten ist. SchülerInnen gehen seit ein paar Wochen jeden Freitag auf die Straße und eine neue Jugendbewegung scheint erwacht. Beim letzten großen Aktionstag Mitte März wurde die Forderung nach einer Verkehrswende ins Zentrum gestellt. Die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs wäre dafür nicht zuletzt ein bedeutender Baustein.
Die gewerkschaftliche Basis erweitern
Zur Debatte um den Frauen*streik
von Tina Ress und Violetta Bock
Diesen Monat ist es also soweit. Der Frauen*streik ist auch in Deutschland angekommen. Gründe gibt es zuhauf, nicht zuletzt durch den erneuten Verrat der SPD, den §219a nicht zu streichen. Gut, dass sich vor ein paar Monaten Frauen und Queers auf den Weg gemacht haben, um den Frauen*streik auch hier zu starten, und vielen Beteiligten ist klar, dass dieses Jahr der Auftakt für eine längerfristige Mobilisierung ist.
«Verboten? Erlaubt? Notwendig!»
Frauen*Streik am Internationalen Frauenkampftag
von Gisela Notz
«Zahlreiche Polizeimannschaften in der Nachbarschaft der Versammlungslokale bewahrten revolvergerüstet die Stadt vor dem Umsturz der Frauen.» Die Stadt war Berlin.
Das ist kein Auszug aus einem Bericht über den FrauenStreik, den Feministinnen am Internationalen Frauentag 1994 losgetreten haben. Der Satz stammt aus einem Artikel der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift Die Gleichheit vom 27.März 1911 über die Demonstrationen anlässlich des ersten Internationalen Frauentags am 19.März 1911, den Sozialistinnen und Gewerkschafterinnen 1910 in Kopenhagen auf der II.Konferenz der Sozialistischen Fraueninternationale beschlossen hatten.
Lohnerhöhungen in Ungarn
Streik in Györ – Produktionsstopp in Ingolstadt
von Marika Varga*
Ende Januar sorgte ein Streik bei Audi im ungarischen Györ erst für viel Aufsehen und dann für eine satte Lohnerhöhung von 18 Prozent.
Aufbruchstimmung
Die Streikkonferenz der RLS ist zu einem Stelldichein der klassenkämpferischen Linken geworden
von Angela Klein
Die OrganisatorInnen mussten die Reißleine ziehen, die Anmeldungen vorfristig stoppen und das Angebot an Arbeitsgruppen erweitern – sonst hätten nicht alle Platz gehabt. Die vierte und mit 700 Teilnehmenden bisher größte Streikkonferenz (15.–17.2.) war, wie Fanny Zeise vom Organisationstrio beim Auftaktplenum sagte, ein «Zeichen für den gesellschaftlichen Aufbruch», der allenthalben spürbar ist.
Frankreich: Aufruf der Gelbwesten
«Nehmen wir unsere Sache selbst in die Hand»
dokumentiert
Der nachstehende Aufruf wurde auf der ersten landesweiten «Versammlung der Versammlungen» der Gelbwesten am 27.Januar in Commercy vorgeschlagen und verabschiedet. Er wurde den örtlichen Gruppen zur Verabschiedung vorgeschlagen.
Gelbwesten-Versammlung
Bericht von der ersten «Versammlung der Versammlungen» der Gelbwesten
von Louise R.
Am 26. und 27.Januar fand in Commercy (Département Meuse) die Versammlung der Gelbwesten-Versammlungen statt. Über 300 Personen waren anwesend, sie vertraten etwa hundert Delegationen, wovon 75 ein Mandat ihrer örtlichen Gruppe hatten.
Das reicht nicht!
Die Luftsicherheitskräfte lehnen das Tarifergebnis ab
von Violetta Bock
Ende Januar hatte Ver.di die übliche Erfolgsmeldung nach einem Tarifkampf bekannt gegeben. Es gebe eine Einigung mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) über den ersten bundesweiten Entgelttarifvertrag in der Luftsicherheit. Doch weiter ging es keineswegs wie immer.
Fusion Kaufhof/Karstadt
Benko zieht blank
von Helmut Born
Ende Januar gab der Vorstand des fusionierten Warenhauskonzerns Karstadt/Kaufhof die Pläne für die beiden Unternehmen bekannt.
Dabei wurde deutlich, dass es beim Kaufhof zu einem erheblichen Arbeitsplatzabbau und ziemlich weitgehenden Änderungen der Arbeitsabläufe kommen soll.
An die Redaktion
Frauen* werden streiken!
von Eleonora Roldán Mendívil, Hannah Vögele
Betr.: «Kritischer Einwurf zum Frauenstreik», SoZ 1/2019
Am 8.März ist Frauen*streik. Wirklich? Ja. Denn am Internationalen Frauen*kampftag werden dieses Jahr erneut Frauen* auf der ganzen Welt auf die eine oder andere Weise ihre Arbeit niederlegen.
Erwartungen an die Streikkonferenz Mitte Februar
«Immer mehr Aktive merken, dass die Gewerkschaften sich ändern müssen»
Gespräch mit Fanny Zeise
Vom 15. bis 17.Februar 2019 laden Rosa-Luxemburg-Stiftung und regionale Gewerkschaftsgliederungen nach Braunschweig zur vierten Konferenz gewerkschaftlicher Erneuerung ein. Offiziell trägt sie den Titel: «Aus unseren Kämpfen lernen. Streiks auswerten, Strategien entwickeln, politischer werden.» Diese sogenannte «Streikkonferenz» ist mittlerweile die größte linksgewerkschaftliche Diskussionsplattform in Deutschland. Violetta Bock sprach mit Fanny Zeise über ihre Erwartungen an die Konferenz. Fanny ist Referentin für gewerkschaftliche Erneuerung bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Mitorganisatorin dieser Streikkonferenz.
Streik macht Druck!
Zur strategischen Bedeutung der Kämpfe gegen den Pflegenotstand
von Christiaan Boissevain
Die Tarifkämpfe in der Charité und im Saarland, die wochenlangen Streiks an den Unikliniken Düsseldorf und Essen, die bundesweite Verdi-Kampagne «Entlastung», zahlreiche Brandbriefe, Interviews, Demos und Aktionen und nicht zuletzt die Volksbegehren für mehr Krankenhauspersonal in Hamburg, Berlin, Bayern und im Saarland haben die große Koalition zum Handeln gezwungen.
«Wir werden bei GM nicht mehr betteln»
Das General-Motors-Werk in Oshawa, Kanada, wurde besetzt
Interview mit Gewerkschaftsaktivist Tony Leah*
General Motors hat die Schließung von fünf nordamerikanischen Standorten angekündigt, obwohl der Konzern in den vergangenen Jahren mit Rettungspaketen aus Steuergeldern und Zugeständnissen von der Gewerkschaft über Wasser gehalten wurde. Insgesamt fürchten etwa 6700 Beschäftigte um den Verlust ihres Arbeitsplatzes.
Gleichzeitig verdient das Unternehmen weiter Milliarden.
Steter Tropfen höhlt den Stein
Die Proteste bei Amazon haben die USA erreicht
von Violetta Bock
Seit fünf Jahren fordert die Gewerkschaft Ver.di Amazon in Deutschland zu Tarifverhandlungen auf. Und weigert sich Jeff Bezos, Gewerkschaften anzuerkennen. Nur ignorieren kann er sie immer weniger.
Wie die Gewerkschaften erneuern?
Organisieren – Kämpfen – Gewinnen stellt sich vor
von Violetta Bock
Gewerkschaftliche Mächtigkeit setzt Demokratie voraus. Und zwar weil eine Gewerkschaft aktive Mitglieder braucht, um stark zu sein – und weil Leute nicht lange aktiv bleiben, wenn sie nicht ernsthaft mitreden können.
Die Proteste in Frankreich gehen weiter
Mehr Zulauf in den großen Städten
von Bernard Schmid
Die Protestbewegung der «Gelben Westen» ist allem Anschein nach nicht tot zu bekommen, und lässt sich auch durch Emmanuel Macrons Angebot eines institutionalisierten «Großen nationalen Dialogs» bislang nicht eindämmen.
Sozialisiert General Motors!
GM will 6000 Jobs vernichten, um die Gehälter der Manager aufzubessern –
jetzt werden Alternativen diskutiert
von Toni Gilpin*
General Motors entlässt Arbeiter. Wie wäre es, wenn wir stattdessen die Manager feuern?
Für Tausende von Beschäftigten in ganz Nordamerika hat General Motors diesen Winter extra kalt werden lassen. Am Montag nach dem Erntedankfest (22.11.2018) erklärte GM, dass es im Jahr 2019 drei große Montagewerke und zwei kleinere Produktionsstätten für Getriebe in Nordamerika (einschließlich Kanada) schließen will.
Tarifabschluss bei der Deutschen Bahn
Mehr Lohn und kürzere Laufzeit
von Violetta Bock
Und plötzlich stehen sie still. Ein Warnstreik, der gesessen hat.
Auf die Arbeitskämpfe in der Metall- und Elektroindustrie, bei Ryanair, in den Krankenhäusern, im Baugewerbe, dem öffentlichen Dienst und bei Amazon folgten im Dezember die Tarifauseinandersetzungen bei der Deutsche Bahn AG.
Der Zorn der gelben Westen
Zorn trägt nicht mehr nur die Farben der extremen Rechten
von Angela Klein
In alten Religionen war Zorn – Ausdruck einer Entrüstung, die zuweilen auch gewalttätig werden kann – das Privileg von Göttern und Helden: Zeus, Achilles, auch Wotan oder Jahwe. Gemeinsterblichen war er (mit Ausnahme der Patriarchen) verboten – eine frühe Form, das Gewaltmonopol der Herrschenden durchzusetzen. Viele Völker haben sich in der Geschichte über dieses göttliche Gebot hinweggesetzt und mit ihrem Zorn Staaten und Reiche erschüttert.
Zorn bei der Bayer AG
Der Pharmakonzern will über 20000 Beschäftigte loswerden
von Ulrich Franz*
12000 Beschäftigte sollen nach dem Willen des Bayer-Vorstands abgebaut werden, d.h. vernichtet werden. Weitere rund 9000 Beschäftigte sollen durch Verkäufe von Bayer-Firmen(teilen) aus dem Unternehmen ausscheiden. Wieviel Beschäftigte davon in den dann neuen Firmen verbleiben, ist fraglich.
Nächste Runde gegen den Pflegenotstand
Bundesweites Bündnistreffen in Hamburg
von Violetta Bock
Es begann in der Charité, es ging weiter im Saarland, Essen, Düsseldorf… Nach der Organisierung in einigen Krankenhäusern, wachsen gesellschaftliche Bündnisse zur Unterstützung der Streiks. Und in vier Bundesländern werden Pflegeentscheide durchgeführt.
Internationaler Frauenkampftag 2019
Streiken auf allen Ebenen – ein paar Vorschläge
von Petra Stanius
In mehreren Städten Deutschlands haben sich Netzwerke zur Vorbereitung eines Frauenstreiks am 8. März 2019 gebildet. Ein erstes bundesweites Treffen mit über 300 Frauen und Queers fand am 10./11. November in Göttingen statt. Worauf soll ein feministischer Streik zielen? Hierzu gibt es viele Ideen.
«Wir heben ab, wenn ihr bereit seid»
Ryanair-Beschäftigte setzen Forderungen durch
von Violetta Bock
Noch im Dezember 2017 verkündete Michael O’Leary großspurig: «Wir werden keine Gewerkschaft anerkennen, ehe nicht die Hölle zufriert.» Gefroren sind ihm in den letzten Monaten wohl eher des öfteren die eigenen Gesichtszüge, wenn er merkte, dass nicht nur er bestimmen kann, wo es lang geht.
Ein Hauch von Klassenkampf
Nestlé-Beschäftigte aus der ganzen Welt vor der Konzernzentrale in Vevey
von Hans-Gerd Öfinger*
Ein Hauch von Klassenkampf wehte am Dienstag durch das beschauliche, an der Sonnenseite des Genfer Sees gelegene Schweizer Städtchen Vevey, als gegen Mittag über 400 Beschäftigte deutscher Nestlé-Werke mit Fahnen und Transparenten vor der Zentrale des mächtigen Lebensmittelkonzerns aufmarschieren.
Die ArbeiterInnenklasse – ein zerbröseltes Subjekt?
Die Bedeutung der objektiven Interessenlage
von Jakob Schäfer
Seit einigen Jahren wird wieder vermehrt über die ArbeiterInnenklasse diskutiert. Nicht wirklich hilfreich allerdings sind dabei Betrachtungsweisen nach folgendem Muster: Von einer ArbeiterInnenklasse kann nur gesprochen werden, wenn sich die ArbeiterInnen als Klasse verstehen und sich im Kampf gegen das Kapital stellen.
Streiks an Unikliniken
«Es ändert sich erst was, wenn wir anfangen, gemeinsam zu kämpfen»
Gespräch mit Alexandra Willer*
An den Krankenhäusern reißen die Streiks gegen den Personalmangel nicht ab. Ende Juni sind an den Unikliniken Düsseldorf und Essen Hunderte Beschäftigte für mehr Personal im Krankenhaus in den Streik getreten, Ende August haben sie ihren Streik mit einem Teilerfolg beendet.
Zur aktuellen Situation in Österreich
12 Stunden am Tag, 60 Stunden die Woche – so geht Flexibilisierung
von Michael Sankari
Vor einigen Jahren noch hätten wir uns in Deutschland mit so grundsätzlichen Angriffen auf die Lebensbedingungen in unserem sprachlich so nahen Nachbarland Österreich beschäftigt. Zu groß wäre die Befürchtung gewesen, dass dies Teil einer größeren Entwicklung ist, die über kurz oder lang auch uns treffen kann.
Ausbeutung real
Nach kräftigen Lohnsenkungen will die Supermarktkette Real ihre Märkte jetzt verkaufen
von Violetta Bock
«Der Einzelhandel ist ein elementarer Teil des täglichen Lebens. Doch die komplexe Gesamtleistung von Zehntausenden von Menschen wird häufig überlagert durch ein Bild von vermeintlich geringen Einkommen, langen Arbeitszeiten und körperlich anstrengenden Arbeitsbedingungen. Und doch setzen täglich rund 50 Millionen Kunden Vertrauen in die Branche.
Der Widerstand bei Ryanair wächst
Über Gewerkschafts- und Ländergrenzen hinweg
von vb
Michael O’Leary lebt auf seinem 250 Morgen großen Gut «Gigginstown House» bei Mullingar in der Nähe von Dublin. Er ist Chef der Billigairline Ryanair und kann die Forderungen der Gewerkschaften einfach nicht verstehen. Er hält sie weder für gerechtfertigt noch für empfehlenswert. Dies teilte er den Beschäftigten in einem persönlichen Brief vor dem Streik mit. Wie soll er auch verstehen, wie es ist, zu Niedriglöhnen zu schuften?
Europaweiter Aktionstag bei Ryanair
Arbeitskampf für bessere Arbeitsbedingungen
von Violetta Bock
Am 10.8.2018 waren Piloten von Ryanair in fünf europäischen Ländern zum Streik aufgerufen. In Deutschland, Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden legten sie die Arbeit nieder. Dies war in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas der bislang größte Pilotenstreik. Bereits zwei Wochen zuvor hatten Streiks in Portugal, Spanien und Belgien stattgefunden.
Pflegenotstand
Auch in Bayern will das Volk entscheiden
von Violetta Bock
Nach Berlin, Hamburg und Bremen startete am 26.Juli auch in Bayern die Initiative für ein Volksbegehren «Stoppt den Pflegenotstand an Bayerns Krankenhäusern». 12.000 Pflegekräfte fehlen laut Ver.di allein in Bayerns Krankenhäusern. Hier will das Volksbegehren Abhilfe schaffen.
Neue Halberg Guss (NHG)
Was Arbeitermacht alles kann
von Violetta Bock
Die Auseinandersetzung bei NHG ist eine besondere, weil sie Klassenmacht zeigt. Einzig unklar ist, wofür die verwendet wird. Die einen sprechen vom Kampf um jeden Arbeitsplatz, andere von Übernahme durch die Beschäftigten, Oskar Lafontaine schlug Enteignung vor, die IG Metall einen Sozialtarifvertrag.
Internationaler Aktionstag bei Amazon
Streik für Verbesserung der Arbeitsbedingungen
von vb
Pünktlich zum Prime Day von Amazon am 16. und 17.Juli griffen Beschäftigte von Amazon in Deutschland, Spanien und Polen zu Arbeitskampfmaßnahmen. Jedes Jahr lockt Amazon am Prime Day Prime Mitglieder mit tausend Angeboten und kostenlosem Versand – ein strategisch guter Zeitpunkt, um die Arbeit niederzulegen.
Gelebte internationale Klassensolidarität am Kölner Werkstor von Ford
Gemeinsam gegen Werkschließung
von Horst Hilse
Knapp 200 Beschäftigte des Konzerns waren am 20.?Juni morgens am Werktor von Ford Köln. Anlass waren die Verhandlungen zwischen den europäischen Betriebsräten (Eurogroup) und der Konzernleitung.
Studierendenstreik in Berlin
Hochschulen lassen Arbeitskampf für gerechten Tarifvertrag eskalieren
von Victor Müller
Ende Juni sind die studentischen Hilfskräfte (SHKs) der Berliner Hochschulen mitten in der dritten aufeinanderfolgenden Streikwoche, insgesamt haben sie fast 30 Tage gestreikt. Auswirkungen in Lehre, Forschung und Verwaltung sind täglich spürbar, etwa durch Ausfall von Tutorien, verkürzte Öffnungszeiten von Bibliotheken und geschlossene Dienststellen.
Der Glaube ans Recht versetzt keine Berge
Die Anrufung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zum Streikverbot für Beamte war ein Fehler
von Rolf Geffken
Es ist seit langem bekannt: Es gibt in Deutschland kein gesetzliches Streikverbot für Beamte. Und dennoch wurde es von den höchsten deutschen Gerichten immer wieder «behauptet». Es sei Teil der «hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums», die nach Art.?33 GG bei der Ausgestaltung «Berücksichtigung» finden müssten. So die «herrschende Meinung», der übrigens Wolfgang Däubler schon 1971 entgegentrat.
«Abos retten linken Arsch»
Solidarität mit dem ND
von Violetta Bock
Mit einem Banner mit dieser Parole stellten sich Beschäftigte des Neuen Deutschland (ND) vor dem Bundesparteitag der LINKEN in Leipzig auf, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Erzwingungsstreik am Uniklinikum Saarland in Vorbereitung
Nette Worte reichen nicht
von Violetta Bock
Seit März 2017 verhandelt Ver.di mit der Leitung des Universitätsklinikums des Saarlands (UKS) in Homburg. Die Gewerkschaft fordert die Schaffung von 250 neuen Stellen und will dies über einen Tarifvertrag Entlastung absichern, um bei Nichteinhaltung klagen zu können.
Neues von Amazon
In Italien konnte eine Betriebsvereinbarung durchgesetzt werden
von Violetta Bock
«Wir verhandeln nicht mit Gewerkschaften», so lautete lange Zeit das Credo von Amazon. Seit fünf Jahren streiken die Beschäftigten in Deutschland für einen Tarifvertrag. Den Kolleginnen und Kollegen in Italien ist nun ein Durchbruch gelungen.
«Bildet Bündnisse, ob Ver.di das will oder nicht»
Die Bewegung für mehr Personal in den Krankenhäusern geht weiter
Gespräch mit Axel Hopfmann
Nach den Streiks an der Charité, im Saarland und anderen Orten wurden in Berlin, Bremen und Hamburg Initiativen für Volksentscheide ergriffen. Das Beispiel Hamburg zeigt: Das kann auch zu Auseinandersetzungen vor Gericht führen. Obwohl die Aktiven ganz bewusst Ver.di unterstützen und unter den Beschäftigten eine Bewegung für einen neuen Tarifvertrag aufbauen, gibt es dabei Konflikte mit bestimmten Ver.di-Instanzen.
Violetta Bock sprach mit Axel Hopfmann, Sprecher des Hamburger Pflegebündnis für mehr Personal in den Krankenhäusern.
Trittweise Organisierung bei Foodora und Deliveroo
Fahrradkuriere für bessere Arbeitsbedingungen
von Violetta Bock
Foodora und Deliveroo sind Beispiele für die sog. Plattformökonomie. Über eine App wird Essen nach Hause bestellt aus verschiedenen Restaurants der Stadt. Kaum wird ok gedrückt, radelt irgendwo wer los, bestätigt den Auftrag, egal bei welchem Wetter. Foodora beschäftigt etwa 2600 Kuriere in 36 Städten, Deliveroo etwa 1500 Fahrerinnen und Fahrer in 15 deutschen Städten. Für die Kuriere bedeutet dies maximale Flexibilität und entsprechend schwer ist es sich zu organisieren.
Proteste in Frankreich
Politische Vereinnahmungsversuche
von Bernard Schmid
Zweimal gab es im Mai in Frankreich recht starke soziale Protestmobilisierungen parallel zum Streik der Bahnbeschäftigten. Dieser hatte seinen Höhepunkt am 14.Mai, ist aber in der letzten Maiwoche recht weitgehend abgebröckelt. Am Samstag, dem 5.Mai, demonstrierten in Paris rund 70000 unter dem Motto «Eine Party für Macron» (Macron kann was erleben) in Paris. Diese Mobilisierung hatte landesweite Bedeutung.
Sozialproteste in Frankreich
Analysen und Updates zu den Streiks
von Bernard Schmid
Artikelreihe für Labournet.de, mit regelmäßiger Aktualisierung. Die jüngsten Artikel finden sich immer ganz oben.
Tarifergebnis öffentlicher Dienst
Lange Laufzeit, Forderungen nicht erfüllt
von Helmut Born
Am 17.April wurde nach dreitägigen Verhandlungen in der Tarifrunde für die Beschäftigten bei Bund und Kommunen eine Einigung erzielt, die auf den ersten Blick unbefriedigend ist.
Die Forderung nach 6 Prozent mehr Einkommen und nach einem Mindestbetrag nach 200 Euro für 12 Monate findet sich in dem Abschluss nicht wieder.
«Das ist, wie wenn ein Richter ein Todesurteil fällt, ohne die Akte zu lesen»
Betriebsrat Thomas Clauß von Siemens Leipzig über die angekündigte Werksschließung
von degrowth.info*
2017 verkündete Siemens 6,3 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern. Rund eine Woche später kündigte die Konzernführung an, weltweit rund 6900 Jobs streichen zu wollen. Deutschlandweit sollen 3300 Stellen gestrichen, die Werke in Görlitz und Leipzig geschlossen werden. Siemens begründet diese Pläne mit den Anforderungen der Energiewende: die Kraftwerkssparte habe ein Problem.
Kampf an allen Fronten: Fünf Jahre Streik bei Amazon
Bericht vom Amazon-Forum Bad Hersfeld
von Violetta Bock
Seit fünf Jahren streiken die Beschäftigten bei Amazon. Sie haben Lohnerhöhungen durchgesetzt, Weihnachtsgeld, erhielten bessere Pausenräume und konnten an manchen Standorten sogar die Quote an befristeten Beschäftigungsverträgen senken. All das ist natürlich eine «freiwillige Leistung», denn der Tarifvertrag ist noch in weiter Ferne. Deshalb kann auch weiter gestreikt werden und es gelten keine 30 Monate Friedenspflicht.
Soziale Proteste in Frankreich
Ein Fest für Macron?
von Bernard Schmid
Die Kombination könnte einem bekannt vorkommen: Ähnlich wie im Spätherbst 1986 oder im November und Dezember 1995 findet in Frankreich gleichzeitig ein Streik der Bahnbeschäftigten und ein Protest der Studierenden statt. Ob diese sozialen Bewegungen allerdings eine vergleichbare Dynamik entfalten können wie damals, muss vorläufig dahin gestellt bleiben.
Auf die Felder!
Die Spargelsaison(arbeit) ist eröffnet
von Violetta Bock
Mitte, Ende April geht die Spargelzeit wieder los. Gemüse, Obst und Früchte müssen geerntet und für den Verkauf bereit gemacht werden. Hunderttausende Wanderarbeiterinnen kommen dafür jährlich zur Erntesaison nach Deutschland, die Arbeitsbedingungen sind prekär, der Mindestlohn wird häufig unterwandert. Die Emanzipatorische LandarbeiterInnen-Initiative und die Initiative Frohes Schaffen rufen zum Saisonstart dazu auf, sich an einer Informationskampagne auf den Feldern zu beteiligen.
Arbeitszeit kritisch betrachtet
Nicht alles, was Tarif und Gesetz ist, ist auch rechtens
von Rolf Euler
Arbeitszeit gestalten. Wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis. Hrsg. Regine Romahn. Marburg: Metropolis, 2017. 248 S.,19,80 Euro
Das Buch ist eine Sammlung von fast zwanzig Aufsätzen, die sich mit den Problemen der Arbeitszeitgestaltung und der Gesundheitsvorsorge unter den modernen Bedingungen der Globalisierung, Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeit befassen.
Die Leiharbeitskampagne, …
… oder: Die Mühen der Ebene
von Wolfgang Däubler
Seit Mitte Mai, seit der Sendung über Leiharbeit in Die Anstalt, habe ich über 500 Mails bekommen. In den ersten Tagen waren es besonders viele, doch Anfragen gibt es auch heute noch.
Nur ein Vorgeschmack
Stellenabbau bei Siemens lässt nicht nur Beschäftigte erschauern
von vb
Ende letzten Jahres verkündete Siemens den Abbau von knapp 7000 Stellen weltweit bis 2023, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Betroffen ist vor allem die Kraftwerkssparte und damit die Werke Görlitz, Leipzig, Berlin, Offenbach, Erlangen, Mülheim und Erfurt.
Ein Schritt in die richtige Richtung?
Der Tarifabschluss der IG Metall verfestigt die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
von Gisela Notz*
Freilich ist es ein großes Verdienst, dass die IG Metall nach über 30 Jahren die Diskussion um Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit wieder aufgenommen hat. Dafür – nicht nur für die Erhöhung der Löhne – sind «die MetallerInnen» massenhaft in den 24-Stunden-Warnstreik gegangen.
Tarifabschluss IGM 2018
Mehr Freiheiten für das Kapital
von Jakob Schäfer
Das Tarifergebnis, das die IG Metall am 6.Februar in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie erzielte, ist im Kern, nämlich bei der Arbeitszeitverkürzung, ein Kuhhandel.
Auch Lehrer arbeiten auf Verschleiß
GEW kämpft für neue Arbeitszeitordnung
von Violetta Bock
Osterferien, sechs Wochen Sommerferien, Weihnachtsferien, wie schön wäre es, wieder in der Schule zu sein. Noch immer assoziieren viele den Lehrerberuf mit langen Ferien. Stattdessen herrscht Lehrermangel, allein an Grundschulen spricht man von 2000 fehlenden Lehrkräften. Und ebenso wie in der Pflege fehlen nicht nur Lehrer, die vorhandenen arbeiten auf Verschleiß. Eine neue Studie über die Arbeitszeit von Lehrern gibt der Forderung der GEW Niedersachsen nach Entlastung nun Vorschub.
Auch Studierende müssen essen
Studentische Beschäftigte an den Berliner Hochschulen streiken
von Victor Müller
Ihr Einsatz bleibt meistens kaum sichtbar, aber studentische Beschäftigte (SBs, auch studentische bzw. wissenschaftliche Hilfskräfte genannt) erledigen an deutschen Hochschulen einen Großteil der wissenschaftlichen und didaktischen sowie der Verwaltungsarbeit. So könnten sie sich im Prinzip durch studiumrelevantes Arbeiten eine Existenzgrundlage schaffen. In Wirklichkeit aber zahlen viele Hochschulen nur den Mindestlohn, um die unterbezahlten Studierenden dann der Willkür der Professoren und der Verwaltungsbürokratie auszuliefern.
Vor der Entscheidung
Zur Tarifrunde der IG Metall
von Thies Gleiss
Nach drei Verhandlungsrunden zwischen der IG Metall und den Arbeitgeberverbänden in den einzelnen Tarifbezirken sind die Fronten unverändert hart.
«Vorbei ist jetzt die Friedenszeit»
Pflegestreik – bald auch in der Altenpflege?
von Violetta Bock
«Ich will nicht, dass die Altenpflegerin vier Jahre auf bessere Arbeitsbedingungen wartet, nur damit sich die SPD wohlfühlt», wurde Martin Schulz in den letzten Tagen immer wieder zitiert im Zusammenhang mit dem Versuch, den sog. Zwergenaufstand in der eigenen Partei zu unterbinden. Die SPD mag sich nach dem Parteitag wieder wohlfühlen, eng gekuschelt an die CDU, für die Altenpflegerin stehen die Kämpfe noch bevor.
Tarifkampf um Arbeitszeitverkürzung
Wie wäre es mit der Verweigerung von Überstunden?
von Manfred Dietenberger
Fast 2 Milliarden Überstunden werden jährlich von den Beschäftigten geleistet, und die Hälfte wird nicht einmal bezahlt. Was nutzt Arbeitszeitverkürzung auf dem Papier, wenn dieser Skandal nicht eingestellt wird?
Die IG Metall fordert Arbeitszeitverkürzung. Beileibe nicht für alle und auch nicht mit vollem Lohnausgleich wie in den 80er Jahren, als die Gewerkschaft um die 35-Stunden-Woche im Zeichen der aufgehenden Sonne kämpfte.
Schluss mit den IG-Metall-Legenden!
Stellungnahme zu Michael Sankari, «Sieben Thesen zu den Aufgaben einer offensiven Gewerkschaftspolitik», SoZ 12/2017
von Rolf Geffken*
Natürlich hat Michael Sankari recht mit seiner Kritik am Abstraktum eines «politischen Mandats» mit einer «konkreten Politik», das von den hauptamtlichen Funktionären der IG Metall auf Einladung der Partei DIE LINKE eingefordert wurde. Doch greift diese Kritik nicht viel zu kurz? Wie ist denn die Praxis dieser Organisation? Kann man sich angesichts dieser sehr konkreten Praxis noch abstrakte Kritik leisten? Oder dient letztlich und objektiv solch zurückhaltende Kritik nicht der Fortschreibung dieser verheerenden Politik?
Wir leben nicht im Sozialismus?
Dann ist es Zeit, Betriebe zu besetzen
von Manfred Dietenberger
Siemens hat gerade ein Rekordjahr mit 6,2 Milliarden Euro Nettogewinn hinter sich, und Mitte Dezember 2017 heimste der Konzern in Libyen einen lukrativen Großauftrag ein (Gesamtvolumen von rund 700 Millionen Euro), er soll dafür zwei Gaskraftwerke bauen. Dennoch hat Siemens die Absicht, demnächst weltweit in der Kraftwerks- und Antriebssparte 6900 Arbeitsplätze zu vernichten, die Hälfte davon in Deutschland.
Zur Tarifrunde der IG Metall
Das wird ein schwerer Kampf
von Thies Gleiss
In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie sind die ersten zwei Verhandlungsrunden abgeschlossen, die Friedenspflicht endet am 31.Dezember.
Die IG Metall fordert im wesentlichen drei Dinge:
Wer haftet für die Einhaltung der Gesetze?
Ein Fahrer klagt gegen DHL
von Karsten Weber
Aus der jüngsten Revision der EU-Entsenderichtlinie bleibt der Transportsektor ausgenommen (wir berichteten in SoZ 12/2017) – ausgerechnet der Sektor, der am meisten unter dem ungeregelten Arbeitsmarkt in der EU zu leiden hat.
Air Berlin: Beschäftigte im Sinkflug
Lufthansa im Aufstieg
von Violetta Bock
Die Kapitalseite denkt sich oft schöne Erzählungen aus, um zu begründen, warum der Niedriglohnsektor und die Flexibilisierung zunehmen müssen, damit Unternehmen ihre Profite und Gewinne steigern können.
Im Fall Air Berlin wird das nicht mal versucht. Hier kassieren ganz unverhohlen die Manager, und die Beschäftigten stehen vor dem Nichts.
Erste OKG-Konferenz in Kassel
«Wir brauchen eine Bewegung der Störenfriede!»
dokumentiert
70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren am 28./29.Oktober über Erfahrungen aus betrieblichen Kämpfen und Strategien für die Zukunft.
«Von den Besten lernen, von euch lernen», so eröffnete Violetta Bock die erste Tagung von Organisieren – Kämpfen – Gewinnen (OKG). Teilnehmende aus ganz unterschiedlichen Branchen hatten sich zusammengefunden, um genau das zu tun:
30-Stunden-Woche: Beliebt, aber falsch angepackt?
Tarifrunde der IG Metall 2017/18
von Thies Gleiss
Die IG Metall bereitet ihre nächste Tarifrunde vor. Die laufenden Gehaltstarifverträge laufen Ende des Jahres aus, die ersten Tarifverhandlungen finden im November statt.
Nach der für die IG Metall üblichen Meinungsfindungsrunde in betrieblichen, örtlichen und bezirklichen Versammlungen und nach Diskussionen in den regionalen Tarifkommissionen wird die Gewerkschaft aller Voraussicht nach mit zwei Hauptforderungen ins Gefecht ziehen:
Mobbing gegen Betriebsräte
Bundesweite Konferenz in Mannheim
von Heinrich Neuhaus
Am 14.Oktober 2017 fand die nunmehr 4.bundesweite Tagung «Betriebsräte im Visier – Bossing, Mobbing & Co.» im Mannheimer Gewerkschaftshaus statt. Über 100 Teilnehmende aus 30 Orten und sechs Einzelgewerkschaften hatten sich dafür angemeldet.
Häuserkampf gegen das Arbeitsgesetz in Frankreich
Bei den Protesten gelingen Teilerfolge
von Bernard Schmid
Die Auseinandersetzung um die derzeit ablaufende «Reform» im französischen Arbeitsrecht setzt den Konflikt vom vergangenen Jahr fort.
Im Frühjahr und Sommer 2016 kämpfte eine soziale Bewegung mit Streiks, Demonstrationen, Platzbesetzungen und Straßenkämpfen fünf Monate lang gegen das sog. «Arbeitsgesetz» (Loi Travail). Dieses wurde unter François Hollande dennoch verabschiedet und trat am 8.August 2016 in Kraft.
Gewerkschaftskonferenzen im Oktober
Es palavert sich heftig
von Violetta Bock
Gleich drei Gewerkschaftskonferenzen finden im Oktober statt. Jede hat ihren eigenen Schwerpunkt, die eine konzentriert sich auf ein Thema, die andere greift vor allem die (gewerkschafts)politische Situation auf, die dritte wiederum bemüht sich, ganz von unten zu denken. Eine Anmeldung ist bei allen erforderlich.
Was tun gegen den Mangel an Betriebsräten?
Kampagne von RAT & TAT und VIRCON
die Redaktion
Der Arbeitsrechtler Rolf Geffken bietet Beratungen für die Bildung von Betriebsräten an.
Nur 38 Prozent der Beschäftigten werden in Deutschland von Betriebsräten vertreten. Nach wie vor besteht in der großen Mehrzahl der betriebsratsfähigen Betriebe kein Betriebsrat. Die Gewerkschaften betrachten die Wahl von Betriebsräten zwar als ihre Aufgabe, doch Initiativen vor Ort scheitern oft daran, dass es nicht genügend gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte in Klein- und Mittelbetrieben gibt.
aktion./.arbeitsunrecht
13.Oktober: Schwarzer Freitag für H&M
von Jessica Reissner
Die Initiative aktion./.arbeitsunrecht ruft für Freitag, den 13.Oktober, zum bundesweiten Protest auf.
Das Online-Voting, in dem das Ziel dieses Schwarzen Freitags ermittelt wurde, endete mit einer Aufholjagd. Lange Zeit lag das Deutsche Rote Kreuz (DRK) vorne. Erst in den letzten Tagen büßte der halbstaatliche Hilfegigant, der an vielen Stellen Lohndumping und Betriebsratsbehinderung betreibt, seinen Vorsprung ein.
Tarifkommissionen aller Länder vereinigt euch
Trotz Tarifkoordination wurde der Arbeitskampf im Einzelhandel abgewürgt
von Karin Zennig*
In Ver.di wird gerade viel über strukturelle Veränderungen und Organisationsumstellungen diskutiert, wobei bisher leider politische hinter finanziellen Überlegungen zurückstehen. Am Beispiel des jähen Endes der Tarifrunde Einzelhandel mit dem unerwarteten Abschluss in Baden-Württemberg wird aber offenkundig, wie wichtig die Einigung auf tarifpolitische Grundsätze ist, um zukünftigen Frust und eine unnötige eigene Schwächung zu vermeiden.
«Wir Kollegen haben auch Ideen»
Brief eines Arbeiters von Blohm+Voss anlässlich von Massenentlassungen
dokumentiert
Nach dem angekündigten Arbeitsplatzabbau auf der Schiffswerft Blohm+Voss in Hamburg haben sich IG Metall und Unternehmensspitze auf einen Sanierungstarifvertrag geeinigt. Er sieht Einsparungen beim Urlaub- und Weihnachtsgeld, unbezahlte Überstunden und den Wegfall von 300 Stellen bis zum kommenden Sommer vor. Nicht alle sind damit zufrieden.
OKG – Organisieren Kämpfen Gewinnen
Tagung im Herbst geplant
von Violetta Bock
Am 28./29.Oktober 2017 findet in Kassel im Bürgerhaus Harleshausen die erste Tagung von OKG (Organisieren Kämpfen Gewinnen) statt. Die Tagung öffnet für betrieblich Aktive, Menschen aus Solidaritätskreisen und interessierte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter einen Raum, um über Herausforderungen und Erfolge in der eigenen Arbeit für eine unbequeme, lebendige und solidarische Gewerkschaftsarbeit zu diskutieren.
Ostwind für Kohl
Berliner Tagung erinnert an den ostdeutschen Widerstand gegen die Abwicklung der ostdeutschen Industrie
von Bernd Gehrke
Am 20.Juni 1992 fand in Ostberlin die 1.Konferenz Ostdeutscher und Berliner Betriebs- und Personalräte statt. 140 Betriebs- und Personalräte aus 70 Betrieben, die 107000 Beschäftigte vertraten, unternahmen damals den selbstorganisierten Versuch zu einem branchen- und regionenübergreifenden Widerstand von Belegschaften in Ostdeutschland gegen die Treuhandanstalt und deren Politik der Deindustrialisierung mittels Privatisierung der ostdeutschen Wirtschaft.
Paradigmenwechsel im Arbeitskampf
Im Streik für mehr Personal an den Krankenhäusern geht Ver.di neue Wege – das Saarland spielt den Vorreiter
von Violetta Bock
Linke und gewerkschaftliche Bewegungen sind in der Defensive. Zwar beobachtet man allerorten eine Polarisierung, aber diese formiert und verbindet sich bisher nicht auf der fortschrittlichen Seite.
Freifahrtschein und Burkaverbot
Die Ergebnisse der Tarif- und Besoldungsrunde für die hessischen Landesbediensteten haben es in sich
von Lutz Getzschmann
Die Warnstreiks haben sich gelohnt, der diesjährige Tarifabschluss für die 45000 Angestellten im hessischen Landesdienst ist für die beteiligten Gewerkschaften Ver.di, GEW und GdP zumindest kein Reinfall.
Trucker-Streik in Russland
Totgeschwiegen
von labournet.de
Seit dem 27.März 2017 befinden sich russische Lkw-Fahrer in einem unbefristeten Streik gegen das Mautsystem «Platon», weil es die zu 80 Prozent selbstfahrenden Unternehmer in ihrer Existenz bedroht – zugunsten der großen Logistikfirmen. Ihr gewerkschaftsähnlicher Zusammenschluss heißt OPR, etwa 10000 Fuhrleute sind darin organisiert.
Arbeitskampf im Pflegedienst
Kündigung wegen Bildung eines Betriebsrats
von Peter Nowak
«Wir sind nur ein kleiner Pflegedienst mit zehn Mitarbeitern. Fällt jemand durch Krankheit aus und einer ist im Urlaub, dann arbeite ich schon mal neun Tage am Stück. Das ist viel und es wäre gut, wenn das anders organisiert werden könnte.»
So äußerte sich Harald Stubbe im Juni 2015 auf dem Onlineportal «Pflegefibel» über die Arbeitsbedingungen in einem Pflegedienst in Frankfurt am Main.
Streiks von Migranten erfordern Wagemut
Über den «Tag ohne uns», seine Vorgeschichte und seine Lehren
Gespräch mit Valery Alzaga
«Fünfeinhalb Millionen geborene Briten leben als Migranten außerhalb des Landes, viele britische Staatsbürger sind Kinder von Migranten, und viele gebürtige Ausländer nennen Großbritannien ihre Heimat. Weltweit gibt es über 100 Millionen Migranten. Migration ist ein selbstverständlicher Teil ein jeder Gesellschaft. Deshalb müssen die Migranten bleiben.»
Frau Nahles und der «Fortschritt»
Eine Bilanz der Gesetze aus dem Bundesarbeitsministerium
von Rolf Geffken*
Die eigene Bilanz der Bundesministerin für Arbeit und Soziales sieht gegen Ende der Legislaturperiode natürlich positiv aus. Wer hätte etwas anderes erwartet? Doch wie positiv ist die Bilanz wirklich?
Pflegenotstand in den Krankenhäusern
Nicht nur Arbeitskampf, sondern Kampf ums Leben
von Violetta Bock
Es herrscht Pflegenotstand in Deutschland. In deutschen Krankenhäusern fehlen 162000 Vollzeitstellen, 70000 davon in der Pflege zur Absicherung der gebotenen Qualitätsstandards. Das ist das Ergebnis eines Personalchecks von Ver.di aus dem Jahr 2013.
Die Situation ist brandgefährlich, für Patienten wie für das Personal.
Drei Prüfsteine für die Pflege
In saarländischen Krankenhäusern wird der Streik vorbereitet
von Violetta Bock
Viele blicken erwartungsvoll ins Saarland. Kurzerhand stieg ich in den Zug, um mir selbst ein Bild zu machen und fuhr zum Tarifberatertreffen am 15.Februar.
Schwarzer Freitag für Median
Die Deutsche Rentenversicherung darf kein Lohndumping dulden
von Jessica Reissner
Am 13.Januar, fand aufgrund eines Aufrufs der aktion ./. arbeitsunrecht der vierte bundesweite Widerstandstag gegen Union Buster und Horrorjobs statt. Im Visier des Aktionstags waren diesmal Einrichtungen der Median-Kliniken GmbH.
Berliner Charité
Alles gut nach dem Streik?
von Peter Malzer*
Trotz des neuen, mit Hilfe von Ver.di abgeschlossenem Tarifvertrags hat sich die Situation auf den Stationen kaum verändert.
Die Charité veralbert ihre Beschäftigten. Der Vorstand und die Pflegedirektorin brüsten sich damit, den Tarifvertrag Gesundheitsschutz und Demografie (TV GS) mit der Gewerkschaft Ver.di abgeschlossen zu haben und damit ihr Personal zu entlasten.
Bald Streik bei VW in Chattanooga?
In den USA will VW die Gewerkschaft nicht anerkennen
von Chris Brooks
VW USA gilt unter den ausländischen Automobilfirmen als das Unternehmen mit den brutalsten Arbeitsbedingungen. Seit Jahren kämpft die Gewerkschaft der Automobilarbeiter (UAW) deshalb für ihre Anerkennung im Betrieb.
General Electric, Mannheim: Fix it, sell it or close it? – Fight it!
Eine Region bangt um Arbeitsplätze und lernt Widerstand
von Violetta Bock
Es brodelt weiter in Mannheim. General Electric hatte im Januar den Abbau von 1700 Arbeitsplätzen in Deutschland verkündet, gut 1000 davon allein in Mannheim-Käfertal. Seither kämpfen Beschäftigte und Gewerkschaft um Arbeitsplätze, Alternativen und Gehör.
Median-Kliniken: Reha ist kein Spekulationsobjekt!
aktion ./. arbeitsunrecht bereitet neuen Aktionstag vor
von Jessica Reisner
Wenn Pflegepersonal, das kurz vor dem Kollaps steht, Patienten mit Burnout behandelt, dann klingt das nach einer Reha-Einrichtung des Median-Konzerns. Die Initiative aktion ./. arbeitsunrecht ruft zu Protesten in dessen Einrichtungen und vor Büros des Kostenträgers Deutsche Rentenversicherung auf. Ein weiteres Ziel sind Büros der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt, deren Anwälte mit Zermürbungsmethoden gegen aufmüpfige Beschäftigte, Betriebsräte und Gewerkschafter vorgehen.
Zumtobel: Was bleibt, wenn die Schließung ansteht
Erfolgreicher Streik für Sozialtarifvertrag und Respekt
von Violetta Bock
Kreativ und beharrlich bis zum Schluss kämpften die 145 Beschäftigten des Usinger Werkes von Zumtobel für einen Sozialtarifvertrag – mehr als sieben Wochen lang.
Der Fall Tengelmann
Der Schwarze Peter liegt bei Rewe
von Manfred Dietenberger
Pack schlägt sich – Pack verträgt sich, sagt Volkesstimme. Sind die Beschäftigten die lachenden Dritten?
Die dritte Mannheimer Konferenz
Betriebsräte-Mobbing oder organisiertes Verbrechen?
von Violetta Bock
Zum dritten Mal in Folge fand in Mannheim eine Konferenz von Betriebsräten statt, die sich mit dem Problem der Behinderung der betrieblichen und gewerkschaftichen Interessenvertretung befasst.
Dritte Streikkonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung
«Gemeinsam Gewinnen!»
von Violetta Bock
700 Teilnehmer, gefühlt 250 Sekretäre, 200 Wissenschaftler, 150 Politaktivisten und 100 Aktive aus Betrieben: Hierin liegt die ganze Stärke und Schwäche der dritten Streikkonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die am ersten Oktoberwochenende in Frankfurt am Main stattfand.
Amazon-Belegschaften ändern ihre Streiktaktik
«Es fängt immer mit einem selber an»
Gespräch, Violetta Bock mit Christian Krähling
Seit 2013 streiken Ver.di-Mitglieder bei Amazon für einen Tarifvertrag. Die Auseinandersetzung ist ein Beispiel für Widerstand gegen prekäre Arbeitsbedingungen in Großbetrieben. Doch der Kampf, der fast alle Standorte in Deutschland ergriffen hat, kommt nicht von ungefähr. Er ist Ergebnis eines langen Prozesses, in dem Beschäftigte begannen, sich zusammenzuschließen und Strategien zu erproben.
Kaiser’s-Tengelmann: Gnadenloser Kampf um Marktanteile
Jetzt sollen es Schröder und Rürup richten
von Helmut Born
Der Kampf um die Übernahme der Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte nimmt immer groteskere Formen an.
Zur Debatte um die DGB-Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Organisierung ist eine klassenpolitische Frage
von Jakob Schäfer
Zu meinen Ausführungen in der Mai-Ausgabe der SoZ hat sich eine kleine Debatte entwickelt (siehe SoZ 6, 7-8 und 9/2016), auf die ich nachstehend eingehen will.
Peter Nowak und Willi Hajek führen in ihren Beiträgen eine ganze Reihe von Beispielen der Selbstorganisierung bzw. der Unterstützung von Kämpfen seitens kleiner Gewerkschaften an.
Technoform Group will Betriebsrat wegschmelzen
Ein neuer Fall von Union Busting zur Durchsetzung von Industrie 4.0
von Violetta Bock
Mit dem Filmfestival Futurale tourt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gerade durch Deutschland, um in 25 Städten auf die Veränderungen in der Arbeitswelt einzuschwören. Ausgangspunkt scheinen die Umbrüche durch technologische Erneuerungen. Letztendlich verbirgt sich dahinter jedoch ein Programm zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.
Indien: größter Generalstreik der Weltgeschichte
Für mehr Lohn und mehr Rente
von der Redaktion
Am 2. September fand in Indien der wohl größte Streik in der Weltgeschichte statt: 180 Millionen Menschen streikten für einen umfangreichen Forderungskatalog, u.a. für die Erhöhung des Mindestlohns und der Renten und gegen die hindunationalistische Regierung der BJP. Der folgende Text basiert auf einer ausführlichen englischsprachigen Erklärung des indischen Gewerkschaftsverbands CITU, der politisch der reformistischen Communist Party of India (Marxist) (CPIM) nahesteht.
Eine juristische Premiere
Pakistanische Textilarbeiterinnen verklagen KiK in Dortmund
dokumentiert
Pakistanische Arbeiterinnen verklagen die Textilbilligfirma KiK auf Schadensersatz wegen des Brandes in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karachi vor vier Jahren. Gerichtsstand ist Dortmund. Das dortige Landgericht hat die Klage angenommen und gewährt den Klägerinnen Prozesskostenhilfe. Dies ist der erste Prozess dieser Art in Deutschland, und es wird sicher eine wichtige Entscheidung werden.
Boykottiert H&M
Streikende in Italien bitten um Hilfe
von Roberto Luzzi (SI-Cobas-Exekutivkomitee)
In diesen Augusttagen führen Arbeiter in den italienischen H&M-Warenlagern Stradella und Casalpusterlengo (beide in der Lombardei) ihren ersten wichtigen Kampf für ihre Rechte und Arbeitsbedingungen, nachdem sie sich im SI Cobas (Sindacato Intercategoriale Cobas) organisiert haben.
Streikrecht: ein vorläufiger Erfolg für Fraport
GdF soll Schadenersatz wegen Streik zahlen
von Violetta Bock
Am 26.7.2016 erschütterte ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (1 AZR 160/14) das gewerkschaftliche Lager: Erstmals seit Jahrzehnten soll eine Gewerkschaft, in diesem Fall die Gewerkschaft der Fluglotsen, wieder Schadenersatz in Millionenhöhe für einen Streik zahlen.
Mit Boykott und Klagen
Widerstand gegen XXXLutz in Oberhausen
von Petra Stanius*
Im Februar dieses Jahres macht sich die Möbelhauskette XXXL, die in zahllose GmbHs aufgespalten ist, in Mannheim einen traurigen Namen: Das Möbelhaus XXXLutz stellte kurzerhand 99 Beschäftigte von der Arbeit «frei». Es folgte ein massiver Arbeitskampf, den die Beschäftigten jedoch verloren (siehe SoZ 4/2016). Jetzt versucht das Unternehmen einen neuen Coup in Oberhausen.
Vor einem neuen Mai 68?
Erklärung der Unterschiede zu heute
Gespräch mit Alain Krivine
Frankreich liefert gerade ein Musterbeispiel für die Instabilität der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Europa. An die drei Monate dauert nun schon der Kampf gegen das neue Arbeitsgesetz – und es würde keiner eine Wette darauf abschließen, wie er zu Ende geht.
Frankreich: Den Streik unterstützen heißt volltanken
So denken immer mehr Unterstützer der französischen Sozialproteste
von Bernard Schmid
Ökologisch motivierte Bedenken gegen den motorisierten Individualverkehr hin oder her: Jetzt muss ein voller Autotank her und dazu noch ein paar Kanister. Denn der Streik, der am Ende der vorletzten Maiwoche in den französischen Raffinerien begonnen hat, soll möglichst schnell seine Wirkung zeigen.
Andere Streikformen gesucht
Arbeitskampf mit mehr Druck
von Tobias Michel
Ein Arbeitskampf kann die Menschen im Betrieb politisieren. Er muss es nicht. Routiniert führten die Spezialisten der Ver.di-Bundeszentrale und ihr Tarifpartner, der Verband kommunaler Arbeitgeber (VKA), ihre Tarifkommissionen am Nasenring zur Unterschrift. Die Streiktage im Vorfeld zeigten auch in diesem Jahr nicht nur, dass mit jedem Aktionstag die Beteiligung wächst. Sie zeigten auch die Grenzen, die ein auf die Inszenierung bunter Bilder für die Tagesschau zielender Arbeitskampf im öffentlichen Dienst überwinden muss.
«Jetzt schlägt’s 13!»
23 Aktionen gegen Horror-Jobs und Union Buster
von Jessica Reissner*
Bürgerrechtler und Gewerkschaftler protestierten am Schwarzen Freitag, dem 13.Mai 2016, in 14 deutschen Städten gegen Ausbeutung und Streikbrecherprämien bei Toys»R»Us. Hinzu kamen Protestaktionen gegen McKinsey (Köln), die Malteser (Köln und Duisburg) und die Median-Kliniken (an sechs Standorten).
Nuit debout – Wir müssen den Platz jeden Tag neu besetzen
Über die neue Protestbewegung in Frankreich
Gespräch mit Theo und Elie
Jetzt hat auch Frankreich seine Bewegung der Plätze, ähnlich wie vor einigen Jahren Spanien und Griechenland, aber doch ganz anders. Das fängt schon damit an, dass die Nacht zum Tag gemacht wird und der Platz der Republik, von dem alles ausging, jeden Tag neu besetzt werden muss.
Soll man sich in DGB-Gewerkschaften organisieren?
oder: Wie lässt sich kämpferische Politik am besten durchsetzen?
von vb
Wie jedes Jahr werden viele unserer Leserinnen und Leser diesen Monat an den Demonstrationen zum 1.Mai teilnehmen. Sie werden darüber sprechen, wie der Stand der Gewerkschafts- und der Arbeiterbewegung aussieht. Einige werden an das letzte Streikjahr zurückdenken. Etliche werden aus ihrem Betriebsalltag berichten und über die ein oder andere erfolgreiche Aktion.
Transnationaler Streiktag
Über den Aktionstag am 1.März
von Peter Nowak
Zum transnationalen Streiktag am 1.März gab es Aktionen in mehreren europäischen Ländern.
«Take a Walk on the Workerside» lautete das Motto eines Spaziergangs durch die prekäre Arbeitswelt in Berlin am 1.März. Organisiert wurde er von den «Migrant Strikers», einer Gruppe von italienischen Arbeitsmigranten in Berlin, den «Oficina Precaria», in der sich Kolleginnen und Kollegen aus Spanien koordinieren, und der Berliner Blockupy-Plattform, die in den letzten Jahren die Proteste gegen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Eurokrise koordinierte.
Organizing im Callcenter
Niedriglohn, Willkür und direkte Aktion
Mark Richter im Gespräch mit Gewerkschaftern*
Wie lassen sich Beschäftigte in Callcentern organisieren? Darüber sprach Mark Richter aus Frankfurt am Main mit Nico Hagenberg und Max Neekamp von der Rostocker Ortsgruppe der weltweiten Basisgewerkschaft «Industrial Workers of the World» (IWW). In dem Callcenter, um das es hier geht, arbeiten über tausend Menschen, und es gibt Pläne, Beschäftigte in der gesamten Branche zu organisieren.
Streiks und Streikrecht in Portugal
Wo Streikende nicht behindert werden dürfen
von Anne Engelhardt*
In Portugal gab es unterschiedliche Versuche der Herrschenden, die Löhne und Arbeitsbedingungen unter dem Vorwand der Krise anzugreifen. Doch die Bevölkerung wehrt sich, zu kleinen Teilen auch erfolgreich. Auf was für ein Streikrecht kann sie dabei zurückgreifen?
Brutaler Kahlschlag bei General Electric
Die Folgen der Zerschlagung von ALSTOM
von Heinrich Neuhaus
Am 13.Januar 2016 ließ General Electric (GE) in Mannheim-Käfertal und an den anderen Standorten die Katze aus dem Sack: Auf einer überfüllten Betriebsversammlung verkündete der Vorstandsvorsitzende von GE-Alstom Deutschland, Alf Henryk Wulf, im Auftrag der neuen Konzernherren einen brutalen Kahlschlag.
Am Beispiel Daimler, Bremen
Recht auf Streik durchsetzen!
von Heiner Lass
Bei Daimler, Bremen, besteht die Möglichkeit, exemplarisch das Menschenrecht auf Streik zu erkämpfen. Doch die IG Metall verweigert den Rechtsschutz.
«Im ganzen Land gibt es Entlassungen»
Autobauer bei GM in Brasilien kämpfen für Geld, Arbeitsplätze und ihre Rechte
von Bea Sassermann
Das Jahr 2016 fängt «gut» an: Am 18.Januar treten die Arbeiter von General Motors in São José dos Campos in Brasilien in den Streik. Es geht um die Höhe der Gewinnbeteiligung, die mit der Gewerkschaft ausgehandelt werden muss. Nach einer Woche Streik geht der Disput am 25.Januar in die Schlichtung. Am 26.Januar akzeptieren die Arbeiter das Schlichtungsergebnis und beenden den Streik. Aber es geht in São José dos Campos um mehr als Geld.
Generalstreik gegen Rentenreform
Neue Protestwelle in Griechenland wirft Fragen auf
von Paul Michel
Am 4.Februar fand in Griechenland ein weiterer Generalstreik gegen die geplante Rentenreform statt. Es war der 36.Generalstreik seit November 2010.
Zum Streik aufgerufen hatten der Dachverband der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst (ADEDY), der Verband der Gewerkschaften in der Privatwirtschaft (GSEE) und der der KKE nahestehende Gewerkschaftsverband PAME. Der Protest richtete sich in erster Linie gegen das Vorhaben der Regierung SYRIZA, die Renten- und Sozialversicherung mit höheren Abgaben zu belasten und die Renten dafür ein weiteres Mal zu kürzen – aber auch gegen weitere Steuererhöhungen.
Strafhaft ist nicht Strafarbeit
Arbeitskampf in der JVA Butzbach
von Jörg Nowak, Gregor Zattler
Vom 1. bis 11.Dezember 2015 traten 15–20 Gefangene der JVA Butzbach (Hessen) in Hungerstreik, ihre Kernforderungen waren: Gewerkschaftsfreiheit, Mindestlohn, Rentenversicherung und ein Ende der Arbeitspflicht.
Amazon und die Methoden des Union Busting
Wie das Unternehmen auf Streiks reagiert
von Christian Rother*
Der Weltmarktführer im Onlinehandel, Amazon, ist bekannt für sein aggressives Verhalten gegenüber Gewerkschaften im allgemeinen und aktiven Gewerkschaftern im Betrieb. Dieses Verhalten wird als Union Busting (engl.: Gewerkschaftszerschlagung) bezeichnet. Hierfür hat der Konzern ganz eigene Strategien, für die er große Mühen und viel Geld aufwendet.
Union Busting, Fertigmacher
Die Palette des Widerstands
von Violetta Bock
Union Busting, Fertigmacher, Bossing: kurzum der Weg von Unternehmen, sich die Belegschaft zu formen, die sie sich wünschen, willig, flexibel und glatt ohne Widerstand. Um das zu erreichen, greifen sie mal Einzelne, mal ganze Belegschaften an, üben psychischen Druck aus oder entwickeln Methoden, bei denen sie selbst nicht als Angreifer in Erscheinung treten, sondern den Interessenkonflikt zwischen Kapital und Arbeit in die Belegschaft hineintragen.
Fern jeder Truckerromantik
Berufskraftfahrer haben es schwer, sich europaweit zu organisieren
von Stephan Manitz
Die Wirtschaft verlangt zunehmend Flexibilität und die Just-in-time-Produktion hat die Lager der Industrie auf die Autobahnen verlegt. Der Versandhandel wächst weiter und immer mehr Transporte finden auf der Straße statt. Es arbeiten fast eine Million Menschen in Deutschland als Berufskraftfahrer, von denen etwa 100000 als Lkw-Fahrer im Fernverkehr beschäftigt sind.
Billig, dreckig, Ausbeutung
IG BAU und GEW gemeinsam gegen Kürzungen für Reinigung in Krefeld
von Cayan Kartal*
Seitdem in Krefeld im Sommer Ausschreibungen für die Reinigung der städtischen Gebäude, z.B. Schulen und Kitas, durchgeführt wurden, haben sich die Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte extrem verschlechtert.
LESERBRIEF
Selbst der Papst hatte Gegenkandidaten!
Betr.: Helmut Born, «Ver.di-Bundeskongress: Linke Öffnungen, Probleme in der Durchsetzung» (SoZ 11/2015)
In der Novemberausgabe der SoZ kommt Helmut Born in seinem Artikel über den Bundeskongress von Ver.di zu dem Schluss: «Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass Ver.di sich im Spektrum der DGB-Gewerkschaften als linke, kämpferische Gewerkschaft positioniert hat.» Vielleicht hat Gen. Helmut sein Urteil an den Resolutionen oder an der guten Stimmung auf dem Bundeskongress festgemacht, nicht aber an der Rolle von Ver.di im Klassenkampf.
Nach dem Warnstreik im Juni
Disziplinarverfahren gegen hessische Lehrer
von Lutz Getzschmann
Am 16.Juni hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die verbeamteten Lehrkräfte in Hessen zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen.
Rund 6000 Kolleginnen und Kollegen hatten daraufhin die Arbeit niedergelegt. Rund 7000 Menschen, darunter auch Vertreter von Ver.di und der Gewerkschaft der Polizei, versammelten sich in Wiesbaden, um gegen die Landesregierung zu demonstrieren, die das im April für die Landesbeschäftigten ausgehandelte Tarifergebnis (2% Gehaltserhöhung für 2015 und weitere 2,4% für 2016) nicht auf die Beamten übertragen wollte.
Auf dem Weg zum transnationalen sozialen Streik?
Bericht vom Treffen in Poznan
von Peter Nowak
Am ersten Oktober-Wochenende hatte die anarchosyndikalistische polnische Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza (Arbeiterinitiative) zum transnationales Streikmeeting nach Poznan eingeladen. Zu den etwa 150 Teilnehmenden gehörten Aktivisten sozialer Zentren Italiens und die Gruppe Angry Workers aus Großbritannien. Aus Deutschland waren vor allem Vertreter der Interventionistischen Linken und des Blockupy-Netzwerk gekommen.
Arbeitszeit: XXL
Der Acht-Stunden-Tag auf dem Prüfstand
von Tobias Michel
Weg mit dem 8-Stunden-Tag?
Ins Sommerloch 2015 trötete der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, Beschäftigte sollten entscheiden können, statt täglich starr 7 Stunden heute mal 9 und morgen 11 Stunden zu arbeiten, dafür dann aber übermorgen zu Hause zu bleiben. «Das geht aber rechtlich nicht. Deshalb ist der Vorschlag sinnvoll, von einer täglichen auf eine wöchentliche Grenze zu gehen.» Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) berichtete umgehend der Berliner Zeitung: «Ich bin für vieles offen».
Lufthansa im Umbruch
non stop profit
von Karsten Spar
Das Ansinnen der Lufthansa, die Altersrenten drastisch zu kürzen, bringt alle Beschäftigtengruppen auf die Barrikaden. Und die Rente ist nicht der einzige Grund.
Die Lufthansa-Belegschaft erarbeitete im Geschäftsjahr 2014 einen operativen Gewinn von rund einer Milliarde Euro, Belastungen durch Streiks sind dabei bereits berücksichtigt und Einmaleffekte normalisiert. Für 2015 wird sogar ein deutlich höheres Ergebnis erwartet. Viel Dankbarkeit zeigt der Vorstand seinen Beschäftigten allerdings nicht.
Nach dem Tarifabschluss im Sozial- und Erziehungsdienst
Sekt oder Selters?
von Anja Golder*
Der Streik im Sozial- und Erziehungsdienst endete mit einem ernüchternden Ergebnis: 53% der Ver.di- und 72% der GEW-Mitglieder haben, wie von der Tarifkommission vorgeschlagen, für die Annahme des Schlichtungsergebnisses gestimmt.
«Allein durch Streik wird man diesen Kampf nicht gewinnen»
Verdi@Amazon – im Betrieb, in der Öffentlichkeit und international?
von Violetta Bock
Vom 2. bis 4.Oktober fand binnen vier Wochen die dritte internationale Konferenz für Amazon-Beschäftigte statt. War es Mitte September ein selbst organisierter Austausch von Amazon-Beschäftigten aus Polen und Deutschland, Ende September ein von der Gewerkschaft Ver.di organisiertes Treffen im Rahmen von UNI GLOBAL, so lud diesmal die Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE zu Vorträgen und Workshops, und die Rosa-Luxemburg-Stiftung initiierte eine internationale Podiumsdiskussion und einen Austausch mit polnischen und spanischen Kolleginnen und Kollegen.
Streik und Solidarität
Einladung zu einem Seminar des Netzwerks Streiksolidarität
von Sebastian Bandelin*
Streik, Erfahrungsaustausch und die Perspektiven von Solidarität mit den Streikenden bestimmen das dritte Streiksolinetzwerk-Seminar in Bad Hersfeld.
Urabstimmung statt Streik
Aufwertung im Sozial- und Erziehungsdienst verschoben
von Violetta Bock
Nachdem die Mitgliederbefragung nicht die gewünschte Legitimation für den Streikabschluss im Sozial- und Erziehungsdienst gebracht hat, soll nun nach ein paar Nachbesserungen doch eine Urabstimmung über das bisherige Ergebnis durchgeführt werden. Dabei wurde Ver.di noch vor ein paar Wochen als Beispiel für gewerkschaftliche Demokratie bzw. als Möglichkeit, sie zu erkämpfen, gefeiert.
Betriebsräte im Visier
Bossing, Mobbing Co.
von Konferenzteilnehmern
Auf der zweiten bundesweiten Konferenz gegen Betriebsrätemobbing, die am 17.10.2015 in Mannheim stattfand, wurde ein wirksamer Schutz für betriebliche Interessenvertretungen gefordert (siehe dazu die nachstehende Erklärung).
Auf Kosten des Personals
Air France kriegt den Hals nicht voll und will zweistellige Renditen
von Léon Crémieux*
Etwa 3000 Beschäftigte, Boden- und fliegendes Personal, demonstrierten am 5.Oktober vor dem Firmensitz von Air France, viele von ihnen in ihrer Berufskleidung, gegen die Pläne der Geschäftsleitung, erneut Stellen zu streichen, diesmal in der Größenordnung von 2900 – angeblich wegen der unnachgiebigen Haltung der Pilotengewerkschaft. Die Demonstranten überwanden den Zaun vor dem Eingang zum Gebäude, drängten die anwesende Bereitschaftspolizei CRS zur Seite und stürmten die Vorstandssitzung.
Cockpit, Ver.di, UFO…
Lufthansa lässt Streiks verbieten und holt sich neue ins Haus
von Violetta Bock
In Frankreich reißen die Piloten den Managern das Hemd vom Körper und werden dafür verhaftet (online gibt es eine Petition zur Unterstützung der kriminalisierten Kollegen), dass sie sich Massenentlassungen nicht gefallen lassen. Sie werden als gewalttätig dargestellt. Dabei wehren sie sich nur gegen einen ungeheuren Angriff durch Air France. In Deutschland ist es die Lufthansa, die zum Schlag gegen die Beschäftigten ausholt.
verdi@amazon
«Wir sind Ver.di» oder «Ver.di als Dienstleister»?
von Violetta Bock
Der Streik bei Amazon zieht sich nun schon über zwei Jahre hin, ohne dass sich die Geschäftsleitung, abgesehen von einzelnen Zugeständnissen, bewegt. Während einerseits der Streik erfolgreich auf neue Standorte ausgeweitet wird, sich neue Unterstützungsgruppen finden, geht es gleichzeitig darum, an den bereits streikenden Standorten die Stimmung zu halten und schlagkräftiger zu werden.
«Nie jestemy robotami!» – «Wir sind keine Roboter»
Internationales Treffen von Amazon-Beschäftigten in Poznan
von Violetta Bock
Vom 11. bis 13.September fand in Poznan das zweite internationale Treffen mit rund 30 Teilnehmenden aus den Amazon-Standorten Poznan, Brieselang und Bad Hersfeld statt. Schon im April hatte es ein erstes Treffen in Bad Hersfeld gegeben. Damit wurde das, was in den letzten zwei Jahren über die offiziellen Kanäle der Gewerkschaften nur sehr begrenzt funktionierte, nun von den Aktiven selbst fortgeführt: sich nämlich direkt mit den Beschäftigten aus anderen Standorten auszutauschen.
Arbeitskampf bei der Lebenshilfe
Nach außen sozial, nach innen brutal
von Peter Nowak*
Die Lebenshilfe ist Selbsthilfevereinigung, Eltern-, Fach- und Trägerverband für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien. Bei der Frankfurter Lebenshilfe läuft gerade ein Arbeitskampf und verschiedene Gewerkschaften kooperieren.
Der «soziale Frieden» in Deutschland bröckelt
Gewerkschaften in ungewohnter Rolle
von Helmut Born
Die Verteilungskämpfe sind auch hierzulande heftiger geworden. 2014 und 2015 haben Streiks in der Bundesrepublik erheblich zugenommen – in ganz unterschiedlichen Branchen. In manchen Bereichen gab es Bestrebungen der Gewerkschaften, in die Offensive zu kommen, in anderen wehren sie sich gegen die Angriffe des Kapitals, um Schlimmeres zu verhindern. Eine wichtige Rolle spielen die Angriffe der Geschäftsleitungen ehemals staatlicher Unternehmen im Zuge der Privatisierungen und ihrer Folgen. Im folgenden sollen die wichtigsten Kämpfe und ihre Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse – denn längst nicht alle sind abgeschlossen – bilanziert werden.
Die Mitglieder haben das Wort
Der Streik bei den Sozial- und Erziehungsdiensten geht weiter!
von Benjamin Wodrich
Knapp 70% der Ver.di-Mitglieder bei den Sozial- und Erziehungsdiensten sprachen sich am 8.August gegen das Schlichtungsergebnis aus, wenige Tage später folgte diesem Votum auch die Bundestarifkommission. Das war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Die Selbstaneignung des Streiks durch die Kolleginnen gibt nun Hoffnung, dass mit einer neuen und langfristig angelegten Strategie ein besseres Ergebnis erreicht werden kann. Aber wie kam es überhaupt dazu?
Der Poststreik
Vom Aufbruch zur Niederlage
Violetta Kühn in Gesprächen
Vielfach wird nicht nur das Ergebnis des Poststreiks kritisiert, sondern auch die geringe Einbeziehung der Ver.di-Mitglieder in die Durchführung und Strategiebildung. Für alle, die den Streik selbst nicht hautnah miterleben konnten, soll folgendes Beispiel zeigen, wie es empfunden wird, wenn sich Kolleginnen und Kollegen in ihrem Streiklokal dafür entscheiden aktiv zu werden, eine Dynamik von unten in Gang kommt, und diese dann gebremst wird.
Keine Babylöhne im Kino
Der Kampf um die Einhaltung des Tarifvertrags im Kino Babylon geht weiter
von Peter Nowak
Im Jahr 2010 hat die Belegschaft des Kinos Babylon in Berlin-Mitte versucht, einen Haustarifvertrag zu erkämpfen (die SoZ berichtete). Die Gewerkschaft Ver.di konnte dann einen abschließen, doch die Geschäftsleitung hält sich nicht daran. Jetzt wird das Kino wieder bestreikt.
Der „soziale Frieden“ in Deutschland bröckelt
Gewerkschaften in ungewohnter Rolle
von Helmut Born
2014 und 2015 gab es in der Bundesrepublik eine erhebliche Zunahme von Streiks in ganz unterschiedlichen Branchen. Schon jetzt hat es im Jahr 2015 mehr Streiktage gegeben, als im ganzen Jahr 2014 – das allerdings besonders streikarm war, aber auch als im ganzen Jahr 2013.
Streiks im Erziehungs- und Pflegebereich
Aus der Perspektive der Krise der sozialen Reproduktion betrachten!
Interview mit Gabriele Winker*
Die jahrelange Vernachlässigung von Investitionen in die öffentliche Daseinsvorsorge zugunsten der Profitsteigerung mündet in einen nicht mehr tragbaren Raubbau an den Kräften der dort Beschäftigten. Die meisten Streiks drehen sich derzeit um Probleme der Arbeitsüberlastung und die auch finanziell zu geringe Anerkennung der Berufe im «Dienst am Menschen».
Post-Vorstand auf Konfrontationskurs
Post und andere Teile des öffentlichen Dienstes wollen gut organisierte Bereiche schleifen
von Helmut Born
Mit der Ausgliederung der 49 DHL Delivery Gesellschaften hat der Vorstand der Deutschen Post der Gewerkschaft Ver.di eine Auseinandersetzung beschert, in der ein Zurückweichen nicht mehr möglich war. An dieser Auseinandersetzung wird deutlich, wie ein bedeutender deutscher Konzern, der zu über 20% dem Bund gehört, agiert, um die Profiterwartungen der Investoren zu befriedigen.
Unbefristeter Streik an der Berliner Charité
«Nicht der Streik gefährdet die Patienten, sondern der Normalzustand»
von Jochen Gester
Seit Jahren herrscht bei den Beschäftigten der Berliner Krankenhäuser viel Unmut über ihre Arbeitssituation, die sie als Gefährdung ihrer eigenen Gesundheit und die ihrer Patienten erleben. Wir haben in regelmäßigen Abständen – zuletzt im Dezember 2013 – darüber berichtet. Immer wieder wurde diese Situation auch Thema einer öffentlichen Debatte; so beim Tod von Säuglingen im Zusammenhang mit Serratien-(Darmkeim-)Infektionen, deren erfolgreiche Prophylaxe auch eine Frage von ausreichender und qualifizierter Personalausstattung ist.
Daimler Kollege – «Wie können wir für uns selber laufen?»
Ein Kollege der Daimler AG über den Kampf gegen Leiharbeit und Werkverträge
Jochen Gester im Gespräch
Bei Daimler in Bremen gibt es eine heftige Auseinandersetzung, in der sich Teile der Belegschaft gegen Outsourcing und Prekarisierung der Arbeitsbedingungen zur Wehr setzen (siehe SoZ 2/2015). Über die aktuelle Situation nach den spontanen Streiks und den darauf folgenden Abmahnungen sprach Jochen Gester mit dem Bremer Daimler-Kollegen Kai Lührsen*.
Streikwelle in der türkischen Automobilindustrie
«Liebling, kümmere dich um die Kinder, ich bin am kämpfen»
von Jochen Gester
Im Mai wurde die Türkei von einer außergewöhnlichen Streikwelle erfasst. Betroffen war die Metallindustrie mit Schwerpunkt auf Betrieben der Automobilindustrie. Das regionale Zentrum bildete Bursa, das 100 Kilometer südlich von Istanbul am Marmarmeer liegt. Hier konzentrieren sich viele Tochterniederlassungen und Zulieferbetriebe großer Autokonzerne, die in ihren ausgelagerten Fertigungsstätten niedrige Löhne bei hoher Arbeitsbelastung zahlen.
Deutschland Streikland?
Kolumne
von Manfred Dietenberger
«Das Bild, das die deutsche Sozialpartnerschaft derzeit potenziellen Investoren bietet, ist düster: Immer mehr Arbeitnehmer bestreiken immer mehr Betriebe, und es kommt zu immer mehr Ausfalltagen», schreibt jüngst das Institut der deutschen Wirtschaft.
Lokführerstreik und Tarifeinheitsgesetz
Eine historische Zäsur
von Rolf Geffken*
Noch nie wurde in der Bundesrepublik Deutschland ein Arbeitskampf geführt, bei dem ein Unternehmen so deutliche Unterstützung durch die Regierung und gleichzeitig durch ein disziplierendes Gesetzgebungsprojekt erhielt. Noch nie hat sich eine – zudem kleine – Gewerkschaft gegen einen solchen ökonomischen und politischen Druck so massiv und konsequent zur Wehr gesetzt. Dieses Faktum gilt es jenseits aller aktuellen Einschätzungen festzuhalten.
«Keiner schiebt uns weg! Denn unsere Arbeit, die ist richtig gut…»
Impressionen vom Besuch beim Streik des Sozial- und Erziehungsdienstes (SuE) in Kassel
Violetta Kuhn im Gespräch mit Streikenden
Rund 150.000 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) sind seit dem 8.Mai im unbefristeten Streik – Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Kita-Leiterinnen, Erzieherinnen, Heilpädagoginnen und Kinderpflegerinnen, die bei den Kommunen angestellt sind. Zur Urabstimmung aufgerufen waren rund 240.000 kommunale Beschäftigte: ein Drittel der insgesamt im Sozial- und Erziehungsdienst Beschäftigten. Die Mehrheit ist bei großen freien Trägern wie Caritas, Diakonie oder AWO angestellt.
Deutsche Post/DHL – Gesetzwidriges Verhalten
Mit Drohungen und Streikbrechern will die Post Lohnsenkungen durchdrücken
von Jochen Gester
Der Arbeitskampf bei der Deutschen Post/DHL (siehe SoZ 5/2015) dauert bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe der SoZ weiter an. Das Unternehmen will den Konzern umbauen und flächendeckend in ihm prekäre Beschäftigungsverhältnisse durchsetzen.
Berlin: Mall of Shame
Rumänen vor Gericht
von Peter Nowak
«Sie haben die Arroganz der Macht, doch sie haben nicht mit unserer Bereitschaft zum Widerstand gerechnet. Was das Aufgeben betrifft, da haben sie bei uns keine Chance.»
Die knapp 200 Demonstrationsteilnehmer brechen in Applaus aus, als Janko E. spricht. Er gehört zu einer Gruppe von rumänischen Arbeitern, die seit über sechs Monaten um ihren Lohn kämpfen (siehe SoZ 2/2015 berichtete).
Mehr von UNS ist besser für ALLE
Das Pflegepersonal der Charité im Kampf für bessere Arbeits- und Pflegebedingungen
von Korrespondent Berlin
Unter dem Motto «Für bessere Arbeits- und Pflegebedingungen» kämpft das Pflegepersonal der Charité seit 2011 für mehr Personal.
Amazon Polen
Widerstand gegen steigenden Arbeitsdruck
von Violetta Kuhn
Immer wieder heißt es, Streiks bei Amazon könnten durch die Umlegung nach Polen abgefedert werden. Doch damit könnte bald Schluss sein, denn auch dort beginnen die Beschäftigten sich zu organisieren.
Wird die Republik per Bahnstreik lahmgelegt?
Nein! Doch es gibt den Versuch, das Streikrecht lahmzulegen!
Streikzeitung Nr 5, Sonderausgabe Mai 2015
Erneut gibt es fette Schlagzeilen wie „BAHNSINN – GDL legt Republik lahm“. Erneut wird der führende Kopf der GDL als „Irrer“ bezeichnet. Erneut ist die Rede von „maßlosen Forderungen“ der GDL. Und erneut wird „die Schlichtung“ gefordert – und dabei behauptet, „die Tarifpartner“ hätten sich „in eine ausweglose Situation verrannt“.
DHL bricht Tarifverträge
Deutsche Post AG will Paketzustellern weniger Lohn zahlen
von Jochen Gester
In SoZ 4/2015 berichteten wir am Beispiel des Booms der Fernbusse, wie sich prekäre Arbeitsverhältnisse im Transportsektor breit machen. Der aktuelle Konflikt im Bereich der Deutschen Post zeigt, dass diese Entwicklung auch in Hochburgen traditioneller gewerkschaftlicher Organisation an Fahrt gewinnt.
Kinder wichtiger als Autos
Erzieherinnen im Streik für ihre berufliche Aufwertung
von Manuel Kellner
Kinder sind die Zukunft, sagt man. Als kinderarmes Land müsste Deutschland eigentlich ein besonderes Interesse daran haben, der eigenen Zukunft die besten Bedingungen zu bereiten – und das heißt vor allem der verantwortungsvollen Arbeit der Erzieherinnen (und später der Lehrerinnen und Lehrer) eine hohe gesellschaftliche Wertschätzung entgegenzubringen.
Tarifpolitik in Hessen – Aktion Düstere Zukunft
Sonderweg für den öffentlichen Dienst
von Lutz Getzschmann
Die Verhandlungen der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst (Ver.di, GEW, GdP) mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) über die Erhöhung der Gehälter für die Beschäftigten der Bundesländer sind abgeschlossen. Für die angestellten Lehrerinnen und Lehrer geht der Kampf jedoch weiter, weil sich die TdL beharrlich weigert, ernsthafte Verhandlungen über eine einheitliche und angemessene Lehrkräfte-Entgeltordnung zu führen, die bundesweite Standards setzt und die willkürliche Entlohnungspraxis der einzelnen Landesregierungen beendet.
1000 Aufrechte gegen Tarifeinheitsgesetz
Bericht vom 18.4., Frankfurt am Main
von Jakob Schäfer
Am 18.4. demonstrierten in Frankfurt am Main annähernd tausend Menschen gegen das geplante Gesetz zur «Tarifeinheit». Aufgerufen hatte das Aktionsbündnis «Hände weg vom Streikrecht – für volle gewerkschaftliche Aktionsfreiheit». An der Mobilisierung hatten sich zudem einzelne Gliederungen von Ver.di und der GEW, die GDL, die FAU, die Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken und eine ganze Reihe politischer Organisationen und Einzelpersonen beteiligt.
Tarifrunde öffentlicher Dienst 2015
Die Schuldenbremse lässt grüßen
von Helmut Born
Am 16.Februar begann mit den ersten Verhandlungen die diesjährige Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Bundesländer.
Türkei: Gefährdung der «nationalen Sicherheit»?
AKP-Regierung verbietet Streik in der Metallindustrie
von Jochen Gester
Staatliche Versuche das Streikrecht einzuschränken sind keine deutsche Spezialität. Das zeigt der Blick nach Europa. Gesetze oder geplante Initiativen dazu gibt es bereits in Frankreich, Italien und Spanien, gar nicht zu reden von der Aufhebung des gewerkschaftlichen Koalitionsrechts unter der Herrschaft der Troika in Griechenland. In dessen Nachbarland Türkei zieht Regierungschef Tayyip Erdogan nun nach.
Polnische Bergleute im Streik
Zehn Tage, die Oberschlesien erschütterten
von Dariusz Zalega
Die Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg – so kann das Ergebnis der letzten Proteste gegen die Schließung von Zechen beim Kohlekonzern Kompania Weglowa A.G. umschrieben werden. In den anderen Kohlekonzernen ist es auch nicht ruhig. Eines ändert sich allerdings – die gesellschaftliche Einstellung zu den Protesten der Bergleute.
Erste Betriebsbesetzung in Deutschland…
… vor 40 Jahren
von Dieter Braeg
Am 10.März 1975 besetzte die Belegschaft die Zementfabrik Seibel & Söhne in Erwitte.
In der kleinen Stadt Erwitte nahe Lippstadt begann am 10.März 1975 die erste Betriebsbesetzung in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.
Wer nicht ausbildet, wird umgelegt
Tausende ohne Berufsausbildung
von Manfred Dietenberger
Eröffnungsbilanz 2015: offiziell 2,764 Millionen registrierte Arbeitslose, real aber mindestens 3,6 Millionen Menschen ohne Arbeit. Trotz medial effektvoll bejammerten Fachkräftemangels bleiben zigtausende junge Menschen ohne Berufsausbildung.
Daimler-Arbeiter in Bremen streiken
gegen Outsourcing und prekäre Arbeit:
«Die IG Metall, das sind wir»
von Jochen Gester
Die politische Marschroute der «Sozialpartner» in der deutschen Automobilindustrie ist recht einfach zu beschreiben: Die großen Konzerne in Deutschlands wichtigster Industriebranche besitzen große Marktmacht, die verteidigt und ausgebaut werden will.
Um Löhne geprellte Bauarbeiter
Mall of Berlin – ausbeuterisch errichtet
von Peter Nowak
Seit mehreren Wochen unterstützt die Basisgewerkschaft Freie Arbeiter-Union (FAU) rumänische Bauarbeiter, die bei der Mall of Berlin beschäftigt waren und um einen Großteil ihres Lohns geprellt wurden.
Bergarbeiterstreik 1984/85 in Großbritannien
COAL NOT DOLE – Fotos* von Michael Kerstgens vom
von Rolf Euler
Coal not dole. The Miner’s Strike 1984/1985. Zu beziehen bei Hannes Wanderer, Peperoni Books, Berlin (www.kerstgens.de, www.peperoni-books.de/“>www.peperoni-books.de)
Dreißig Jahre ist es her, dass der einjährige Streik der britischen Bergleute in Wales und Yorkshire zu Ende ging – mit einer Niederlage nicht nur der Bergleute, sondern für die ganze britische Arbeiterbewegung.
Ein Gespenst geht um in Europa
Streikwelle kündigt neue Phase des sozialen Kampfs an
von Angela Klein
„So geht es nicht“ schallte es am 12.Dezember in den Straßen der italienischen Städte der Regierung Renzi entgegen. „8 Milliarden Sozialkürzungen und 10 Milliarden Unternehmergeschenke? So geht es nicht“, ist der Weckruf seit Anfang November auch in Belgien. Und in Griechenland hat Ende November der gefühlt 23.Generalstreik seit Beginn der Krise das Land lahmgelegt.
Der Streik der Piloten
Bei der Lufthansa: Spiel über Bande
von Jochen Gester
Immer, wenn ein Verkehrssystem, das von Millionen Menschen und für den Gütertransport genutzt wird, plötzlich nicht mehr verfügbar ist, schlägt dies in der Öffentlichkeit Wellen. So auch beim Streik des Kabinenpersonals der deutschen Lufthansa und ihrer Töchter. Die Piloten, die Bordstewards und -stewardessen können keinen Arbeitskampf führen, ohne die Bewegungsfreiheit der Passagiere einzuschränken.
Drei Betriebsräte gegen den Weltkonzern
Macht und Recht im Betrieb – Der «Fall BMW-Berlin»
Hrsg. Frank Steger. Berlin: Die Buchmacherei, 2014. 352 S., 14,95 Euro
von Dieter Wegner
Es gibt mehrere außergewöhnliche Betriebskämpfe, auch in den letzten Jahren, die wir als radikale Linke kennen sollten, um Hintergrundwissen und Maßstäbe zu haben für heutige und zukünftige Kämpfe. Je besser wir die früheren Kämpfe kennen und verstehen – seien es Kämpfe von Belegschaften, kleinen Gruppen oder Einzelpersonen –, desto besser sind wir für die Zukunft gerüstet, in der die Konflikte gewiß noch härter ausgetragen werden als in der Vergangenheit.
Streik in Belgien
Vor einer bedeutenden Kraftprobe
von DANIEL TANURO*
Der 24-stündige Streik, der die belgische Arbeiterklasse am Montag, den 15. Dezember mobilisiert hat, war ein enormer Erfolg. Das ganze Land ist vollkommen paralysiert worden: in Flandern, in Wallonien und in Brüssel, die Privatwirtschaft und die öffentlichen Betriebe, die Industrie und die Dienstleistungen, das Transportwesen und der Handel, die großen und die kleinen Unternehmen.
Lasst die GDL nicht allein!
Offener Brief an Mitglieder und Vorstände der DGB-Gewerkschaften
24 Betriebsräte und gewerkschaftliche Funktionsträger wenden sich mit einem Offenen Brief an alle Mitglieder in den DGB-Gewerkschaften und ihre Gremien. Wir dokumentieren ihn in Auszügen:
Vor [dem Hintergrund des Entwurfs zum Tarifeinheitsgesetz aus dem Haus Nahles] geht es im Konflikt der GDL mit der Deutschen Bahn nicht mehr nur darum, ob die GDL ihre Tarifforderungen durchsetzt oder wieviele Mitglieder die GDL oder die EVG jeweils vertreten.
Lokführerstreik und Tarifeinheit
Die GDL holt für die anderen die Kastanien aus dem Feuer
von Manfred Dietenberger
In der aktuellen Tarifauseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn (DB) geht es längst nicht mehr um 5% mehr Geld, eine Arbeitszeitverkürzung um zwei Stunden, die Reduzierung der Überstunden und eine bessere Schichtplanung. Es geht um die Neubewertung des verfassungsmäßig geschützten Guts «Tarifautonomie» und um das Recht einer Gewerkschaft, Tarifverhandlungen für alle ihre Mitglieder zu führen.
DGB-Gewerkschaften zum umfassenden Streikrecht
Beschlusslagen
Nachstehend ein Überblick über die Beschlusslagen in DGB-Gewerkschaften zum politischen Streikrecht.
DGB, 11.–16.5.14, 20.
Das Grundsätzliche am GDL-Streik
Die Lokführergewerkschaft wird verteufelt, weil sie erfolgreich ist
von Werner Sauerborn
Erschreckend die Kampagne, die derzeit gegen die GDL, den Streik und den GDL-Vorsitzenden in einem Großteil der Mainstreammedien läuft. Einstweiliger Höhepunkt dürfte die Veröffentlichung der Wohnanschrift und Telefonnummer von Weselsky gewesen sein. Das erinnert an die Hetze der Springerpresse gegen Rudi Dutschke Ende der 68er Jahre.
Protest gegen Entlassungen bei Franklin, Wittlich
Statt der üblichen Abfindungen kämpft die IG Metall für einen Sozialtarifvertrag
von Jochen Gester
In Wittlich, mit 16000 Einwohnern die größte Stadt zwischen Trier und Koblenz, erregt das Schicksal von 94 Beschäftigten der Produktionsstätte des US-Unternehmens Franklin ungewöhnliche Aufmerksamkeit. Die Franklin Electric Europe GmbH produziert Unterwassermotoren und ist seit 1964 in Wittlich. Dort beschäftigte sie 2005 noch 300 Leute, war also einer der größeren Betriebe in der Stadt.
Drohne mit Forderungen an Amazon
Der Arbeitskampf beim Online-Versandhändler gewinnt neue Qualitäten
von Jochen Gester
Der derzeitige Arbeitskampf bei Amazon hat bereits im Frühjahr 2013 begonnen. Ausgelöst wurde er durch die posttayloristischen Arbeitsbedingungen in dem Internetkaufhaus (siehe SoZ 5/2013). Die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten wollen durchsetzen, dass Amazon den Tarifvertrag des Einzelversandhandels anerkennt und sich nicht länger darauf beruft, ein Logistikunternehmen zu sein.
Unterstützung betrieblicher Kämpfe
Bündnis verstetigt sich
von Dieter Wegner
Es war das Verdienst der Leipziger SDS-Gruppe (Studierendengruppe der Linkspartei), im Juni ein Treffen von meist studentischen Gruppen organisiert zu haben, die sich die Aufgabe stellen, betriebliche Kämpfe zu unterstützen. Sie haben schon seit 2013 Kontakt zu den Streikenden von Amazon Leipzig und mehrere Aktionen mit und für sie gestartet, auch im Uni-Bereich.
Alle Räder stehen still…
Trommelfeuer gegen den GDL-Streik
von Manfred Dietenberger
Der bislang längste, 50-stündige Streik der Lokführer, zu dem die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) aufgerufen hatte, traf die Deutsche Bahn an einem ihrer verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres: In sieben Bundesländern begannen die Herbstferien, in vier weiteren gingen sie zu Ende oder dauerten an. Das schmeckte der Deutsche Bahn AG (DB) ganz und gar nicht. Sie warf der GdL vor, mit dem Streik habe sie das «Unternehmen beschädigt»
«Nehmt die GDL an die Leine»
Arbeitsministerium und DGB Hand in Hand gegen Lokführer und Piloten
von Manfred Dietenberger
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD wurde ein Gesetz zur Tarifeinheit angekündigt. Es soll sicherstellen, dass in einem Betrieb künftig nur ein Tarifvertrag gilt – und zwar jener der mitgliederstärksten Gewerkschaft im Unternehmen. Warum?
9 Monate Streik bei Neupack
Berichte, Interviews, Dokumentation (Hrsg. Mitglieder des Soli-Kreises Neupack). 2.Aufl. Berlin 2014. 184 S., 11,50 Euro*
von Helmut Born
Die Mitglieder des Soli-Kreises Neupack haben ein Buch über den neunmonatigen Arbeitskampf bei dem Verpackungshersteller Neupack in Hamburg und Rotenburg an der Wümme geschrieben. Darin kommen erfreulicherweise die Träger des Arbeitskampfs, die Beschäftigten, zu Wort, was es sehr lesenswert macht.
«Gefangenengewerkschaft» in der JVA Berlin-Tegel gegründet
Insassen fordern Mindestlohn und Einzahlungen in die Rentenversicherung
von Jochen Gester
Am 22.Mai haben Gefangene aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Berlin-Tegel eine Organisation (GG/BU) gegründet, die als Gefangenengewerkschaft arbeiten soll. Sie betraten damit politisches Neuland, da das Gesetz eine gewerkschafliche Vertretung der Häftlinge nicht vorsieht.
USA: 15 Dollar Mindestlohn in Seattle
Die Stadt Seattle im US-Bundesstaat Washington hat den Mindestlohn auf 15 Dollar (etwa 11 Euro) erhöht: ein Meilenstein, der hart umkämpft bleibt.
Vor einigen Jahren schien der Ruf nach einem Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde aus den Reihen der Niedriglöhner bei Walmart und der Fast-Food-Sparte kühn und inspirierend, keiner dachte, dass man ihn in absehbarer Zeit durchsetzen könnte.
Belegschaft von Alstom gegen Zerschlagungspläne
Résistance: Unsere Chance!
Gespräch mit Wolfgang Alles
Anfang Mai machte bei der Alstom-Belegschaft in Mannheim die Nachricht die Runde, dass der Kündigungsschutz und die Beschäftigungsgarantie für die Belegschaft beendet werden soll. Er hatte die Arbeitsplätze bis Ende 2014 gesichert und hätte gemäß der Vereinbarung, die vor einigen Jahren abgeschlossen worden war, verlängert werden müssen. Davon wollte die Geschäftsleitung angesichts der Lage des Konzerns nun nichts mehr wissen.
Tarifrunde im öffentlichen Dienst
Die Mobilisierung hat sich bezahlt gemacht
von Helmut Born
Die diesjährige Tarifrunde im öffentlichen Dienst für den Bund und den Kommunen fand unter veränderten Bedingungen statt. Es war die erste Tarifrunde nach der Bildung der Großen Koalition und die bedeutendste in der diesjährigen Tariflandschaft.
PIN AG: Beschäftigte erstreiken Tarifvertrag
Erfolg klarer Konfliktstrategie
von Hartwig Otto
Mit der Liberalisierung des Postmarkts Anfang 2004 entstanden eine Vielzahl von Unternehmen, die Postdienstleistungen anboten. Wie bei allen sich neu am Markt etablierenden Firmen gab es bei ihnen keine gewerkschaftliche Interessenvertretung und so auch keinen anerkannten Tarifvertrag.
Südkorea: Regierung unterdrückt Gewerkschaften
"Behinderung des Geschäftsbetriebs"
von Jochen Gester
Die neue Ministerpräsidentin Südkoreas, Park Geun-hye, Tochter des Staatschefs zu Zeiten der Militärdiktatur, Park Chung-hee (1961–1979), hatte im Wahlkampf 2013 von «Demokratisierung der Wirtschaft» und von «Wohlfahrtspolitik für die Durchschnittsmenschen» gesprochen. Doch das war bloße Demagogie.
Die «innere Feinderklärung» und der Führungsstil Park Geun-hyes erinnern eher an die des Vaters. Die zu vergebenden Ämter wurden bevorzugt mit Militärs besetzt. Eines ihrer ersten Gesetze galt der Verschärfung der Strafen für leichte Gesetzesübertretungen.
Kambodscha: Regierungsgewalt gegen streikende Textilarbeiterinnen
Kampf um Mindestlohn und gewerkschaftliche Solidarität
von Jochen Gester
Am 3.Januar des neuen Jahres befahl die Regierung des Königreichs Kambodscha ihrer Militärpolizei, auf eine Demonstration streikender Textilarbeiterinnen zu schießen. Es gab fünf Tote und Dutzende von Schwerverletzten. 39 Arbeiterinnen wurden verhaftet und an unbekanntem Ort inhaftiert. Angesichts der massiven staatlichen Gewalt haben die Gewerkschaften den Streik vorerst abgebrochen, halten jedoch an ihren Forderungen fest.
Ver.di-Betriebsgruppe an der Charité betritt tarifliches Neuland
Gegen krankmachende Krankenhäuser
von Jochen Gester
Der Kampf für eine Verkürzung der Arbeitszeit als Hebel zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen ist seit Jahren in einer Krise. Die Arbeitgeber haben die tarifliche Arbeitszeitverkürzung vielfach genutzt, um die erhöhte Kostenbelastung auszugleichen, indem sie weniger Beschäftigten eine größere Arbeitslast aufbürden.
Arbeitskampf bei Neupack: Schwarz? Weiß? Grau!
Über die Schwierigkeiten, den Ausgang eines Arbeitskampfs einzuschätzen
von J.H.Wassermann
Die IGBCE hat ihren nach eigener Angabe längsten und härtesten Arbeitskampf seit dem Zweiten Weltkrieg beim Verpackungsmittelhersteller Neupack in Hamburg und Rothenburg/Wümme geführt.
Interview mit Beschäftigten von Gate Gourmet in Genf
«Wir machen nur grüne Salate»
Der Internationale Flughafen Genf ist erneut der Schauplatz eines Streiks. Nach den Beschäftigten von Swissport, Dnata und ISS Aviation im Jahr 2010 sind nun die Angestellten von Gate Gourmet, einem der weltweit führenden Cateringunternehmen für Fluggesellschaften, an der Reihe. Aus gutem Grund: Das Unternehmen will eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für sein Personal in Genf und Zürich durchsetzen.
Der Umstrukturierungsplan sieht eine Senkung der Lohnmasse vor. Die «Betriebskosten» sollen reduziert werden, um gegenüber anderen Dienstleistern an Flughäfen konkurrenzfähig zu bleiben.
Auf dem Zürcher Flughafen hat die Gewerkschaft SSP-VPOD auf Verhandlungen verzichtet und den vom Unternehmen vorgeschlagenen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) akzeptiert. Auf dem Genfer Flughafen ist die Lage eine andere, hier hat dieselbe Gewerkschaft und auch das Personal, das in hohem Maße gewerkschaftlich organisiert ist, diesen neuen Plan rundheraus ablehnt. In Anbetracht des Widerstands hat Gate Gourmet beschlossen, den Tarifvertrag zum Jahresende 2013 zu kündigen und neue, individuelle Arbeitsverträge einzuführen. Als Reaktion darauf sind etwa zwanzig Beschäftigte am 14.September in den Streik getreten. Eineinhalb Monate später ist die Lage blockiert: Die Streikenden halten durch, obwohl sechs von ihnen mit sofortiger Wirkung entlassen wurden.
Am 31.Oktober fand anlässlich einer Betriebsversammlung und in Anwesenheit von Beschäftigten anderer Unternehmen vor der Abfertigungshalle des Flughafens eine Pressekonferenz statt. Die Streikenden legten der Flughafendirektion eine Resolution vor, die von 2025 auf dem Flughafen Beschäftigten unterzeichnet wurde – einem Drittel der überhaupt am Flughafen Beschäftigten. Sie verlangen einen besseren Schutz der Arbeitsbedingungen durch Stärkung der bestehenden Tarifverträge und deren Ausdehnung auf alle Branchen.
Drei der Streikenden, Dominique, Théo und eine Kollegin, die anonym bleiben will, begaben sich am 25.Oktober, dem 42.Streiktag, in die Genfer Universität, um ihren Kampf den Studierenden mitzuteilen.
Nicola Cianferoni und Camilla Mina nutzten die Gelegenheit zum nachstehenden Interview.
Mit harten Bandagen
Belegschaft bei Nora Systems im Kampf für den Erhalt der Arbeitsplätze gespalten
von Jochen Gester
Das badische Weinheim ist Schauplatz einer heftigen betrieblichen Auseinandersetzung. Sie zeigt, was durch entschlossenen Widerstand erreicht werden kann, aber auch, wie eine Belegschaft gespalten werden kann.
Norgren, Großbettlingen
Der dritte Schließungsversuch
von Jochen Gester
Im Kreis Esslingen wird ein Arbeitskampf ausgetragen, der sich – wie der im badischen Weinheim – schon über Jahre hinzieht. Die Firma Norgren, Produzentin von Pneumatik- und Hydraulikprodukten für Nutzfahrzeuge und Teil des britischen IMI-Konzern, will seit 2007 ihren Produktionsstandort in Großbettlingen dicht machen.
Griechenland: Die Vereinzelung überwinden
SYRIZA ruft auf zur Bildung von Widerstandskomitees
Interview mit Panos Petrou von DEA
Im Juni dieses Jahres schloss die griechische Regierung den staatlichen Rundfunksender ERT. Die Antwort darauf waren wütende Proteste der Bevölkerung, sie führten zu einem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung, der nach dem Mord am linken Rapper Pavlos Fyssas zusätzlichen Auftrieb bekam. In dieser Situation fand Mitte September ein fünftägiger Streik der Lehrerinnen und Lehrer statt, flankiert von weiteren Ausständen in Teilbereichen des öffentlichen Dienstes und einer großen Demonstration. Zugleich musste die Regierung erstmals energischer gegen die Führung der neofaschistischen Chrysi Avgi vorgehen.
Paul Michel sprach über die neue Lage in Griechenland mit Panos Petrou. Petrou ist Redakteur der Zeitung Ergatiki Aristera, herausgegeben von DEA (Internationale Arbeiterlinke), einer Gründungsorganisation von SYRIZA und Teil der Linken Plattform von SYRIZA (siehe auch SoZ 9/2013).
Streik bei Gate Gourmet in Genf
Der landesweite Gesamtarbeitsvertrag wird gegen die Beschäftigten im Cateringbereich gewendet
von Nicola Cianferoni
Sechs Monate lang streikten die Kolleginnen und Kollegen von Gate Gourmet am Flughafen Düsseldorf für bessere Arbeitsbedingungen. Das war im Jahr 2006. Der Streik erregte großes Aufsehen und erfuhr viel Unterstützung. Seit dem 14.September 2013 wird nun auf dem Genfer Internationalen Flughafen gestreikt. Nach den Streiks bei Swissport, Dnata und ISS Aviation vor drei Jahren ist die Reihe an Gate Gourmet, dem weltweit führenden Restaurantunternehmen für Fluggesellschaften.
Solidarität mit den belgischen Ford-Kollegen
Am 7. November 2012 protestierten 250 Beschäftigte und Gewerkschafter aus dem belgischen Genk vor der Ford-Europazentrale in Köln gegen die geplante Schließung ihres Werks. Sie besuchten auch ihre Kolleg/innen im Kölner Fordwerk. Sie betraten das Werksgelände, gingen zu Gebäude A und forderten dort den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Hinkelmann zu einem Gespräch auf.
40 Jahre Fordstreik Köln
Eine lehrreiche Veranstaltung
von Horst Hilse
Am 28.September fand in Köln eine spannende Tagung für alle gewerkschaftlich Interessierten in Erinnerung an den Fordstreik vor vierzig Jahren statt. An ihr nahmen zahlreiche Aktivisten von damals und heutige Ford-Kollegen teil. Der Streik war für die Stadt ein einschneidendes Ereignis, das diese jedoch bis heute nicht zu würdigen weiß.
Es gibt keinen Plan B
Bochumer Opel-Werk vor der Abwicklung
von Jochen Gester
Im April berichteten wir in der SoZ über den Abschluss eines Mastervertrags zwischen der IG Metall und dem Opel-Management. Diese Vereinbarung besiegelte das endgültige Aus für die Fahrzeugproduktion in Bochum. Deshalb wurde der Vertrag in Bochum auch mit über 70% abgelehnt. Doch in allen anderen Standorten wurde er mit Quoten von über 80% gebilligt.
Bankangestellte in Griechenland wehren sich
Der Verband der Leiharbeiter im griechischen Bankensektor hat für den 17.Oktober zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Im nachstehenden Brief an die regulär beschäftigten Kolleginnen und Kollegen erklärt er seinen Schritt:
Protesttage in Warschau
Sternmarsch statt Generalstreik
von Norbert Kollenda
Am 14. September nahmen 100–200.000 Menschen an einem Sternmarsch in Warschau teil. Dies war der Höhepunkt der viertägigen Proteste, die die drei großen Gewerkschaften Solidarnosc, OPZZ und FZZ vereinbart hatten.
Griechenland erlebt neue Streikwelle
Proteste gegen geplante Massenentlassungen
von Paul Michel
Seit dem 16.September, gibt es im öffentlichen Dienst in Griechenland massive Streikaktionen. Der jüngste Ausstand der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes richtet sich gegen eine von der griechischen Regierung mit der Gläubigertroika getroffene Vereinbarung. Unter dem Druck der internationalen Geldgeber will die Regierung in Athen bis Ende 2014 15.000 Staatsbedienstete entlassen, davon 4000 noch in diesem Jahr.
Tobias Michel bleibt
Kündigung bei Krupp unwirksam
von Angela Klein
Krupp hat wieder eins auf die Nase gekriegt. Tobias Michel bleibt beschäftigt. Und er bleibt Betriebsrat.
Streik bei Neupack zu Ende
Kein Tarifvertrag, aber Verbesserungen bei Lohn und Arbeitszeit
von Jochen Gester/Labournet
Nach mehr als acht Monaten ist der längste Arbeitskampf in der Geschichte der IG BCE zu Ende gegangen. Statt des geforderten Tarifvertrages gibt es ein Paket aus Betriebsvereinbarungen und Regelungsabreden mit dem Betriebsrat und einzelvertraglichen Zusagen.
Die Beschäftigten im Textilbereich können sich jetzt organisieren
Heiner Koehnen (TIE) über internationale Solidarität am Beispiel des Brandschutzabkommens für Bangladesh
Am 24.April stürzte bei einem Brand in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh, ein achtstöckiges Gebäude mit mehreren Fabriken ein; 1100 Menschen verloren dabei ihr Leben, über 2500 wurden verletzt. Die Bilder gingen um die Welt und führten zu verbreiteter Empörung über die Arbeitsbedingungen im Bekleidungssektor in Südasien.
ERT-Sender in Griechenland wird geschlossen
Samaras überreizt und erntet Sturm
von Paul Michel
In einer Nacht- und Nebelaktion verfügte Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras ohne Rücksprache mit seinen Koalitionspartnern aus PASOK und Dimar am 11.Juni 2013 die Schließung des staatlichen Rundfunk- und Fernsehsenders ERT. Damit wurden von einem Moment auf den anderen rund 2700 Beschäftigte arbeitslos. Es darf davon ausgegangen werden, dass bei der Entscheidung zur Schließung des Senders die Troika ihre Finger im Spiel hatte.
Streik der Hafenarbeiter in Hongkong
«Ich arbeite neben meiner Scheiße, ich esse neben meiner Scheiße»
von Frido Wenten
Am 28.März traten die Hafenarbeiter in Hongkong, die meistens Leiharbeiter sind, in einen 40tägigen Streik für höhere Löhne. Er traf auf große Unterstützung in der Bevölkerung des Stadtstaats und hatte großes internationales Echo.
Lohnraub an Beamten
Mit den Gehältern der mittleren Beamtengruppen will die NRW-Landesregierung ihren Haushalt sanieren
von Helmut Born
Die nordrhein-westfälische Landesregierung aus SPD und Grünen bemüht sich nach Kräften, den Kredit der Gewerkschaften, den sie bei der letzten Landtagswahl vor einem Jahr gewonnen hat, schnell zu verspielen. Sie hat sich vorgenommen, das Ergebnis der letzten Tarifrunde für den öffentlichen Dienst im März dieses Jahres, das Lohn- und Gehaltserhöhungen von 2,65% in diesem und 2,95% im nächsten Jahr vorsieht, nicht auf alle Beamten zu übertragen.
«Regelungsabrede» im «Arbeitskampfmodus»
Arbeitskampf bei Neupack in der Sackgasse
von Jochen Gester
In Bezug auf den Arbeitskampf bei Neupack berichteten wir zuletzt darüber, dass die Inhaberfamilie Krüger keine Anstalten macht, wirklich einzulenken. Obwohl es daher nun an der Zeit wäre, über Wege nachzudenken, wie der Arbeitgeber so unter Druck gesetzt werden kann, dass sich im Sinne der Streikenden etwas bewegen lässt, setzen die Verantwortlichen der IG BCE in Hannover auf eine Klärung des Konflikts durch informelle Gespräche, über deren Aufnahme sie auch ihre Mitglieder in den bestreikten Betrieben nicht befragten.
Selbständige Schule – prekäre Lehrer
Die Praxis der Budgetierung führt zu Lohndumping auch an Schulen
von Lutz Getzschmann
Auch im Bildungswesen ziehen zunehmend Formen ungesicherter Beschäftigung ein, an den Universitäten wie im Bereich der Weiterbildung. Und auch an Schulen nehmen befristete Verträgen, Dequalifizierung und Lohndumping zu.
Generalstreik in Oberschlesien
«Einer für alle, alle für einen!»
von Bernd Gehrke
Unter der Losung der vier Musketiere ruhte am 26.März für mehrere Stunden die Arbeit im öffentlichen Personennahverkehr, bei der Eisenbahn, im Großteil der Kohlegruben, Stahl- und Hüttenwerke, aber auch in einigen Teilen des Gesundheitswesens und der Unterricht an vielen Schulen. Rund 100.000 Beschäftigte aus etwa 600 Betrieben beteiligten sich am Generalstreik in der polnischen Wojewodschaft Slask (Schlesien).
IG Metall sagt Ja zur Schließung von Opel Bochum
Mastervertrag mit Opel über das Ende des Autobaus in Bochum unterzeichnet
von Jochen Gester
Am 28.2 unterschrieben die Adam Opel AG und die IG Metall einen «Mastervertrag Drive! 2022», in dem die Produktzuteilung für die einzelnen deutschen Werke festgelegt wird. Während die Werke Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach eine Entwicklungsperspektive erhalten, heißt es für Bochum, hier gebe es «nach der derzeitigen Planung des Konzerns voraussichtlich ab Ende 2016 kein Nachfolgeprodukt mehr». Damit hat auch die IG Metall ihr Einverständnis dazu gegeben, Bochum als Standort für die Fahrzeugproduktion aufzugeben.
Indien: Ein Generalstreik von monströsen Ausmaßen
von Lutz Getzschmann
Etwa 100 Millionen Menschen beteiligten sich am 20. und 21.Februar an einem zweitägigen Generalstreik in Indien, sie sorgten dafür, dass in vielen Teilen des Landes das alltägliche Leben vollständig zum Stillstand kam, in anderen Landesteilen stark beeinträchtigt war.
China: Die Rolle der Gewerkschaften und die Qualität der Arbeitskämpfe
von Peter Franke
Wurden früher chinesische Arbeiterinnen und Arbeiter und insbesondere ArbeitsmigrantInnen vom Land überwiegend als Opfer einer brutalen kapitalistischen Entwicklung geschildert, so werden sie heute häufig als Subjekte wahrgenommen, die für ihre Interessen und Rechte kämpfen. Vollzieht sich hier eine Wende? Und von welcher Qualität sind diese Kämpfe?
IG Metall sagt Ja zur Schließung von Opel Bochum
Mastervertrag mit Opel über das Ende des Autobaus in Bochum unterzeichnet
von Jochen Gester
Am 28.2 unterschrieben die Adam Opel AG und die IG Metall einen «Mastervertrag Drive! 2022», in dem die Produktzuteilung für die einzelnen deutschen Werke festgelegt wird. Während die Werke Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach eine Entwicklungsperspektive erhalten, heißt es für Bochum, hier gebe es «nach der derzeitigen Planung des Konzerns voraussichtlich ab Ende 2016 kein Nachfolgeprodukt mehr». Damit hat auch die IG Metall ihr Einverständnis dazu gegeben, Bochum als Standort für die Fahrzeugproduktion aufzugeben.
Sozialpartnerschaft war gestern
Streikpause und erneute Streikaufnahme bei Neupack, Hamburg/Rotenburg
von Jochen Gester
Im November 2012 sind Beschäftigte des Verpackungsmittelherstellers Neupack in Hamburg und Rotenburg (Wümme) in den Streik getreten, um einen Tarifvertrag zu erkämpfen (siehe SoZ 12/2012). Daraufhin heuerte der Besitzer der mittelständischen Firma Leiharbeitskräfte aus Polen an. Gestützt auf deren Streikbrecherdienste und auf weiterarbeitende Beschäftigte gelang es Neupack, einen Teil der Produktion weiterzuführen.
Der Ford-Streik 1973 – ein Desaster?
Zum Artikel von Ulrich Peter, «Wilder Streik – das ist Revolution!», SoZ 2/2013
von Peter Bach
Man könnte ein interessantes Spiel daraus machen: Nimm drei Sätze aus einem Artikel und mache einen anderen daraus – nicht als böses, sondern als kreatives Spiel.
Bei Vio.Me, Thessaloniki, ist die Produktion jetzt in Arbeiterhand
„Wir denken, dass das die Zukunft der Arbeiterkämpfe ist“,
sagt Makis Anagnostou, Vertreter der Betriebsgewerkschaft von Vio.Me
Seit Mai 2011 hat die Belegschaft der Baustoffe produzierenden Fabrik Viomichaniki Metaleftiki (Vio.Me) keinen Lohn mehr gesehen. Eigentümer und Manager haben sich davon gemacht. Zurückgelassen haben sie den Maschinenpark, die Arbeiter haben ihn besetzt und vor Demontage geschützt, er war ihr Unterpfand für jede weitere Perspektive.
Bleibt Schlesien standhaft … und organisiert den Generalstreik?
von Przemyslaw Wielgosz
Als vor fünf Jahren die erste Welle der Krise in Polen aufschlug, haben sich die größten Gewerkschaften wie kleine Kinder an der Nase herumführen lassen. Eine nach der anderen hat den Pakt der Regierung zur Krisenbewältigung unterzeichnet, dabei gaben sie den Arbeitgebern die Möglichkeit, noch einfacher als bisher Beschäftigte zu entlassen und noch mehr unsichere Arbeitsverträge abzuschließen.
Wilder Streik – das ist Revolution!
Der Streik der Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss 1973. (Hrsg. Dieter Braeg.) Berlin: Die Buchmacherei, 2012. 176 S., 13,50 Euro
von Ulrich Peter
Wenn Linke heute die Stichworte «Ausländerstreik, Wilder Streik, 1973» hören, woran denken sie da? Mit Sicherheit an den Streik im Kölner Fordwerk, der vor allem von Arbeitsmigranten getragen wurde und mit einer Niederlage der Streikenden endete. Dabei spielte eine erhebliche Rolle, dass Betriebsrat und IG Metall den Streik ablehnten und Versuche, ihn auch auf Teile der nichtmigrantischen Belegschaft auszudehnen, fast komplett scheiterten. Die Schlagzeile von Springers Bild: «Deutsche Arbeiter kämpften ihr Werk frei» markierte das Desaster dieses Arbeitskampfs.
Appell griechischer AktivistInnen von Florenz 10+10 (November 2012)
von Tassos Koronakis, Myrto Bolota, Natasha Theodorakopoulou
Die Lage ist explosiv. die offizielle Arbeitslosenquote liegt für Männer bei 22,5%, für Frauen bei 29%, für junge Leute bei über 50%. In einigen Regionen unseren Landes, die von radikaler Deindustrialisierung und der vollkommenen Auflösung wichtiger wirtschaftlicher Aktivitäten betroffen sind, liegt die Arbeitslosigkeit bei 80%. Die Löhne sind um 40% gekürzt worden, die Realeinkommen sind allerdings (wegen des steilen Anstiegs der Steuerlast) noch stärker gesunken.
Streik bei Kirchens?
Ja, aber nur ein bisschen
von Franz Segbers
Die Erwartungen hätten kaum höher sein können: Dürfen kirchliche Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen streiken? Sie tun es immer häufiger, obwohl Caritas, Diakonie und Kirche auf einem strikten Streikverbot bestehen. Jetzt hat das Bundesarbeitsgericht entschieden: Der «Dritte Weg» der Kirchen bleibt. Aber die Gewerkschaften bekommen einen Fuß in die Tür.
Gesamthafenbetriebsverein (GHB) Bremen
Aus einem anständigen Betrieb wurde ein Sklavenlager
von Jochen Gester
Mit der Gründung einer neuen Hafenarbeitergewerkschaft versuchen sich die Kollegen gegen den Marsch in die Prekarität zu wehren.
Unter dem Titel «Wir sind der GHB – Von den Schwierigkeiten des Widerstands in der Krise» berichtete die SoZ in der Novemberausgabe 2009 über die Folgen der 2008 einsetzenden massiven Auftragseinbrüche in den Bremer Häfen. Sie sanken auf kaum noch ein Drittel des Vorjahres.
Rebellion im Callcenter
Nach 117 Tagen Streik feiern Sparkassenbeschäftigte einen großen Erfolg
von Jochen Gester
Anfang November ging ein ungewöhnlicher Arbeitskampf zu Ende. Ort des Geschehens waren die zentralen Callcenter der Sparkassen. Diese zählen etwa 1000 Beschäftigte, wovon 800 in Halle an der Saale arbeiten. Sie lassen EC-Karten sperren, machen Terminvereinbarungen, wickeln Wertpapieraufträge ab oder führen andere Online-Banking-Dienstleistungen durch. Erstmals traten damit abhängig Beschäftigte einer Branche an die Öffentlichkeit, die in etwa 6700 Callcentern über eine halbe Millionen Menschen beschäftigt.
Das Aus für Opel Bochum
Chronik eines angekündigten Todes
von Jochen Gester
Kurz vor dem 50.Jahrestag ihrer Firmengründung in Deutschland gab die Adam Opel AG bekannt, dass das Bochumer Werk Ende 2016 geschlossen werden soll. Der Schritt kommt nicht aus heiterem Himmel. Fast könnte man sagen: es ist nur noch die letzte Schicht, die von Bord geht.
Frontalangriff auf Arbeiterrechte in Michigan
Das neue Knechtschaftsgesetz
von George Lakoff
Mitte Dezember wurde im US-Bundesstaat Michigan ein sog. «Right-to-work»-Gesetz verabschiedet. Das Gesetz bestimmt u.a., dass Gewerkschaftsbeiträge nicht mehr obligatorisch sind.
Generalstreik 14.November
Tag des Zorns
In 23 Ländern Europas kam es am 14.November zu gewerkschaftlichen und betrieblichen Protestaktionen gegen Sparpolitik, Prekarisierung und Massenarbeitslosigkeit, vor allem Jugendarbeitslosigkeit. Millionenfach wurde der Aufruf zum Generalstreik in Portugal, Spanien, Griechenland, Zypern und Malta, Italien und Belgien befolgt.
Generalstreik 14.November:
Ein Anfang ist gemacht
von Thies Gleiss
Der 14.November 2012 wird in die Geschichte der europäischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung eingehen. Zum ersten Mal fanden am selben Tag in mehreren Ländern Europas Generalstreiks und Streiks statt. Eine bisher nur in Pamphleten linker Kleingruppen propagierte Aktionsform nahm konkrete Gestalt an. Damit wurde zumindest das Vorspiel für ein wirksames Mittel gegen die herrschende Politik der EU-Regierungen und der multinationalen Banken und Konzerne eröffnet.
Das Maß war voll bei Neupack
Beim Verpackungsmittelhersteller streikt die Belegschaft gegen Unternehmerwillkür
von Jochen Gester
Seit der Mitte der 90er Jahre hat sich die Zahl der tarifgebundenen Betriebe stark verringert, sie ist von etwa zwei Drittel auf die Hälfte gesunken. Die Arbeitgeber flüchten zunehmend aus ihren Verbänden und die Gewerkschaften haben nicht die Kraft dies zu verhindern.
Ford Genk
700 IG Metaller demonstrieren Solidarität
Mit zehn Bussen und vielen Pkw reisten 700 IG Metaller am 11.November von Ford und aus anderen Kölner Betrieben nach Genk. Von den Werksparkplätzen der Genker Ford-Werke fuhren ununterbrochen Pendelbusse in die völlig von Demonstranten überfüllte Stadt. Aus ganz Belgien waren Gewerkschafter angereist, um ihre Solidarität zu bekunden.
Ford Köln
Streikende Kollegen wie Verbrecher abgeführt!
von Horst Hilse
Etwa 300 Kollegen waren am 7.11. aus Belgien nach Köln angereist, um gegen die Schließung ihres Werks in Genk zu protestieren. Ihr Ziel war die Störung einer Sitzung, wo es um die Schließung gehen sollte.
Auch in Polen droht Gesundheitsnotstand
Demonstration, Konferenz und europäisches Netzwerktreffen in Warschau
von Norbert Kollenda
Am 5. Oktober versammelten sich im Zentrum von Warschau 5000–7000 Krankenschwestern und Hebammen und andere Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen – allerdings keine Ärzte – sowie eine Abordnung der Gewerkschaft «August 80» zu einer Demonstration. Die Gewerkschaft der Krankenschwestern und Hebammen (OZZ PiP) hatte beim Netzwerktreffen im Mai in Paris zu einem «Europäischen Weißen Städtchen» eingeladen. Damit sollte an das vor fünf Jahren entstandene «Weiße Städtchen» (den Streik der Krankenschwestern) erinnert werden, dessen Forderungen immer noch nicht erfüllt wurden (siehe das Video auf Labournet*).
Der Kampf um die Arbeitsbedingungen bei Netto
Ausbeutung auf allen Ebenen
von Kalle Kunkel
Die Edeka-Tochter Netto hat in den letzten Jahren expandiert und ist durch die Übernahme des Filialnetzes von Plus Anfang 2009 zum bundesweiten Player aufgestiegen. Mit dem zweitgrößten Filialnetz nach Aldi (etwa 4000 Filialen) und dem drittstärksten Umsatz nach Aldi und Lidl bestimmt Netto die Bedingungen im Discount entscheidend mit. Nicht zum Guten: Die bundesweite Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Netto begann nach der Expansion.
Beeindruckende UFO
Erste Ergebnisse im Arbeitskampf der Gewerkschaft der Flugbegleiter bei der Lufthansa
von Jochen Gester
Der Arbeitskampf des Kabinenbegleitpersonals der Lufthansa erzwingt Respekt und erste Ergebnisse. Seit Ende August befindet sich die Lufthansa mit der Unabhängigen Flugbegleiterorganisation (UFO) in einem offenen Arbeitskonflikt, der mehr ist als das bekannte «Business as usual». Fast wie selbstverständlich für die gegenwärtige Periode des neoliberalen Kapitalismus sind es die Arbeitgeber, die den Handschuh in den Ring geworfen haben und den Status quo in Frage stellen.
Utopie hat einen Namen: Geno SF
Die Genossenschaft der Schleckerfrauen
von Manfred Dietenberger
Arbeiterproteste in Sardinien
von Angela Huemer
Im Südwesten Sardiniens kämpfen Bergleute und Arbeiter des Aluminium-Multis Alcoa um ihre Zukunft – unter Tage wie auch hoch in der Luft.
Grobe Fahrlässigkeit auf allen Seiten
Bobby Marie zum Marikana-Massaker in Südafrika
Rolf Euler, selbst ehemaliger Bergmann, sprach in Frankfurt am Main mit Bobby Marie von der südafrikanischen Benchmarks-Stiftung über das Massaker bei der Mine Lonmin (siehe auch SoZ 9/2012).
IndustriALL zum Massaker an südafrikanischen Minenarbeitern
von Jochen Gester
«IndustriALL verurteilt wilde Morde bei der Lonmin-Mine in Südafrika», so kommentierte der neu gegründete internationale Dachverband der Industriegewerkschaften den blutigen Arbeitskonflikt in der Platinmine in Marikana. In der als Solidaritätserklärung ausgegebenen Stellungnahme werden die Morde an den streikenden Arbeitern bedauert, gleichzeitig aber auch ziemlich abstruse Behauptungen über die Gründe des Ausstands aufgestellt.
«Lkw-Fahrer, lasst uns streiken!»
Schwierige Gehversuche in der Selbstorganisation der Fernfahrer
von Karsten Weber
Die Wirtschaft hat ihre Arbeitsweise auf Just-in-time-Produktion ausgerichtet. Die Autobahn wird zum Lager. Mag dies betriebswirtschaftlich auch als die kostengünstigste Arbeitsweise erscheinen, so birgt es doch ein gewaltiges Risiko. Wenn nämlich Fernfahrer aufhören, in diesem System zu funktionieren, hat das nicht nur Folgen für die Speditionsbranche, sondern für große Teile der Wirtschaft.
Exemplarischer Arbeitskampf bei Merck, Genf
Am Ende steht dennoch nur ein verbesserter Sozialplan
von Urs Zbinden
Vier Monate kämpften die Beschäftigten von Merck Serono in Genf um ihre Arbeitsplätze und ihre Würde. Am Ende erreichten sie nur einen leicht verbesserten Sozialplan. Einer der längsten Arbeitskonflikte der Schweizer Geschichte hat gezeigt, wie sich eine Belegschaft im Kampf radikalisieren kann und trotzdem an ihre Grenzen stößt.
Opel Bochum droht die Schließung
Viel Konkurrenz in den eigenen Reihen und wenig eigene Visionen
von Wolfgang Schaumberg
Nach der Schließung des belgischen Werks in Antwerpen im letzten Jahr ist jetzt die Opel-Belegschaft in Bochum mit aktuell noch 3100 Beschäftigten (plus etwa 600 in anderen Unternehmen) bedroht.
Der schwarze Marsch
Asturiens Bergleute wieder an der Spitze des Widerstands
von Angela Klein
Sie sind die Enkel der 34er und die Kinder der 62er: die asturischen Bergleute, die heute um ihr Überleben kämpfen. Mehr als 300 von ihnen hatten sich am 22.Juni aus der Region zwischen der Atlantikküste und dem Kantabrischen Gebirge auf den Weg gemacht und den nördlichen Teil von Kastilien und León durchquert; am 10.Juli traf der «schwarze Marsch» in Madrid ein – nach drei Wochen und 400 Kilometer Fußmarsch.
Bergarbeiterinnen in Asturien im Streik
«Wir haben um die Arbeit kämpfen müssen»
Unter den Bergarbeitern, die die asturischen Bergwerke seit Ende Mai bestreiken, sind auch viele Frauen. Anders als in Deutschland arbeiten sie auch unter Tage. Ein Gespräch mit MARÍA GONZÁLEZ, Bergarbeiterin aus der Zeche «María Luisa» in Asturien.
Südafrika: Tödliche Ungleichheit
Schwarze Polizisten schießen auf schwarze Minenarbeiter
von Angela Huemer
Am 10.August begannen 3000 Bergleute – alle damit beschäftigt, mit Bohrhämmern platinführende Schichten aus dem Gestein zu lösen, was mit die schwerste Arbeit unter Tage ist – in der Lonmin-Mine in Marikana einen wilden Streik. Marikana liegt im Bojanala Platinum Distrikt in der südafrikanischen Provinz North West.
Aus bei Schlecker
Für Ver.di eine schmerzhafte Pleite
von Helmut Born
Am 1.Juni gab der Insolvenzverwalter das Aus für die Drogeriemarktkette Schlecker bekannt. Nachdem im März schon ein grosser Teil der Filialen geschlossen worden waren, kam jetzt das Aus für die restlichen 2800 Filialen.
Eine Altenpflegerin schlägt Alarm
Vom Kampf um das Recht, Missstände anzuzeigen
von Benedikt Hopmann
Am 24. Mai 2012 endete nach siebeneinhalb Jahren der Rechtsstreit zwischen Brigitte Heinisch und Vivantes, einem großen Klinikkonzern in Eigentum des Landes Berlin. Brigitte Heinisch war Altenpflegerin in einem Altenpflegeheim von Vivantes.
Sssanyong Motors in Korea
Geschichte und Folgen einer Werksbesetzung
von Jochen Gester
Voraussichtlich im August dieses Jahres werden der ehemalige Vorsitzende der koreanischen Metallgewerkschaft KMWU bei der Ssangyong Motor Company und der Vizepräsident der KMWU, Kwon Sun-man, aus dem Gefängnis entlassen. Aus diesem Anlass sei hier noch einmal an den 2009 erbittert geführten Arbeitskampf erinnert.
Eine Frau ganz oben
Erfolgreicher Arbeitskampf auf der südkoreanischen Hanjin-Werft
von Jochen Gester
Über ein Jahr lang wurde auf einer südkoreanischen Werft mit vollem Einsatz ein außergewöhnlicher Arbeitskampf geführt und mit einem unerwarteten Erfolg der Arbeiterinnen und Arbeiter beendet. Im Mittelpunkt stand eine Frau, deren Mut und menschliche Stärke eine herausragende Rolle spielten.
Brot statt Spiele
Während der EM gab es in Polen nicht nur Fußball, sondern auch Protest
von Norbert Kollenda
Norbert Kollenda nahm am 10.Juni an einer Demonstration in Poznan teil und sammelte Stimmen zu verschiedenen aktuellen Problemkreisen: Wohnung, Kultur und Sport, Kinderkrippenplätze, Gesundheitswesen, Gewerkschaftsarbeit.
Klassenkampf mit Steinschleudern
Spanische Bergarbeiterstreiks
von Dorothea Wuhrer
Bergarbeiter und eine erzkonservative Regierung: Eine Konfrontation dieser Konfliktparteien sorgt in der Regel für erbitterte Auseinandersetzungen. In Nordspanien geht es seit bald vier Wochen hart zur Sache.
Tarifergebnis in der Metall- und Elektroindustrie
Viel Spielräume, wenig Verbindlichkeit
von Jochen Gester
Die Tarifrunde in der Metallindustrie ist zu Ende. Nach Angaben der IG Metall-Pressestelle haben sich bundesweit seit Ende der Friedenspflicht etwa 800.000 Beschäftigte der Branche an den Aktionen beteiligt. Hört man sich um, so ist die Einschätzung recht einhellig. Ein Mobilisierungsproblem gab es diesmal nicht.
Arbeitskampffähiges Prekariat
Die Beschäftigten der Persönlichen Assistenz organisieren ihren ersten Streik
von Jochen Gester
In Frankfurt am Main wird gegenwärtig gewerkschaftliches Neuland betreten. Die Beschäftigten des Clubs Behinderter und ihrer Freunde (CeBeeF) haben einen offenen Arbeitskampf eingeleitet, es ist der erste dieser Art für diese Berufsgruppe.
Wilder Streik der Stahlwerker in Polen
von Dariusz Zalega
Anfang Mai ging der längste wilde Streik Polens in Chorzów zu Ende. Die Arbeiter haben verloren, fühlen sich aber nicht besiegt.
Tarifabschluss öffentlicher Dienst
«Wann sollen wir jemals etwas durchsetzen, wenn nicht jetzt?»
von Jochen Gester
In einem Tarifinfo des WSI heißt es resümierend zur Einkommensentwicklung in Deutschland:
Materialien zum Tarifabschluss im öffentlichen Dienst
Wir tragen zusammen: Auszüge aus der Ver.di-Erklärung, aus der Pressmitteilung der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, aus Handelsblatt online, aus einer Erklärung der Ver.di-Betriebsgruppe Werkstatt Bremen.
Die siegreichen Näherinnen von Yssingeaux
von Manfred Dietenberger
Die Arbeitslosigkeit in Frankreich hat den höchsten Stand seit zwölf Jahren erreicht. Die Zahl der Erwerbslosen stieg im letzten Quartal 2011 auf 2,86 Millionen = 9,8% einschließlich der Überseeterritorien (bei Präsident Sarkozys Amtsantritt vor fünf Jahren lag sie noch bei 7,8%). Ohne die einstigen Kolonien liegt sie bei 9,4%.
Die Schlecker-Pleite
Auch eine Pleite der Gewerkschaft
von Helmut Born
Am 29.Februar gab der Insolvenzverwalter bei Schlecker seine Vorstellungen über die Restrukturierung der Drogeriemarktkette bekannt. Die Hälfte aller 6000 Filialen soll geschlossen, über 12.000 Arbeitsplätze vernichtet werden. Beim Tochterunternehmen «Ihr Platz» sollen weitere 900 Arbeitsplätze gestrichen werden.
Schlecker in Frauenhand?
Eine nicht ausreichend entwickelte Debatte
von Jochen Gester
Im Rahmen der Debatte über die Zukunft der Schlecker-Belegschaften hat Michael Schlecht, Chefvolkswirt der Bundestagsfraktion Die Linke, einen eigenen Vorschlag vorgelegt: Die Schlecker-Frauen sollten eine Genossenschaft bilden. Jochen Gester wollte Näheres wissen.
Wo bleibt der Rettungsschirm für die Schlecker-Frauen?
Beschirmte und Schirmlose
von Jochen Gester
Über Jahrzehnte haben die Schlecker-Frauen den Eigentümern Anton und Christa Schlecker Milliarden erarbeitet. Ihre Behandlung in den oft heruntergesparten Läden wurde zum Synonym für Ausbeutungsverhältnisse. Am Ende hat das öffentlichkeitsscheue Paar die Methode, aus möglichst wenigen Angestellten möglichst viel herauszupressen, so überzogen, dass sich auch die Kunden in den Verkaufsräumen nicht mehr wohl fühlten.
Koalitionsrecht im Fadenkreuz
Gericht beendet Streik auf dem Rhein-Main-Airport
von Jochen Gester
Die Gewerkschaft der Flugsicherung in Frankfurt/M fordert die Angleichung an ein Gehaltsniveau, wie es anderen Flughäfen bereits existiert. Trotzdem wird sie vom Arbeitsgericht und von der Konkurrenzgewerkschaft Ver.di geblockt.
Generalstreik in Indien
Für einen nationalen Mindestlohn und Festanstellung
von Kunal Chattopadhyay
Elf indienweite Gewerkschaftsverbände und rund 5000 Gewerkschaften riefen zusammen am 28.Februar 2012 zum Streik auf. Daraus wurde ein Generalstreik.
Die Tarifrunden könnten eine Wende bringen
Wenn es sein muss, dann wird es eben scheppern
von Manfred Dietenberger
Die Parallelität der Tarifrunde 2012 ist eine großartige Chance: Endlich gehen die zwei Mitglieder- und kampfstärksten DGB-Gewerkschaften IG Metall und Ver.di fast zeitgleich mit einer gemeinsamen 6,5%-Forderung in den Tarifkampf um höhere Löhne.
Angriff auf das Streikrecht
Der Arbeitskampf in der Daseinsvorsorge soll neu geregelt werden
Dem Streikrecht geht es auch in Deutschland ans Leder. Die Arbeitskämpfe der Berufsgewerkschaften und im öffentlichen Dienst sind den Herrschenden ein Dorn im Auge. Es kursieren Vorschläge für Gesetzentwürfe, wie das Streikrecht beschränkt werden kann.
Der schärfste Angriff auf das Recht auf Arbeit
Spanien: Ein bisschen Generalstreik
von Gaston Kirsche
Massive Proteste gegen die Sparpolitik gibt es schon seit Monaten, nun haben fast alle Gewerkschaften aus Spanien für den 29.März zu einem eintägigen Generalstreik aufgerufen.
Solidarität mit Griechenland
Britischer Aufruf
Endlich scheint Europa wach zu werden: Solidaritätserklärungen mit dem griechischen Volk sprießen derzeit aus dem Boden, am 18.Februar gab es in verschiedenen europäischen Ländern Solidaritätsaktionen vor Konsulaten und Botschaften, die sich gegen das Handeln der Troika und des deutsch-französischen Regierungsduos wandten.
Mega-Tarifjahr 2012: Zeit für eine Trendwende
von Jochen Gester
Aus bekannten und verständlichen Gründen wollen die wirtschaftlichen Eliten in Deutschland nichts davon hören, dass die Krise der EU und ihre Polarisierung in Gewinner und Verlierer auch ein Ergebnis der extremen Lohnzurückhaltung der Gewerkschaften ist.
Die Belegschaft hält stand
Bellinzona, Werkstätten Schweizer Bahn
von Rainer Thormann
Der Streik in Bellinzona im Frühjahr 2008 wurde weit über die Landesgrenzen hinaus als erfolgreicher Arbeitskampf bekannt. Inzwischen hat die Belegschaft einen erneuten Angriff der Spitze der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) vorübergehend abgewehrt.
Generalstreik in England
Am 30.November 2011 fand der größte Generalstreik in der britischen Geschichte seit 1926 statt.
von Fred Leplat
Der Streik drehte sich vor allem um die Verteidigung der Renten für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Über 29 Gewerkschaften waren an ihm beteiligt, darunter die drei größten, UNISON, UNITE und GMB. Insgesamt nahmen über 2,5 Millionen Beschäftigte im staatlichen Gesundheitswesen (NHS), in den Kommunalverwaltungen und staatlichen Behörden daran teil.
Gestreikt. Gekündigt. Gekämpft. Gewonnen.
Gestreikt. Gekündigt. Gekämpft. Gewonnen. Die Erfahrungen der Emmely-Kampagne (Hg. Komitee «Solidarität mit Emmely»), AG SPAK Bücher, 9,50 Euro
Dass Beschäftigte in der Firma einmal etwas mitgehen lassen, ist normal. Auch dass sie bereits bei Verdacht auf Diebstahl gekündigt werden. Doch manchmal ist normal nicht mehr normal. So geschehen im Fall der gekündigten Kassiererin Barbara Emme. Ihre Kündigung mündete in eine öffentlichen Debatte, in der sichtbar wurde, wie unterschiedlich Menschen in dieser Gesellschaft je nach Klassenlage behandelt werden. Emmely war Thema in den Gazetten von Bild bis FAZ und schaffte es zu Kerner und zu Anne Will. Im Juni 2010 hatte die Kassiererin ihre Arbeitsstelle wieder.
«Streikrecht ist Menschenrecht»
Die Beschäftigten kirchlicher Einrichtungen fordern ein Ende des «Dritten Wegs»
von Jochen Gester
Die Synode, das parlamentarische Gremium der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat ein neues Kirchengesetz beschlossen, in dem der sog. «Dritte Weg» im Arbeitsrecht festgeschrieben wird.
Schwarzwälder Botschaften
Seit über 80 Tagen Arbeitskampf beim Schwarzwälder Boten
von Jochen Gester
Das kleine Schwarzwaldstädtchen Oberndorf, sonst vor allem durch eine Firma bekannt, deren Geschäfte blühen, wenn Menschen vom Leben zum Tod befördert werden, ist Zentrum eines mittlerweile über 80 Tage dauernden Arbeitskampfs.
Mit Ausdauer und Fantasie gegen Blockade
Der Streik bei CFM wird fortgesetzt
In der Mai- und der Juni-Ausgabe dieser Zeitung haben wir über den Arbeitskampf an der Berliner Charité berichtet.
Ostbonus für Alpenland?
Berliner Altenpfleger streiken
von Norbert Kollenda
Seit dem 18.August streiken in Ostberlin Beschäftigte der drei Ostberliner Alten- und Pflegeheime des Unternehmens Alpenland GmbH. Seit sie dem Unternehmen 2004 angeschlossen wurden, gibt es keinen Tarifvertrag. Den Beschäftigten bei «Alpenland» reichte es nun, nach einem erfolglosen Warnstreik traten sie in einen unbefristeten Streik.
Den Mantel gerettet, die Börse erleichtert
Der Arbeitskampf bei Druckern und Journalisten
von Jochen Gester
In der Juli-Ausgabe der SoZ berichteten wir erstmals über den Streik der Beschäftigten in der Druckindustrie und den Ausstand der Redakteure. Beide Konflikte wurden in der Zwischenzeit beendet.
Den Gegner unterschätzt
GDL-Streik
von Jochen Gester
Seit Februar 2011 steht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) im Arbeitskampf. Weil sie die Aufspaltung der Belegschaft zugelassen hat, riskiert sie, mit leeren Händen dazustehen.
Was mich die Aussperrung über internationale Arbeitersolidarität gelehrt hat
13 Monate Arbeitskampf bei Honeywell, USA
Erfahrungsbericht eines Kollegen aus Illinois
von John Paul Smith
Im Internet-Blog Working in these times hat der Autor seine Erfahrungen mit internationaler gewerkschaftlicher Solidarität beschrieben.
Vor einem Jahr, als Honeywell International mich und 228 meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Fabrik in Metropolis im Bundesstaat Illinois aussperrte, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal in Deutschland und Belgien erklären würde, was bei uns passiert. Aber genau dahin hat mich dieser Kampf, der offiziell in der Woche endete, in der der neue Dreijahresvertrag angenommen wurde, geführt.
Transnationale Solidarität stärken
Eine gewerkschaftliche Reise ins «Plastikmeer von Almería»
Ein Bericht von Dieter A. Behr
Im Mai 2011 besuchte eine Delegation österreichischer Gewerkschafter vom Verein «Weltumspannend arbeiten» die spanische Region, die für ihre industrielle Gemüseproduktion bekannt ist.
Alstom-Belegschaften kämpfen gegen Massenentlassungen
Sichere Zukunft durch Rückeroberung von Marktanteilen?
von Jochen Gester
Der Hersteller von Kraftwerken, Turbinen und Generatoren, Alstom, will im Zuge einer Umstrukturierung des Konzerns weltweit 6000 Arbeitsplätze abbauen, mehr als die Hälfte davon in Europa.
Zum Tarifkonflikt in den Printmedien
Dreht sich der Wind?
von Jochen Gester
In der Druckindustrie geht es diesmal ums Ganze. Seit Anfang des letzten Jahres gibt es in der Druckindustrie Tarifverhandlungen für die Redakteure von Printmedien.
Tarifbindung und mehr Lohn
Arbeitskampf an der Berliner Charité und bei CFM
von Jochen Gester
Am 2.Mai wurden die über 10.000 Beschäftigten der Charité, nach Vivantes die zweitgrößte Klinik der Hauptstadt, von den Gewerkschaften Ver.di und GKL (Gewerkschaft Kommunaler Landesdienste Berlin), Mitglied der DBB-Tarifunion, zum unbefristeten Vollstreik aufgerufen.
Im Krupp-Krankenhaus Essen gibt es keine Leiharbeit mehr
Ein Beispiel für einen erfolgreichen Arbeitskampf
von Jochen Gester
«Leiharbeit» ist ein politisches Top-Thema. Es ist ein Instrument von Macht und Spaltung. Entsprechend beliebt ist es bei den Herrschenden. Während die Gewerkschaften noch «faire Leiharbeit» fordern, zeigt die Belegschaft am Klinikum in Essen, dass man sie auch ganz los werden kann.
Fiat-Mirafiori, Turin: Ein Diktat schafft die Rechte der Arbeiter ab
«Entweder ihr unterschreibt, oder wir schließen»
von Angela Klein
«Die soziale Opposition lebt», schrieb die linke Presse Italiens nach der Demonstration vom 16.Oktober in Rom, wo sich alle sozialen Bewegungen hinter die Fahnen der Metallarbeitergewerkschaft FIOM geschart hatten. Der Kampf gegen die Abschaffung der Arbeiterrechte bei FIAT in den letzten Wochen hat diese Bewegung gestärkt. Für den 28.Januar ist ein Generalstreik angekündigt.
Informant oder Denunziant?
Wer betrieblichen Rechtsbruch aufdeckt, muss vom Gesetz geschützt sein
von Guido Strack
Ein Arbeitnehmer war fristlos entlassen worden, weil er bei der Staatsanwaltschaft als Zeuge über seinen Arbeitgeber und dessen Geschäftsführer ausgesagt hatte. Im Arbeitsrechtsweg war seine Klage – getreu der bis dahin vorherrschenden Rechtsprechung – rechtskräftig abgewiesen worden, Begründung: er hätte zunächst eine innerbetriebliche Klärung versuchen müssen.
Streik um Tarifvertrag bei Atlas, Bremen
«Lieber lass ich mich erschießen»
IG Metall ist nicht mehr Tarifpartei
von Jochen Gester
Die Bevölkerung im Großraum Bremen wurde in diesem Herbst Zeugin einer nicht alltäglichen sozialen Auseinandersetzung, bei der sich das Management des Kräne und Bagger produzierenden ehemaligen Traditionsunternehmens Atlas mit den Belegschaften seiner drei Niederlassungen in Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta angelegt hat.
Arbeitskampf beim WDR
Maus mit Faust
Satirezeitung macht auf Missstände aufmerksam
Die freien Mitarbeiter des WDR – zumindest einige – mucken endlich auf: gegen Billiglohn, Programmverflachung und den neoliberalen Zeitgeist. Ausdruck verliehen haben sie ihrem Unmut mit einer gefälschten WDR-Zeitung, mit viel Witz, Ironie und Bissigkeit.
Kambodscha: Streiks in der Textilindustrie
Arbeiterinnen fordern existenzsichernde Mindestlöhne
von Lutz Getzschmann
In der asiatischen Textilindustrie scheinen sich die seit einiger Zeit immer wieder aufflammenden Streiks zu einem kontinentalen Kampfzyklus der Textilarbeiterinnen zu verdichten, Sie bestätigen damit die vor einigen Jahren von Beverly Silver in ihrer Studie Forces of Labor aufgestellte Devise: «Where capital goes, conflict goes».
Bangladesch, Der Streik der Textilarbeiterinnen
Die angekündigte Anhebung des Mindestlohns reicht nicht zum Leben
von Lutz Getzschmann
In den letzten Jahren haben zahlreiche internationale Textilkonzerne Bangladesch als Billiglohnland entdeckt, seitdem die Textilarbeiterinnen in China und anderen süd- und ostasiatischen Ländern in erfolgreichen Lohnkämpfen beträchtliche Lohnsteigerungen erzielen konnten. Nun setzten sie sich in diesem Sommer auch in Bangladesch zur Wehr.
China: Die Arbeiterbewegung auf dem Vormarsch
Die moderne Kommunikationstechnik verschafft Wanderarbeitern ganz neue Möglichkeiten sich zu organisieren.
von Dexter Roberts
Ein Pekinger Vorort war jüngst Schauplatz für eine Abendvorstellung in radikaler Politik. Eine aus Arbeitern bestehende Schauspieltruppe las Gedichte vor, die das harte Leben von Wanderarbeitern in Fabriken der Elektroindustrie und auf Baustellen beschrieben. Lieder wurden zur Gitarre gesungen, sie trugen Titel wie «Marginalisiertes Leben», «Industriegebiet», «Arbeiten – unser Ruhm und unsere Hölle», «Solidarisch kämpfen».
Fall Emmely
Ein politisches Urteil
von Gregor Zattler
Nach 31 Jahren wurde «Emmely», Kassiererin bei Kaiser’s, im Februar 2008 fristlos gekündigt: Wegen des Verdachts, sie habe Pfandbons im Wert von 1,30 Euro falsch abgerechnet, sei Kaiser’s Vertrauen zu ihr unwiderruflich zerstört. Tatsächlich hatte sie den Ver.di-Streik in ihrer Filiale organisiert und sich nicht kleinkriegen lassen.
Honda-Arbeiter im Streik
«Die Zeiten haben sich geändert»
von Jochen Gester
Am 17.Mai traten die Beschäftigten des Honda-Werks in Foshan, Provinz Guangdong im Süden Chinas, in den Streik. Zeitweise legte der Streik die Produktion in allen Honda-Werken Chinas lahm und zeigt das wachsende Selbstbewusstsein der chinesischen Arbeiterklasse. In einem Streikbulletin heißt es:
Herforder Bauarbeiter seit sieben Wochen im Streik
Der neue Westerwelle
von Jochen Gester
In vielen Klein- und Mittelbetrieben – besonders wenn sie schlecht zahlen und auch andere Dinge zum Himmel stinken – ist die Wahl eines Betriebsrats keineswegs Routine, sondern mitunter eine harte Auseinandersetzung. Der Unternehmer versucht die Wahl zu unterdrücken, weil er weiß, dass ein Betriebsrat bei klugem Umgang mit seinen Rechten einer Belegschaft neue Druckmittel an die Hand geben kann.
Arbeitszeitverlängerung bei Kaufhof
von Helmut Born
Mitte April hat die Geschäftsführung der Kaufhof Warenhaus GmbH dem Gesamtbetriebsrat ein «Bündnis zur Beschäftigungssicherung» vorgeschlagen. Dieser Vorschlag enthielt folgende Punkte:
Brasilianische Fischer gegen deutsches Stahlwerk
Schwere Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen von ThyssenKrupp bei Rio de Janeiro
von Christian Russau
In Brasilien benimmt sich der Stahlkonzern ThyssenKrupp wie eine Umweltsau und ein Mafiaboss in einem.
Persönliche Assistenten fordern Zertifizierung ihrer Arbeit
Ein Schrittchen vorwärts
von Klaus Drechsel
UAPA ist ein bundesweites Netzwerk von Beschäftigten in der Persönlichen Assistenz und ihrer betrieblichen Interessensvertretungen. Ende November fand in Frankfurt am Main das zweite Bundestreffen der «Unabhängigen ArbeitnehmerInnenvertretungen in der Persönlichen Assistenz» (UAPA) statt.
Die C-Klasse geht
Ungewöhnlicher Aufruhr bei Daimler Sindelfingen
von Jochen Gester
Anfang Dezember 2009 kam es im Zentrum der württembergischen Daimlerwelt zu einem bemerkenswerten Aufruhr, dessen Epizentrum das Sindelfinger Werk war. Fast eine Woche lang war die Normalität des Arbeitsalltags suspendiert.
Arbeiterprotest bei Rieter (Winterthur)
Kurz, massiv, entschlossen
Der Schweizer Konzern Rieter hat Entlassungen in Italien nach erfolgreichen Protesten zurückgenommen.
Weihnachtsstreik bei Pariser Metro beendet
Ergebnis geheim
von Carsten Albrecht
Das Pariser Nahverkehrsunternehmen setzte Verwaltungsangestellte als Zugführer ein und die Sicherheit ihrer Passagiere aufs Spiel.
Prozess gegen ThyssenKrupp Turin gefährdet
Das neue Schutzgesetz für Berlusconi, das Prozesse pro Instanz auf zwei Jahre verkürzen soll, gefährdet auch den Prozess gegen ThyssenKrupp.
von Angela Huemer
Am 6.Dezember ist es zwei Jahre her, als einer der schlimmsten tödlichen Arbeitsunfälle ganz Italien und halb Deutschland aufrüttelte: In der Turiner Niederlassung des deutschen Großkonzerns ThyssenKrupp brach in der Nacht zum 6.Dezember ein Brand aus. Der Grund war ein Rohrbruch, im Kaltwalzwerk lief heißes Öl aus, entzündete sich und setzte binnen kurzem die Abteilung „Linea 5” in Brand. Ein Arbeiter starb noch am
Buy American!
Eine Kampagne von Unternehmern und Gewerkschaften
von Judy Ancel
Am 7.April protestierten Stahlarbeiter in Granite City, Illinois, auf einer Kundgebung gegen die Verwendung von Röhren aus Indien für eine Mammut-Ölpipeline, die von Alberta nach Illinois gelegt werden soll. Zweitausend Stahlarbeiter waren gerade aus dem Werk Granite City von U.S.Steel entlassen worden; sie hätten den Stahl für solche Röhren herstellen können. Die Kundgebung wurde organisiert von der


