Buch 1. Juli 2026

Wir müssen Kriegsuntüchtigkeit lernen

Essays gegen den Krieg und für zivile Konfliktlösung
von Peter Nowak

Kriegsuntüchtigkeit als Chance. Essays gegen den Krieg und für zivile Konfliktlösung Hrsg. H.Theisen. Heidelberg: Verlag Graswurzelrevolution, 2026. 272 S., 28 Euro

In Zeiten, in denen die neue Kriegstüchtigkeit beschworen wird, braucht es Stimmen, die sich dem entgegenstellen. In dem kürzlich erschienen Band sind gleich 42 dieser Einsprüche gegen den gar nicht so neuen Militarismus versammelt. Herausgeber ist Hermann Theisen, der wegen seines antimilitaristischen Engagements schon drei Gefängnisstrafen hinter sich hat. Dabei ist strikte Gewaltfreiheit für ihn ein unabdingbarer Grundsatz.

Buch 1. Juli 2026

Technofaschismus

Ein Insiderbericht aus Trumps Amerika
von Gerhard Klas

Klaus Brinkbäumer: Der amerikanische Albtraum. Faschismus made in USA. Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2026. 352 S., 24 Euro

»Donald Trump, ein Parvenu, ein politischer Clown?« – Mit dieser rhetorischen Frage trifft Klaus Brinkbäumer einen Kern: seine anfängliche Unterschätzung. Für sein Buch hat Brinkbäumer viele Menschen interviewt, die Trump nie unterschätzt haben. Der langjährige USA-Korrespondent und ehemalige Spiegel-Chefredakteur ist kreuz und quer durch die USA gereist, hat Intellektuelle, Aktivist:innen, MAGA-Anhänger und Insider getroffen. Herausgekommen ist ein politisches Sachbuch, das zugleich Reportage, Analyse und persönliches Zeugnis ist.

Buch 30. Juni 2026

Profiteure des Faschismus

Causa Mercedes-Benz
von Wolfgang Pomrehn

Gaby Weber: Causa Mercedes-Benz. Mörder und Profiteure. Berlin: Die Buchmacherei, 2024. 12 Euro

Buch 22. Mai 2026

Ernährungsdemokratie

Die Konzernmacht der Agrar- und Lebensmittelindustrie und Alternativen
von Volker Brauch

Konzernatlas. ­Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie 2026
Kostenfrei zu beziehen über die Heinrich-Böll-Stiftung, www.boell.de/konzernatlas

Buch 22. Mai 2026

Klima und Klassenkampf

Ihr Verhältnis aus polnischer Sicht
von Norbert Kollenda

Przemyslaw Wielgosz: Pogoda dla rewolucjonistów. Jak zmienic swiat w czasie katastrofy (Ein Wetter für Revolutionäre. Wie die Welt verändern in einer Zeit der Katastrophe)
Krakau: karakter, 2026

Buch 22. Mai 2026

Gewalt der Verhältnisse

Lisa Wölfl: Ein verlassenes Haus. Wien: Kremayr & Scheriau, 2026. 240 S., 25 Euro
von Gerhard Klas

Die Mittvierzigerin Sonja wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Mietwohnung einer österreichischen Kleinstadt. Sie leben von der Hand in den Mund, hatten nie Gelegenheit, Vermögen zu bilden. Jede Rechnung im Briefkasten erschüttert die Familie.

Buch 22. Mai 2026

KI und Faschismus


Rainer Mühlhoff: Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus. Ditzingen: Reclam, 2025. 160 S., 8 Euro
von Rolf Euler

Der Buchpreis 2026 der Friedrich-Ebert-Stiftung geht an Rainer Mühlhoff für ein Buch, das den Zusammenhang zwischen der Schaffung und Verwendung künstlicher Intelligenz-Algorithmen und der politischen Entwicklung erläutert.

Buch 30. April 2026

Die Känguru-Rebellion

Das Känguru kehrt zurück
von Marina Hoffmann

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion. Berlin: Ullstein, 2026. 288 S., 14,99 Euro

Wer noch nie etwas von Marc-Uwe Kling gehört hat, geht wohl selten in die Buchhandlung und noch seltener ins Internet.
Der erfolgreiche Bestsellerautor beginnt seine Karriere auf den Lesebühnen Berlins. Für die 2005 selbst gegründete Lese-Düne schreibt er einen Text, in dem ein kommunistisches Känguru vorkommt, das beim anarchistischen Autor einzieht.

Buch 30. April 2026

Freiheit im Blut

Zwangsverheiratung, Widerstand und die brutalen Verbrechen des ›Islamischen Staats‹
von Florian Osuch

Kudret Günes, Christopher Girard: Freiheit im Blut. Wien: Bahoe Books, 2026. 160 S., 28 Euro

Die im Frühjahr 2026 auf deutsch erschienene Graphic Novel Freiheit im Blut erzählt die erschütternde, traumatisierende Realität von Unterdrückung, Krieg und Verachtung (junger) Frauen durch fundamentalistische Islamisten.

Buch 30. April 2026

Weltordnung im Umbruch

Für eine neue Entspannungspolitik
von Peter Nowak

Michael Brie, Erhard Crome, Frank Deppe, Peter Wahl: Weltordnung im Umbruch. Krieg und Frieden in einer multipolaren Welt. Köln: Papyrossa, 2025. 171 S., 14,90 Euro

Der Verlauf des Krieg der USA und Israels gegen den Iran zeigt, dass die von den USA und Europa dominierte Weltordnung der Vergangenheit angehört. Länder wie China und Indien gewinnen an Einfluss. Das Schlagwort von der multipolaren Welt, die keinen eindeutigen Hegemon mehr kennt, gewinnt an Bedeutung.

Buch 30. April 2026

Die Randglossen zum Zeitgeschehen

Stolpersteine
von Angela Klein

Dieter Braeg: Randglossen zum ­Zeitgeschehen. Berlin: Die Buchmacherei, 2025. 135 S., 18 Euro

Die Randglossen zum Zeitgeschehen sind eine Reihe von Beiträgen, die Dieter Braeg im Zeitraum 2019–2025 in der Zeitschrift Ossietzky veröffentlicht hat. Warum in die Auswahl nicht auch Beiträge aufgenommen wurden, die er für die SoZ geschrieben hat, ist unverständlich – immerhin finden sich auf deren Webseite www.sozonline.de allein für die Jahre 2010–2024 87 Beiträge von ihm.

Buch 1. April 2026

Tod einer Weltordnung

Der freie Markt ist nicht frei für alle
von Marina Hoffmann

Patrick Kaczmarczyk: Zerfall der Weltordnung. Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des globalen ­Südens. Neu-Isenburg: Westend, 2026. 224 S., 24 Euro

Am Ende des Zweiten Weltkriegs etablierten die Alliierten die aktuelle Weltordnung, nachdem die harten Auflagen des Versailler Vertrags und die Weltwirtschaftskrise zum Aufstieg des Faschismus in Deutschland und damit zum Krieg und dem Tod von über 60 Millionen Menschen geführt hatte.

Buch 1. April 2026

Ein Handbuch für Unerschrockene

Revolutionärer Optimismus
von Peter Nowak

Johanna Schellhagen: Wie wir uns eine Zukunft auf diesem Planeten ­erkämpfen. Ein Handbuch für Unerschrockene. Marburg: Büchner, 2026. 172 S., 18 Euro

Buch 1. März 2026

Geächtet und gebannt

Wie die EU Menschen ohne Anklage ihrer Rechte beraubt
von Peter Nowak

Hannes Hofbauer: Aller Rechte beraubt. Mit außergerichtlichen EU-Sanktionen zum autoritären Staat. Promedia: Wien, 2026. 224 S., 22 Euro

Die EU, die sich gerne als Hort der demokratischen Werte feiern lässt, greift zu Instrumenten, die die Fundamente des Rechtsstaats aushebeln. Das beschreibt der Historiker und Publizist Hannes Hofbauer in seinem Buch Aller Rechte beraubt sehr gut.

Buch 1. Februar 2026

Brüder im Geiste

Zionismus und völkischer Nationalismus
von Arn Strohmeyer

Clemens Messerschmid: Die deutschen Wurzeln des Zionismus. Zur Entwicklung des Siedlerkolonialismus in Palästina. Mit einem Beitrag von Helga Baumgarten. Heidelberg: Palmyra Verlag, 2025. 112 S., 18 Euro

Wie der Zionismus aus dem Vorbild des deutsch-völkischen Nationalismus entstand und die Palästinenser dabei auf der Strecke blieben

Buch 1. Februar 2026

Was heißt ›ökologisches Verständnis‹?

Eine Betrachtung aus der Sicht indigener Völker
von Angela Klein

Robin Wall Kimmerer: Geflochtenes Süßgras. Die Weisheit der Pflanzen. Berlin: Aufbau, 11.Auflage, 2025. 464 S., 28 Euro

Das ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Buch. Es vermittelt dem Menschen der Industriegesellschaft einen lebendigen Eindruck von dem, was ein ökologischer Ansatz ist – nicht mehr und nicht weniger nämlich, als die Aufhebung der Entfremdung des Menschen von der Natur. Ökologie ist die Lehre vom Haushalt der gesamten belebten wie unbelebten Natur, den Menschen eingeschlossen.

Buch 1. Februar 2026

Einspruch gegen Kriegsfähigkeit

Ein Handbuch zur Erinnerung
von Peter Nowak

Die große Militarisierung. Die Bundeswehr von der Wiederbewaffnung bis zur Kriegstüchtigkeit. Hrsg. AK Militarismus. Köln: Papyrossa, 2025. 207 S., 16,90 Euro

Buch 1. Februar 2026

Fortschritt als Fehlschritt

Ein Plädoyer wider die Hoffnungslosigkeit
von Angela Klein

Annette Schlemm: Fortschritt als Fehlschritt? Eine rettende Kritik. Stuttgart: Schmetterling, 2025. 206 S., 15 Euro

Eine Dialektik von Schöpfung und Zerstörung sieht Marx am Werk, wenn er im Kapital Fortschritt unter kapitalistischen Produktionsbedingungen beschreibt: »Jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit.«

Buch 1. Februar 2026

Denkmal für Sozialhilfeempfänger:innen

Ein literarischer Apell
von Gerhard Klas

Sandra Weihs: Bemühungspflicht. Frankfurt/M.: FVA, 2025. 248 S., 24 Euro

Die österreichische Schriftstellerin Sandra Weihs hat Sozialhilfeempfänger:innen ein literarisches Denkmal gesetzt und einen packenden Roman geschrieben.

Buch 1. Januar 2026

Krieg – und keiner geht hin?

Eine Geschichte der Fahnenflucht
von Gerhard Klas

Rolf Cantzen: Deserteure. Die Geschichte von ­Gewissen, Widerstand und Flucht. Springe: zu Klampen!, 2025. 204 S., 24 Euro

Deserteure – für die einen sind sie mutige Helden der Gewissensfreiheit, für andere Verräter an der Nation.

Arbeitskämpfe 1. Januar 2026

138 Tage aktiv gegen DuMont-Schauberg

Ein Streik wie aus einem Krimidrehbuch
von Ayse Tekin

Streik doch einfach mit! 138 Tage Arbeitskampf beim Bundesanzeiger Verlag. Hrsg. Jan Schulze-Husmann et al. Hamburg: VSA, 2025. 168 S., 12 Euro

Das Buch ist handlich und hat nur 165 Seiten, erzählt aber eine Geschichte wie aus dem Lehrbuch des Klassenkampfs gegen den Kapitalismus.

Buch 1. Januar 2026

Diebstahl

Abdulrazak Gurnah: Diebstahl. Aus dem Englischen von Eva Bonné. München: Penguin, 2025. 336 S., 26 Euro
von Gerhard Klas

Mit Diebstahl hat Abdulrazak Gurnah den ersten Roman seit seinem Literaturnobelpreis 2021 veröffentlicht. Er spielt in den 1990er Jahren in Sansibar und Dar es Salaam. Es geht um Familiengeschichten, um politische Veränderungen, um Schuld und Verrat im postkolonialen Tansania der 90er Jahre.

Buch 1. Dezember 2025

Der Bauernaufstand 1525

…erzählt mit Zeichnungen und Sprechblasen
von Nele Johannsen

Giulio Camagni: 1525. Der Aufstand. Wien: Bahoe, 2024. 128 S., 28 Euro

Auch dieses Buch ist etwas für den Gabentisch – ansprechend illustriert und leicht verständlich erzählt, bringt es den Bauernkrieg auch Menschen ohne Vorkenntnisse näher.

Buch 1. Dezember 2025

Epilog einer Krimireihe

Volker Kutscher: Westend. Illustriert von Kat Menschik. Berlin: Galiani, 2025. 112 S., 23 Euro
von Gerhard Klas

Wer die Krimiserie über den Polizisten Gereon Rath in den 1920er und 1930er Jahren und deren Verfilmung als »Babylon Berlin« kennt, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.
Im Rahmen eines fiktiven Interviews läßt Gereon Rath seine Zeit als Polizist von der Weimarer Republik bis in die 50er Jahre Revue passieren und offenbart lang gehegte Geheimnisse.

Buch 1. November 2025

System Update oder System Change?

Eine kritische Kartographie der ökosozialistischen Strömungen – mit Lücken
von Michael Heldt

Christian Stache: System Update oder System Change? Glanz und Elend des Ökosozialismus. Köln: PapyRossa, 2025. 334 S., 24 Euro

Buch 1. November 2025

Debatte

Demokratie überwinden, bevor sie sich abschafft!
von Jörg Bergstedt

Das »Demokratie« genannte, politische System, in dem wir leben, hält nicht, was es verspricht. Von Volksherrschaft keine Spur. Aber was muss sich ändern: das Versprechen einer Herrschaft des Volkes oder die Mechanismen, die ihr entgegenstehen? Jörg Bergstedt versucht eine Antwort.

Buch 1. November 2025

Abschied von der Kriegslogik

Alternativlos ist nur der Frieden
von Albrecht Kieser

Fabian Scheidler: Friedenstüchtig. Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen. Wien: Promedia, 2025. 224 S., 18 Euro

Buch 1. November 2025

Klimakollaps und soziale Kämpfe

Etwas für den Gabentisch
von Angela Klein

Lisa Poettinger: Klimakollaps und soziale Kämpfe. Über Klimaschutz in einer ungerechten Welt. München: Oekom, 2025. 212 S., 18 Euro

Buch 1. November 2025

Grüner Kolonialismus

Ungerechte Energiewende
von Rolf Euler

Grüner Kolonialismus. Zwischen Energiewende und globaler ­Gerechtigkeit. Hrsg. Miriam Lang u.a. München: oekom, 2025. 336 S., 25 Euro

Buch 1. Oktober 2025

Mutig statt machtlos

Vom Wert der alltäglichen Solidarität
von Gerhard Klas

Kathrin Hartmann: Die Welt gewinnen. Mutig statt machtlos. München: Ludwig, 2025. 304 S., 20 Euro

Warten, bis neue Regierungen die Probleme der Welt lösen? Nicht unbedingt: Einzelne Persönlichkeiten und Basisbewegungen können etwas bewegen, wenn es gegen Umweltzerstörung und soziale Ungerechtigkeit geht, meint Kathrin Hartmann. Die Journalistin hat überall auf der Welt Beispiele dafür gesammelt.

Buch 1. Oktober 2025

Die Straßen von Algier

Wie die Erfahrung des Kolonialismus die französische Theorie prägte
von Elfriede Müller

Onur Erdur: Schule des Südens. Die kolonialen Wurzeln der französischen Theorie. Berlin: Matthes und Seitz, 2024. 336 S., 28 Euro

Buch 1. September 2025

Die Ökologie der Freiheit

Ein gesellschaftlicher Gegenentwurf aus den 80er Jahren, neu aufgelegt
von Matthias Becker

Murray Bookchin: Die Ökologie der Freiheit. Münster: Unrast, 2025. 544 S., 29,80 Euro

Mit seiner Ökologie der Freiheit warnte Murray Bookchin in den 1980er Jahren vor dem ökologischen Kollaps und entwarf eine Zivilisationsgeschichte der gesellschaftlichen Naturverhältnisse – philosophisch profund und unbedingt lesenswert, wenn auch politisch fragwürdig.

Buch 1. September 2025

Befreiung vom Überfluss

Eine Postwachstumsökonomie für das 21. Jahrhundert
von Gerhard Klas

Nico Paech: Befreiung vom Überfluss. München: Oekom, 2025. 144 S., 18 Euro

»Spinnt der?«, fragte die Bild-Zeitung, als Niko Paech vor wenigen Wochen die Neuauflage seines Buches von 2012 über eine Postwachstumsökonomie vorstellte, in dem er für eine »Befreiung vom Überfluss« plädiert.

Buch 1. September 2025

Kriegsspiele

Jonas Tögel: Kriegsspiele. Neu-Isenburg: Westend, 2025. 112 S., 15 Euro
von ak

Bekannt ist der Ausspruch des ersten NATO-Generalsekretärs, des Briten Lord Ismay, bei der Vorstellung der Ziele der neuen Militärallianz: »Keep the Russians out, the Americans in and the Germans down.« An dieser grundsätzlichen strategischen Orientierung der US-Politik hat sich bis heute nichts geändert.

Buch 1. Juli 2025

Freigeist und Naturfreund

Der Metallarbeiter und Anarchosyndikalist Wilhelm Wehner
von Eveline Linke

Dieses Buch ist mehr als nur die individuelle Lebensgeschichte des Metallarbeiters und Anarchosyndikalisten Wilhelm Wehner.

Buch 1. Juli 2025

Die Vergangenheit mit anderen Augen sehen

von Ayse Tekin

Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus. Hrsg. Nihat Öztürk et al. Berlin: Die Buch­macherei, 2025. 472 S., 22 Euro

Ford in Köln ist immer noch ein Betrieb mit vielen Migrant:innen oder Menschen mit Migrationshintergrund. Am 14.Mai war dort ein 24-Stunden-Streik. Auf der IG-Metall-Seite im Internet stand danach: »Erstmals seit 100 Jahren waren die Beschäftigten von Ford in Köln im 24-Stunden-Streik für ihre Zukunft.«

Klima 1. Juli 2025

KlimaUNgerechtigkeit

Was die Klimakatastrophe mit Kapitalismus zu tun hat
von Rolf Euler

Die Wissenschaftlerin Friederike Otto hat nach »Wütendes Wetter« erneut ein aufrüttelndes Buch zum Klimawandel geschrieben. Diesmal geht es nicht hauptsächlich um die erneute Darstellung aller bekannten Aspekte der Krisen, sondern um die desaströsen Folgen für die Menschen in den vor allem betroffenen Gebieten. Ihre Hauptthese: »Der Klimawandel ist kein unverschuldeter Schicksalsschlag, er ist vor allem ein Unrecht.«

Friederike Otto: KlimaUngerechtigkeit. Berlin: Ullstein, 2023. 336 S., 14,99 Euro

Buch 1. Juli 2025

Gewaltgeschichte

Das Vergangene ist nicht tot
von Rolf Euler

Peter Seibert: Die Niederschlagung des ­Bauernkriegs. Bonn: J.H.W.Dietz, 2025. 304 S., 26 Euro

Der Bauernkrieg in Deutschland fand vor 500 Jahren statt. Sollte das die Gegenwart berühren? Peter Seibert, ehemaliger Professor für Sozialgeschichte der Literatur in Siegen, hat dazu ein detailreiches, fesselndes Buch geschrieben.

Buch 1. Juni 2025

Der lange Krieg gegen Gaza

Israels Herrschaft über Palästina
von Annette Groth

Helga Baumgarten: Kein Frieden für Palästina. Krieg in Gaza, Besatzung und Widerstand. Wien: Promedia, 2021. 192 S., 19,90 Euro

Im Mai 2021 ging die israelische Armee gewaltsam gegen die Bevölkerung in Ostjerusalem, an vielen Orten der Westbank und in Gaza vor. Sie verursachte über 250 Tote und fast 2000 Verletzte. Diese Schreckensgeschichte bildet den Einstieg in die Schilderung der israelischen Herrschaft über Palästina.

Buch 1. Juni 2025

Am Anfang war alles anders

Über frühzeitliche Gleichheit und weibliche Schöpfungskraft
von Nele Johannsen

Ulli Lust: Die Frau als Mensch. Am ­Anfang der ­Geschichte. Berlin: Reprodukt, 2025. 256 S., 29 Euro

Stellen wir uns eine Menschheitsgeschichte vor, in der nicht Macht und Konkurrenz, sondern Empathie und Kooperation das Überleben sichern – und in der der Frauenkörper kein Objekt der Begierde und Kontrolle darstellt, sondern Ausdruck schöpferischer Kraft ist.

Buch 1. Juni 2025

Buch: Kinderwüste

Stefan Schulz: Die Kinderwüste. Wie die Politik Familien im Stich lässt. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2025. 160 S., 22 Euro
von Marina Hoffmann

Eine Familie ist, kurz gesagt, eine Gemeinschaft mit Kindern. Früher, in den bäuerlichen Dörfern, kümmerten sich alle um alles, Kinder wurden von allen gemeinsam groß gezogen. Erst mit der Industrialisierung und der Fabrikarbeit etablierte sich die klassische, von Rechtskonservativen immer wieder beschworene Kernfamilie mit fester Rollenverteilung.

Arbeitskämpfe 1. Mai 2025

Literatur im Zeichen des Klassenkampfs

Das dritte Working-Class-Literaturfestival – Campi Bisenzio, 4.–6.April 2025
von Eva Gaßen und Riccardo Schreck

Die Sonne scheint heiß auf die Via Fratelli Cervi, die zur Ex-GKN-Fabrik in Campi Bisenzio führt. Ebenso wie die namensgebenden Cervi-Brüder – allesamt Partisanen, die von den Faschisten getötet wurden – ist der Kampf des Fabrikkollektivs Ex-GKN gegen den Investmentfonds Mel­rose bereits heute in die Geschichte der italienischen Arbeiter:innenbewegung eingegangen.

Buch 1. Mai 2025

Kulturkritik ohne Kapitalismusanalyse

Die Kritik an der autoritären Demokratie bleibt im Persönlichen stecken
von Peter Nowak

Georg Seeßlen: Trump & Co. Der un/aufhaltsame Weg des Westens in die Anti-Demokratie. Berlin: Bertz und Fischer, 2025. 235 S., 18 Euro.

Buch 1. April 2025

Würden Sie?

Eine Auseinandersetzung mit dem Krieg
von Marina Hoffmann

Ole Nymoen: Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde. Gegen die Kriegstüchtigkeit. Hamburg: Rowohlt, 2025. 141 S., 16 Euro

Nach beschlossener Änderung des Grundgesetzes kann die Regierung nun unbegrenzt Schulden für Rüstung aufnehmen. Dabei bleibt fraglich, mit wem Deutschland Krieg führen möchte. Vor allem aber, mit wem Deutschland Krieg führen möchte.

Buch 1. April 2025

Drei Sterne

telegraph, Nr.143/144, www.telegraph.cc
von Rolf Euler

Der telegraph bekommt drei Sterne für seine Kontinuität, seine Widerborstigkeit und sein anarchisches Dauerfeuer auf unhaltbare Zustände. Gegründet noch zu DDR-Zeiten, hält er sich als oppositionelles Zeitschriftenprojekt in Berlin außerhalb jeder »Linie«, zwischen manchen Stühlen. Und immer mit einem großen Teil von Gedichten, Sprüchen, Rezensionen zu alternativen Musik- und Bucherscheinungen.

Buch 1. März 2025

Alte Wunden

Das Wirken der ukrainischen Nationalisten im Weltkrieg
von Norbert Kollenda

Franziska Bruder: Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben! Die Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929–1948. Berlin: Metropol, 2007. 280 S., 19 Euro

Buch 1. März 2025

Die Zerstörung Palästinas… …ist die Zerstörung der Erde

Andreas Malm: The Destruction of Palestine is the Destruction of the Earth. London: Verso, 2024. 144 S., £ 9.99
von Hermann Dierkes

Das neue Buch des schwedischen Klimaforschers Andreas Malm ist sehr lesenswert und nützlich. Es behandelt die Entwicklung bis Juli letzten Jahres.

Buch 1. Februar 2025

Der Verfall der deutschen Erinnerungspolitik

Enzo Traverso kritisiert den Missbrauch der Erinnerung an den Holocaust zur Rechtfertigung des Völkermords in Gaza
von Arn Strohmeyer

Enzo Traverso: Gaza im Auge der Geschichte. Berlin: Wirklichkeit Books, 2024. 132 S., 18 Euro

In Deutschland gibt es nicht viele Medien, die aussprechen, was gerade in Gaza passiert. Da ist immer noch die Rede von der »Selbstverteidigung« gegen die »Terroristen« der Hamas. Schilderten diese Medien die wirklichen Geschehnisse im Gazastreifen, müsste man das unaufrichtige Verhältnis, das Deutschland mit Israel verbindet und das das ideologische Fundament des deutschen Staates ist, in Frage stellen.

Buch 1. Februar 2025

Der Bauernkrieg in Lindau

Broschüre über die Erhebung der Bauern am Bodensee und im Allgäu
von ak

Karl Schweizer, Johannes C. Wolfart: Der Bauernkrieg 1525/26 in Stadt und Landkreis Lindau. Lindau: Edition Inseltor, 2024. 118 S., 19 Euro
www.edition-inseltor-lindau.de

Buch 1. Februar 2025

Der Albtraum vom grünen Kapitalismus

Tesla zeigt, was alles bei uns schiefläuft
von Angela Klein

Heidemarie ­Schroeder: Eine Gigafabrik in Grünheide oder der Albtraum vom grünen Kapitalismus. Marburg: Büchner, 2025. 204 S., 22 Euro

Heidemarie Schroeder ist den SoZ-Lesenden durch ihre engagierte Berichterstattung über den Bau der Teslafabrik in Grünheide und den Widerstand dagegen wohl bekannt. Sie hat über die Jahre »die Eroberung eines kleinen Ortes im Berliner Umland durch den reichsten Mann der Welt« erlebt und soviele Einsichten in die Verhältnisse vor und hinter den Kulissen gewonnen, dass sie jetzt ein Buch darüber geschrieben hat.

Buch 1. Februar 2025

Jake Lamar: Das schwarze Chamäleon

Hamburg: Edition Nautilus, 2024. 328 S., 22 Euro
von Gerhard Klas

Wer kennt noch Eldridge Cleaver? 1968 war er einer der bekanntesten und extremsten Vertreter der Black-Power-Bewegung in den USA. Nach einem siebenjährigen Exil vollzog er eine radikale politische Wendung. Er wandte sich der Religion zu, bezeichnete sich als Antikommunist und wurde Unternehmer. Brogus, ein Universitätsprofessor und Hauptverdächtiger im Kriminalroman von Jake Lamar, ist an diese historische Figur angelehnt.

Buch 1. Januar 2025

Eine alte, zweischneidige Waffe

Hannes Hofbauer: Im Wirtschaftskrieg. Die ­Sanktionspolitik des Westens und ihre Folgen. Das Beispiel Russland. Wien: Promedia, 2024. 254 S., 22 Euro
von Albrecht Kieser

Wirtschaftssanktionen ziehen sich durch die Gewaltgeschichte der Menschheit.
Schon vor fast 2500 Jahren begannen Würgeversuche mit dem Handel, als Athen eine Wirtschaftsblockade gegen Sparta verhängte. Sie mündete in den 30jährigen Peloponnesischen Krieg um die Vorherrschaft im antiken Griechenland.

Buch 1. Januar 2025

Befreiung aus den Fesseln der Konkurrenz

Plädoyer für solidarische Kooperation
von Manuel Kellner

Jakob Schäfer: Konkurrenz – Grundprinzip einer vernünftigen Gesellschafts­ordnung?, Wien: new academic press, 2024. 151 S., 12,90 Euro

Wie so oft bei Titeln mit Fragezeichen lautet die Antwort »Nein!«. Konkurrenz ist keineswegs das »Grundprinzip einer vernünftigen Gesellschaftsordnung«. Sie ist das Grundprinzip der kapitalistischen Produktionsweise.

Buch 1. Januar 2025

Wie Russland wurde, was es ist

Kapitalismus ohne Demokratie
von Elfriede Müller

Katharina Bluhm: Russland und der Westen. Ideologie, Ökonomie und Politik seit dem Ende der Sowjetunion. Berlin: Matthes und Seitz, 2024. 490 S., 34 Euro

Buch 1. Januar 2025

Dogan Akhanli: Sankofa

Bremen: Sujet Verlag, 2024. 563 S., 29,80 Euro
von Ayse Tekin

»Wenn mein Mann mich über seine Flucht informiert hätte, warum sollte ich hierbleiben und darauf warten, dass ich festgenommen werde? Wenn Ihre Frau flüchten würde, würden Sie dann zu Hause auf sie warten? Hätte ich gewusst, dass er fliehen wird, wäre ich zumindest in Erzincan, damit ich ihm helfen kann.« So Gülsen zu dem Offizier, der sie ins Revier mitgenommen hat um zu fragen, wo ihr Mann sein könnte. So sind alle Frauen in Sankofa, Dogan Akhanlis posthum erschienenem Buch: direkt, herausfordernd und kämpferisch.

Buch 1. Dezember 2024

›Nicht mit den herrschenden Wölfen heulen‹

Antimilitaristische Positionen aus der Ukraine
von Angela Klein

AK Beau Séjour: Sterben und ­sterben lassen. Der Ukrainekrieg als Klassenkonflikt. Berlin: Die Buch­macherei, 2024. 208 S., 15 Euro

Die Buchmacherei ist schon ein kleines Trüffelschwein. Immer findet sie zu wichtigen Debatten Beiträge, die abseits des Mainstreams liegen und gerade deshalb höchst wertvoll sind.
So auch jetzt wieder zum Thema Ukraine. Das vorliegende Büchlein – klein gedruckt und mit ziemlich viel Stoff – leistet vier Dinge:

Buch 1. Dezember 2024

Die belgische Linke auf Erfolgskurs

Politik für die Arbeiterklasse ist der Schlüssel für linke Erfolge
von Peter Nowak

Peter Mertens: Meuterei – wie unsere Weltordnung ins Wanken gerät. Berlin: Brumaire, 2024. 284 S., 19 Euro

Der belgische Sozialist Peter Mertens stellte in Berlin seine Thesen für erfolgreiche linke Politik vor. Doch sind sie auf Deutschland übertragbar?

Buch 1. Dezember 2024

Gewalt?

Mithu Sanyal: Antichristie. München: Hanser, 2024. 544 S., 18,99 Euro
von Elfriede Müller

Antichristie ist ein überzeugendes Buch, das ein anspruchsvolles, anregendes und witziges Lesevergnügen bietet. Es thematisiert die komplexe Frage linker Gewalt am Beispiel des indischen Unabhängigkeitskampfes.

Buch 1. Dezember 2024

Blenden, lügen, schmieren

Politiker in Maßanzügen, die sich für unbesiegbar halten
von Manuel Kellner

Petra Hartlieb: Freunderlwirtschaft. Kriminalroman, Köln: Dumont, 2024. 413 S., 18 Euro. www.buecherserien.de/petra-hartlieb/

Das vorliegende Buch gehört auf jeden Gabentisch zum Jahresende. Petra Hartlieb, Buchhändlerin in Wien, präsent in den großen Medien Österreichs mit ihren Buchempfehlungen und selbst Bestsellerautorin (das fing an mit Meine wundervolle Buchhandlung, inzwischen sind viele Romane dazu gekommen) hatte einige Jahre lang in Dezemberausgaben der SoZ auf bemerkenswerte Titel aufmerksam gemacht. Angesichts der Qualität ihrer jüngsten Buchveröffentlichung drängt es sich nun auf, unsererseits ihr letztes Werk zu empfehlen.

Buch 1. November 2024

Radikaler und interaktiver Universalismus

Antworten auf den grassierenden neoliberalen Nationalismus
von Elfriede Müller

Die internationale Philosophie der letzten Jahre versucht auf unterschiedliche Art und Weise, der Nationalisierung des Lebens auf allen Ebenen etwas entgegenzusetzen. Es handelt sich dabei meistens um linksliberale Autor:innen, die auf Begriffe der Menschenrechte rekurrieren, den in postkolonialen Debatten zurecht in Verruf geratenen Terminus des Universalismus und des Kosmopolitismus wiederbeleben und versuchen, diese Begriffe mit neuem Inhalt und kritischem Potenzial zu versehen. Selten wird auf den – in der Praxis auch sehr widersprüchlichen – Internationalismus der Arbeiterbewegung zurückgegriffen.

Buch 1. November 2024

Lasst uns über Sozialismus reden

Ein nützliches Plädoyer
von Thies Gleiss

Bernd Riexinger, Raul Zelik: Was ist Sozialismus heute? Warum wir den Kapitalismus überwinden müssen. Hrsg. Rosa-Luxemburg-Stiftung. August 2024, 40 S. Kostenlos bestellbar über die RLS

Der frühere Vorsitzende der Partei Die Linke, Bernd Riexinger, und der Schriftsteller, Mitarbeiter des Neuen Deutschland und früheres Mitglied des Parteivorstands der Linken, Raul Zelik, haben gemeinsam einen kleinen Text erarbeitet, in dem sie die Aktualität des Sozialismus für Programm und Praxis der Linken begründen.

Buch 1. November 2024

Erkämpft das Menschenrecht

Beiträge zur linken Debatte
von Manuel Kellner

Erkämpft das Menschenrecht! Für Frieden, Antifaschismus, Internationalismus und Kultur. Hrsg. Sevim Dagdelen, Annette Groth, Norman Paech. Köln: Papyrossa, 2024. 163 S., 16 Euro

Die in diesem Buch versammelten Beiträge gehen zurück auf ein Symposium vom 7.Oktober 2023 zum 85.Geburtstag von Norman Paech.

Buch 1. November 2024

Buchtipp

Eine ostdeutsche Stadt
von gk

Elsa Koester: Im Land der Wölfe. Frankfurt: FVA, 2024. 320 S., 24 Euro

In Grenzlitz, einer ostdeutschen Stadt, tobt der Wahlkampf. Zu den Favoriten gehören die grüne Bürgermeisterkandidatin und ihr Konkurrent von den »Blauen«. Die Autorin Elsa Koester, stellvertretende Chefredakteurin der Wochenzeitung Der Freitag erkundet die Befindlichkeit der Bevölkerung zwischen grün und blau, zwischen Ideen von einer fortschrittlichen Zukunft und der Angst vor dem Fremden und den vielen Grautönen dazwischen.

Buch 1. Oktober 2024

Erinnerungen an ›Kleine Leute‹

Eine Reise durch drei Jahrhunderte
von Rolf Euler

Kleine Leute in Westfalen. Hrsg. Ulrike ­Gilhaus, Kirsten Bernhardt. Münster: Ardey, 2024. 230 S., 29,90 Euro

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der mehrere Industriemuseen betreibt, bringt ein bemerkenswertes Buch heraus: »Kleine Leute in Westfalen«, ein Forschungs- und Sammlungsband mit Beiträgen vieler Autor:innen.

Buch 1. Oktober 2024

Buchtipp

Auf Tour
von Gerhard Klas

José Henrique Bortoluci: Was von meinem Vater bleibt. Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Maria Hummitzsch. Berlin: Aufbau, 2024. 175 S., 20 Euro

Zur Person 1. September 2024

Erich Kästner

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Lieber Erich Kästner,
dies Jahr ist dein 125.Geburtstag und – leider auch – dein 50.Todestag. Wenn ich dir trotzdem schreibe, dann weil du natürlich weitaus lebendiger bist, als diese Daten vermuten ließen. Gratulationen sind daher zwar eher unangebracht, Mitdenken aber hoffentlich in deinem Sinne.

Buch 1. September 2024

Nach den Rechten in Hessen sehen

Rechtsextreme Mordtaten seit Beginn der Bundesrepublik
von Peter Nowak

Sascha Schmidt, Yvonne Weyrauch: Rechter Terror in Hessen. Geschichte, Akteure, Orte. Frankfurt a.M.: Wochenschau-Verlag, 2024. 399 S., 29,80 Euro

Buch 1. September 2024

Kriege und Literatur

Uri Jitzschak Katz: Aus dem Nichts kommt die Flut. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2024. 572 S., 26 Euro
von Elfriede Müller

Der erfolgreiche israelische Drehbuchautor Uri Jitzschak Katz hat seinen ersten Roman vorgelegt, der sich zum Teil wie ein Drehbuch liest. Ein verwirrendes und auch verwirrtes Werk, das manchmal spannend, lustig, traurig, klug, überraschend und dann wieder langatmig ist.

Buch 1. September 2024

Lisa Fittko

Eva Weissweiler: Lisa Fittko. Biographie einer Fluchthelferin. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2023. 380 S., 25 Euro
von Manuel Kellner

Lisa Fittko ist bekannt geworden als Fluchthelferin von Walter Benjamin. 1985 schrieb sie Mein Weg über die Pyrenäen. 1986 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz erster Klasse aus den Händen des deutschen Bundespräsidenten Weizsäcker. Doch sie und ihre Mitstreiter haben auch viele andere Flüchtlinge über die rettende Grenze geführt. Das war eine erste Motivation für die Biografin Eva Weissweiler, ihre Tätigkeit genauer zu beleuchten. Sie zitiert dafür in ihrem Vorwort Walter Benjamin selbst: »Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.«

Buch 1. Juli 2024

Kapitalismus am Limit

Eine radikale Abrechnung mit der kapitalistischen Weltordnung
von Rolf Euler

Ulrich Brand, ­Markus Wissen: Kapitalismus am Limit. München: Oekom, 2024. 320 S., 24 Euro

Ulrich Brand und Markus Wissen haben zu ihrem ersten Buch, Imperiale Lebensweise, nun nachgelegt und eine fulminante und radikale Abrechnung mit der kapitalistischen Weltordnung verfasst. Sie gehen dabei noch stärker auf die Produktionsweise ein, mit der Natur und Mensch ausgebeutet werden.

Buch 1. Juli 2024

Ein europäisches Dilemma

Vorschläge gegen Europamüdigkeit
von Matthias Becker

Europa 2050 – souverän, sozial, handlungsfähig. Hrsg. T.Hartmann-Cwiertnia u.a. Bonn: Dietz, 2024. 168 S., 18 Euro

Ein neuer Sammelband aus der Friedrich-Ebert-Stiftung will Hoffnung für die Zukunft der Europäischen Union schüren. Doch das Buch belegt eher, wie gespalten die Union in Wirklichkeit ist.

Buch 1. Juli 2024

Chile unter Pinochet

Nona Fernández: Twilight Zone. Aus dem Spanischen von Friederike von Criegern. Hamburg: Culturebooks, 2024. 240 S., 24 Euro
von Gerhard Klas

Diktaturen wie die von Augusto Pinochet in Chile hinterlassen tiefe gesellschaftliche Traumata. Ihre Aufarbeitung ist ein mühevolles Unterfangen, das nur selten gelingt. Ein großer Wurf ist deshalb der neue Roman Twilight Zone der preisgekrönten chilenischen Schriftstellerin Nona Fernández.

Buch 1. Juni 2024

Verhängnisvolle Freundschaft

Über Grundzüge des US-Imperialismus
von Angela Klein

Werner Rügemer: Verhängnisvolle Freundschaft. Wie die USA Europa eroberten. Köln: Papyrossa, 2023. 328 S., 22,90 Euro

Da denkt man, das Register der Verbrechen der US-Regierungen enthalte nichts mehr, was nicht bekannt wäre – doch weit gefehlt! Werner Rügemer unternimmt in seinem neuen Buch den Versuch, die Systematik hinter diesen Verbrechen zu erforschen und sie aus dem Entstehungsprozess der Vereinigten Staaten von Amerika selbst herzuleiten. Dabei ergeben sich etliche Erkenntnisgewinne.

Buch 1. Juni 2024

Buchtipp

Lexikon des guten Lebens
von Rolf Euler

Pluriversum. Ein Lexikon des Guten Lebens für alle. Neu-Ulm: AG SPAK, 2023. 326 S., 18,50 Euro

Wer braucht denn heute noch Lexika – ist nicht alles auf Wikipedia zu finden?
Nein, dieses Buch ist durch Internetlexika nicht zu ersetzen! Es umfasst einen großen Wortschatz des »Pluriversums«, also des »Guten Lebens für alle«.

Buch 1. Mai 2024

Kapitalismus als Stoffwechselstörung

Wie Ausbeutung der Arbeit und Zerstörung der Natur zusammenhängen
von Matthias Becker

Simon Schaupp: Stoffwechselpolitik. Arbeit, Natur und die Zukunft des Planeten. Berlin: Suhrkamp, 2024. 417 S., 24 Euro

Buch 1. Mai 2024

Acqua Alta

Das neue Buch der französischen Bestsellerautorin
von Gerhard Klas

Isabelle Autissier: Acqua Alta. Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig
Hamburg: mare, 2024. 208 S., 23 Euro

Buch 1. April 2024

Nur Lumpen werden überleben

Ein scharfer Blick auf die deutschen Verhältnisse
von Peter Nowak

Gerald Grüneklee: Nur Lumpen ­werden überleben. Die Ukraine, der Krieg und die antimilitaristische ­Perspektive. Wien: Mandelbaum, 2024. 166 S., 15 Euro

Deutschland soll wieder kriegsfähig werden, fordern Politiker:innen von Union, Grünen, FDP und SPD. Sie überbieten sich gegenseitig in den Maßnahmen, die sie vorschlagen, um Russland zu ruinieren, wie Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ganz offen verkündet.

Buch 1. März 2024

Glück und Wohlstand für viele

Radikale Alternativen zum Patriarchat
von Gerhard Klas

Kristen R. Ghodsee: Utopien für den Alltag. Eine kurze Geschichte radikaler Alternativen zum Patriarchat. Berlin: Suhrkamp, 2024. 430 S., 28 Euro

Buch 1. März 2024

Eine quellenreiche Pionierarbeit

Lexikon des deutschen Rätekommunismus
von Peter Nowak

Philippe Bourrinet: Biografisches Lexikon des deutschen Rätekommunismus 1920–1960. Berlin: Die Buch­macherei, 2023. 300 S., 18 Euro

Buch 1. März 2024

Gegen alle Klischees

Die Jugendlichen der Banlieues
von Gerhars Klas

Diaty Diallo: Zwei Sekunden brennende Luft. Aus dem Französischen von Nouria Behloul und Lena Müller. Hamburg: Assoziation A, 2023. 192 S., 20 Euro

Buch 1. Februar 2024

›Im eigenen Feuer‹

Buchtipp
von Rolf Euler

Ami Ajalon mit ­Anthony David: Im eigenen Feuer. Erinnerungen eines Geheimdienstchefs. Mit einem Vorwort von ­Daniel Barenboim. Bonn: Dietz, 2021 360 S., 26 Euro

Buch 1. Februar 2024

Nach dem Kapitalismus

Eine Utopie
von Thies Gleiss

Jakob Schäfer: Mellopolis ’48 – ­Eine Reportage. Vision einer Gesellschaftsordnung nach der Überwindung des Kapitalismus. Wien: New Academic Press, 2023. 128 S., 12,90 Euro

Buch 1. Januar 2024

Über die Wurzeln des Nationalsozialismus

Die Freikorps. Eberts Regierungstruppen 1920
von Rolf Euler

Norbert Kozicki: Friedrich Eberts Regierungstruppen nach der Novemberrevolution. Die Geschichte des Freikorps Aulock, der 3.Marine-Brigade Loewenfeld und des Freikorps Ep. Beiträge zum Ursprung des deutschen Faschismus. Berlin: trafo, 2023. 496 S., 42,80 Euro

Buch 1. Januar 2024

Industriegeschichte im Revier

Die ›soziale Frage‹ neu aufgegriffen
von Rolf Euler

Soziale Ungleichheit im Ruhr­gebiet. In: Forum Geschichtskultur Ruhr. Heft 2, Essen 2023

Über das Auseinanderfallen von arm und reich speziell im Ruhrgebiet gibt es viele Statistiken und Erhebungen der Sozialverbände, der Städte und der Kommunalverbände. Die »soziale Frage« ist eigentlich gar keine Frage, sondern eine Feststellung, die während der Industrialisierung ebenso untersucht wurde wie bei der Still­legungswelle von Bergbau und Stahl, beim sogenannten Strukturwandel.

Buch 1. Januar 2024

Bebel für Anfänger:innen

Gisela Notz (Hrsg.): August Bebel oder: Der ­revolutionäre Sozialdemokrat. Berlin: Dietz, 2023. 190 S., 12 Euro
von hgm

In der Reihe »Biografische Miniaturen« des Berliner Dietz-Verlags ist nun auch ein Band über August Bebel (1840–1913) erschienen.

Buch 1. Januar 2024

›Clankriminalität‹

Ein Kampfbegriff, mit dem Politik gemacht wird
von Matthias Becker

Mohammed Ali Chahrour u.a.: Generalverdacht. Wie mit dem ­Mythos Clankriminalität Politik ­gemacht wird. Hamburg: Nautilus, 2023. 320 S., 22 Euro

Der Sammelband Generalverdacht versucht, die öffentliche Debatte über kriminelle arabische Großfamilien vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Buch 1. Januar 2024

Notwendig wie eh und je

Die Proteste gegen Hartz IV und Bürgergeld – Geschichte und Überblick
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Anne Seeck u.a.: KlassenLos. ­Sozialer Widerstand von Hartz IV bis zu den Teuerungsprotesten. Berlin: Die Buchmacherei, 2023. 256 S., 12 Euro

Buch 1. Januar 2024

Man kann auch nichts lernen wollen…

Eine Ausstellung und ein Buch zum Hamburger Aufstand 1923
von Jürgen Bönig

Offensichtlich will das Bürgertum es sich mit seinen Verbrechen bequem machen und dabei gleich noch den Adel mit entschulden.

Buch 1. Dezember 2023

Verfolgung im Namen des Rechts

Der Leidensweg der Kurd:innen in Deutschland
von Ayse Tekin

Alexander Glasner-Hummel, Monika Morres, Kerem Schamberger: Geflohen. Verboten. Ausgeschlossen. Frankfurt/M.: Westend, 2023. 216 S., 24 Euro

»Wie die kurdische Diaspora in Deutschland mundtot gemacht wird«, lautet der Untertitel des Buches, der von drei Autor:innen als gemeinsamer Text präsentiert wird. Sie bieten zur Zeit auf ihrer deutschlandweiten Lesetour die Möglichkeit, darüber zu diskutieren.

Buch 1. Dezember 2023

Mobbing

Buchtipp zum Thema Cybermobbing
von Gerhard Klas

Miriam Leroy: Rote Augen. Aus dem Französischen von Daniele Högerle. Hamburg: Nautilus, 2023. 176 S., 22 Euro

Mobbing in sozialen Medien kann in jede Nische des Alltags vordringen und das Leben vergiften. Das liegt auch an der immer noch weit verbreiteten Verharmlosung des Phänomens. Der belgischen Autorin und Journalistin Miriam Leroy ist es gelungen, die zerstörerische Wucht des Cybermobbings zur Sprache zu bringen.

Buch 1. November 2023

Weltraumpostbote Bob

Eine humorvolle, kurzweilige Comic-Reihe aus dem All
von Kai Böhne

Guillaume ­Perreault: Der Weltraumpostbote. Kassel: Rotopol, 2023. 144 S. in Farbe, 18 Euro

Guillaume ­Perreault: Der Weltraumpostbote. Die ­Motoräuber. Kassel: Rotopol, 2023. 152 S. in Farbe, 18 Euro

Buch 1. November 2023

Ein Waldschützer alter Schule

Der Förster Georg Meister fordert: Rettet die Wälder!
von Matthias Becker

Georg Meister: Rettet unsere Wälder! Vermächtnis und Forderungen eines visionären Försters. Frankfurt am Main: Westend, 2023. 196 S., 36 Euro

Nur noch einer von fünf Bäumen in Deutschland ist nicht geschädigt, das geht aus Schätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor.

Buch 1. November 2023

Feminismus

Stefanie Lohaus: Stärker als Wut. Berlin: Suhrkamp, 2023. 271 S., 20 Euro
von Liv Kühnel

Stefanie Lohaus, Gründerin des (queer)feministischen Missy Magazine, beschreibt mit ihrem neuen Buch Stärker als Wut die Geschichte des Feminismus der letzten fünf Jahrzehnte aus deutscher Perspektive. Dabei legt sie nicht nur die Geschichte dar, sondern ergänzt diese mit eignen Erfahrungen.

Buch 1. November 2023

Braungrauer Kriegsalltag

Der Krieg in der Ukraine aus der Perspektive von unten
von Gaston Kirsche

Igort: Berichte aus der Ukraine. Tagebuch einer Invasion. Aus dem Italienischen von Myriam Alfano. Berlin: Reprodukt, 2023. 168 S., 26 Euro

In seiner Graphic Novel schildert der Zeichner Igort die Grausamkeiten des Krieges durchgehend aus der Perspektive von unten – durch einfache Leute, die der kriegerischen Gewalt ausgeliefert sind. Ein notwendiges Gegenstück zu den geostrategisch daherkommenden großen Diskursen.

Buch 1. Oktober 2023

Ein zeitgemäßes Lob des Kommunismus

Kohei Saitos Plädoyer für einen Degrowth-Kommunismus
von Angela Klein

Kohei Saito: Systemsturz. Der Sieg der Natur über den ­Kapitalismus. Aus dem Japanischen von Gregor Wakounig. München: dtv, 2023. 320 S., 25 Euro

Kohei Saito, japanischer Marxist und Mitarbeiter der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), verfolgt mit dem Buch ein Anliegen, das er so direkt wie verständlich vermit­telt: Er erklärt, das nur der Kommunismus in der Lage ist, die stationäre Wirtschaft zu schaffen, die notwendig ist, damit der Mensch seine natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und ein Überleben der Gattung in einem relativen Überfluss sichern kann.

Buch 1. Oktober 2023

Gegen das bürgerliche Bildungsprivileg

Die Geschichte der 68er Bewegung in Speyer
von Peter Nowak

Herbert Obenland, Wolfgang Hien, ­Peter Birke: Das andere 1968. Von der Lehrlingsbewegung zu den Auseinandersetzungen am Speyer-Kolleg 1969–72. Berlin: Die Buchmacherei, 2022. 260 S., 15 Euro

Berlin, Frankfurt, Tübingen – mit diesen Orten wird die 1968er Bewegung verbunden. Kaum jemand wird ausgerechnet Speyer mit den Aufbruch in Verbindung bringen. Dabei hatte der auch dort Spuren hinterlassen, wie in dem Buch Das andere 1968 beschrieben wird.

Buch 1. Oktober 2023

Haiti

Marie Vieux-Chauvet: Der Tanz auf dem Vulkan. Aus dem Französischen von Nathalie Lemmens. München: Manesse, 2023. 496 S., 28 Euro
von Gerhard Klas

Die Autorin Marie Vieux-Chauvet ist 1973 gestorben und die bekannteste Schriftstellerin Haitis. Als sich François Duvalier 1957 zum Diktator aufschwang, bedeutete das für sie massive Einschränkungen. Schließlich musste sie ins US-amerikanische Exil fliehen und lebte bis zu ihrem Tod in New York. Der gerade erst ins Deutsche übersetzte Klassiker der modernen haitianischen Literatur porträtiert Saint Domingue mit seiner rassistisch-kolonialen Gesellschaft, die mit der Revolution der Sklaven 1804 zur Republik Haiti wurde.

Zur Person 1. September 2023

Hugo Blanco (1934–2023)

›¡Tierra o Muerte! Land oder Tod!‹
von Gert Eisenbürger und Maria Sundvall

Hugo Blanco, der peruanische Revolutionär, Bauernführer, ehemalige Parlamentsabgeordnete, Kämpfer für die Rechte der indigenen Bevölkerung und für den Umweltschutz, ist am 25.Juni nach kurzer akuter Krankheit in Uppsala, Schweden, gestorben.

Buch 1. September 2023

Ukraine, Krieg, linke Positionen

Das neue Heft von Widerspruch zum Ukrainekrieg
von Angela Klein

Widerspruch 80. Beiträge zu sozialistischer Politik. »Ukraine, Krieg, ­linke Positionen«. Heft 1/2023, ­Zürich. 18 Euro

Auch diese deutschsprachige Theoriezeitschrift versucht einen differenzierten Zugang zum Krieg in der Ukraine. Anders als die in den vorherigen SoZ-Ausgaben besprochenen Zeitschriften Z – Zeitschrift marxistische Erneuerung und Das Argument begibt sich Widerspruch jedoch in die politische Kontroverse.

Buch 1. September 2023

Wessen Wahnsinn ist der Wahnsinn?

Über die Hintergründe des Ukrainekriegs und seine Folgen
von Albrecht Kieser

Kriegsfolgen. Wie der Kampf um die Ukraine die Welt verändert. Hrsg. von Hannes Hofbauer und ­Stefan Kraft. Wien: Promedia, 2023. 255 S., 23 Euro

Wer künftig über den Ukrainekrieg und seine Folgen mitreden will, muss dieses Buch gelesen haben. Es ist eine Pflichtlektüre zumindest für Menschen, die sich aus der kurzatmigen Betrachtungsweise lösen wollen, von der aus diese Schlächterei gemeinhin beurteilt wird.

Buch 1. September 2023

Die langen Schatten der Migration

Sunjeev Sahota: Das Porzellanzimmer. Aus dem Englischen von ­Ulrike Wasel und Klaus ­Timmermann. München: Hanserblau, 2023. 240 S., 23 Euro
von Gerhard Klas

Leid und Schmerz prägen die beiden Hauptfiguren im Roman des Briten Sujeev Sahota, dessen Familie 1966 vom Punjab nach England einwanderte. Patriarchalische Machtstrukturen und rassistische Gewalt erzeugen bei ihnen nicht nur Sucht und Depression, sondern die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Buch 1. September 2023

Lunapark ist Geschichte…

…und was für eine!
von Rolf Euler

Diesen Nachruf hätte die SoZ lieber gar nicht schreiben wollen. Zu unserem und auch vieler anderer Lesenden großen Bedauern hat nach dem Tod von Winfried Wolf die Redaktion von Lunapark21 mitgeteilt, dass das Heft nicht mehr weiter erscheinen kann – zu groß war die Rolle des verstorbenen Gründers und Chefredakteurs Winnie gewesen.

Gesellschaft 1. Juli 2023

Je prekärer die soziale Lage, desto freier dürfen wir uns ›lesen‹

Identitätspolitik spaltet und verdunkelt gemeinsame ­Klasseninteressen
von Gerhard Hanloser

Identität & Politik. Kritisches zu linken Positionierungen. Hrsg. Gerhard Hanloser. Mit Texten u.a. von Anne Seek, Christoph Jünke, Bernhard Schmid, Karin Wetterau, Ilse Bindseil, Moshe Zuckermann. Wien: Mandelbaum, 2022. 266 S., 22 Euro

Buch 1. Juli 2023

Neue Osthilfe

Anmerkungen zu einer systemkonformen Westkritik
von Erhard Weinholz

Sechs Auflagen binnen weniger Wochen, vordere Ränge auf der Spiegel-Bestsellerliste: Dirk Oschmann, Jahrgang 1967, Professor für deutsche Literatur an der Leipziger Uni und einer der wenigen aus dem Osten stammenden Lehrstuhlinhaber hierzulande, scheint mit Der Osten: eine westdeutsche Erfindung* einen Nerv getroffen zu haben. Doch wen spricht sein Buch an?

Bewegung 1. Juli 2023

Tief im Archiv…

… die Rundbriefe der Gruppe Internationale Marxisten (GIM). Das
MAO-Projekt hat das Schrifttum der radikalen Linken digitalisiert

dokumentiert

Das MAO-Projekt ist ein digitales Archiv der Schriften verschiedenster Gruppen der radikalen Linken bis etwa 1990. Wir dokumentieren einen Beitrag, den Billy Hutter auf der Webseite des Archivs dazu veröffentlicht hat.

Buch 1. Juli 2023

Ein Krieg gegen die menschliche Zivilisation

Die Umstände des Ukrainekriegs verbieten historische Analogien
von Angela Klein

Ukraine-Krieg – Weltordnungskrieg. Fronten, Folgen, Formen – Eine Zwischenbilanz. Das Argument 340. Hamburg: Argument, 2023. 320 S., 30 Euro

Buch 1. Juli 2023

Mumia Abu-Jamal: Texte aus dem ­Todestrakt. Essays eines politischen Gefangenen in den USA

Frankfurt am Main: Westend, 2023. 240 S., 25 Euro
von Peter Nowak

Am 24.April wurde Mumia Abu-Jamal 69 Jahre alt. In vielen Städten gab es aus diesem Anlass Veranstaltungen mit dem neuen Buch, das unter dem Titel Texte aus dem Todestrakt kürzlich im Frankfurter Westend-Verlag erschienen ist. Darin sind größtenteils Texte von Mumia veröffentlicht, die bislang noch nicht auf deutsch erschienen waren.

Buch 1. Juli 2023

Eva Weissweiler: Villa Verde oder das Hotel in ­Sanremo. Das italienische Exil der Familie Benjamin

München: btb, 2022. 288 S., 22 Euro
von Manuel Kellner

Auf den ersten Blick erstaunt es, dass eine profilierte jüdische Publizistin auf der Flucht aus Nazideutschland ausgerechnet im faschistischen Italien für sechs Jahre ein Refugium gefunden hat, das auch immer wieder von ihrem geschiedenen Ehemann Walter Benjamin als »stiller Hafen« genutzt wurde. Ein genauerer Blick auf die Verhältnisse, die das ermöglichten, lohnt sich.

Buch 1. Juni 2023

Der Kern der kapitalistischen Ausbeutung

Die Zurichtung des Leibes und die Entwicklung von Klassenbewusstsein
von Angela Klein

Wolfgang Hien: Die Arbeit des Körpers von der Hochindustrialisierung bis zur neoliberalen Gegenwart. Wien: Mandelbaum, 2022. 364 S., 25 Euro

Das Buch behandelt die Geschichte der deutschen und österreichischen Arbeiterbewegung aus der Perspektive der Vernutzung von Körper und Seele der Arbeiterinnen und Arbeiter. Betrachtet werden vor allem die Arbeitsbedingungen in der Grundstoffindustrie (Kohle und Chemie), der Stahlindustrie, Metallverarbeitung, Druckindustrie, in der Textilindustrie und in den Firmenbüros.

Nur Online 23. Mai 2023

Deutschland über alles – Émile Durkheim neu aufgelegt“

„Bald wird es nicht mehr die Rote Armee sein, die Auschwitz befreit hat, sondern das Asow-Bataillon

Diesen klugen Satz hat die deutsch-französische Schriftstellerin Marie Rotkopf in der von ihr neu herausgegebenen und kommentierten Schrift „Deutschland über alles“ geschrieben. Verfasst hatte den Text der französische Soziologe Émile Durkheim 1915 während des Ersten Weltkriegs angesichts der brutalen Kriegsführung der deutschen Wehrmacht. Dazu zählte der deutsche Überfall auf das neutrale Belgien ebenso wie die massive Zerstörung belgischer und französischer Städte.

Flucht/Migration 1. Mai 2023

Krieg und Exil brütet Krieg und Exil

Das Wirken exilkroatischer Gruppen in Deutschland
von Peter Nowak

Matthias Thaden: Migration und Innere Sicherheit. Kroatische Exilgruppen in der ­Bundesrepublik Deutschland 1945–1980. Berlin: De Gruyter, 2022

Sie warfen die Sprengkörper in die jugoslawische Handelsmission. Dann übergossen sie Möbel, Teppiche und Akten mit Benzin, sodass binnen weniger Minuten alles in Flammen stand. Der Hausmeister der Handelsmission wurde im Beisein seines 12jährigen Sohnes durch einen Lungenschuss getötet.

Klima 1. Mai 2023

Ein Bündnis mit Hindernissen

Zum Stand der Zusammenarbeit von Klimaaktiven und Gewerkschaften
von Jakob Schäfer

Sozial-ökologische Transformationskonflikte und linke Strategien. Prokla, Heft 210, März 2023. 176 S., 15 Euro

In insgesamt neun Beiträgen gehen die verschiedene Autor:innen auf die unterschiedlichen Konfliktkonstellationen von Umweltbewegung und abhängig Beschäftigten ein und erörtern mögliche Strategien für ein gemeinsames Programm.

Buch 1. Mai 2023

Hobbes oder Rousseau?

Von falschen Geschichten und möglichen Ansätzen
von Manuel Kellner

Rutger Bregmann: Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit
Hamburg: Rowohlt, 2022. 479 S., 15 Euro

Dieses Buch nicht zu lesen, wäre keine gute Idee. Es ist in 55 Sprachen übersetzt worden und erreicht seit Jahren weltweit hohe Auflagen. Überaus erfreulich ist, dass viele junge Leute es zur Kenntnis nehmen und sich davon inspirieren lassen.

Buch 1. April 2023

Der Spätkapitalismus

Ernest Mandel zum 100.Geburtstag (5.April)
von Ingo Schmidt

Ernest Mandel: Der Spätkapitalismus. Versuch einer marxistischen Erklärung. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1972. 541 S., antiquarisch noch zu haben

In Der Spätkapitalismus (dt., 1972) versucht sich Ernest Mandel an der Entzauberung des »Wirtschaftswunders«, d.h. des langen Aufschwungs, der dem »Zeitalter der Katastrophen« (Eric Hobsbawm) von 1914 bis 1945 folgte.

Buch 1. April 2023

Vom Mythos des fortschrittlichen Imperialismus

Ernest Mandel über die Rolle der arbeitenden Klassen im Zweiten Weltkrieg
von Angela Klein

Ernest Mandel: Der Zweite Weltkrieg. Frankfurt am Main: ISP, 1991. 248 S., 17,50 Euro, über Manifest-Verlag zu beziehen

Als Ernest Mandel 1995 starb, nannte ihn die Taz den »letzten Klassenkämpfer«. Mit der Landnahme des westlichen Kapitals in Osteuropa und dem Siegeszug des Neoliberalismus schien Klassenkampf obsolet geworden zu sein; Identitätspolitik trat an dessen Stelle. Die multiplen Krisen, die uns seither heimsuchen, allen voran die laufende Produktion von failed states, der zunehmende Hunger in der Welt und über allem die Klimakrise, haben die soziale Frage aber wieder auf die Tagesordnung gesetzt. In welcher Weise der Klassenkampf innerimperialistische Kriege beeinflussen kann, zeigt Mandel am Beispiel des Zweiten Weltkriegs.

Buch 1. April 2023

Alternative Fakten

Wie sie entstehen und wie sie funktionieren
von Gerhard Klas

Nils C. Kumkar: Alternative Fakten. Berlin: Suhrkamp, 2022. 336 S., 18 Euro

»Alternative Fakten« ist ein schillernder Begriff mit wenig Trennschärfe, der seit mehr als fünf Jahren durch Debatten und Talkshows geistert. Warum es müßig ist, ihre Boten mit wissenschaftlichen Fakten zu konfrontieren, erklärt der Bremer Sozialwissenschaftler Nils C. Kumkar. Dabei ist der Begriff »Fakten« äußerst irreführend, denn im Grunde geht es um die Negation von Fakten mit Hilfe von Halbwahrheiten, Vermutungen, Verdächtigungen.

Bewegung 1. April 2023

Z. Zeitschrift marxistische ­Erneuerung

Hrsg. IMSF und Forum ­marxistische Erneuerung. 34.Jg., Heft 133, März 2023
von ak

Wie gut, dass es in Deutschland einen Pool von linken Intellektuellen gibt, die, bedingt u.a. durch ihre Herkunft aus der DDR, russisch können und sich in Russland auskennen! Einige davon lässt die aktuelle Ausgabe (Nr.133) der Vierteljahreszeitschrift Z zu Wort kommen.

Buch 1. März 2023

Im Schatten des Doms

Der Stadthistoriker Fritz Bilz geht einem dunklen Kapitel in Köln nach
von Larissa Peiffer-Rüssmann und Hans Peiffer

Fritz Bilz: Im Schatten des Doms zu Köln. ­Bausteine einer ­Gegengeschichte. Köln: PapyRossa, 2022. 106 S., 12,90 Euro

Der Kölner Dom ist weit über Köln hinaus bekannt und bewundert. Als prächtiger gotischer Bau ist er das Sinnbild schlechthin für Köln. Aber in seinem Schatten verübte die katholische Kirche zahlreiche Verbrechen, verbündete sich mit den Mächtigen und verweigerte Hilfe für Verfolgte. In 18 Episoden blickt Fritz Bilz auf die Schattenseiten einer Kathedrale.

Buch 1. März 2023

Gegen den Strom

Die Linke und die Antikriegsbewegung in Russland
von Christoph Wälz

Spezialoperation und Frieden. Die russische Linke ­gegen den Krieg (Hrsg. Ewgeniy ­Kasakow). Münster: Unrast, 2022. 248 S., 16 Euro

Buch 1. März 2023

Nach Norden

Anuk Arudpragasam: Nach Norden. Aus dem Englischen von Hannes Meyer. Berlin: Hanser, 2022. 320 S., 25 Euro
von Gerhard Klas

Wie schon in seinem Debutroman Die Geschichte einer kurzen Ehe beschäftigt sich Anuk Arudpragasam auch in seinem neuen Buch wieder mit dem Krieg. Diesmal stehen die Nachwirkungen und Traumata des Bürgerkriegs im Norden Sri Lankas gegen die Unabhängigkeitsbewegung der Tamil Tigers von 1983 bis 2009 im Mittelpunkt.

Buch 1. Februar 2023

Expert:innen der eigenen Arbeitsbedingungen

Die Berliner Krankenhausbewegung hat ein Buch geschrieben
von Gisela Notz

Silvia Habekost u.a. (Hrsg.): Gebraucht und beklatscht – aber bestimmt nicht weiter so! Geschichte wird gemacht: Die Berliner Krankenhausbewegung. Hamburg: VSA, 2022. 108 S., 10 Euro.

Es ist ein außergewöhnliches Buch. Kein Wunder, dass es in der Reihe »Widerständig« bei VSA in Hamburg erschienen ist. Gebraucht und beklatscht – aber bestimmt nicht weiter so! – der Titel ist Programm.

Buch 1. Februar 2023

Proll mit Groll

Die Arbeiterbewegung gegen den Strich gebürstet
von Gaspar Bartholic

Slave Cubela: Wortergreifung, Worterstarrung, Wortverlust. Industrielle ­Leidarbeit und die Geschichte der modernen Arbeiterklassen. Münster: Westfälisches Dampfboot, 2023. 424 S., 48 Euro

Buch 1. Februar 2023

Trotzkismus 2.0

Buch Neuerscheinung
dokumentiert

Manuel Kellner: Trotzkismus 2.0. Neue ­Entwicklungen, neue ­Fragen. Stuttgart: Schmetterling, 2022. 142 S., 14,80 Euro

Buch 1. Februar 2023

Tragende Säulen der NS-Herrschaft

Wie führende deutsche Unternehmen durch die Nazis groß geworden sind
von Ulrich Franz

David de Jong: Braunes Erbe. Die dunkle Geschichte der reichsten deutschen Unternehmerdynastien. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2022. 496 S., 28 Euro

Buch 1. Februar 2023

›Linientreue Dissidenten‹

Kritische Marxist:innen in der DDR
von Peter Nowak

Sonia Combe: Loyal um jeden Preis. »Linientreue Dissidenten« im ­Sozialismus
Berlin: Ch.Links-Verlag, 2022. 268 S., 25 Euro

Buch 1. Februar 2023

Ökofaschismus

Klima und Rechte
von Heiko Koch

Sam Moore, Alex Robert: Außen grün, innen braun. Wie Rechtsextreme Klimakrise und Naturschutz für ihre Zwecke benutzen. München: Oekom, 2022. 208 S., 22 Euro

Buch 1. Januar 2023

Der Atlas der Weltwirtschaft

Versuch einer marktwirtschaftlichen Lösung des Klimaproblems
von Angela Klein

Heiner Flassbeck u.a.: Atlas der Weltwirtschaft 2022/23. Frankfurt/M.: Westend, 2022. 130 S., 19,95 Euro

Dieser Atlas ist kein Buch. Es ist ein Nachschlagewerk, eine Faktensammlung, angereichert mit zahllosen, sorgfältig aufbereiteten Grafiken und Tabellen, die zentralen Themen und Fragestellungen zugeordnet sind. Über die Fakten hinaus und angelehnt an sie werden im Text Interpretationen angeboten, die man nicht teilen muss. Sie bieten dennoch wertvolle Einsichten, weil sie unsere unübersichtliche Welt nach Kriterien ordnen, die offengelegt werden. So findet man in diesem Atlas Hilfestellungen, sich in ihr zurechtzufinden.

Buch 1. Januar 2023

Der Revolutionär und der Seelenarzt

Helmut Dahmer: Trotzki, die Psychoanalyse und die kannibalischen Regime. Münster: Westfälisches Dampfboot 2022. 277 S., 30 Euro
von Manuel Kellner

Der Autor des Klassikers Libido und Gesellschaft. Studien über Freud und die Freudsche Linke (die dritte erweiterte Auflage erschien 2013, urspr. 1982) ist dafür bekannt, die Werke von Marx und Freud als zwei verschiedene und doch verwandte Ansätze »kritischer Theorie« zu verstehen. Mit seinem neuen Buch führt er die Arbeit fort, beide Theorien miteinander zu konfrontieren und zu zeigen, wie sie sich wechselseitig befruchten können.

Buch 1. Januar 2023

Eine Dystopie

Ray Loriga: Kapitulation. Hamburg: CulturBooks, 2022. 200 S., 24 Euro
von Gerhard Klas

Eine zerstörte Umwelt und seit zehn Jahren Krieg. Nur eine gläserne Stadt ohne Geheimnisse scheint noch das Überleben zu ermöglichen. Eine beklemmende Dystopie aus der Feder eines der populärsten zeitgenössischen Schriftsteller in Spanien: Ray Loriga. Er arbeitet seit vielen Jahren als Drehbuchautor, u.a. mit dem Filmregisseur Pedro Almodóvar, hat den in Spanien hoch angesehenen Literaturpreis Alfaguara erhalten, vergleichbar etwa mit dem hiesigen Deutschen Buchpreis oder Georg-Büchner-Preis.

Buch 1. Januar 2023

Hitler und das Kapital

Ein vernachlässigtes Kapitel – brandaktuell
dokumentiert

Mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Papyrossa-Verlags veröffentlichen wir Auszüge aus dem Vorwort und dem Kapitel »Krisenauswege der wirtschaftlichen und politischen Eliten« von ­Ulrich Schneiders Buch 1933 – Der Weg ins Dritte Reich* (Zusammenstellung: Gerhard Klas).

Buch 1. Dezember 2022

Warum die deutsche Erinnerungspolitik gescheitert ist

Eine Kritik am offiziellen Gedenken an den Holocaust
von Hermann Dierkes

Arn Strohmeyer: Falsche Loyalitäten. Israel, der ­Holocaust und die deutsche Erinnerungspolitik. Wien: ProMedia, 2022. 180 S., 19,90 Euro

Die Unterdrückung der Palästinenser durch den israelischen Kolonialstaat und die buchstäblich blinde Ergebenheit der Bundesregierung, der EU und der »westlichen Welt« gegenüber der israelischen Regierung zählt mit zu den schlimmsten weltpolitischen Skandalen unserer Zeit.

Buch 1. Dezember 2022

Gejagt und verraten

Die KPD Südbayern in den 20er und 30er Jahren
von Peter Nowak

Max Brym: Skizzen – Arbeiterwiderstand in Südbayern. Berlin: Die Buch­macherei, 2022. 83 S., 6,50 Euro

Bayern ist als Ort der Reaktion schon in der Weimarer Republik bekannt. In München begann der Aufstieg der NSDAP. Nürnberg wurde zum Inbegriff der Reichsparteitage der NSDAP. Viel weniger ist über den linken Widerstand in Bayern bekannt.

Buch 1. Dezember 2022

Den Worten werden Taten folgen

Eine Sprache der Zuversicht ist Bedingung für positive Veränderungen
von Rolf Euler

Ulrich Grober: Die Sprache der Zuversicht. München: Oekom, 2022. 256 S., 24 Euro

Der Oekom-Verlag hat sich mit einer großen Zahl von Publikationen etabliert, die die Klimakrise und mögliche Auswege von allen Seiten beleuchten. Aus diesem Rahmen fällt das Buch von Ulrich Grober heraus.

Buch 1. Dezember 2022

Abdulrazak Gurnah: Nachleben

Aus dem Englischen von Eva Bonné. München: Penguin, 2022. 378 S., 26 Euro
von Gerhard Klas

Nachleben, der neue Roman des letztjährigen Literaturnobelpreisträgers, spielt wie schon sein vielbesprochener Roman Das verlorene Paradies erneut vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialherrschaft in Ostafrika. Auf subtile Weise beschreibt der Autor die traumatischen Auswirkungen auf seine Protagonisten und beleuchtet ein weitgehend vernachlässigtes Kapitel der deutschen Geschichte.

Zur Person 1. Dezember 2022

›Lies Marx!‹

Was es heißt, Marxist zu werden und zu bleiben
von Mike Davis*

Seine Bücher öffneten neue Horizonte. Mike Davis schrieb über die Geschichte der Vereinigten Staaten, die koloniale Politik des Hungers, die wachsende Gefahr durch Pandemien, Megastädte im Globalen Süden und, immer wieder, über die politische Ökonomie der Stadt. Als »marxistischer Umweltschützer«, wie er sich selbst bezeichnete, deckte er Zusammenhänge auf, die bis dahin weder in der bürgerlichen Öffentlichkeit noch in der linken Debatte beachtet worden waren.

Streiks sind wichtiger als Symbolik

Emma Dabiri über rassische Zuschreibung und was sie mit Kapitalismus zu tun hat
Nachdruck aus StadtRevue (Köln)

Emma Dabiri wurde in Dublin als Tochter einer irischen Mutter und eines nigerianischen Yoruba-Vaters geboren. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie in Atlanta, Georgia (USA); ihre Familie kehrte nach Dublin zurück, als Dabiri fünf Jahre alt war. Ihre Erfahrung, isoliert und als Zielscheibe von häufigem Rassismus aufzuwachsen, hat ihre Perspektive geprägt. Nach der Schule zog sie nach London, um Afrikastudien an der School of Oriental and African Studies zu betreiben. Sie hat für die BBC gearbeitet und schreibt unter anderem für den Guardian und die Irish Times.

Klima 1. November 2022

Gesellschaftliche Gegenmacht und Sabotage

Aktivist:innen der Klimagerechtigkeitsbewegung melden sich mit zwei Büchern zu Wort
von Gerhard Klas

Ende Gelände: We shut shit down. Hamburg: Edition Nautilus, 2022. 208 S., 16 Euro

Zucker im Tank (Hrsg.): Glitzer im Kohlestaub. Vom Kampf um Klimagerechtigkeit und Autonomie. Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2022. 416 S., 19,80 Euro

Buch 1. November 2022

Dem Vergessen entrissen: Betty Rosenfeld

Auf den Spuren einer jüdischen Kommunistin aus der Weimarer Zeit
von Peter Nowak

Michael Uhl: Betty Rosenfeld. Zwischen Davidstern und roter Fahne. Biographie. Stuttgart: Schmetterling, 2022. 672 S., 39,80 Euro

Den Anfang machte ein vergilbtes Aktenbündel, das der junge linke Student Michael Uhl 1994 in einem spanischen Bürgerkriegsarchiv auf der Suche nach Dokumenten über die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg fand.

Buch 1. November 2022

Natascha Strobl: Radikalisierter ­Konservatismus

Berlin: Suhrkamp, 2021. 192 S., 16 Euro
von Ravi T. Kühnel

Natasha Strobl, Politikwissenschaftlerin und Autorin der Taz, des Standard und bei Zeit online, zeigt in ihrem aktuellen Buch die wahre politische Gefahr auf, den »radikalisierten Konservatismus«.

Patriarchat 1. November 2022

›Ich habe kein Recht, einen künstlerischen Ansatz zu wählen‹

Die Schriftstellerin Annie Ernaux hat eine neue Sprache erfunden, um über
das Leben und die Wünsche von Frauen zu schreiben

von Jess Cotton

Im Oktober erhielt Annie Ernaux den Nobelpreis für Literatur für ihren Mut, das kollektive Gedächtnis Frankreichs zu hinterfragen. Ihr Werk befasst sich mit dem Leben von Frauen aus der Arbeiterklasse, das sie in ihren Büchern mit ungewöhnlicher Würde und mit Respekt behandelt.

Buch 1. Oktober 2022

Rechte Schockstrategie

Wie haben vier Jahre Bolsonaro Brasilien verändert?
von Jürgen Kreuzroither

Niklas Franzen: Brasilien über alles. Bolsonaro und die rechte Revolte. Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2022. 207 S., 18,95 Euro

Buch 1. Oktober 2022

Liberaler Antirassismus ist keine Lösung

Der Kapitalismus braucht die Spaltung der von ihm Beherrschten
von Christian Frings

Eleonora Roldán Mendívil, Bafta Sarbo (Hrsg.): Die Diversität der Ausbeutung. Zur Kritik des herrschenden ­Antirassismus. Berlin: Dietz, 2022. 196 S., 16 Euro

Buch 1. Oktober 2022

Aus dem Zwang zur Akkumulation aussteigen

Einführung in die Postwachstumsdebatte
von Peter Nowak

Matthias Schmelzer, Andrea Vetter: Degrowth/­Post­wachstum zur ­Einführung. Hamburg: Junius, 2021. 256 S.,15,90 Euro

Buch 1. Oktober 2022

Anna Piccardi: Kontrapunkt ’44

Aus dem Italienischen von Elfie Padovan. Bodenburg: Edition AV, 2023. 80 S., 14 Euro
von Angela Klein

August 1944: Unter dem Druck des Vormarschs der Alliierten zieht die Wehrmacht nach Norden ab, die Front erreicht Prato, nördlich von Florenz. Auf dem Gutshof in der kleinen Gemeinde Capalle kommt der Krieg in Form einer Beschlagnahmung an: Die großen Räume und die landwirtschaftlichen Möglichkeiten sind ideal für die Einrichtung eines Notlazaretts.

Zur Person 1. Oktober 2022

Flora Tristan (1803–1844)

Das tragische Leben einer frühen Sozialistin
von Gisela Notz

Flora Tristan gehörte zu den weniger bekannten und oft auch verkannten Gestalten des vormarxistischen Sozialismus. Sie vereinte in ihrem Denken verschiedene Einflüsse der utopischen Sozialisten, ging jedoch bei der Darstellung der Wechselbeziehung zwischen dem Kampf der Arbeiter und der Emanzipation der Frauen weiter als die ­Sozialisten ihrer Zeit. Bereits fünf Jahre vor Karl Marx und Friedrich Engels gelangte sie zu der Erkenntnis, dass die Befreiung der ­Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein wird.

Arbeitskämpfe 1. September 2022

Schöne agile Arbeitswelt?

Eine Kritik moderner Managementmethoden
von Peter Nowak

Hermann Bueren: Bewegt euch schneller. Zur Kritik moderner Managementmethoden. Bremen: Kellner, 2022. 320 S., 18,90 Euro

»Wo Arbeitern Respekt gezollt wird, ist von Ausbeutung nicht mehr die Rede, es ist die romantische Verklärung schnöder Profitvermehrung«, schreibt der Publizist Felix Klopotek. Es ist auch ein Kommentar über die agile Arbeitswelt, wie sie Hermann Bueren in seinem Buch analysiert.

Buch 1. September 2022

Trotzki über Antisemitismus und die ›jüdische Frage‹

Eine Dokumentensammlung von Mario Keßler
von Reiner Tosstorff

Leo Trotzki oder: Sozialismus ­gegen Antisemitismus. Hrsg. Mario Keßler. Berlin: Karl Dietz Verlag, 2022. 191 S., 12 Euro

Buch 1. September 2022

Queergestreift

Alles über LGBTIQA+
von Ravi T. Kühnel

Kathrin Köller, ­Irmela Schautz: Queergestreift. ­Alles über ­LGBTIQA+. München: Hanser, 2022. 283 S., 22 Euro

Mit Queergestreift. Alles über LGBTIQA+ haben Kathrin Köller und Irmela Schautz ein Buch geschrieben, dass das Zeug hat ein Standardwerk in Aufklärung über LGBTIQA+ zu werden.

Buch 1. September 2022

Eine Revolte der Natur

Was die Pandemie uns über den Wahn der Naturbeherrschung sagt
von Angela Klein

Wolfgang Hien: Eine Revolte der Natur. Gesellschaftskritik in ­Zeiten der Pandemie. Berlin: Die Buch­macher, 2022. 110 S., 8 Euro

Das Büchlein zählt nur 110 Seiten, doch die haben es in sich.

Buch 1. Juli 2022

Pandemie und Klimakrise

Eine kopernikanische Wende ist eingeleitet, meint der Wissenschaftssoziologe Bruno Latour
von Gerhard Klas

Nach der Pandemie gibt es kein Zurück mehr zum alten Leben, meint der französische Philosoph und Wissenschaftssoziologe Bruno Latour in seinem neuesten Buch, das er vor dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine geschrieben hat. Die Klimakrise wird die Menschheit zu einem neuen Naturverständnis zwingen, zu mehr «Erdverbundenheit», wie der postmoderne Theoretiker formuliert. Eine Zäsur, die er mit der kopernikanischen Wende vergleicht.

Arbeitskämpfe 1. Juli 2022

Die Enteignung der Zeit

34 Geschichten vom Leben mit der Arbeit
von Wolfgang Hien

Spuren der Arbeit. Geschichten von Jobs und Widerstand (Hrsg. Mark Richter u.a.) Berlin: Die Buchmacherei, 2021 257 S., 14 Euro

Dieses Buch ist ein Hammer – ein Hammer auf den Amboss versteinerter Sprachlosigkeit über himmelschreiende Arbeits- und Lebensverhältnisse der Arbeiter:innenklasse. Es ist kein Buch über die Vergangenheit, es ist ein Buch über die Jetztzeit.

Arbeitskämpfe 1. Juli 2022

Kampf gegen die Arbeit

Über die Arbeitsbedingungen im Versandhandel und in der Fleischindustrie
von Wolfgang Hien

Peter Birke: Grenzen aus Glas. Arbeit, Rassismus und Kämpfe der Migration in Deutschland. Wien: Mandelbaum, 2022. 398 S., 27 Euro

Dies ist ein beeindruckendes und zugleich schwieriges Buch.

Arbeitswelt 1. Juli 2022

Produktion und Aufstand

Ein Beitrag zur Klassentheorie
von Peter Nowak

Angry Workers: Class Power! Über Produktion und Aufstand. Münster: Unrast, 2022. 525 S., 24 Euro

«Im Jahr 2014 entschieden wir uns, in ein Arbeiterviertel West-Londons zu ziehen. Wir hatten das dringende Bedürfnis, aus der kosmopolitischen Blase auszubrechen und unsere Politik im Alltagsleben der Arbeiter:innenklasse zu verankern.» Mit diesem Bekenntnis leitet die Gruppe Angry Workers ihr kürzlich erschienenes Buch Class Power! Über Produktion und Aufstand ein.

Buch 1. Juli 2022

Zwei Familien

Jürgen Meier: Wöbkenbrot und ­Pinselstrich. Klipphausen/Miltitz: Mirabilis, 2021. 344 S., 24 Euro
von Ravi Kühnel

Zwei Familien, eine bewegte Zeitepoche. Jürgen Meier führt uns in seinem historischen Roman durch die späte Kaiserzeit, den Ersten und Zweiten Weltkrieg, die Weimarer Republik bis hinein in die Student:innenbewegung der Nachkriegszeit.

Buch 1. Juni 2022

Weniger ist mehr und ohne Wachstum sind wir glücklicher

Vorstellung des neuen Bestsellers von Jason Hickel
von Paul Michel

Jason Hickel ist Anthropologe. Er lehrt an der London School of Economics und ist einer der bekanntesten Protagonisten der Degrowth-Strömung (Postwachstumsströmung). Er schreibt regelmäßig für Zeitungen wie The Guardian über Themen wie globale Ungerechtigkeit, Postwachstum und ökologisches Wirtschaften. Eines seiner Bücher ist The Divide. A Brief Guide to Global Inequality and its Solutions (2017).

Afrika 1. Juni 2022

Fluchtursachen bekämpfen!

Warum Westafrika einmal reich war und jetzt bitterarm
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Olaf Bernau: Brennpunkt Westafrika. Die Fluchtursachen und was Europa tun sollte. München: C.H.Beck, 2022. 317 S., 18 Euro

Wir wissen, dass sich aus reiner Abenteuerlust kein Mensch aus Afrika auf die gefährliche Flucht nach Europa begibt. Aber was genau sind die Gründe?

Buch 1. Juni 2022

Arbeit und Leben

Rudolf Brunngraber – ein vergessener Schriftsteller
von Dieter Braeg

Rudolf Brunngraber: Karl und das zwanzigste Jahrhundert. Mit einem Dossier
von Kasimir Edschmid. Nördlingen: Franz Greno, 1988

Buch 1. Juni 2022

Wie wollen wir wohnen?

Gemeinschaftliches Wohnen und die Eigentumsfrage
von Gisela Notz

Gemeinschaftliches Wohnen und ­selbstorganisiertes Bauen. (Hrsg. Andrej Holm, Christoph Laimer) Wien: TU Wien AcademicPress, 2021. 257 S., 19,50 Euro

Buch 1. Mai 2022

Warengesellschaft und multiple Krisen

Wesentliche Achsen eines ökosozialistischen Sofortprogramms
von Jürgen Marggraf

Jakob Schäfer: Die Warengesellschaft und die Herausforderung der multiplen Krise. Wien: new academic press, 2022. 156 S., 17,50 Euro

Buch 1. Mai 2022

Rechtspopulismus und Islamismus

Heidegger, Jünger und andere geben ideologische Orientierung
von Gerhard Klas

Marc Thörner: Rechtspopulismus und Dschihad. Hamburg: Edition Nautilus, 2021. 184 S., 16 Euro

Marc Thörner ist Buchautor und berichtet seit mehr als zwanzig Jahren für die ARD-Anstalten aus dem Maghreb, den Golfstaaten, Syrien, Irak, Afghanistan und Pakistan. Er hat sich eine Expertise erarbeitet, die sich auch in seiner neuesten Veröffentlichung, Rechtspopulismus und Dschihad wiederfindet.

Buch 1. Mai 2022

Die irdische Hölle

Hans-Albert Wulf: Plädoyer für den Teufel. Ein Freispruch auf Erden. Norderstedt: Books on Demand, 2022. 188 S., 10 Eurovon Manuel Kellner

Luzifer hatte eine hohe Funktion im Himmel, leitet sogar den 9.

Buch 1. Mai 2022

Comics und correctness

Ralf König, einer, der sich nicht verbiegen lässt
Interview mit Ralf König

Du bist über viele Jahre hinweg mit deinem Schaffen gegen die Diskriminierung der Schwulen und Lesben aufgetreten. Man könnte meinen, es sei bis heute vieles besser geworden. In einem deiner früheren Comics lässt du einen CSU-Mann schimpfen, Homosexualität sei gegen Gott und Natur. Derselbe CSU-Typ würde heute einem Flüchtling seine Schwulenfeindlichkeit vorhalten.

Buch 1. April 2022

Eine prägnante Kritik des Imperialismus

Eine Neuausgabe von C.L.R. James’ Buch über die haitianische Revolution
von Elfriede Müller

C.L.R. James: Die schwarzen Jakobiner. Toussaint Louverture und die Haitianische Revolution. Mit einem Vorwort von Raoul Peck. Berlin: Dietz, 2021. 363 S., 20 Euro

Buch 1. April 2022

Eine deutsche Analyse

Die ‹Wiederkehr der Klassen› am Jenaer Institut
von Michael Heldt

Die Wiederkehr der Klassen. Theorien, Analysen, Kontroversen. (Hrsg. Jakob Graf u.a.) Frankfurt a.M., New York: Campus, 2021. 232 S., 30 Euro

Mit Die Wiederkehr der Klassen erschien im Februar 2021 der zweite Band aus dem «Projekt Klassenanalyse Jena».

Asien/Australien 1. April 2022

Das Los der Schmetterlinge

Nayantara Sahgal: Das Los der Schmetterlinge. Heidelberg: Draupadi, 2021. 114 S., 12 Euro
von Gerhard Klas

2015 gab die zeitlebens politisch engagierte Journalistin und Schriftstellerin ihren Sahitya-Akademie-Preis, die höchste literarische Auszeichnung in Indien, aus Protest gegen die hindu-nationalistische Regierung zurück. In ihrem neuen Roman werden Muslime in Lager getrieben, ihre Leichen über die Straße verstreut und Frauen von einem marodierenden Mob vergewaltigt.

Buch 1. April 2022

Radikale Kartografie

Das Unsichtbare sichtbar machen
von Nepthys Zwer und Philippe Rekacewicz

Eine Karte der Toten vor den Toren Europas, eine feministische Karte der New Yorker U-Bahn, eine Kartierung der Shoah, eine Visualisierung der Übernahme des öffentlichen Raums durch den Kapitalismus: Es gibt radikale Möglichkeiten, Kartografie zu produzieren – ein visuelles und informatives Mittel, um die Strukturen der Herrschaft sichtbar zu machen und so Werkzeuge für den Widerstand und den Schutz verletzbaren Lebens zu schaffen.

Buch 1. März 2022

Von Marx und seiner Anwendung

Linke Stimmen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung
von Thies Gleiss

Das Klima des Kapitals. Gesellschaftliche Naturverhältnisse und Ökonomiekritik (Hrsg. Valeria Bruschi, Moritz Zeiler). Berlin: Dietz, 2022. 311 S., 18 Euro

Buch 1. März 2022

Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich

Der Jurist und Journalist Ronen Steinke beschreibt die neue Klassenjustiz
von Michael Heldt

Ronen Steinke: Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich. Die neue Klassenjustiz
Berlin: Berlin Verlag, 2021. 227 S., 20 Euro

Buch 1. März 2022

Zusammen­kunft

Natasha Brown: Zusammenkunft. Berlin: Suhrkamp, 2022. 113 S., 20 Euro
von Ravi T. Kühnel

Natasha Brown ist studierte Mathematikerin, hat zehn Jahre im Londoner Finanzsektor gearbeitet und sich jetzt aufs Schreiben verlegt. In ihrem vielbeachteten Erstlingswerk beschreibt sie die Auswirkungen von drei verschiedenen Diskriminierungsformen: Rassismus, Sexismus, Klassismus.

Buch 1. März 2022

Im indischen Ghetto

Anees Salim: Fünfeinhalb Männer. Heidelberg: Draupadi, 2021. 234 S., 19,80 Euro
von Gerhard Klas

Gesellschaftliche Benachteiligung in einer Tragikomödie zu thematisieren kann funktionieren, wenn sie sich nicht auf Kosten der Benachteiligten lustig macht. Das ist Anees Salim, einem in Indien mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller, mit seinem Roman Fünfeinhalb Männer gelungen.

Buch 1. März 2022

Das ‹große Rätsel› und die Frage nach den Lösungen

Karl Heinz Roth über den Umgang mit der Corona-Pandemie
von Angela Klein

Der Mediziner und Historiker Karl Heinz Roth hat eine umfassende Studie über die Pandemie, ihre Bekämpfung und ihre Folgen vorgelegt.* Die Themen, die er untersucht, reichen vom Ursprung der Pandemie in China, ihre Ausbreitungswege und Besonderheiten bis zu ihren medizinischen, sozialen und ökonomischen Folgen. Dabei ist sein Ansatz von vornherein global.

Buch 1. Februar 2022

Flic – Bulle – Polizist

Ein Blick ins Innenleben des französischen Polizeialltags
von Albrecht Kieser

Valentin Gendrot: Bulle. Undercover in der Polizei von Paris. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2022. 320 S., 20 Euro

Arbeitswelt 1. Februar 2022

Notizen aus der Fischfabrik

Ein außergewöhnlicher Roman über die Arbeitswelt – ­und Kontrapunkt zur Einschaltquoten- und Bestsellerlistenkultur
von Dieter Braeg

Joseph Ponthus: Am laufenden Band. Aufzeichnungen aus der Fabrik. Berlin: Matthes & Seitz, 2021. 239 S., 22 Euro

Arbeitswelt 24. Dezember 2021

Lesetipp: Digital Organizing

Potenziale für gewerkschaft­liche Organisierung
von vb

Digitale Kommunikation ist inzwischen ein wichtiges Mittel sozialer Bewegungen und erweitert auch das Repertoire gewerkschaftlicher Ansätze. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat im Herbst die neue Broschüre Digital Organizing herausgebracht. Darin untersuchen Florian Butollo und Jobst Gaus, wie digitale Methoden effektiv in Arbeitskämpfen eingesetzt werden können.

Buch 24. Dezember 2021

Immerhin wird wieder über Planung gesprochen

Das neue Buch von Klaus Dörre versucht, Utopie konkret zu machen
von Paul Michel*

Klaus Dörre: Die Utopie des Sozialismus. Kompass für eine Nachhaltigkeitsrevolution. Hamburg: Matthes & Seitz, 2021. 345 S., 24 Euro

Arbeitskämpfe 23. Dezember 2021

Sein «zweiter Anlauf»

Lieder und Texte für den Arbeitskampf
von Gerhard Klas

Bernd Köhler: Halt-LOS. Der zweite Anlauf. Texte, Lieder und Geschichten 1990–2020. Llux Agentur und Verlag 2021. 272 S., 18 Euro + 2 Euro Versand,
Bestellung über bk@ewo2.de

Buch 1. Dezember 2021

Die falsche Klimastrategie der Vereinten Nationen

Mehr erneuerbare Energien… und mehr Emissionen
von Daniel Tanuro

Die versprochene «Klimaneutralität» bedeutet keinen «globalen ­Ausstieg» aus den fossilen Brennstoffen.

Allen hehren Versprechungen zum Trotz steigen die CO2-Emissionen ständig weiter. Die größten Umweltverschmutzer wetten einfach darauf, dass bis 2050, oder sogar 2060, Technologien bereitstehen werden, das emittierte Kohlen­dioxid wieder «einzufangen».

Buch 1. Dezember 2021

Die Gewalt der Siedler und der Fehler von Oslo

Hintergründe des Nahostkonflikts seit der Staatsgründung Israels
von Annette Groth*

Helga Baumgarten: Kein Frieden für Palästina. Der lange Krieg gegen Gaza. Besatzung und Widerstand. Wien: Promedia, 2021. 192 S., 19,90 Euro

Arbeitswelt 1. Dezember 2021

Anger, Hope – Action?

Ein Appell, sich der prekarisierten Bevölkerung zuzuwenden
von Violetta Bock

Slave Cubela: Anger, Hope – Action? Organizing und soziale Kämpfe im Zeitalter des Zorns. Berlin: Die Buch­macherei, 2021. 236 S., 14 Euro

Buch 1. Dezember 2021

Wohnkonzerne enteignen!

Philipp Metzger: Wohnkonzerne enteignen! Wie Deutsche Wohnen & Co. ein Grundbedürfnis zu ­Profit machen. Wien: Mandelbaum, 2021. 291 S., 17 Euro
von Peter Nowak

Die Kampagne «Deutsche Wohnen und Co. enteignen» hat über Berlin hinaus eine Diskussion darüber entfacht, dass Wohnraum keine Ware sein muss und eine Enteignung von Immobilienkonzernen im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung liegen könnte.

Buch 1. Dezember 2021

Dogan Akhanli (1957–2021)

Die Fremde und eine Reise im Herbst
dokumentiert

Der Schriftsteller Dogan Akhanli wurde in Savsat, einem Dorf in der türkischen Provinz Artvin geboren. Wie so viele linke Studierende musste er nach dem Militärputsch 1980 untertauchen, wurde 1985 festgenommen und zusammen mit seiner Frau in der Gegenwart seines 1,5 Jahre alten Sohnes gefoltert.

Buch 1. November 2021

Elfriede Jelinek

Zum 75.Geburtstag
von Dieter Braeg

«Ich breche euch alle in die knie
«eure schmutzigen mäuler werden
«aus den gesichtern schnattern»
ende. gedichte 1966–1968

Buch 1. November 2021

Unterwandert

Jörg Köpke: Unterwandert. Wie Rechte den Rechtsstaat okkupieren. Berlin: Das Neue Berlin, 2021. 187 S., 15 Euro
von re

Bei manchen Büchern geht einem beim Lesen «das Messer in der Tasche auf». In Unterwandert schildert der Journalist Jörg Köpke die fast unglaubliche Geschichte des Eindringens von Rechtsextremisten in Bundeswehr und Polizei, in Bürokratie und Geheimdienste.

Buch 1. September 2021

Covid-19 und die Angst vor dem Tod

Thomas Ebermanns Plädoyer für das uneingeschränkte Recht auf Leben
von Wolfgang Hien*

Thomas Ebermann: Störung im Betriebsablauf. Systemirrelevante Betrachtungen zur Pandemie. Hamburg: Konkret Literatur Verlag, 2021. 136 S., 19,50 Euro

Buch 1. September 2021

Was ist schlimm am Kapitalismus?

Jean Ziegler erklärt seiner Enkelin das kapitalistische System
von Volker Brauch

Jean Ziegler: Was ist so schlimm am Kapitalismus. Antworten auf die Fragen meiner Enkelin. München: C.Bertelsmann, 2019. 128 S., 15 Euro

Arbeitskämpfe 1. September 2021

Wolfgang Hien, Wolfgang Alles: Gesundheitsschutz muss erkämpft werden!

Mannheim: IG Metall Mannheim, 2021
von Angela Klein

Wolfgang Hien war Referent für Arbeitsschutz beim DGB; Wolfgang Alles war Betriebsratsvorsitzender bei Alstom in Mannheim schon zu Zeiten, als das Werk noch Brown Boveri (BBC) gehörte.

Buch 1. September 2021

Rosa Luxemburg – eine Zusammenschau ihrer Biografien

Die Zahl der Publikationen zu Rosa Luxemburg ist Legion, von den Klassikern nimmt sie hinter Karl Marx den zweiten Platz ein
von Paul B. Kleiser

Julia Killet: Fiktion und ­Wirklichkeit. Die Darstellung Rosa Luxemburgs in der biographischen und literarischen Prosa. Hamburg: Kulturmaschinen Verlag, 2020. 348 S., 21 Euro

Buch 1. September 2021

Anspruch auf Gegenmacht

In sozialen Netzwerken versuchen alternative Rechte, ein neues kollektives Bewusstsein zu schaffen
von Gerhard Klas

Simon Strick: Rechte Gefühle. Affekte und ­Strategien des digitalen ­Faschismus
Bielefeld: transcript, 2021. 480 S., 34 Euro

Das Buch könnte «angesichts vergangener und gegenwärtiger rechtsterroristischer Anschläge, aber auch alltäglicher rassistischer, sexistischer wie antisemitischer Gewalt, aktueller nicht sein».

Buch 1. September 2021

Waldemar Zeiler: Unfuck the Economy

München: Goldmann, 2020. 224 S., 15 Euro
von Rolf Euler

Mit Zorn und Eifer erklärt uns Waldemar Zeiler die kapitalistische Ökonomie und die zum Teil tödlichen Auswirkungen des Wirtschaftens und Konsumierens unserer Gesellschaften. Zusammen mit der Autorin Katharina Höftmann Ciobotaru ist das Buch ein «Ritt» durch alle Krisen unserer Zeit.

Buch 1. September 2021

Cyril Dion: Tomorrow. Die Welt ist voller Lösungen

Bielefeld: Kamphausen Media, 2017. 296 S., 19,95 Euro
von Rolf Euler

Mit den Veränderungen, die wegen des Klimas nötig sind, befassen sich immer mehr Sachbuchbestseller, von Hirschhausen über Frank Schätzing bis zu Maja Göpel. Einfach mal «die Welt retten», oder unsere Welt «neu denken» – das schafft einen sicheren Trend auf dem Buchmarkt. Ein Buch aus dem Jahr 2017 – es fußt auf dem gleichnamigen Film von 2015 – ist da schon fast in Vergessenheit geraten.

Arbeitskämpfe 1. Juli 2021

Riders United!

Robin De Greef: Riders United! Arbeitskämpfe bei Essenslieferdiensten in der Gig-Economy, das Beispiel Berlin. Berlin: Die Buchmacherei, 2020. 143 S., 10 Euro
von Peter Nowak

Immer mehr prägen Essenslieferdienste das Straßenbild großer Städte. Dabei wird oft vergessen, welche Arbeitsbedingungen in der Branche dominieren. Und immer wieder erinnern die Beschäftigten selber daran, dass Ausbeutung zum Geschäftsmodell gehört.

Arbeitswelt 1. Juli 2021

Lesetipp: Gemeinschaft leben

Gisela Notz: Genossenschaften. Geschichte, Aktualität und Renaissance. Stuttgart: Schmetterling, 2021. 266 S., 16,80 Euro
von Angela Klein

Weibliche Lohnabhängige fordern verstärkt Beteiligungsrechte und Gestaltungsmöglichkeiten, nicht nur über die Erwerbsarbeit, deren Bedingungen und Organisation, sondern auch über den Ertrag ihrer Arbeit und deren Sinnhaftigkeit und sie fordern Beteiligungsmöglichkeiten daran, wie sie zusammenleben und -wohnen, ihren Stadtteil, ihre Region und die Umwelt, also auch die kommunale und die «große» Politik gestalten.

Buch 1. Juli 2021

Das Opfer eines Komplotts

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange soll vernichtet werden – zu diesem ­Ergebnis kommt der UNO-Sonderberichterstatter Nils Melzer
von Albrecht Kieser

Nils Melzer: Der Fall Julian Assange. Geschichte einer Verfolgung. München: Piper, 2021. 336 S., 22 Euro

Buch 1. Juli 2021

Ohne Sand keine Häuser, keine Straßen

Der Bauboom in den Städten stößt bald an Grenzen – wenn nämlich der Sand für den Beton ausgeht
von Gerhard Klas

Vince Beiser: Sand. Wie uns eine wertvolle Ressour­ce durch die Finger rinnt. München: Oekom, 2021. 320 S., 26 Euro

Buch 1. Juli 2021

Paul B. Kleiser: Merkels Abgang. Von der Banken- zur Coronakrise

Köln, Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2021. 188 S., 19,80 Euro
von ak

Die kommenden Bundestagswahlen werden eine Zäsur darstellen – allein schon deshalb weil mit Merkels Abschied die Ära der Großen Koalitionen zu Ende gehen wird. Und weil die Grünen mehr denn je in die Regierungsveranwortung drängen, und zwar ausdrücklich in der Rolle als Modernisierer des Kapitals – ein Schritt, der in der Union durchaus umstritten ist.

Nur Online 23. Juni 2021

Die eine Welt der Schiffbauarbeiter*innen

Rezension zur Situation in Bremen und Gdansk
von Renate Hürtgen

Sarah Graber Majchrzak, Arbeit-Produktion-Protest. Die Leninwerft in Gdansk und die AG „Weser“ in Bremen im Vergleich (1968-1983), Köln 2921, 563 S., ISBN 978-3-412-51917-9

Buch 1. Juni 2021

Faschisten leugnen den Klimawandel – warum?

Der weiße Mann beherrscht die Welt, weil er ein schnelles Auto hat. ­Dem Technorassismus auf der Spur
von Andreas Malm

Zwei Tendenzen greifen derzeit ineinander: der Anstieg der Temperaturen und der Aufstieg der extremen Rechten. Was passiert, wenn beide aufeinander treffen? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen beiden?

Buch 1. Juni 2021

2° C

An den Rand notiert
von Rolf Euler

So knapp wie diese Überschrift ist einer der Lesens nötigsten Buchtitel, die in den letzten Tagen auf meinen Tisch kamen. Das Buch ist etwas mehr als fünf Jahre alt und erschien im Zusammenhang mit der Klimakonferenz in Paris.* Und doch soll dies keine Buchbesprechung, sondern ein Appell sein.

Buch 1. Juni 2021

Werner Seppmann (1950–2021)

Die Einsamkeit fundamentaler Kritik
von Christoph Jünke*

An dieser Stelle sollte ein Beitrag von Werner Seppmann stehen, in dem er die Grundzüge seiner Klassenanalyse darlegen wollte, wie sie zuletzt in der Broschüre Gibt es überhaupt noch eine Arbeiterklasse? dargelegt wurde. Dazu kam es nicht mehr, der Tod ging dazwischen. Das hat uns sehr erschüttert, es ist ein herber Verlust.
d.Red.

Buch 1. Juni 2021

Wer waren die Nationalsozialisten?

Ulrich Herbert beschreibt Aufstieg und den kurzfristigen Sieg der Nazis und wie sie sich nach dem Krieg «in Luft auflösten»
von Paul B. Kleiser

Ulrich Herbert: Wer waren die Nationalsozialisten? München: C.H.Beck, 2021. 303 S., 22 Euro

Buch 1. Juni 2021

Der Mensch – eine zerstörerische Kraft

Macht euch die Erde untertan? Das hat schlimme Folgen. Erle C. Ellis sucht im ­Gestein nach Markern für die neue Erdepoche – das Anthropozän
von Gerhard Klas

Erle C. Ellis: Anthropozän. Das Zeitalter des ­Menschen – eine ­Einführung. München: Oekom, 2020. 256 S., 18 Euro

Buch 1. Juni 2021

Buchtipps

Klasse und ­Klassenbewusstseinvon Angela Klein

Werner Seppmann: Gibt es überhaupt noch eine Arbeiterklasse? Sozialstrukturanalyse und politische Handlungs­perspektive. Bergkamen: pad-Verlag, 2021. 77 S., 6 Euro

In dieser Broschüre hat sich Werner Seppmann noch einmal mit der Frage auseinandergesetzt: Wie lässt sich die Arbeiterklasse objektiv bestimmen?

Buch 1. Mai 2021

Bekenntnisse einer Links-Konservativen

Das neue Buch von Sahra Wagenknecht ist eine Streitschrift
gegen die gesamte Linke

von Thies Gleiss

Sahra Wagenknecht: Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm für Gemeinsinn und ­Zusammenhalt. Frankfurt, New York: Campus, 2021. 345 S., 24,95 Euro

Buch 1. Mai 2021

Wider den strukturalen Marxismus

Louis Althussers Anweisung, wie Marx zu lesen sei, führt von Marx weg, denn das Element der Praxis verschwindet
von John Will*

Werner Seppmann: Das Elend der ­Philosophie. Über Louis Althusser. Kassel: Mangroven Verlag, 2020. 380 S., 27 Euro

Buch 1. Mai 2021

Einwanderungsgesellschaft wider Willen

Die Abneigung gegen Zugewanderte hat in Deutschland Wurzeln, die bis ins Kaiserreich zurückreichen – trotzdem nimmt deren Anteil ständig zu
von Paul B. Kleiser

Maria Alexopoulou: Deutschland und die Migration. Geschichte einer Einwanderungs­gesellschaft wider Willen. Ditzingen: Reclam, 2020. 280 S., 24 Euro

Buch 1. Mai 2021

BUCH: Max Brym: Roter Widerstand in der bayerischen Provinz

Jüchen: Romeon, 2021. 108 S., 11,95 Euro
von Nick Brauns

Bei ihrer ersten größeren Saalveranstaltung in der bayerischen Kleinstadt Burghausen im Gasthof Glöckelhofer holten sich die Nazis am 7.Juli 1932 eine blutige Nase.

Buch 1. Mai 2021

BUCH: Shida Bazyar: Drei ­Kameradinnen

Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2021. 250 S., 22 Euro
von Ravi T. Kühnel

«Ich bin nicht: das Mädchen, das ihr euch angucken könnt, um mitleidig zu erklären, ihr hättet euch mit den Migranten beschäftigt und es sei ja alles so dramatisch, aber auch so bewundernswert. Ich bin nicht: das Mädchen aus dem Ghetto.»
Am 15.April 2021 erschien bei Kiepenheuer & Witsch der neue Roman von Shida Bazyar.

Buch 1. Mai 2021

Imagining Progressive Futures

Nicholas Powers ermuntert uns, uns eine progressive Zukunft vorzustellen
Interview mit Nicholas Powers*

Nicholas Powers schreibt spekulative Fiktion. Er stellt sich vor, wie eine Gesellschaft aussehen könnte, die geprägt ist von progressiven politischen Maßnahmen – er bietet also eine Alternative zu konservativen, dystopischen Zukunftsvarianten.

Buch 1. April 2021

Buchtipp

Robert Wallace: Was Covid-19 mit der ökologischen Krise, dem Raubbau an der Natur und dem Agrobusiness zu tun hat. Mit einem Vorwort von Matthias Martin Becker. Köln: Papyrossa, 2021. 206 S., 20 Euro
von Gerhard Klas

Die Corona-Pandemie ist keine Naturkatastrophe. Wie andere Epidemien des 21.Jahrhunderts ist sie eine Folge des menschlichen Raubbaus an der Natur. Das ist die These, die Rob Wallace, US-amerikanischer Evolutionsbiologe und Epidemiologe, in seinem Buch aufstellt.

Buch 1. April 2021

Zwischen den Stühlen

Zum 100.Geburtstag von Erich Fried (1921–1988)
von Kurt Hofmann

Es ist schwer, sich Erich Fried als Hundertjährigen vorzustellen. Doch es ist ein Leichtes, die Lücke zu benennen, die Fried seit seinem Tod im Jahr 1988 hinterlassen hat: Da war einer, der zuschärfte, wo andere abschwächten, Zweifel anmeldete, wo andere Gewissheiten vermuteten.

Buch 1. März 2021

Was ist Klassismus?

Zwei Bücher zum Begriff werden heftig diskutiert
von Gisela Notz

Francis Seeck, Brigitte Theißl (Hrsg.): Solidarisch gegen Klassismus – organisieren, intervenieren, umverteilen. Münster: Unrast, 2020. 280 S., 16 Euro

Buch 1. März 2021

Buchtipp: Marc-Uwe Kling: Qualityland 2.0

Berlin: Ullstein, 2020. 432 S., 19 Euro (geb.)
dokumentiert

Der Schwerpunkt dieser SoZ-Ausgabe ist das Thema Militarisierung. Ein Artikel behandelt das Thema Kampfroboter und KI. Mark-Uwe Kling hat in seinem neuesten Buch Qualityland 2.0 dieses Thema ebenfalls aufgegriffen.

Buch 2. Februar 2021

Wir haben nachgefragt

Die LeserInnenumfrage der SoZ
von Nora Schmid

«SoZ für die Revolution – Revolution für die SoZ», unter diesem Motto haben wir im Herbst letzten Jahres unsere Kampagne für die Neuaufstellung der SoZ gestartet. Keine Revolution jedoch ohne unsere LeserInnen, AbonnentInnen und die vielen UnterstützerInnen.

Buch 1. Februar 2021

Facebook

Ein Instrument zur Zerstörung sozialer Strukturen?
von Rolf Euler

Seit einigen Jahren hat die SoZ ihren Facebook-Auftritt, im sozialen Netzwerk der Massen. Wir versuchen, neben dem Internetauftritt unsere Inhalte breiter zu verteilen als bloß über die gedruckte Zeitung. Um welchen Preis?

Buch 1. Februar 2021

Buchtipp: Recht gegen rechts – Report 2020

Hrsg. Nele Austermann u.a., Frankfurt/M.: S.Fischer, 2020
von Leni Klaaß

Ob Polen oder Ungarn – dort wo rechte Regierungen an der Macht sind, wird die Unabhängigkeit der Justiz eingeschränkt. Aber auch in Deutschland lässt der Aufschwung rechter Politik die Rechtsprechung nicht unberührt.

Buch 1. Februar 2021

Kein Ausweg, naturgemäß

Zum 90.Geburtstag des Schriftstellers Thomas Bernhard
von Kurt Hofmann

Anders als die von ihm so oft beschriebenen renitenten, letztlich sterbensunwilligen Greise ist Thomas Bernhard nur 58 Jahre alt geworden. Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern der jüngsten Vergangenheit.

Buch 5. Januar 2021

Ronald Friedmann (Hrsg.): Was wusste Thälmann? ­Unbekannte Dokumente zur ­Wittorf-Affäre

Berlin: Dietz, 2020. 144 S., 16 Euro
von Reiner Tosstorff

Am 27.September 1928 veröffentlichte das KPD-Zentralorgan Rote Fahne eine Pressemitteilung. Auf einer Sitzung des Zentralkomitees seien Unterschlagungen in der Hamburger Parteiorganisation durch einen lokalen Funktionär namens John Wittorf erörtert worden.

Buch 4. Januar 2021

Marie-Janine Calic: Tito. Der ewige Partisan


München: C.H.Beck, 2020. 442 S., 29,95 Euro
von Paul Michel*

Die Tito-Biographie von Marie-Janine Calic ist weit mehr als eine Schilderung des Lebens einer Person.
Calic beschreibt die Zeitumstände, mit denen sich Tito herumschlagen musste und die er im Lauf seines Lebens nachhaltig beeinflusste.

Buch 1. Dezember 2020

200 Jahre Engels

Engels neu entdecken
von Angela Klein / Hans Günter Mull

Elmar Altvater: Engels neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Einführung in die «Dialektik der Natur» und die Kritik von Akkumulation und Wachstum. Hamburg: VSA, 2015. 190 S., 12 Euro

Buch 1. Dezember 2020

Paradise Lost

Florian Hurtig: Paradise Lost. München: Oekom-Verlag, 2020. 432 S., 28 Euro
von Rolf Euler

Das verlorene Paradies oder die «Vertreibung» aus dem Paradies ist eine Erzählung aus der Bibel und anderen Überlieferungen. Phantasie und Glauben mischen sich, aber es gibt eine ganz reale historische Grundlage für diese Mythen und die deckt Florian Hurtig in seinem Buch Paradise Lost auf.

Asien/Australien 1. Dezember 2020

Au Loong-yu: Revolte in Hongkong. Die Protest­bewegung und die Zukunft Chinas.

Berlin: Bertz+Fischer, 2020. 320 S., 14 Euro
von Hermann Dierkes

Au Loong-yu, langjähriger Globalisierungskritiker und Aktivist für Arbeiterrechte aus Hongkong, legt mit seinem zweiten Buch* die bisher beste Analyse der Demokratiebewegung aus linker Sicht vor.

Buch 1. Dezember 2020

Tima Kurdi: Der Junge am Strand. Geschichte einer Familie auf der Flucht

Hamburg: Assoziation A, 2020. 256 S., 19,80 Euro
von Albrecht Kieser

Er ruht sich aus, dieser Junge am Strand. Zwei oder drei Jahre mag er alt sein, die blaue kurze Hose, die er trägt, und das rote T-Shirt prahlen mit ihren Farben. Den Kopf hat er weggedreht vom Betrachter. Er ruht sich aus, er ist erschöpft vom Sterben auf dem Meer. Der Tod hat ihn an Land gespült, nahe des türkischen Badeorts Bodrum. Er hat seine Flucht vor dem IS beendet.

Buch 1. Dezember 2020

QualityLand – eine Dystopie

Marc-Uwe Kling: Qualityland 2.0. Berlin: Ullstein, 2020. 432 Seiten, 19 Euro
von Ravi T. Kühnel

Friedrich Merz kniet ehrfürchtig vor den Statuen von Cowboy Ronald und der eisernen Lady Margaret. Auf einer Tafel daneben stehen die Zehn Gebote, eines davon lautet: «Du sollst keine Steuern zahlen». Leise murmelt er vor sich hin: «…und schütze den freien Markt, denn er wird es richten und alles in den richtigen Bahnen halten.»

Amerika 1. November 2020

Antônio Andrioli: Brasilien zwischen Hoffnung und ­Illusionen. Kritische Blicke auf ein Land in der (Öko-)Krise

München: Oekom, 2020. 280 S., 26 Euro
von Hermann Dierkes

Der brasilianische Agrarwissenschaftler Antônio Inácio Andrioli ist in Deutschland vor allem in der Umwelt- und alternativen Agrarbewegung bekannt. Seine in Osnabrück entstandene Dissertation über genmanipuliertes Soja wurde bereits 2007 als Buch veröffentlicht.*

Buch 1. November 2020

Ein linker Green New Deal ist keine angemessene Strategie

Fünf Gegenargumente
von Christian Zeller

Bernd Riexinger, Co-Vorsitzender der Partei DIE LINKE von 2012 bis 2020, legt einen programmatischen und strategischen Vorschlag für einen linken Green New Deal vor.*

Buch 1. Oktober 2020

Fundgrube bis heute

Friedrich Engels (28.11.1820–5.8.1895)
von Manuel Kellner

Friedrich Engels wurde bekannt als Mitstreiter von Karl Marx. Mit ihm zusammen entwickelte er eine bis auf den heutigen Tag gültige Kritik der kapitalistischen Klassengesellschaft und die kommunistische Perspektive der Selbstbefreiung des Proletariats als Hebel für eine umfassende menschliche Emanzipation.

Buch 1. September 2020

Das Vierte Reich

Buch von Gavriel D. Rosenfeld
von Paul B. Kleiser

Gavriel D. Rosenfeld: Das Vierte Reich. Der lange Schatten des Nationalsozialismus. Darmstadt: wbg, 2020. 448 S., 34 Euro

Immer wieder ist – vor allem im Zusammenhang mit Waffensammlungen – von «Reichsbürgern» die Rede, die den Staat BRD nicht anerkennen und mit selbstverfertigten Dokumenten «des Deutschen Reiches» hausieren gehen.

Buch 1. September 2020

Global Player Israel

Neues Buch von Arn Strohmeyer
von Hermann Dierkes

Arn Strohmeyer: Weltmacht Israel. Wie der nahöstliche Kleinstaat als globaler Player agiert. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2019. 242 S., 17,90 Euro

Arn Strohmeyer hat seine umfangreichen Publikationen zum Thema Israel/Palästina um ein sehr wichtiges Thema ergänzt. Sein neues Buch untersucht vor allem die Stellung Israels in der Welt und sein außenpolitisches Agieren. Dabei stützt er sich auf die zahlreichen Publikationen kritischer israelischer und jüdischer Wissenschaftler, Autoren und Aktivisten, die in Deutschland viel zu wenig publiziert werden.

Arbeitswelt 1. September 2020

Das «System Tönnies» – organisierte Kriminalität und moderne Sklaverei

Hrsg. Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg. Berlin: Die Buchmacherei, 2020. 126 S., 10 Euro
von Dieter Braeg

Schlachthoftod. Das ist nicht der Titel eines jener Kriminalromane, die mit Lokalkolorit, einen mit seltsamsten Krankheiten ausgestatteten Ermittler oder einen an einer Leberkässemmel oder einem Fischbrötchen erstickten Verbrecher in einer mit kitschigstem Lokalkolorit ausgestatteten Landschaft überführen. Im Jahre 1905 erschien in Amerika der Roman The Jungle von Upton Sinclair. Dieser Roman wurde ein Welterfolg, er schildet das Leben und die Arbeitswelt in den Schlachthöfen Chicagos.

Buch 14. August 2020

What would Picard do?

Thematisierung sozialer Aspekte bei Startrek und Co.
von Torsten Bewernitz

Die Science-Fiction-Fernseh­serie Startrek wurde 1966 erstmals im US-Fernsehen ausgestrahlt. Darin ging es um das Raumschiff Enterprise, «das unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen».

Buch 1. Juli 2020

Ernest Mandels Spätkapitalismus*

… und die lange Welle neoliberaler Akkumulation
von Ingo Schmidt

Das waren noch Zeiten. Sozialreform statt Klassenkampf. Friedliche Koexistenz statt Imperialismus. Nachholende Entwicklung statt kolonialer Ausplünderung.

Buch 1. Juli 2020

Klimarevolution

Was denn sonst
von Thies Gleiss

Christian Zeller: Revolution für das Klima. Warum wir eine ökosozialistische Alternative brauchen. München: Oekom, 2020. 242 S., 22 Euro

Amerika 1. Juni 2020

Die junge Generation muss radikalere Wege gehen

Die erste Ausgabe der deutschsprachigen Jacobin über den Niedergang der Sozialdemokratie
von John Will

Seit einigen Jahren ist ein ungebrochener Aufstieg einer sozialistischen Linken in den USA festzustellen. Im Windschatten von Bernie Sanders’ Kampagnen um die Präsidentschaftskandidatur 2016 und 2020 gewann nicht nur der Begriff «Sozialismus» vor allem unter den jüngeren Generationen vermehrt eine positive Bedeutung.

Buch 1. Juni 2020

1968

Jahre der Hoffnung
von Manuel Kellner

Jacqueline Heinen … und 110 andere: 1968… Jahre der Hoffnung. ­Rückblick auf die Revolutionäre Marxistische Liga/Sozialistische Arbeiterpartei. Zürich: Edition 8, 2019. 343 S., 23,20 Euro

Buch 1. Juni 2020

Grüner wird’s nicht

Kapitalismus geht vor Klimaschutz
von Gerhard Klas

Kathrin Hartmann: Grüner wird’s nicht. Warum wir mit der ökologischen Krise völlig falsch umgehen. München: Blessing, 2020. 174 Seiten, 14 Euro

Buch 1. Juni 2020

Jonathan Coe: Middle England

Roman. Wien, Bozen: Folio, 2020. 477 S., 25 Euro
von Paul B. Kleiser

Wer etwas über das soziale und geistige Klima in Großbritannien vor und nach dem Referendum über den Brexit erfahren möchte, dem sei der neue Roman von Jonathan Coe, Middle England, empfohlen. Er handelt von Entwicklungen in den Jahren zwischen 2010 und 2018 und schließt an seine Romane Erste Riten (2001) und Klassentreffen (2004) an.

Buch 1. Mai 2020

Grégoire Chamayou: Die unregierbare Gesellschaft. Eine Genealogie des autoritären ­Liberalismus

Berlin: Suhrkamp, 2019. 496 S., 32 Euro
von Paul B. Kleiser

Der französische Sozialwissenschaftler Grégoire Chamayou, der mit Ferngesteuerte Gewalt. Eine Theorie der Drohne bekannt geworden ist, versucht eine Antwort auf die Frage, wie und warum sich der Neoliberalismus seit den späten 1970er Jahren gegen den Keynesianismus (als «alternativlos», wie Merkel sagt) in Theorie und Praxis durchzusetzen vermochte.

Buch 1. Mai 2020

Ein Intellektueller in Buchenwald

David Rousset: Das KZ-Universum. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2020
von John Will

Die Zahl an literarischer Produktion im wissenschaftlichen Bereich über das System der deutschen Konzentrationslager ist kaum zu ermessen. Trotz oder gerade aufgrund des Aufstiegs der radikalen Rechten in Deutschland nimmt dieser Trend nicht ab.

Buch 1. Mai 2020

Die Linken in der DDR

Von der Schwierigkeit, die eigene Geschichte aufzuarbeiten
von Renate Hürtgen

Thomas Klein: Erinnerung an eine Revolution oder Geschichte einer Entfremdung. Mein Abschied von alten Freunden aus der DDR-Opposition. In: telegraph, Nr.135/136, 2019/2020

Buch 1. Mai 2020

Edward Snowden: Permanent Record: Meine Geschichte

Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2019. 432 S., 22 Euro
von Rolf Euler

Eigentlich müsste man für das Buch von Edward Snowden nicht mehr groß werben, es stand im letzten Jahr wochenlang auf der Sachbuchbestenliste. Aber die Geschichte dieses einzigartigen Falls von Whistleblowing, seine eigene Geschichte von ihm selber aufgeschrieben, gehört jenseits der Aktualität zu den Grundlagen demokratischer Aufklärung.

Bewegung 26. März 2020

Über die Rolle der Initiative für eine Vereinigte Linke im Herbst 1989

«Nicht das antikapitalistische Programm entscheidet, sondern die Praxis»
von Renate Hürtgen

Das Scheitern eines Ansatzes für einen Sozialismus, der diesen Namen verdient, im Herbst 1989 beschäftigt weiterhin die AkteurInnen von damals.

Buch 26. März 2020

Buchtipp

Gegen Wahrheitsfälschung und verfassungswidrige Zensur
von Hermann Dierkes

Arn Strohmeyer: Wider den Mainstream. ­Plädoyers gegen Israels Palästina-Politik und den Antisemitismus-Vorwurf als politische Waffe. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2019. 264 S., 16,90 Euro

Amerika 26. März 2020

Der Grundwiderspruch der USA

Allgemeine Menschenrechte und Sklaverei
von Paul B. Kleiser

In der von Thomas Jefferson (1743–1826) formulierten und am 4.Juli 1776 verkündeten Unabhängigkeitserklärung der 13 britischen Kolonien, die die USA bilden sollten, heißt es:

Buch 1. März 2020

Erstaunlich aktuell

Michael Löwy über Rosa Luxemburg
von John Will

Michael Löwy: Rosa Luxemburg. Der zündende Funke der Revolution. Hamburg: VSA, 2020. 14 S., 14,80 Euro

Buch 1. März 2020

Warum nach Halle vor Halle ist…

Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Erinnerungsstörungen
von Helmut Dahmer

Nachstehend veröffentlichen wir das Vorwort zu einer Aufsatzsammlung von Helmut Dahmer, die kürzlich unter dem Titel Antisemitismus, Xenophobie und pathisches Vergessen im Verlag Westfälisches Dampfboot erschienen ist (101 S.,10 Euro).

Buch 1. März 2020

Gerhard Hanloser: Die andere Querfront. Skizzen des antideutschen Betrugs

Münster: Unrast, 2019. 343 S., 18 Euro
von Peter Nowak

Über die antideutsche Strömung ist schon viel geschrieben worden. Bereits 2004 hat der Publizist Gerhard Hanloser mit dem von ihm herausgegebenen Sammelband Wir war’n die Antideutschesten der deutschen Linken eine in großen Teilen fundierte Kritik an der Entwicklung der antideutschen Strömung veröffentlicht.

Buch 1. März 2020

Andrea Röpke, Andreas Speit: Völkische Landnahme

Berlin: Ch. Links ­Verlag, 2019. 208 S., 18 Euro
von Rolf Euler

Andrea Röpke und Andreas Speit schreiben über «Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos» und die rechten bis neofaschistischen Bestrebungen, Land und Leute zu unterwandern, kulturelle Hegemonie im ländlichen Raum zu erringen.

Buch 1. Februar 2020

Max Brym: Mao in der bayerischen Provinz

Waiblingen: SWB, 2019. 300 S., 15 Euro
von Nick Brauns

Nicht nur in den westdeutschen Groß- und Universitätsstädten brodelte es in den 1970er Jahren unter der Jugend. Auch im tief katholischen Oberbayern wurde Mao Zedongs Schlachtruf «Rebellion ist gerechtfertigt» vernommen.

Buch 1. Februar 2020

Das Duell

Marcel Reich-Ranicki gegen Günter Grass
von Paul Kleiser

Volker Weidermann: Das Duell. Die Geschichte von ­Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019. 309 S., 22 Euro

Buch 1. Februar 2020

Engels neu erleben

Ein Roman über den Freund und Mitstreiter von Karl Marx
von Tim Kühnel

Tilman Röhrig: Und morgen eine neue Welt. München: Pendo, 2019. 512 S., 20 Euro

Buch 1. Februar 2020

Claude Cahun (1894–1954)

Zum Leben und Werk der französischen Fotografin und Schriftstellerin
von Kai Böhne

Zu Beginn der 1920er Jahre führte die französische Künstlerin Claude Cahun gemeinsam mit ihrer Stiefschwester und Lebensgefährtin Suzanne Malherbe ein exzentrisches Bohèmeleben in Paris.

Arbeitskämpfe 1. Januar 2020

«Dieser Betrieb wird bestreikt»

Eine wichtige Neuerscheinung zum legendären Metallerstreik von 1963
von wa

Einer der härtesten Arbeitskämpfe der westdeutschen Nachkriegsgeschichte ist selbst in der IG Metall weitgehend in Vergessenheit geraten. Das könnte sich jetzt ändern.

Buch 1. Januar 2020

Wirtschaftsnobelpreis 2019

An ihrer Armut sind die Armen schuld
von Gerhard Klas

Abhijit V. Banerjee, Esther Duflo: Poor Economics. Plädoyer für eine neues Verständnis von Armut. München: btb, 2012. 384 S., 14 Euro
Esther Duflo: Kampf gegen die Armut. Berlin: Suhrkamp, 2013. 182 S., 16 Euro

Buch 1. Januar 2020

Ivan Blatný 1919–1990

Zum 100.Geburtstag
von Kai Böhne

Am 21.Dezember jährte sich der 100.Geburtstag des lange Zeit vergessenen tschechischen Dichters Ivan Blatný.
In den letzten Jahren stieg das Interesse an seiner Person. 2015 wurde Martin Reiners Roman über das Leben Blatnýs mit dem «Magnesia Litera», dem wichtigsten tschechischen Literaturpreis, als Buch des Jahres ausgezeichnet.

Buch 1. Dezember 2019

Die Mythen der alten BRD

Büchertipps zur Deutschen Nachkriegsgeschichte
von Paul B. Kleiser

Zwei Neuerscheinungen beschäftigen sich mit einer Reihe von offiziellen Narrativen, wie sie von der Politik in der Nachkriegszeit erfunden wurden und bis heute, sogar von Linken, nachgebetet werden.

Buch 1. Dezember 2019

Buchtipp: Die letzten Byzantiner

Osmanisches Reich im Ersten Weltkrieg
von Paul B. Kleiser

Mirko Heinemann: Die letzten Byzantiner. Die Vertreibung der Griechen vom Schwarzen Meer. Eine Spurensuche. Berlin: Chr. Links, 2019. 263 S., 25 Euro

Buch 1. Dezember 2019

«So eine wie ich ist hier eigentlich nicht vorgesehen»

Der neue Roman von Karen Köhler ist eine Parabel
auf Politik, Unterdrückung und Emanzipation

von Petra Hartlieb

Karen Köhler: Miroloi. München: Hanser, 2019. 464 S., 24 Euro

«Eselshure», «Schlitzi», «Ausgeburt der Hölle». So wird sie von den Kindern gerufen, wenn sie durch das Dorf huscht. Das Dorf wird von allen das «Schöne Dorf» genannt und liegt auf einer einsamen Insel irgendwo im Meer.

Buch 1. November 2019

Helmut Dahmer: Freud, Trotzki und der Horkheimer Kreis

Münster?: Westfälisches Dampfboot, 2019. 525 S., 45 Euro
von Manuel Kellner

Sándor Ferenczi war der weltweit erste Professor für Psychoanalyse. Er wurde es 1919 in der ungarischen Räterepublik und gehörte zu denen, die neurotische Störungen als «soziale Leiden» verstehen. Genau in dieser Traditionslinie arbeitet der Soziologe Helmut Dahmer, der von 1968 bis 1992 verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Psyche war.

Amerika 1. November 2019

Nicaragua 1979–2019

Vom Triumph der Sandinisten zum demokratischen Aufstand
von Helmut Wendler

Matthias Schindler: Vom Triumph der Sandinisten zum demokratischen Aufstand – ­Nicaragua 1979–2019. Berlin?: Die Buchmacherei, 2019. 173 S., 10 Euro

Seit dem Sieg der Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) über die mehr als vierzig Jahre dauernde, von den USA gestützte Familiendiktatur des Somoza-Clans im Jahre 1979, war die Unterstützung der nicaraguanischen Revolution über viele Jahrzehnte für die Linke ein Schwerpunkt deutscher und internationaler Solidaritätsarbeit.

Buch 1. November 2019

Für einen antikapitalistischen Feminismus…

«…auf den Schultern von Marx und Engels»
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Cinzia Arruzza, Tithi Bhattacharya, Nancy Fraser: Feminismus für die 99%. Ein Manifest. Berlin: Matthes & Seitz, 2019. 108 S., 15 Euro

Feminismus für die 99 Prozent meint nicht das eine Prozent, das es in die Konzernetagen von namhaften Unternehmen geschafft hat, was vor allem in den Medien als großer Sieg der Frauen gefeiert wird. Den drei Autorinnen geht es um einen internationalen, antikapitalistischen Feminismus, der für die Rechte aller Frauen kämpft, die ausgebeutet, be­herrscht und unterdrückt werden in einem zunehmend räuberischen Kapitalismus, der sich weltweit in einer gesamtgesellschaftlichen Krise befindet.

Nur Online 18. Oktober 2019

Peter Handke

Literaturnobelpreisträger und Buhmann
von Dieter Braeg

Peter Handke, Literaturnobelpreisträger des Jahres 2019 längst ein Großmeister des bedachten Schweigens, machte zu Beginn seiner Laufbahn mit zwei spektakulären Auftritten auf sich aufmerksam.

Buch 1. Oktober 2019

«Herrschaft des Unrechts»

Wie juristische Begriffe zu politischen Kampfbegriffen werden
von Paul B. Kleiser

Stephan Detjen, Maximilian Steinbeis: Die Zauberlehrlinge. Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch. Stuttgart: Klett-Cotta, 2019. 263 S., 18 Euro

Buch 1. Oktober 2019

Aspekte des neuen ­Rechtsradikalismus

Mit der Kraft der Vernunft
von Manuel Kellner

Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen ­Rechtsradikalismus. Mit einem Nachwort von Volker Weiß. Berlin: Suhrkamp, 2019. 88 S., 10 Euro

Nur Online 18. August 2019

West-östlicher Divan: 200.Geburtstag

Warum wird das an deutschen Schulen nicht gelehrt?
von Manuel Kellner

Zu Goethes Zeit galt Mohammed als „Lügenprophet“. Voltaire zeichnete mit seiner Tragödie „Mahomet“ ein Zerrbild des Islam. Goethe selbst war künstlerischer Morgenlandfahrer und schuf den West-östlichen Divan (erschienen im August 1819) im Geiste des Dialogs zwischen christlich-westlicher bzw. „aufgeklärt“-westlicher und islamisch-östlicher Kultur. Die Mehrheit der eingewanderten Menschen in Deutschland kommt aus dem islamischen Kulturkreis. Es ist ein Skandal, dass dieses Werk von Goethe an deutschen Gymnasien nicht behandelt wird.

Buch 1. Juli 2019

Aron Amm: Moribund. Ein Amerika-Roman

Berlin: KLAK-Verlag, 2019. 379 S., 16,90 Euro
von Manuel Kellner

Die Aero-Company produziert Flugzeuge und gerät nach dem 11.September 2001 unaufhaltsam in den Strudel der Pleite. Gordon Stahl bleibt nichts zu erben. Zuletzt spekuliert er noch vergebens auf eine politische Karriere. Privat – in seiner Ehe mit Maureen – ist er ohnehin schon gescheitert. Letztlich bringt er sich um. Der amerikanische Traum umgekehrt.

Buch 1. Juli 2019

200 Jahre Theodor Fontane

«Ich habe mich heut der Reaction verkauft»
von Paul B. Kleiser

Im Unterschied zu den anderen Autoren des «poetischen Realismus», die im deutschsprachigen Raum die wichtigsten Novellen und Romane des 19.Jahrhunderts verfasst haben – etwa Theodor Storm, Wilhelm Raabe oder die beiden Schweizer Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer –, hatte Theodor Fontane immer ein großes Lesepublikum. Nach dem Ende der DDR hat der Einfluss dieses urpreußischen Autors wohl noch zugenommen. Besonders seine «Frauenromane», die eigentlich Gesellschaftsromane sind, Cécile, Stine, Frau Jenny Treibel und natürlich Effie Briest, erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Bewegung 1. Juni 2019

Volk der Linken

Ein Beitrag zur sozialistischen Strategiediskussion
von Manuel Kellner

Thomas E. Goes: Klassen im Kampf. Vorschläge für ­eine populare Linke. Köln: PapyRossa, 2019. 182 S., 14,90 Euro

In seinem neuen, lesenswerten Buch präzisiert Thomas Goes seine Vorstellungen zur strategischen Orientierung der sozialistischen und revolutionären Linken, die er zusammen mit Violetta Bock 2017 in Ein unanständiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte vorgestellt hatte.

Buch 1. Juni 2019

Frankreich: Text über und für die Gelbwesten

«Jede Person, die eine Gelbweste verunglimpft, beleidigt meinen Vater»
von Édouard Louis

Dieser im Dezember 2018 verfasste Text des französischen Schriftstellers Édouard Louis erschien mit dessen freundlicher Genehmigung in l’Anticapitaliste, der Monatszeitschrift der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) (Nr.103, Januar 2019). Ebenfalls im Januar ist das neueste Buch von Édouard Louis unter dem Titel Wer hat meinen Vater umgebracht auf Deutsch erschienen (S.Fischer, 80 S., 16 Euro).

Buch 1. Juni 2019

1968 im Sport. Eine historische ­Bilderreise

Hildesheim: Arete Verlag, 2018. 124 S., 18 Euro
von Kai Böhne

Das Jahr 1968 im Spitzensport
Walter Ulbricht und Erich Honecker lächelnd und händeschüttelnd mit breitkremprigen Sombreros auf dem Kopf – dieses seltsame Foto stammt aus dem Bildband 1968 im Sport. Die Hüte waren ein Mitbringsel des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees der DDR, gefeiert wurde das erfolgreiche Abschneiden der DDR-Sportler bei den Olympischen Spielen in Mexiko.

Buch 1. Juni 2019

Versailles – der überforderte Frieden

Eine Last, an der wir heute noch tragen
von Paul B. Kleiser

Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. München: C.H.Beck, 2018. 1531 S., 38 Euro

Die Konferenz von Paris und Versailles, die am 28.Juni 1919 mit einem umfangreichen Vertragswerk zu Ende ging, hat im 20.Jahrhundert weitreichende Auswirkungen gehabt.

Buch 1. Mai 2019

Munition für den Klassenfeind?

Die Rote Hilfe im Kreuzfeuer der Kritik
von Angela Klein

Am 7.Oktober dieses Jahres jährt sich zum 70.Mal die Gründung der DDR – 40 Jahre später war der 7.Oktober 1989 der Auftakt zu ihrem Zusammenbruch.
Nicht zu diesem Anlass, aber in diesem Kontext hat die Rote Hilfe ein Sonderheft herausgegeben, das sich mit der Unterdrückung der linken Opposition in der DDR beschäftigt. Das hat auf der Seite der unverbesserlichen Verteidiger der DDR einen Sturm der Entrüstung hervorgebracht – von der jungen Welt über die DKP, den Freidenkerverband, das Ostdeutsche Kuratorium der Verbände… Antworten darauf gab es u.a. von Teilen der ehemaligen Vereinigten Linken der DDR und der Zeitschrift telegraph.

Arbeitskämpfe 1. Mai 2019

Rolf Geffken: Umgang mit dem Arbeitsrecht. Handbuch für Beschäftigte

Neuauflage und Altauflage in einem. 400 S., 26,80 Euro
von Michael Sankari

40 Jahre Erfahrung mit dem Arbeitsrecht – Um es gleich vorweg zu nehmen: wir können nur hoffen, dass das Buch von Rolf Geffken zum Standard in jedem Betriebsratsbüro und in jedem Buchregal betriebspolitisch interessierter und Organizer und Aktivisten wird. Wo wir es ganz sicher nicht finden werden, ist in den Stuben professioneller Konfliktabwickler, in den Büros der Versicherungen und den Schreibtischen des DGB-Rechtsschutz im Gewerkschaftshaus (sofern die nicht schon zum Call-Center umstrukturiert wurde) – nötig wäre es dort umso mehr.

Buch 1. Mai 2019

Winfried Wolf: Mit dem Elektroauto in die Sackgasse. Warum E-Mobilität den Klimawandel beschleunigt

Wien: Promedia, 2019. 216 S., 17,90 Euro
von Rolf Euler

Über den Titel des Buches stolpert man erstmal: Ist nicht gerade die Vermeidung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen und damit des CO2-Ausstoßes ein dringendes Ziel und müsste das nicht im Verkehr durch den Einsatz von elektrischen Antrieben geschehen? Wieso dann Sackgasse?
Der Autor Winfried Wolf ist seit Jahrzehnten als Kritiker der Autokonzerne und als Verteidiger des öffentlichen Verkehrs bekannt. Seine Untersuchung zu den technischen, gesellschaftlichen und Umweltfolgen des Elektroautos sind überzeugend dargelegt: Tatsächlich handelt es sich um den Versuch der Autokonzerne, aus allen Krisen des motorisierten Individualverkehrs heraus eine neue Stufe der profitorientierten Autoproduktion zu erreichen.

Buch 1. Mai 2019

Eine lesenswerte Studie zur deutschen Revolution

Axel Weipert: Die Zweite Revolution. Rätebewegung in Berlin 1919/1920
von mke

Berlin, Brandenburg: be.bra, 2015. 476 S., 32 Euro

Im Gegensatz zu dem, was der Titel ausdrückt, beschränkt sich die Studie nicht auf Berlin. Berlin war zwar der politische Mittelpunkt des deutschen Reichs und das Epizentrum der Arbeiter- und Soldatenrätebewegung, der Autor geht aber immer wieder auf Ereignisse in anderen Teilen Deutschlands ein.

Arbeitswelt 1. April 2019

Die Arbeit des Körpers im Kapitalismus

Warum technischer Fortschritt schwere körperliche Arbeit nicht abschafft
von Johann-Friedrich Anders

Wolfgang Hien: Die Arbeit des Körpers. Eine ­kritische Arbeitsgeschichte von der Hochindustrialisierung in ­Deutschland und Österreich bis zur neoliberalen Gegenwart. Wien: Mandelbaum, 2018. 344 S., 25 Euro

Was passiert mit den Körpern und der Psyche der Arbeiterinnen und Arbeiter bei der Arbeit in der kapitalistisch verfassten Industrie und im Dienstleistungsgewerbe? Wie erleben sie den Arbeitsprozess?

Buch 1. April 2019

Die Zukunft ist Geschichte

Masha Gessen: Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und verlor. Berlin: Suhrkamp, 2019. 640 S., 26 Euro
von Paul B. Kleiser

Die besten Bücher über die untergegangene Sowjetunion und die postsowjetischen Erfahrungen stammen von Frauen. Das bekannteste Beispiel ist die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch und ihr Buch Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus. Oder aber die Bücher der erst 1967 geborenen Masha Gessen, deren neuestes Werk Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und verlor, gerade auf deutsch erschienen ist.

Buch 1. April 2019

Wider die Mainstream-Politik

Arn Strohmeyer: Wider den Mainstream. Plädoyers gegen Israels Palästina-Politik und den Antisemitismus-Vorwurf als politische Waffe. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2019. 261 S., 16,90 Euro
von Hermann Dierkes

Der Bremer Journalist Arn Strohmeyer analysiert und kommentiert seit vielen Jahren die politische Entwicklung im Nahen Osten und die völker- und menschenrechtswidrige Unterdrückung der Palästinenser. Dabei bildet das Verhältnis der deutschen Mainstream-Politik zu diesem Komplex den besonderen Schwerpunkt.

Buch 12. März 2019

Partisanen einer neuen Welt

Eine Geschichte der Linken in der Türkei

von Nihat Özer

Dies ist der Titel eines Buches, das im August 2018 im Verlag Die Buchmacherei erschienen ist. Es behandelt die Geschichte der Linken in der Türkei seit Ende des Osmanischen Reichs bis zur Gegenwart, die hierzulande weitgehend unbekannt ist.

Buch 1. März 2019

Die «geistig-moralische Wende»…

… und die herrschende Leere im Konservatismus
von Paul B. Kleiser

Thomas Biebricher: Geistig-moralische Wende. Die Erschöpfung des deutschen Konservatismus. Berlin: Matthes & Seitz, 2018. 320 S., 28 Euro

Der Politologe Thomas Biebricher hat ein kluges Buch geschrieben, in dem nicht nur die Entwicklung der CDU seit Helmut Kohl analysiert wird, sondern auch die politischen Diskurse behandelt werden, die im Gefolge von 1968 von konservativer Seite verbreitet wurden. Er zeigt den inzwischen eingetretenen, weitgehenden Substanzverlust dieser politischen Richtung auf. Im Grunde sei nur noch die «schwarze Null» übrig geblieben.

Buch 1. Februar 2019

Krimitipp: Andrew Brown: Teuflische Saat

Berlin: btb, 2018. 415 S., 10 Euro
von Udo Bonn

«Mach schon, Lahmarsch», mit dieser spöttischen Aufforderung wird Gabriel Cockburn von seiner Frau zum Weiterlaufen angetrieben. Nicht unbedingt nett, aber noch weniger nett ist ihre Ankündigung, ihn wegen eines anderen Manns verlassen zu wollen.

Buch 1. Januar 2019

Anti-Geschichtsbuch: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Novemberrevolution

Klaus Dallmer: Die Meuterei auf der «Deutschland» 1918/19 – Anpassung, Aufbäumen und Untergang der ersten deutschen Arbeiterbewegung. Berlin: Die Buchmacherei, 2018. 320 S., 12 Euro
von Peter Nowak

«Lasst euch nicht verdrießen. Denn wir wissen absolut! Noske, der wird schießen.»
Dieses Spottlied auf einen berüchtigten SPD-Politiker, der für die Massaker an rebellischen Arbeitern nach der Novemberrevolution verantwortlich war, stammt bereits von 1907. Damals schon stand Gustav Noske auf dem rechten Flügel der SPD und war als Reichstagsabgeordneter Experte für Kolonialpolitik und Militärfragen. In dieser Funktion forderte er im Reichstag, Arbeitsplätze auf deutschen Schiffen sollten nur Deutschen vorbehalten sein, und erklärte, im Falle eines Angriffs würde die SPD Deutschland verteidigen. Zur gleichen Zeit, 1907, war Karl Liebknecht unter Anklage des Hochverrats wegen Verfassens antimilitaristischen Schriften zu einer eineinhalbjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden.

Buch 1. Januar 2019

Antisemitismus und Israelsolidarität

Moshe Zuckermann: Der allgegenwärtige Antisemitismus oder Die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit. Frankfurt a.M.: Westend, 2018. 255 S., € 20
von Larissa Peiffer-Rüssmann

In Deutschland wird jede Kritik an der israelischen Politik umgehend mit dem Vorwurf des Antisemitismus geahndet. Trotzdem können wir angesichts des Unrechts, das den Palästinensern tagtäglich angetan wird, nicht schweigen und müssen uns gleichzeitig der deutsch-jüdischen Vergangenheit stellen. Moshe Zuckermann greift in seinem Buch die Widersprüche in diesem Konflikt auf und analysiert den Realitätsverlust gegenüber Israel. Er zeigt auf, wie das Gedenken an die Judenverfolgungen im Nationalsozialismus begrifflich instrumentalisiert und eine Auseinandersetzung mit der realen israelischen Politik verhindert wird.

Buch 1. Januar 2019

Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands

16.–20.Dezember 1918 ­Berlin – Stenografische Berichte. (Hrsg. Dieter Braeg, Ralf Hoffrogge.) Berlin: Die Buchmacherei, 2018. 618 S., 20 Euro
von Reiner Tosstorff

Protokoll des deutschen Rätekongresses

Mitte Dezember 1918, nur sechs Wochen nach dem Sturz des Kaiserreichs und der Proklamation der Republik, trat in Berlin im Abgeordnetenhaus, dem ehemaligen Scheinparlament der preußischen Monarchie, der Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte zusammen. Sein Ergebnis ist bekannt: Aufgrund der SPD-Mehrheit wurden Wahlen zur Nationalversammlung binnen vier Wochen zur Ablösung der Räteherrschaft beschlossen. Doch wäre es falsch, daraus einfach zu folgern, die Delegierten hätten nichts anderes als das direkte und unmittelbare Begräbnis der Revolution im Sinne gehabt.

Buch 1. Dezember 2018

Die Rätedemokratie: Auch 100 Jahre danach noch eine konkrete Utopie

Eine Biografie von Richard Müller
von Reiner Tosstorff

Ralf Hoffrogge: Richard Müller. Der Mann hinter der Novemberrevolution. Berlin: Dietz, 2018. 24,90 Euro

Ralf Hoffrogge zeichnet in seinem neuen Buch das Leben eines der zentralen Akteure der Rätebewegung, Richard Müller, nach.

Buch 1. Dezember 2018

Gauland und Konsorten

Literatur und Info zum Thema AfD
von Paul B. Kleiser

Olaf Sundermeyer: Gauland. Die Rache des alten ­Mannes. München: C.H.Beck, 2018. 176 S., € 14,95

Melanie Amann: Angst für Deutschland. Die Wahrheit über die AfD: wo sie herkommt, wer sie führt, wohin sie steuert. München: Droemer, 2018. 318 S., € 16,99

Alexander Gauland, der 40 Jahre Mitglied der CDU war und unter Ministerpräsident Wallmann, dem Nachfolger von Dregger aus der «Stahlhelmfraktion», in der hessischen Staatskanzlei gearbeitet hat, klammert die verschiedenen Strömungen (einschließlich der Rechtsextremen) in der AfD zusammen.

Buch 1. Dezember 2018

Marlon James: Eine kurze Geschichte von sieben Morden

Übers. Gudrun Argo u.a. München: Heyne, 2018. 864 S., 15 Euro
von Udo Bonn

Am 3. Dezember 1976 dringen sieben Männer in das schwerbewachte Haus von Bob Marley ein, um ihn zu töten. Nur von zwei Streifschüssen verletzt, hat er mehr Glück als seine Frau und sein Manager. Beide bezahlen das Attentat beinahe mit ihrem Leben.

Buch 1. Dezember 2018

Keine Frauenliteratur

Tipps für den Gabentisch und das geruhsame Schmökern im Lehnstuhl
von Petra Hartlieb

Auf der Leipziger Buchmesse gibt es seit mehreren Jahren eine Veranstaltung, die nennt sich «Ladies Night». Hier werden unter dem Überbegriff «Frauen» vier Lesungen in einen Abend gepackt, dessen Bücher nichts, aber wirklich nichts Gemeinsames haben, außer dass sie nicht von Männern geschrieben wurden.

Buch 1. November 2018

Klaus Gietinger: November 1918. Der verpasste Frühling des 20.Jahrhunderts

Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth. Hamburg: Nautilus, 2018. 270 S., 18 €
von Reiner Tosstorff

Ein neues Buch von Klaus Gietinger
Der 100.Jahrestag der Novemberrevolution führt seit geraumer Zeit zu einer Fülle von Veröffentlichungen, was der Bedeutung dieses Ereignisses durchaus angemessen ist.

Buch 1. November 2018

Fortgesetzte Geschichtsfälschung

Arn Strohmeyer antwortet auf die «Ausstellung zur Staatsgründung Israels»
von Hermann Dierkes

Arn Strohmeyer: Ein klassischer Fall von Geschichtsfälschung. Eine Gegendokumentation. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2018. 157 S., € 14,90

2008 jährte sich zum 60.Mal die Nakba, die Katastrophe mit Vertreibung, Massakern, Flucht, Zerstörung und Enteignung, mit der das palästinensische Volk die Staatsgründung Israels bezahlen musste – und bis heute bezahlt.

Buch 1. November 2018

Peter Zudeick: Heimat. Volk. Vaterland. Eine Kampfansage an rechts

Frankfurt a.M.: Westend, 2018. 187 S., € 18
von Paul B. Kleiser

Kampf um Worte und Begriffe

In Umbruchzeiten, wie wir sie im Gefolge der großen Krise von 2008 und der raschen Digitalisierung gerade erleben, werden bei vielen Menschen sicher geglaubte Gewissheiten und Lebensplanungen zerstört.

Buch 1. November 2018

Krimitipp: Jo Nesbø: Macbeth

Berlin: Penguin, 2018. 621 S., € 24
von Udo Bonn

Für Henning Mankell war Shakespeares Macbeth die beste Kriminalgeschichte aller Zeiten. Was liegt da näher, als im Rahmen des Hogarth-Shakespeare-Projekts einen Kriminalroman zu schreiben? Dem norwegischen Autor Jo Nesbø ist die Transformation der blutigen Tragödie aus dem schottischen Mittelalter ins 20.Jahrhundert gelungen.

Buch 1. Oktober 2018

Tim Engartner: Staat im Ausverkauf, Privatisierung in Deutschland

Frankfurt a.M.: Campus, 2016. 268 S., € 22,95
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Seit mehr als drei Jahrzehnten entledigt sich der Staat seiner Aufgaben durch eine immer schneller voranschreitende Privatisierung einst öffentlicher Dienstleistungen. Dazu gehören neben Post und Bahn, dem Energiesektor und der Flugsicherung auch eine wachsende Zahl von Bildungseinrichtungen.

Buch 1. Oktober 2018

Buchtipp: Raul Zelik: Spanien. Eine politische Geschichte der Gegenwart

Berlin: Bertz+Fischer, 2018. 240 S., € 14
von Peter Nowak

Es ist schon einige Jahre her, als Spanien an der Spitze einer EU-weiten Protestbewegung gegen die wesentlich von Deutschland ausgehende Austeritätspolitik stand. Massendemonstrationen und Platzbesetzungen in vielen spanischen Städten wurden zum Vorbild für Proteste in anderen europäischen Ländern.

Buch 1. September 2018

Roman Deiningen, Uwe Ritzer: Markus Söder. Politik und ­Provokation. Die Biographie

München: Droemer, 2018. 384 S., € 19,99
von Paul B. Kleiser

Der rabiate Politikverkäufer

Seit Mitte März 2018 ist Markus Söder als Nachfolger von Horst Seehofer, der das Amt zehn Jahre lang bekleidet hat, bayerischer Ministerpräsident. Alle Versuche seines Vorgängers und von dessen Entourage, den «Intriganten aus Nürnberg» am Aufstieg zu hindern, sind somit gescheitert. «Söder hat sich seiner Partei und dem Land regelrecht aufgezwungen», schreiben die Journalisten der Süddeutschen, Roman Deininger und Uwe Ritzer.

Buch 1. September 2018

Deutsch statt doitsch

Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Heimat
von Paul B. Kleiser

Thea Dorn: Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten. München: Knaus, 2018. 334 S., € 24

Der Begriff Heimat eignet sich nicht für polemische Vereinfachungen jedweder Art.

Buch 1. September 2018

Samir Amin (1931–2018)

Ein Nachruf
von Hannes Hofbauer*

Einer der einflussreichsten Intellektuellen des «globalen Südens» ist tot. Samir Armin verstarb am 12.August 2018 fast 87-jährig in Paris. Er war u.a. Autor des Promedia-Verlags, dessen auf französisch verfasster Text «Souveränität im Dienste der Völker» gerade ins Deutsche übersetzt wird und im Frühjahr 2019 erscheinen soll.

Buch 1. September 2018

Volker Matthies: Im Schatten der Entdecker

Berlin: Ch. Links Verlag, 2018. 248 S., € 28
von Rolf Euler

Was für ein Titelbild! Im strömenden Regen steigt ein Mann einen Berg hinauf, auf dem Rücken ein Sesseltraggestell mit einem anderen Mann darauf sitzend. Was für ein Buchthema! «Indigene Begleiter europäischer Forschungsreisender» ist der Untertitel einer spannenden, bewegenden Sammlung von Geschichten und Erkenntnissen über die Menschen, die den europäischen Welteroberern die «neue» Welt, in die sie aus Forschungs- und Eroberungsdrang kamen, überhaupt erst zugänglich machten. Sie standen bisher «im Schatten der Entdecker», aus dem sie der Autor Volker Matthies herausholt.

Buch 1. September 2018

Krimitipp: Dominique Manotti: Kesseltreiben

Berlin: Ariadne, 2018. 397 S., € 20
von Udo Bonn

Die Übernahme der Alstom-Energiesparte durch General Electric in den Jahren 2013–2015 ist der Hintergrund für Dominique Manottis neuesten Roman Kesseltreiben, der ein Lesevergnügen ersten Ranges darstellt. 

Buch 1. Juli 2018

«Die Klassengesellschaft ist sinnlich wahrnehmbar»

Vom Neoliberalismus zum «mittelmeerischen Denken. Ein Buch von Andrea Ypsilanti
von Paul B. Kleiser

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Sozialdemokratin, dazu noch eine Landtagsabgeordnete aus Hessen, ein lesenswertes und kritisches Buch vorlegt. Andrea Ypsilanti war von 2003 bis 2009 Fraktionsvorsitzende der hessischen SPD und wäre nach den Landtagswahlen 2008 in einer rot-grünen, von der LINKEN tolerierten Koalition als Nachfolgerin des CDU-Rechtsauslegers Roland Koch beinahe Ministerpräsidentin geworden, wenn nicht vier SPD-Abgeordnete wenige Stunden vor der Wahl ihr «Gewissen» entdeckt und erklärt hätten, nicht für sie stimmen zu wollen.

Buch 1. Juli 2018

Marc Elsberg: Zero. Sie wissen, was du tust

von Angela Klein

Science fiction hat für meinen Geschmack oft den Nachteil, dass sie negative technische und gesellschaftliche Entwicklungen in eine Zukunft projeziert, von der man weiß, dass es sie so nicht geben wird. Damit rücken uns solche Beschreibungen aber auch nicht so nah auf den Pelz, denn in der Mehrzahl der Fälle können wir sagen: «In solchen Verhältnissen leben wir nicht und sie sind auch nicht absehbar.»

Buch 1. Juli 2018

Revolution als Realpolitik

Eine Biografie des KPD-Führers Ernst Meyer
von Thies Gleiss

Wenn man, wie der Rezensent, ein ausgesprochenes Faible für die Geschichte der Arbeiterbewegung, dargestellt an Biografien einzelner Akteure, hat, und wenn der Titel der Biografie zusätzlich auf eine persönliche Empfehlung an den Autor zurückgeht, dann besteht die Gefahr, befangen zu sein. Mit dieser Vorbemerkung soll hier eine dicke Empfehlung für die gerade erschienene Biografie des Mitbegründers des Spartakusbundes und der KPD, engen Weggefährten von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und eines der Führer der KPD in deren wichtigster und lebendigster Phase, Ernst Meyer, ausgesprochen werden.

Buch 1. Juni 2018

Arn Strohmeyer: Die israelisch-jüdische Tragödie. Von Auschwitz zum Besatzungs- und Apartheidstaat Israel. Das Ende der Verklärung

Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2017. 277 S., € 19,80
von Hermann Dierkes

Unheilvolle «Vergangenheitsbewältigung»

Arn Strohmeyer publiziert seit Jahren sehr lesenswerte Artikel und Bücher zum deutsch-israelischen Verhältnis, zum Holocaust, zum Aufstieg des Zionismus und seiner Dominanz gegenüber völlig anderen, humanen Denktraditionen im Judentum, zum Antisemitismus und über die Unterdrückung der Palästinenser.

Buch 1. Juni 2018

Von der Nutzung der «Teufelsmaschine»

Werner Seppmanns «Kritik des Computers»
von Anja Lorenz

Werner Seppmann: Kritik des Computers. Der ­Kapitalismus und die ­Digitalisierung des Sozialen. Kassel: Mangroven Verlag, 2017. 300 S., € 16,80

Buch 1. Juni 2018

El Awadalla: good luck – good bye. vom kommen und überleben. ein tagebuch aus der willkommenskultur

Unter Mitarbeit von Dhia Ali. Klagenfurt: Sisyphus, 2018. 160 S., € 14,80
von Kurt Hofmann

Die sich einmischen

Ob es denn in Österreich verboten sei zu helfen, wird El Awadalla von irakischen Flüchtlingen gefragt, die sie betreut und mit denen sie sich angefreundet hat, und hört zur Illustration dieser erstaunlichen Frage von diesen eine Geschichte über einen Diebstahl am Hauptbahnhof.

Buch 1. Juni 2018

Krimitipp: Garry Disher: Leiser Tod

Übers. Peter Torber. Berlin: Unionsverlag, 2018. 352 S., € 22
von Udo Bonn

Wieder einmal muss an dieser Stelle ein Roman des australischen Autors Garry Disher vorgestellt werden. Egal, ob es sich um die Reihe um den Einbrecher Wyatt handelt oder um den Kriminalkommissar Hall Challis, bei jedem seiner Werke merkt man Dishers Sonderklasse als Schriftsteller an, und das nicht nur in der australischen Krimiliga. So auch in seinem Roman Leiser Tod.

Buch 1. Mai 2018

Digital: Smart und grün?

Informations- und Kommunikationstechnik verbraucht 10 Prozent der weltweiten Stromnachfrage
von Rolf Euler

Steffen Lange, Tilman Santarius: Smarte Grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit. München: Oekom, 2018. 268 S., 15 €

Der Oekom-Verlag bietet ein kritisches Buch zum rasanten Wachstum der IT-Industrie an, das sich mit dem Mythos dessen angeblich «grüner» Entwicklung auseinandersetzt. Was wird wirklich «gespart» bei Computern, Smartphones und Internet?

Buch 1. Mai 2018

Rudi Dutschke und die Achtundsechziger

«Der sozialistischen Bewegung das ­Unterscheidungsvermögen wiedergewinnen»
von Paul B. Kleiser

Es gibt wenige Namen und Gesichter, die mit der Bewegung von 1968 in Theorie und Praxis so eng verbunden sind wie die von Rudi Dutschke.

Aufgrund der Hetze der Springerpresse und anderer rechter Medien, die im Klima des Kalten Krieges besonders in Westberlin auf fruchtbaren Boden fiel, wurde er am Gründonnerstag 1968 Opfer eines Mordanschlags. Der Täter Josef Bachmann schoss Dutschke mit drei Kugeln nieder.

Buch 1. Mai 2018

Glenn Jäger: In den Sand gesetzt. Katar, die FIFA und die Fußball-WM 2022

Köln: PapyRossa, 2018. 311 S., € 16,90
von Anton Holberg

Der Titel dieses hervorragenden Buches führt etwas in die Irre. Der Fußball ist hier im wesentlichen glücklicherweise nur der Aufhänger für eine umfangreiche Studie einerseits über den alltäglichen Kapitalismus und die in seine DNA eingeprägte Kriminalität unter besonderer Beachtung der Korruption und andererseits über die mit beidem innigst verbundene politische Entwicklung des Nahen Ostens, insbesondere seit dem vermeintlichen Arabischen Frühling und hier dem «Bürgerkrieg» in Syrien, der von Anfang an – auch und keineswegs in letzter Instanz – Teil einer viel älteren imperialistischen Agenda war und ist.

Buch 1. Mai 2018

Eva Weissweiler: Lady Liberty. Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor

Hamburg: Hoffmann und Campe, 2018. 416 S., 26 €
von Manuel Kellner

Am 1.Mai des Jahres 1890 kommen 300000 Arbeiterinnen und Arbeiter in London zur Kundgebung. Eleanor Marx, mit familiärem Spitznamen Tussy, führt sie vom Themse-Ufer in den Hyde Park und spricht zu ihnen:

Buch 1. Mai 2018

Blaue Blume der Romantik und Utopie

Michael Löwy zum 80.Geburtstag
von Manuel Kellner

Bücher, Aufsätze und Artikel von Michael Löwy, der am 6.Mai 1938 in São Paulo in Brasilien geboren wurde, gibt es in einer Reihe von Sprachen. Der deutschsprachigen Leserschaft liegen einige seiner Schriften vor1, er hat auch immer wieder für die SoZ2 und die Presse der IV.?Internationale (so für Inprecor und International Viewpoint) geschrieben, deren führendes Mitglied er seit langem ist.

Buch 1. Mai 2018

Krimitipp: Wolfgang Schorlau: Der große Plan

Köln: Kiepenheuer& Witsch, 2018. 448 S., 14,99 Euro
von Udo Bonn

Anna Hartmann ist verschwunden. Kurz vor ihrem Karrieresprung in Richtung IWF, immer noch im Dienst der Troika, diesem erpresserischen Gremium, das für Kredite an Griechenland die fragile Sozialstruktur zerstören und staatliches Eigentum verhökern lässt, ist die junge Frau nicht mehr auffindbar. Die Videoaufnahmen der irischen Botschaft in Berlin sind nicht eindeutig. Hat sich Anna Hartmann aus ihrem Job und ihrem privaten Umfeld einfach zurückgezogen oder ist sie entführt worden?

Buch 1. April 2018

Krimitipp: Dave Zeltsman: Small crimes

Übersetz. Michael Grimm, Angelika Müller (Pulp master, 2017). 337 S., 14,80 Euro
von Udo Bonn

Der ehemalige Polizist Joe Denton war sieben Jahre inhaftiert, jetzt kommt er auf Bewährung frei. Sein Vorsatz: Er will alles besser machen. Aber seine Vergangenheit wirkt bis heute nach. Nur widerwillig wird er von seinen Eltern in ihr Haus gelassen, für seinen Vater ist er ein Soziopath, seine Mutter begegnet ihm mit Schweigen. Die Ehefrau ist mit den beiden Töchtern in eine andere Stadt gezogen. Fliehen musste sie vor Dentons Gewaltausbrüchen, seiner Drogen- und Wettsucht, die die Familie zugrunde richtete.

Buch 1. April 2018

Jochen Gester: Auf der Suche nach Rosas Erbe. Der deutsche Marxist Willy Huhn (1909–1970)

Berlin: Die Buchmacherei,  2017. 835 S., 22 Euro
von Rolf Euler

Auf der Suche nach Rosas Erbe, ist Jochen Gester auf die Spur des deutschen Sozialisten Willy Huhn gekommen. In einem umfassenden Buch plus CD mit Texten lässt der Autor einen Marxisten zu Wort kommen, der anscheinend sein Leben lang zwischen vielen Stühlen der kommunistischen, sozialistischen und rätedemokratischen Bewegungen zugebracht und sich oft heftig mit den Hauptströmungen der Arbeiterbewegung des 20 Jahrhunderts auseinandergesetzt hat.

Buch 1. April 2018

1968 – Was bleibt?

Die Aktualität von 68 misst sich schon allein am weiterhin tobenden Kampf um seine Deutungen
von Paul B. Kleiser

Seit wohl 40 Jahren gibt es zahlreiche Versuche einer «Historisierung», vielfach einer Entsorgung von 1968. Abgesehen von einigen Lobgesängen wird heute häufig der Versuch gemacht, eine «utopische Generation» für «Identitätsverlust», die Globalisierung und deren Folgen sozialer Spaltung für verantwortlich zu erklären. Schließlich seien Bill Gates oder Steve Jobs auch 68er gewesen.

Arbeitskämpfe 14. März 2018

Arbeitszeit kritisch betrachtet

Nicht alles, was Tarif und Gesetz ist, ist auch rechtens
von Rolf Euler

Arbeitszeit gestalten. Wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis. Hrsg. Regine Romahn. Marburg: Metropolis, 2017. 248 S.,19,80 Euro

Das Buch ist eine Sammlung von fast zwanzig Aufsätzen, die sich mit den Problemen der Arbeitszeitgestaltung und der Gesundheitsvorsorge unter den modernen Bedingungen der Globalisierung, Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeit befassen.

Arbeitswelt 14. März 2018

Wenn die Erfahrung der Klassenzugehörigkeit fehlt

Ein Beitrag zur Klassentheorie
von Angela Klein

Werner Seppmann: Kapital und Arbeit. Klassenanalysen I. Kassel: Mangroven-Verlag, 2017. 162 S., 17 Euro

Die Wahlerfolge der AfD, insbesondere ihre Einbrüche in gestandene sozialdemokratische Milieus wie auch der Erwerbslosen und Prekären, haben auf der Linken zu neuen Debatten darüber geführt, ob die alten Klassentheorien noch zur Fundierung gesellschaftsverändernder Strategien taugen und welche politischen Schlussfolgerungen unter Umständen aus einer aktuellen Klassenanalyse zu ziehen wären.

Buch 7. März 2018

Warum flog die Tomate?

Die 68er und die Neuen Frauenbewegungen
von Angela Klein

 

Gisela Notz: Warum flog die Tomate? Die autonomen Frauenbewegung der Siebzigerjahre. 2., komplett überarb. Aufl.

Buch 1. März 2018

Krimi: Mike Nicol: Korrupt

Übers. Mechthild Barth. München: btb, 2018. 509 S., 10 Euro
von Udo Bonn

Jacob Zuma muss gehen. Das Führungsgremium des ANC hat beschlossen, dass der korrupte Präsident Südafrikas zurückzutreten hat.

In Mike Nicols Thriller Korrupt ist der Präsident allerdings auf Lebenszeit gewählt, das verleiht ihm einen noch größeren Spielraum für seine Geschäfte, seine sexuellen Ausschweifungen, seine Intrigen.

Buch 1. März 2018

Der grüne Marx

Kohei Saitos Natur gegen Kapital rekonstruiert Marx’ ökologische Kritik des Kapitalismus
von hgm

Kohei Saito: Natur gegen Kapital. Marx’ Ökologie in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus. Frankfurt a.M., New York: Campus, 2016. 328 S., 39,95 Euro

Buch 18. Februar 2018

Bruno Kern: Es rettet uns kein höh’res Wesen? Zur Religionskritik von Karl Marx – ein solidarisches Streitgespräch

Ostfildern: Matthias Grünewald Verlag, 2017. 141 S., 19 Euro
von Manuel Kellner

Wer den Autor dieses Büchleins aus ökosozialistischen Zusammenhängen der politischen Bildungsarbeit kennt, weiß, wie wenig dieser linke Theologe dazu neigt, mit seinen religiösen Überzeugungen hausieren zu gehen. Desto willkommener ist nun sein vorliegendes Angebot zum «solidarischen Streit» mit seinen nichtgläubigen Kampfgefährten für eine menschenwürdige Welt.

Buch 1. Februar 2018

Krimitipp: Gudrun Lerchbaum: Lügenland

Bielefeld: Pendragon, 2016, 424 S., 17 Euro
von Udo Bonn

Als hätte Gudrun Lerchbaum geahnt, wie sich die politischen Verhältnisse in Österreich entwickeln werden, als hätte sie so einen Typen wie Kurz im Kanzleramt mit Rechtspopulisten als Koalitionspartner für möglich gehalten. Nur so kann eine Geschichte wie in ihrem Roman Lügenland nicht nur geschrieben, sondern auch für möglich gehalten werden.

Buch 1. Februar 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 1

Eine neue Biografie
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Buch 31. Januar 2018

Transformatives Organizing

Ein Handbuch, die Welt zu verändern
von Manuel Kellner

Eric Mann: Handbuch Transformatives Organizing. (Übers. Violetta Bock, Michael Heldt.) Köln: Neuer ISP Verlag, 2017. 236 S., € 19,80

Der Titel verrät es: Diese Schrift kommt aus dem angelsächsischen Raum, genauer aus den USA. Ihre Botschaft ist aber global. Der Autor hat eigens zum Erscheinen in deutscher Sprache ein Vorwort geschrieben, das sich an europäische und deutsche Aktive wendet. Darin setzt er sich leidenschaftlich für eine konsequent antirassistische Haltung sowie

Arbeitswelt 1. Januar 2018

Jan C. Zoellick: Postwachstum. Unser Leben nach dem Wachstumswahn.

isw-Report 110, September 2017. 28 S., € 2,50
von Angela Klein

Mit dem prophezeiten Ende des Verbrennungsmotors ist in der Öffentlichkeit auch ein Diskurs angekommen, der es wagt, das bisherige Mobilitätskonzept, das auf dem privaten Pkw basiert, in Frage zu stellen. Er greift Vorstellungen von einer Lebensweise auf, in deren Mittelpunkt nicht der maximale Produktionsausstoß steht, sondern die beste und ressourcenschonendste Dienstleistung.

Buch 1. Januar 2018

Krimi Tipp: Ahmet Ümit: Die Gärten von Istanbul

Übers. Sabine Adatepe. München: btb, 2017. 734 S., € 12
von Udo Bonn

Sie liegen da, ein Schnitt durch die Kehle, blutleer. Die Beine gespreizt, in den gefesselten Händen eine Münze. Sieben Tote an sieben Tagen. Fundorte sind die großen historischen Gebäude von Byzanz, Konstantinopel, Istanbul. Die Stadt mit den vielen Namen und der großen Geschichte. Die Münzen sind historisch mit den Prägungen von Byzas, Konstantin, Theodosius, Justinian, Sultan Mehmed II., Sultan Süleyman I. Was verbindet die  Toten und wer hat ein Interesse an ihrem Tod?

Buch 1. Januar 2018

Mein Buch des Jahres: Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben (Originaltitel: A Little Life)

Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Berlin: Hanser Berlin, 2017. 957 S., 28 Euro
von Petra Hartlieb*

Entwicklungsroman, Männergeschichte, aber…

Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe schon alles gelesen. Immerhin lese ich seit fünfundvierzig Jahren und seit ungefähr zwanzig Jahren professionell, zuerst als Literaturkritikerin, jetzt als Buchhändlerin. Das ist das Schöne an meinem Beruf – die Fülle an Themen, die unfassbare Auswahl, die ich zur Verfügung habe.

Buch 16. Dezember 2017

Harald Rein: Wenn arme Leute sich nicht mehr fügen…! Bemerkungen über den Zusammenhang von Alltag und Protest.

Wasserburg: AG SPAK, 2017. 184 S., 14,80 Euro
von Peter Nowak

Wenn von armen Leuten die Rede ist, schwingt schnell ein Klang von Bedauern und Mitleid mit. Doch wenn der Sozialwissenschaftler und Erwerbslosenaktivist Harald Rein seinem neuesten Buch den Titel Wenn arme Leute sich nicht mehr fügen gibt, knüpft er an eine Debatte über die Poor Peoples Movements an. Es sind soziale Bewegungen von Menschen, die weitgehend außerhalb der Lohnarbeitsprozesse stehen.

Buch 16. Dezember 2017

Gerth M. Neugebauer: Erde in Not

Wien: Promedia, 2017. 216 S., 19,90 Euro
von Rolf Euler

Alles achtet auf die Klimaentwicklung und die oft fruchtlosen Verhandlungen zur Begrenzung der Treibhausgase. Inzwischen findet jedoch «heimlich» eine weitere Katastrophe für den Planeten statt: die Vernichtung fruchtbaren Bodens durch die globalisierte und technisierte Produktionsweise.

Buch 16. Dezember 2017

Krimitipp: Lisa Sandlin: Ein Job für Delpha

Deutsch von Andrea Stumpf. Berlin: Suhrkamp, 2017. 351 S., 9,95 Euro
von Udo Bonn

Wie schön kann die Ruhe eines eigenen Zimmers sein, der Blick aus einem unvergitterten Fenster statt auf einen Gefängnishof. Und um wie viel schöner ist dann noch ein Angelausflug auf einem See und erst Recht die Autofahrt zum Meer mit einem attraktiven jungen Mann. Delpha Ward war 14 Jahre eingesperrt, weil sie in Notwehr einen Vergewaltiger umgebracht hat. So ist mit Frauen Ende der 50er Jahre in Texas umgegangen worden, und 1973 hat sich daran nicht viel geändert.

Buch 1. Dezember 2017

Regieren auf sozialdemokratisch

Was ein Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 2000 mit den Wahlniederlagen der SPD zu tun hat
von Reiner Tosstorff

Michael Naumann ist gewiss kein Name, den man aus der Politik unbedingt kennen muss. Als Kulturminister Schröders von 1998 bis 2001 und gescheiterter Oberbürgermeisterkandidat der Hamburger SPD 2008 hat er nicht sehr viele Spuren hinterlassen. Eher wurde er als Verleger (Rowohlt) und Journalist (Die Zeit, Cicero) wahrgenommen. Seine kurze Zeit davor in der Politikwissenschaft ergab eine Habilitationsschrift über den irischen Sozialisten James Connolly, von den Briten hingerichteter Mitanführer des Osteraufstands von 1916, die allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Buch 1. November 2017

Domenico Losurdo: Wenn die Linke fehlt… Gesellschaft des Spektakels, Krise, Krieg.

Köln: PapyRossa, 2017. 356 S., 19,90 €
von Anton Holberg

«Das Schild der Humanität ist die beste, sicherste Decke der niederträchtigsten öffentlichen Gaunerei.» Dieser Satz des Schriftstellers Johann Gottfried Seume (1763–1810) könnte zusammen mit «Doppelte Moral – möchte man hinzufügen – war schon immer etwas weniger als gar keine Moral» (Jörg Fauser im Nachwort zu Mickey Spillanes Roman Gangster) als Motto für das im Oktober auf Deutsch erschienene Buch des emeritierten italienischen marxistischen Philosophieprofessors Domenico Losurdo dienen. Losurdo wiederum zitiert in gleichem Sinn Nietzsche: «Und niemand lügt soviel als der Entrüstete.

Buch 1. November 2017

Rudolf Geist: Die Wiener Julirevolte. Bericht eines Augenzeugen (Hrsg. Dieter Braeg)

Berlin: Die Buchmacherei, 2017
von Angela Klein

Vor 90 Jahren, im Juli 1927, brannte in Wien der Justizpalast – nicht das Werk eines Provokateurs, auch nicht eines einsamen Kämpfers gegen eine heraufziehende Diktatur, sondern das Werk von Hunderten und Tausenden aufs höchste erregter Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich gegen Polizeiwillkür und Klassenjustiz auflehnten.

Buch 1. November 2017

Krimi: Simone Buchholz: Beton Rouge

Berlin: Suhrkamp, 2017. 227 S., 14,95 Euro
von Udo Bonn

Als Kandidat lädt man manchmal zum Pressegespräch, wo dann auch nach persönlichen Interessen gefragt wird. Und als Krimileser auch nach einem Tipp.

Ganz unschuldig und ohne Hintergedanken habe ich der sympathischen Vertreterin der dominierenden örtlichen Zeitung unter anderem Beton Rouge von Simone Buchholz empfohlen. Wenn sie den Roman gelesen hat, wird sie mir die Unschuld aber nicht abnehmen.

Buch 1. Oktober 2017

Bruno Latour: Kampf um Gaia. Acht Vorträge über das neue Klimaregime.

Berlin: Suhrkamp, 2017. 522 S., 32 €
von Gerhard Klas

Eher geht die Welt unter…

Gaia ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, die Göttin, die die Erde verkörpert. Ihr Problem: Sie ist von einer Krankheit befallen, die Menschheit heißt. So könnte man eine Grundthese von Bruno Latours Buch Kampf um Gaia skizzieren.

Buch 1. Oktober 2017

150 Jahre Das Kapital

Ein ungelöster Fall
von Ingo Schmidt

Das Kapital ist einer jener Krimis, bei denen die Leser schon früh wissen, wer der Bösewicht ist. Ob er gefasst wird, bleibt aber bis zum Ende offen. Bisher wurde er nicht gefasst. Deswegen ist seit Marx’ Tod eine Reihe weiterer Folgen geschrieben worden.

Die Geschichte beginnt in einer gespenstischen Welt. Sie wirkt friedlich und frei. Sie wird von Menschen bewohnt, die untereinander Waren tauschen.

Buch 1. September 2017

Marxistische Stalinismuskritik im 20. Jahrhundert. Eine Anthologie

(Hrsg. Christoph Jünke.) Köln, Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2017. 616 S., 29,80 €
von Manuel Kellner

Zwischen Revolution und Bürokratie

Die Sowjetunion und die Einparteienherrschaft der KPdSU gibt es nicht mehr, die DDR mit der «führenden» Staatspartei SED auch nicht, und die meisten poststalinistischen Kommunistischen Parteien sind kaum noch ein Schatten einstiger Größe. Die bürgerliche Ideologie beherrscht in den besonders kruden Formen des Neoliberalismus Universitäten und öffentliche Meinung. Was liegt da eigentlich an linker, dazu noch marxistischer Stalinismuskritik?

Buch 2. Juli 2017

Ulrich Brand, Markus Wissen: Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus.

München: Oekom, 2017. 224 S., 14,95 Euro
von Rolf Euler

Die Autoren greifen ein unter politisch Interessierten hinlänglich bekanntes, aber gesellschaftlich «gern» verdrängtes Thema auf, dessen Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Welt nicht unterschätzt werden kann: die Hegemonie des westlichen Kapitalismus nicht nur als ökonomische Tatsache, sondern auch als gesellschaftliche Belastung, insofern die schädlichen Folgen der Profitwirtschaft das tägliche Leben in immer größerem Umfang durchdringen.

Buch 2. Juli 2017

Rainer Balcerowiak: Die Heuchelei von der Reform. Wie die Politik Meinungen macht, desinformiert und falsche Hoffnungen weckt.

Berlin: Edition Berolina, 2017. 144 S., 9,99 Euro
von Peter Nowak

Streitschrift wider den Reformmythos

Nach der Präsidentenwahl in Frankreich wurde der wirtschaftsliberale Emmanuel Macron von deutschen Medien und Wirtschaftsverbänden aufgefordert, möglichst schnell mit den Reformen zu beginnen.

Buch 2. Juli 2017

«Mit permanenten Grüßen». Leben und Werk von Emmy und Roman Rosdolsky. Hrsg. Rosdolsky-Kreis

Wien: Mandelbaum-Verlag, 2017. 453 S., 15 Euro
von Hermann Dworczak

Roman Rosdolsky ist auch in linken Kreisen eher nur «Spezialisten» bekannt. Völlig zu Unrecht: Sowohl sein politisches Wirken und erst recht seine theoretische Arbeit sind mehr als bemerkenswert.

Roman wurde 1898 im damals österreichischen Lemberg in einer ukrainischen Familie geboren. Er politisierte sich bereits als Gymnasiast, wurde Sozialist bzw. Kommunist.

Bewegung 1. Juli 2017

Thomas E. Goes, Violetta Bock: Ein unanständiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte

Köln: PapyRossa, 2017. 136 S., 12,90 Euro
von Thies Gleiss

Er ist in aller Munde und jetzt gibt es ein Buch zum Thema: Der Populismus aus linker Sicht. Das Buch hat nicht gehalten, was es versprochen hat. Wenigstens das Rezensionsexemplar zerfiel nach einmaligem Blättern und Lesen in seine Bestandteile. Aber irgendwie passt das zum Thema.

Buch 1. Juni 2017

Buchtipp – Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung

Köln: DuMont, 2014. 208 S., 18 Euro
von Manuel Kellner

Petra Hartlieb hatte, wie’s scheint, in Hamburg ein Leben wie ein Hund ohne Flöhe. Eine schöne Wohnung in einem angenehmen Stadtviertel, einen lieben und gut verdienenden Mann, einen Halbtagsjob, der ihr viel Zeit lässt für anderes, ihren Sohn und die gemeinsame kleine Tochter, die eine Kita besucht, wie man sie sich alternativer und besser nicht wünschen kann. Doch eines Tages brechen sie und ihr Mann über Nacht alle Zelte ab und übersiedeln nach Wien, um eine kleine Buchhandlung zu übernehmen, die geschlossen worden war und zum Verkauf steht.

Buch 1. Mai 2017

Mario Vargas Llosa: Die Enthüllung

Berlin: Suhrkamp, 2016. 299 S., 24,70 Euro
von Ralf Leonhard*

Vargas Llosas Fantasien

Vargas Llosa nutzt seinen neuen Roman für zwei persönliche Abrechnungen: mit dem Regime von Alberto Fujimori (1990–2000) und mit der peruanischen Skandalpresse.

Gegen den bis dato kaum bekannten Agraringenieur Fujimori war der weltweit prominente Literat einst in der Stichwahl um die Präsidentschaft unterlegen.

Buch 1. Mai 2017

Marcel van der Linden: Workers of the World. Eine Globalgeschichte der Arbeit

Frankfurt a.M.: Campus, 2017. 503 S., 39,95 Euro
von Michael Sankari

Die Übersetzung des Buches macht die Veröffentlichung, die vielen Interessierten durch die englische Ausgabe bereits bekannt war, endlich auch einem breiteren, deutschsprachigen Publikum zugänglich. Eigentlich wendet es sich an Interessierte an einer eigenen Forschungsrichtung: der «Globalgeschichte der Arbeit». Aber wer wird sich schon Marxist nennen und dann behaupten, er oder sie hätte damit nichts zu tun?

Buch 1. April 2017

Sahra Wagenknecht – eine mögliche linke Populistin

Sahra Wagenknecht: Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten. Frankfurt am Main: Campus, 2016. 294 S., 19,95 Euro
von Thomas Goes

Lenin hat einmal geschrieben, Kommunismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung. In Anlehnung daran könnte man sagen: Ein fortschrittlicher linker Populismus, den wir in Deutschland dringend bräuchten, das wäre Sahra Wagenknecht plus konsequenter Antirassismus, ein klarer Bezug auf soziale Kämpfe und Internationalismus.

Afrika 1. April 2017

Tom Burgis: Der Fluch des Reichtums. Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas

Frankfurt am Main: Westend, 2016. 351 S., 24 Euro
von Paul B. Kleiser

Im vergangenen Jahr sind über 5000 Menschen beim Versuch ertrunken, aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Auf die Flüchtlingsbewegungen reagieren die Europäer mit immer brutaleren Methoden der Abschottung.

Buch 1. April 2017

Krimitipp: Jerôme Leroy: Der Block

Deutsch von Cornelia Wend. Hamburg: Nautilus, 2017. 320 S., 19,90 Euro
von Udo Bonn

Endlich ist es soweit. Frankreichs «Bloc Patriotique» steht kurz davon, mit Ministerämtern versorgt zu werden. Seit Wochen erlebt das Land Aufstände, die Zahl der Toten ist schon auf über 750 Menschen gestiegen, die Sender zeigen, wie von Stunde zu Stunde mehr sterben. Zwei Männer sitzen derweil in ihren Zimmern und warten. Antoine Maynard in seiner Pariser Luxuswohnung, es hätte auch etwas besseres sein können, und Stanko, sein alter Kumpel, in einem heruntergekommenen Hotelzimmer.

Bewegung 1. März 2017

Nach Goldschätzen graben, Regenwürmer finden. Die Linke und das Regieren.

(Hrsg. Thies Gleiss u.a.) Köln: PapyRossa, 2016. 256 S., 14,90 Euro
von Anke Agnelli

Mit Alexandre Millerand, der im Jahr 1899 in Frankreich in die Regierung Waldeck-Rousseau eintrat, fing die Kontroverse an. Für Rosa Luxemburg machte er sich damit als Sozialist zur Geisel einer bürgerlichen Regierung. Seitdem wird die Teilnahme von Linken an bürgerlich dominierten Regierungen als «Millerandismus» oder «Ministerialismus» kritisiert.

Buch 1. März 2017

Andreas Cassee: Globale Bewegungsfreiheit. Ein philosophisches Plädoyer für offene Grenzen.

Berlin: Suhrkamp, 2016. 282 S., 17 Euro
von Gerhard Klas

In Zeiten simpler Erklärungsversuche, wie der aktuellen sozialökonomischen Krise zu begegnen sei – nämlich mit Abschottung gegenüber Einwanderungswilligen –, ist es durchaus ratsam, den Horizont zu erweitern und den Blick auf philosophische Debatten zu werfen, die sich den Grundsatzfragen der heutigen Zeit zuwenden.

Buch 1. März 2017

Krimitipp: Jerome Charyn: Winterwarnung

Deutsch von Sabine Schulz. Zürich: Diaphanes, 2017. 328 S., 24 Euro
von Udo Bonn

Erst Polizist, dann Polizeichef und dann Bürgermeister von New York: Isaac «Citizen» Sidel ist aufgestiegen, hat die Bronx vom Zugriff der Baumafia befreit und das Bildungsprogramm Merlin für arme Jugendliche durchgesetzt.

Und jetzt? Jetzt sitzt er im «weißen Gefängnis» fest, er ist POTUS, President of the United States,

Buch 1. Februar 2017

Ulrich Grober: Der leise Atem der Zukunft. Vom Aufstieg nachhaltiger Werte in Zeiten der Krise

München: Oekom, 2016. 320 S., 19,95 Euro
von Rolf Euler

Werte und Zukunft sind Schlagworte geworden, hier ist ein Buch, das sie mit positiven Inhalten zu füllen vermag.

Ulrich Grober, bekannt durch Bücher über Nachhaltigkeit und Wandern, setzt seine Fußwanderungen fort zu Orten und Menschen, die Zukunft und Gelassenheit im Blick haben und die ersten Schritte in eine Richtung gehen,

Buch 1. Februar 2017

Bernhard Knierim: Ohne Auto leben. Handbuch für den Verkehrsalltag

Wien: Promedia, 2016. 176 S., 14,90 Euro
von Rolf Euler

Im Nachgang zum Thema der letzten SoZ – VW, die Autogesellschaft und die Verkehrswende – empfehle ich das Buch von Bernhard Knierim: Ohne Auto leben.

Buch 1. Februar 2017

Krimi: Joe Ide: IQ

Deutsch von Conny Lösch. Berlin: Suhrkamp, 2016. 388 S., 14,95 Euro
von Udo Bonn

Was machst du, wenn nachts ein Riesenhund in deine gesicherte Villa eindringt und dich töten will? Wenn du ihm so gerade entkommst, du aber sowieso im Grenzbereich lebst, ausgebrannt als Rapper, vollgepumpt mit legalen und illegalen Drogen, ständig unter Druck des Business, immer liefern zu müssen?

Arbeitswelt 1. Januar 2017

Mit der Bindung an die KP ist auch die Identität verloren gegangen

Didier Eribon über den Erfolg des Front National in der Arbeiterschaft
von Paul B. Kleiser

Didier Eribon: Rückkehr nach Reims. Berlin: Suhrkamp, 2015. 238 S., 18 Euro

Dieses Buch des französischen, an der Universität Amiens lehrenden Soziologen Didier Eribon wurde bereits 2009 veröffentlicht, ist aber erst im vergangenen Jahr auf deutsch erschienen. Es hat hierzulande, vor allem in linken Kreisen, eher mehr Aufmerksamkeit gefunden als in Frankreich.

Buch 1. Januar 2017

Olivier Besancenot, Michael Löwy: Revolutionäre Annäherung. Unsere roten und schwarzen Sterne.

Für die Solidarität zwischen Marxist*innen und Anarchist*innen. Berlin: Die Buchmacherei, 2016
von Manuel Kellner

Anarchismus und Marxismus scheinen für unüberbrückbar gegensätzliche Ansätze zu stehen. Bei näherer Betrachtung ist das aber nicht so klar. Die beiden Autoren dieses Büchleins plädieren für eine differenzierte Sicht. Ihre Absicht ist die Zusammenführung beider Richtungen für den gemeinsamen Kampf – für die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung, für den Sozialismus des 21.Jahrhunderts.

Buch 1. Januar 2017

Krimitipp: Andreas Pflüger: Endgültig

Berlin: Suhrkamp, 2016. 459 S., 19,95 Euro
von Udo Bonn

Nach fünf Jahren kommt Jenny Aaron zurück nach Berlin in ihre alte «Abteilung». Niko Kvist, ihr alter Liebhaber und enger Exkollege, hat sie abgeholt. Die alten Stimmen und drei neue, bekannte Umarmungen, angenehme Orientierungen. Gelöste Stimmung, der gute Pavlik wird fünfzig, aber fit. Sie ist wieder da in ihrer alten Einheit, aber nur auf einen Sprung. Sie gehörte dazu und war eine der Besten in dieser supergeheimen, international operierenden Polizeitruppe, von der niemand wissen darf.

Buch 13. Dezember 2016

Bücherkiste – Wer den Wind sät, und andere.

Leseempfehlungen
von Rolf Euler

Es gibt Bücher, die muss man lesen: zur Information, oder um neues Wissen zu erwerben. Und Bücher, die muss man auch lesen: um sich von den anderen zu erholen…

Meine diesjährigen Buchempfehlungen beginnen mit einem «Muss»-Buch der ersten Art:

Buch 13. Dezember 2016

Gisela Notz: Kritik des Familismus.

Stuttgart: Schmetterling, 2015. 228 S., 10 Euro
von Jan Schiffer

Unter Familismus versteht man in der Sozialwissenschaft die Position, die die klassische heterosexuelle, monogame Kleinfamilie zum Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft hochstilisiert und die Politik auf ihre Förderung ausrichtet.

Buch 13. Dezember 2016

Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel

Deutsch von Peter Torberg. München: Liebeskind, 2016. 432 S., 22 Euro
von Udo Bonn

Der US-amerikanische Schriftsteller Donald Ray Pollock am Tag der Wahl in Spiegel online: «Wir sind grundsätzlich eine gewalttätige Nation. Das gehört bei uns zur Geschichte. Aber in Chicago sind in diesem Jahr bereits so um die sechshundert Morde begangen worden. Das muss man sich mal vorstellen. Bei einem Terroranschlag, der dreißig Tote fordert, würde ein Riesenaufstand gemacht.

Buch 1. November 2016

Bernd Langer: Kunst und Kampf. Werke und Aktionen aus 30 Jahren

Münster: Unrast-Verlag, 2016. 256 S., 19,80 Euro
von Peter Nowak

In Zeiten von AfD-Aufstieg und Pegida fragen sich nicht wenige, warum man heute so wenig von der Autonomen Antifa hört, die noch vor zwei Jahrzehnten Schlagzeilen machte.

Buch 1. November 2016

Ausstellungsempfehlungen

Über Arbeit und Arbeitskämpfe
von der Redaktion

Zwei Industriemuseen in Westfalen und im Rheinland zeigen noch bis Ende des Jahres zwei bemerkenswerte Ausstellungen.

Buch 1. November 2016

Maren Rahmann, Dieter Braeg: Erich-Mühsam-Text-und-­Lieder-Revue

Berlin: Die Buchmacherei, 2016
von Angela Klein

Die Buchmacherei hat eine kleine, ansprechend gestaltete Broschüre mit Auszügen aus Schriften und Gedichten von Erich Mühsam herausgegeben. Maren Rahmann hat die Gedichte vertont – eine CD liegt der Broschüre bei. Dazwischen werden Text von Mühsam gelesen, die Auskunft geben über seinen Werdegang und die Gedichte sozusagen miteinander verbinden.

Buch 1. November 2016

Krimi: Simone Buchholz: Blaue Nacht

Berlin: Suhrkamp, 2016. 235 S., 14,99 Euro
von Udo Bonn

Ganz am Ende sitzen sie, der Faller, der Calabretta, der Schulle, der Brückner, Rocco, Karla, Klatsche und Riley im Stadion, um den FC St.Pauli mit seinem neuen sympathischen Trainer beim Kampf gegen den Abstieg zu unterstützen. Nicht nur die 11 auf dem Platz scheinen auf der Verliererseite zu spielen. Wenn man in Hamburg einem Gangster die Eier wegschießt, ist Schluss mit Karriere als ermittelnde Staatsanwältin.

Buch 1. Oktober 2016

Patrick Kingsley: Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise.

München: C.H.Beck, 2016. 332 S., 21,95 Euro
von Angela Huemer

Die neue Odyssee nennt Kingsley sein Buch, wissend, dass Migration mitnichten ein neues Phänomen ist. Nicht umsonst stellt der äußerst begabte und belesene junge Journalist und Autor ein Zitat aus Homers Odyssee (V.Gesang) voran, das ich hier wiedergeben will, da es trefflicher nicht sein könnte (Kingsley verweist im Buch übrigens auch auf Vergils Aeneis):

Buch 1. Oktober 2016

Die Krise der Gewerkschaften und Möglichkeiten ihrer Erneuerung

Thomas Goes: Aus der Krise zur Erneuerung? Gewerkschaften zwischen Sozialpartnerschaft und sozialer Bewegung. Köln: PapyRossa, 2016. 186 Seiten, 13,90 Euro
von Manuel Kellner

Das neue Buch von Thomas Goes ist der Aufmerksamkeit aller Gewerkschaftsaktiven, im weiteren Sinne aber auch der Diskussion in der Linken anzuempfehlen.

Buch 1. Oktober 2016

Krimitipp: Luther Blisset: Q und Wu Ming: Altai

Luther Blisset: Q. Deutsch von Ulrich Hartmann. Berlin: Assoziation A, 2016. 704 S., 19,80 Euro
Wu Ming: Altai. Deutsch von Klaus-Peter Arnold. Berlin: Assoziation A, 2016. 352 S., 24 Euro
von Udo Bonn

Die Sondertische zu 500 Jahre Reformation sind in den größeren Buchhandlungen schon gedeckt, was in der Regel dabei fehlt, ist der großartige Roman Q vom Kollektiv Luther Blisset. Vom Verlag Assoziation A wieder aufgelegt, erzählt er über einen Zeitraum von knapp 40 Jahren von der radikalen Interpretation Luthers, von der traumatischen Niederlage der Bauern gegen die vereinigten Fürsten in Frankenhausen,

Buch 1. September 2016

Klassenkämpfe in der UdSSR

Erstausgabe eines Klassikers
von Rolf Euler

Charles Bettelheim: Die Klassenkämpfe in der UdSSR. Bd.3 und 4 (Deutsche Erstausg.) Berlin: Die Buchmacherei, 2016. 666 S., 24 Euro (zzgl.Porto bei Direktbestellung: gester.jochen@berlin.de)

Buch 1. September 2016

Krimi: Max Annas: Die Mauer

Reinbek: Rowohlt, 2016. 221 S., 12 Euro
von Udo Bonn

Ein schrecklicher Tag. Happiness ist müde, zu wenig Schlaf, ihre Tochter hat die ganze Nacht geweint. Und jetzt sitzt sie vor den Monitoren und beobachtet, ob in den sechs Gated Communities einer größeren Stadt in Südafrika alles in Ordnung ist. Die Anweisungen sind nicht eindeutig. Nicht alles soll sie melden, aber wann ist es angebracht, den Sicherheitsdienst vor Ort, die Zentrale oder sogar die Polizei zu informieren?

Buch 1. Juli 2016

Vor 500 Jahren erschien Thomas Morus’ Roman Utopia

Erster sozialistischer Zukunftsentwurf der Neuzeit
von Gerald Munier*

Vor 500 Jahren erschien mit dem Roman Utopia des englischen Staatsmanns und katholischen Klerikers Thomas Morus (englisch Thomas More, 1478–1535) der erste Sozialismusentwurf der Neuzeit und wohl auch überhaupt der erste der Menschheitsgeschichte.

Buch 1. Juli 2016

Rainer Roth: «Sklaverei als Menschenrecht»

Über die bürgerlichen Revolutionen in England, den USA und Frankreich. Frankfurt a.M.: DVS, 2015. 612 S., 15 Euro
von Angela Klein

«Warum heute ein Buch über Sklaverei in England, den USA und Frankreich, den drei Zentren der bürgerlichen Revolution? Haben nicht England (1838), Frankreich (1848) und die USA (1865) ihre Sklaverei und ihren Sklavenhandel (1807–1808) schon vor langer Zeit abgeschafft, weil sie den Werten der universalen Menschenrechte gefolgt sind? Gehört das Thema also nicht der Vergangenheit an? Sollten sich wirklich die bedeutendsten Sklavenhalternationen der sogenannten Moderne mit einem Federstrich aus Vertretern der Barbarei in Vertreter der Humanität verwandelt haben? So hätte man es gern.»

Buch 1. Juli 2016

Krimi: Ross Thomas: Porkchoppers

Deutsch von Alexander Wewerka. Berlin: Alexander, 2016. 309 S., 14,90 Euro
von Udo Bonn

Rumble in the jungle war nicht nur das Motto des legendären Boxkampfs zwischen George Foreman und Muhammad Ali 1974 in Kinshasa. Es ist auch das heimliche Motto eines jeden (Vor-)Wahlkampfs um das Präsidentenamt in den USA. Ein Höchstmaß an Personifizierung, Ausspionierung und Verunglimpfungen des Gegners, Eintreiben von Geldern – auch aus dunklen Quellen, kurze, inhaltslose Reden und hirntötende Musik.

Nur Online 16. Juni 2016

Faulheit als Sünde und Verbrechen

Arbeitswut, Arbeitszwang, Arbeitszeitverkürzung*

von Manuel Kellner

Das hier besprochene Buch dient der politischen Bildung in emanzipatorischer Absicht in herausragender Weise. Die Diskussion über eine ökosozialistische Alternative zur kapitalistischen Klassengesellschaft kann nur daran gewinnen, diese Darstellung und Kritik der christlich-abendländischen Tradition des geharnischten Kampfs gegen die „Faulheit“ und deren Zuspitzung im Zuge der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise aufzugreifen und den Vorschlag einer radikalen Verkürzung der – direkt oder indirekt – erzwungenen Arbeitszeit in ihre Vorstellungen zu integrieren.

Buch 1. Juni 2016

Fritz Güde: Umwälzungen. Schriften zu Politik und Kultur

Hrsg. von Sebastian Friedrich. Münster: Edition Assemblage, 2015. 220 S., 20 Euro
von Peter Nowak

Fritz Güde gehörte zu den politisch Verfolgten in der BRD der 70er Jahre. Wegen seiner kurzen Mitgliedschaft im maoistischen KBW bekam er 1974 Berufsverbot. Er war einer von Tausenden, doch sein Fall bekam ein großes Medienecho. Schließlich war er Sohn des Generalbundesanwalts Max Güde. Zudem war Güde zum Zeitpunkt seines Berufsverbots bereits 39 Jahre.

Buch 1. Juni 2016

Nikos Chilas, Winfried Wolf: Die griechische Tragödie

Rebellion, Kapitulation, Ausverkauf. Wien: Promedia, 2016. 228 S., 17,90 Euro
von Hermann Dworczak

Um Griechenland ist es in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden. Die Hoffnungen nach dem Wahlsieg von SYRIZA sind weitgehend verflogen – in Griechenland und international. Nikos Chilas und Winfried Wolf zeigen in ihrem materialreichen Buch, wie es dazu gekommen ist.

Buch 1. Juni 2016

Solidarität statt Chaos! – Memorandum 2016

Hrsg. Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik. Köln: Papyrossa, 2016. 263 S., 17,90 Euro
von Rolf Euler

Das neue Memorandum der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (AAW, www.alternative-wirtschaftspolitik.de) stellt wie jedes Jahr aktuelle Forderungen an die politische Szene – diesmal insbesondere zur EU und der Flüchtlingsmigration. Dabei freut man sich einerseits, jedes Jahr wieder mit alternativen Gedanken zum neoliberalen Mainstream konfrontiert zu werden, andererseits bemerkt man die Zahl der (fast) nutzlosen Appelle und hofft, dass nicht alles, was die AAWler schreiben, im Papierkorb der Geschichte landet.

Buch 1. Juni 2016

Krimi: Malla Nunn: Tal des Schweigens

Hamburg: Argument, 2015. 317 S., 13 Euro
von Udo Bonn

Südafrika 1953, Detective Sergeant Emmanuel Cooper sitzt nach acht Jahren immer noch der Krieg in Europa in den Knochen und in der Seele. Seine Polizeikarriere ist auf dem absteigenden Ast, zu wenig passt er in die Farbskala des Apartheidregimes. Er hat gerade mit der Frau geschlafen, die sein Chef demnächst heiraten will, da ruft dieser ihn an:

Buch 1. Mai 2016

Kampf um die Armut. Von echten Nöten und neoliberalen Mythen.

(Hrsg. Ulrich Schneider u.a.). Frankfurt a.M.: Westend, 2015
von Rolf Euler

Die regelmäßigen Armutsberichte des Paritätischen Wohlfahrtsverbands sind ebenso regelmäßig Stein des Anstoßes für die Mainstreampresse und die herrschende Wirtschaftswissenschaft: Sie legen die Finger in die Wunde der Gesellschaft, sie zeigen die Einkommens- und Gerechtigkeitslücke, deren Beseitigung humane und sogar verfassungsmäßige Aufgabe wäre.

Buch 1. Mai 2016

Miguel de Cervantes und seine Zeit

Vor 400 Jahren starb der Schöpfer des Don Quijote
von Alan Woods*

Miguel de Cervantes (1547–1616) ist der berühmteste Autor der spanischen Literatur. Als Romanschriftsteller, Dramatiker und Lyriker produzierte er ein umfangreiches Werk, doch heute ist er in erster Linie als Schöpfer des Don Quijote bekannt.

Buch 1. Mai 2016

Krimi: Paul Colize: Back up

Deutsch von Cornelia Wend. Hamburg: Edition Nautilus 2015. 352 S., 19,90 Euro
von Udo Bonn

Seit Dominique in der Brüsseler Derscheid-Klinik seine Arbeit als Physiotherapeut begonnen hat, gibt es hier was zu lachen, selbst die Ärzte können sich seinem «Wie ist das Leben schön» auf Dauer nicht entziehen. Doch besonders die Patienten genießen sein fachliches Können und seinen aufmunternden Humor. Nur beim Patienten X Midi stößt er auf Granit.

Buch 1. Mai 2016

Zum 400.Todestag von Miguel de Cervantes

Don Quijote de la Mancha: Das Buch, das die Moderne eröffnet
von Antonio Prete*

Don Quijote ist die Sehnsucht, die die Welt und ihre Hindernisse durchstreift. Sehnsucht, die mit jeder Verweigerung, jeder Enttäuschung stärker wird. Don Quijote ist auch die beharrliche, penible, ja zwanghafte Imitation eines Modells: des Rittertums, wie es von Amadis von Gallien** gelebt wurde.

Buch 1. April 2016

Krimi: Deon Meyer: Cobra

Deutsch von Stefanie Schäfer. Berlin: Aufbau, 2016. 438 S., 9,99 Euro
von Udo Bonn

Was könnte der Traum eines geübten Taschendiebs in Kapstadt sein? Für Tyrone Kleinbooi besteht er darin, einmal durch Europa reisen zu können und seine Fingerfertigkeiten an Touristen in Barcelona auszuprobieren. Sein Onkel Solly hatte ihn unter seine Fittiche genommen und ihm beim Erlernen des Handwerks auch Ehre und Anstand beigebracht: Die Taschen der Reichen sind sein Ziel, Höflichkeit und Anstand gelten den Armen und insbesondere seiner Schwester, deren Studium er durch seine Diebereien finanziert.

Buch 1. April 2016

Ein Brief von Umberto Eco an seinen Enkel

«Lieber Enkel, lerne auswendig»
von espresso.repubblica.it*

Der Semiotiker und Schriftsteller schreibt seinem Enkel. Mit Überlegungen zur Technologie und einem Rat für die Zukunft: nämlich die «Vispa Teresa» [ein Gedicht von Luigi Sailer]**, die Aufstellung der Fußballmannschaft vom AS Rom oder die Namen der Domestiken der drei Musketiere auswendig zu lernen. Denn das Internet kann weder das Wissen noch unser Gehirn ersetzen.

Buch 2. März 2016

Genosse der Bosse – Gerhard Schröder im Porträt

Gregor Schöllgen: Gerhard Schröder. Die Biographie. München: DVA, 2015. 1038 S., 34,99 Euro
von Paul B. Kleiser

Vor ein paar Monaten konnte Merkel den zehnten Jahrestag ihres Einzugs ins Kanzleramt feiern. Sie schien auf dem Weg zur «ewigen Kanzlerin», als sie die Grenzen für Flüchtlinge öffnen ließ; seither machen plötzlich Schlagzeilen über ihren baldigen Sturz die Runde. Verglichen mit den brutalen Pressekampagnen, die ihr Vorgänger Schröder und seine häufig wackelige rot-grüne Mehrheit zu überstehen hatten, handelt es sich bei den jetzigen Rücktrittsforderungen aber eher um einen Sturm im Wasserglas.

Buch 2. März 2016

NGO statt Internationale

Axel Honneth: Die Idee des Sozialismus. Versuch einer Aktualisierung. Berlin: Suhrkamp, 2015. 168 S., 22,95 Euro
von Gerhard Klas

Der Sozialismus war eines der wichtigen politischen Leitbilder des 20.Jahrhunderts und inspirierte unzählige Menschen zum Handeln. Auch wenn in Ländern wie Venezuela Linksregierungen einen Sozialismus des 21.Jahrhunderts verkünden, in Europa scheint die Idee vom Sozialismus viel von ihrer Popularität eingebüßt zu haben. Axel Honneth überdenkt diese Idee in seinem gleichnamigen Buch und will ihr so wieder Leben einhauchen.

Buch 2. März 2016

Ronan de Calan: Das Gespenst des Karl Marx

Illustriert von Donatien Mary. Berlin: Diaphanes, 2014. 63 S., 14,95 Euro
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AjuM) hat Ende September 2015 in Erfurt den Heinricht-Wolgast-Preis an den französischen Philosophieprofessor Ronan de Calan und den Illustrator Donatien Mary für ihr Kinderbuch Das Gespenst des Karl Marx verliehen. Das ist eine erstaunliche Entscheidung. Es ist aber auch ein ungewöhnliches Kinderbuch, das Kindern und Jugendlichen die Ideen von Karl Marx in verständlicher und unterhaltsamer Form näher bringen will, mit einer außergewöhnlichen grafischen Gestaltung.

Buch 2. März 2016

Tito Topin: Exodus aus Libyen

Deutsch von Katarina Grän. Heilbronn: Distel, 2015. 233 S., 14,80 Euro
von Udo Bonn

Sie wollen raus aus Tripolis. Acht Menschen sind auf der Flucht an die Grenze zu Tunesien. Wardia Tisantani, eine schwangere Krankenschwester, Salima-El-Najib, Schauspielerin und sechs Männer, der Kampfpilot Henri Ventura, Emanuel Scharif, Auslandskorrespondent, Kenneth Hitchcock, Arzt, Ousmane Elmalik, aus dem Tschad geflohen, Jean-David Mouillon, Archäologe.

Arbeitswelt 1. Februar 2016

Rolf Geffken: Streikrecht – Tarifeinheit – Gewerkschaften

Aktuelle Analysen zur Koalitionsfreiheit in Deutschland. Cadenberge: VAR, 2015
von Michael Sankari

Ein Buch mit diesem Titel, noch dazu von einem streitbaren Anwalt, der sich wie wenige seiner Kolleginnen und Kollegen aus der politischen Deckung wagt, sollte eigentlich längst rezensiert und erst recht breit diskutiert sein.

Buch 1. Februar 2016

Krimi: Antonio Ortuño: Die Verbrannten

Deutsch von Nora Haller. München: Verlag Antje Kunstmann, 2015. 208 S., 19,95 Euro
von Udo Bonn

Irma, auch Negra genannt, kommt mit ihrer kleinen Tochter nach Santa Rita, einem unbedeutenden Örtchen im Süden Mexikos. Als Sozialarbeiterin, die für die Nationalkommission für Migration arbeitet, muss sie ihre erschossene Kollegin ersetzen.

Buch 1. Januar 2016

Elisabeth Benz: Ein halbes Leben für die Revolution

Fritz Rück (1895–1959). Essen: Klartext, 2014. 440 S., 29,95 Euro
von Hans Peiffer

Fritz Rück wurde in eine sozialdemokratische Familie hineingeboren. Sein Vater war aktiver Gewerkschafter und Sozialdemokrat, auch die Mutter beteiligte sich an den politischen Aktivitäten. In seinem Geburtshaus befand sich eine Gaststätte, wo Versammlungen des sozialdemokratischen Vereins und der Gewerkschaft stattfanden. Stuttgart war eine linke Hochburg, in der führende Vertreter der SPD-Linken auftraten.

Buch 1. Januar 2016

JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung

Nr. III/2015. NDZ GmbH, 230 S., 11 Euro
von Peter Nowak

An einen trüben Januartag 1933 wurde die russische Kommunistin Sinaida Wolkowa in Berlin beerdigt. Sie hatte im Alter von 31 Jahren Selbstmord verübt. Ihr Vater konnte nicht an ihrer Beerdigung teilnehmen, weil er im türkischen Exil lebend von den meisten europäischen Staaten kein Visum bekommen hatte.

Buch 1. Januar 2016

Nizaqete Bislimi, Beate Rygiert: Durch die Wand

Von der Asylbewerberin zur Rechtsanwältin. Köln: DuMont, 2015. 255 S., 19,99 Euro
von Larissa-Peiffer-Rüssmann

In Deutschland Flüchtling zu sein bedeutet, in ständiger Angst vor Abschiebungung zu leben, ohne soziale Teilhabe, ohne Perspektive und einem sehr eingeschränkten Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Das musste auch die Familie Bislimi erfahren, die 1993 vor dem beginnenden Jugoslawienkrieg aus dem Kosovo nach Deutschland floh.

Buch 1. Januar 2016

Swetlana Alexijewitsch: Secondhand-Zeit

Leben auf den Trümmern des Sozialismus. München: Hanser, 2013/Berlin: Suhrkamp, 2015 (Taschenbuchausgabe)
von Paul B. Kleiser

Zugegebenermaßen habe ich die Bücher von Swetlana Alexijewitsch, vor allem Secondhand-Zeit, erst wenige Monate vor der Verleihung des Nobelpreises eher zufällig kennen gelernt. Es gibt nicht viele Autoren, die einen so klaren Blick auf die Katastrophen der Sowjetunion und Russlands entwickeln, und dies auch noch vor allem aus weiblicher Perspektive.

Buch 1. Januar 2016

Dennis Lehane: Am Ende einer Welt

Deutsch von Steffen Jacobs. Zürich: Diogenes, 2015. 394 S., 24 Euro
von Udo Bonn

Dennis Lehane weiß, wie man spannende Bücher schreibt und Krimis mit einem literarischen Touch versieht. Und sein Schweizer Verlag weiß, wann man die Bücher am besten plaziert.

Buch 1. Dezember 2015

Retter der Welt?

Eine Streitschrift gegen den Betrug mit der «Nachhaltigkeit»
von Gerhard Klas

Kathrin Hartmann: Aus kontrolliertem Raubbau. Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren. München: Blessing, 2015. 448 S., 18,99 Euro

Buch 1. Dezember 2015

Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn

Christentumskritik wieder aufgelegt
von Manuel Kellner

Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Eine Demaskierung des Christentums von den Evangelisten bis zu den Faschisten. Aschaffenburg: Alibri, 2015. 1019 S., 44 Euro

Buch 1. Dezember 2015

James Lee Burke: Glut und Asche

Deutsch von Daniel Müller. München: Heyne, 2015
von Udo Bonn

Ein kleines Schildchen in einer großen Buchhandlung: «James Lee Burke, wir knien vor Ihnen nieder.» Es geht natürlich auch bescheidener, nichtsdestotrotz ist James Lee Burkes Werk die Wiederentdeckung in Deutschland. Der deutsche Krimi-Preis 2015 für Regengötter war eindeutig und mehr als verdient, und die jetzt erschienene Fortsetzung Glut und Asche steht dem Vorgänger in nichts nach.

Buch 1. November 2015

Athanasios Karathanassis: Kapitalistische Naturverhältnisse

Ursachen von Naturzerstörungen – Begründungen einer Postwachstumsökonomie. Hamburg: VSA, 2015, 240 S., 22,80 Euro
von Rolf Euler

Wir wissen inzwischen sogar vom Papst, dass «Kapitalismus tötet». Wir wissen immer mehr über den Raubbau an den natürlichen Grundlagen der Erde, den das ungebrochene Wirtschaftswachstum mit sich bringt. Und dazu gibt es nun als Neuauflage das Buch von Athanasios Karathanassis, Kapitalistische Naturverhältnisse. Er ist einer der, ungebeugt durch universitäre Gepflogenheiten, sich auf marxistische Theorietraditionen berufenden Wissenschaftler.

Buch 1. November 2015

Buchtipp: Gernot Wolfgruber: Herrenjahre

Salzburg: Residenz, 2015. 360 S., 22,90 Euro
von Dieter Braeg

Das Interesse großer Teile der Linken für die 70er und 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist ziemlich gering – ob es nun um damalige Kämpfe geht oder um gesellschaftliche Entwicklungen.
Dabei hat Gernot Wolfgruber genau in dieser Zeit neben Fernseh- und Hörspielen und einigen kürzeren Texten – in den in Österreich auch heute noch in erstaunlich großem Umfang erscheinenden Literaturzeitschriften – auch die Romane Herrenjahre (1976), Niemandsland (1978), Verlauf eines Sommers (1981) und Die Nähe der Sonne (1985) veröffentlicht.

Buch 1. November 2015

Krimi: Don Winslow: Das Kartell

Übersetzung Chris Hirte. Droemer Verlag, 2015. 831 S., 16,99 Euro
von Udo Bonn

Am 26.September letzten Jahres wurden 43 Lehramtsstudenten in der mexikanischen Stadt Iguala von Sicherheitskräften festgenommen, an eine örtliche Drogenbande übergeben und von dieser ermordet. Trotz der Festnahme des PRD-Bürgermeisters und des Chefs der Bande sind weder die Opfer identifiziert noch das Netzwerk aus Politik, Polizei und Drogengang wirklich aufgedeckt.

Buch 1. Oktober 2015

Philipp Ther: Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent

Eine Geschichte des neoliberalen Europa. Berlin: Suhrkamp, 2014.
431 S., 24,99 Euro
von Paul B. Kleiser

Ein Vierteljahrhundert nach der historischen «Wende» im Osten, die zum Zusammenbruch der Sowjetunion und des Ostblocks und vor allem zur Wiedereinführung des Kapitalismus unter neoliberalem Vorzeichen führte, versucht sich der Wiener Historiker Philip Ther an einer «Geschichte des neoliberalen Europa».

Buch 1. Oktober 2015

Karl Marx: Texte, Schriften

Ausgewählt, eingeleitet und kommentiert von Bruno Kern. Wiesbaden: marixverlag, 2015
von Manuel Kellner

Bruno Kern ist promovierter Theologe und Philosoph, dazu radikaler Ökosozialist, der sich früher selber als Marxist verstanden hat und noch heute sehr viel von Marx und seinem Werk hält – wenn auch sehr viel weniger von den meisten seiner «Epigonen», also solchen, die sich auf sein Denken berufen und daraus eine «Weltanschauung» bzw. ein «System» machen.

Buch 1. Oktober 2015

Krimi: Wu Ming: 54

(Übers.: Klaus-Peter Arnold.) Berlin: Assoziation A, 2015. 526 S.,
24,80 Euro
von Udo Bonn

Bevor Cary Grant in Alfred Hitchcock seinen Mentor gefunden hatte und mit ihm zum Star Hollywoods wurde, lebte er in armen Verhältnissen in England und verdiente sich seinen knappen Lebensunterhalt als Artist und Komödiant.
Auf seine Herkunft angesprochen, versuchen britische Geheimdienstleute ihn für eine pikante, patriotische Mission zu gewinnen: Er soll Tito treffen, der seine Schauspielkunst und seine lässige Eleganz bewundert.

Buch 1. September 2015

Die Hartz-IV-Diktatur. Eine Arbeitsvermittlerin klagt an.

Inge Hannemann, Reinbek: Rowohlt, 2015. 283 S., 9,99 Euro
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Inge Hannemann hat viele Jahre als Arbeitsvermittlerin in einem Hamburger Jobcenter gearbeitet – auch mit Erfolg. Doch als sie anfing, das System zu durchschauen und sich fragte: «Was mache ich da eigentlich?», wurde sie für die Arbeitsagentur untragbar.
Sie war nicht länger bereit, Dienst nach menschenverachtenden und kontraproduktiven Vorschriften zu machen, und so verlor sie ihren Job. Doch sie wollte nicht schweigen und so liegt uns jetzt ein umfangreicher Erfahrungsbericht aus ihrer Zeit als Arbeitsvermittlerin vor.

Buch 1. September 2015

Marxistisches Wörterbuch der Philosophie

Alfred Kosing, Berlin: Verlag am Park, 2015. 865 S., 39,99 Euro
von Jürgen Meier

Alfred Kosing lebt heute in der Türkei und war seinerzeit Professor für Philosophie in der DDR. Sein Marxistisches Wörterbuch der Philosophie erschien erstmals 1985. Die jetzige Neuauflage begründet der Autor mit der «Krise des Marxismus», deren Beginn er bereits mit der Machtübernahme der kommunistischen Bewegung durch Stalin datiert und die mit dem Zerfall der Sowjetunion und der DDR auf die Spitze getrieben wurde. Aber auch damit, dass er heute «ohne Rücksicht auf irgendwelche Vorgaben und Grenzen» schreiben könne.

Buch 1. September 2015

Rufmord – Die Antisemitismus-Kampagne gegen links

Wolfgang Gehrcke, Köln: PapyRossa, 2015. 177 S., 12,90 Euro
von Anton Holberg

Wolfgang Gehrcke, MdB DIE LINKE, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Vorstands der Linkspartei, hat ein hervorragendes Buch geschrieben und dennoch ist es eine Qual, es zu lesen. Der Grund ist einfach: Bei der flächendeckenden Antisemitismus-Kampagne handelt es sich um ein unappetitliches Gebräu, in dem sich seitens der Giftmischer in individuell unterschiedlichem Maße Unwissenheit und/oder schiere intellektuelle Minderbemitteltheit mit dem Willen zur Volksverhetzung paart.

Buch 1. September 2015

Alles gehört auf den Prüfstand…namentlich die eigene Geschichte

History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch
Hrsg. AutorInnenkollektiv Loukanikos, Berlin: edition assemblage, 2015
von Renate Hürtgen*

Es war der Zweifel an bisheriger Theorie und Praxis linker Geschichte, der 2013 den Anstoß zu einer Debatte in der Zeitung analyse & kritik (siehe ihre Sonderbeilage: www.akweb.de/themen/sonderbeilage_unwritten.htm) gab. Sie kreiste um die Frage, wie in einer kritischen Auseinandersetzung mit herrschenden und linken Mythen vermieden werden kann, eine Gegenerzählung zu schaffen, die wieder neue Mythen produziert.

Buch 1. September 2015

Musiktipp: Ernst Jandl

Eile mit Feile, Hörverlag, 2015
von Dieter Braeg

Musik braucht Texte, und da wird oft eine feine Melodie zum Ärgernis. So mancher Reim – etwa «Liebe, Hiebe, Triebe»– verdirbt den Hörgenuss und es endet mit einer Intelligenzbeleidigung.

Buch 1. September 2015

Krimi: Merle Kröger: Havarie

Berlin: Argument, 2015. 228 S., 15 Euro
von Udo Bonn
Zwei Nächte, ein Tag. Lalita Masarangi, Ghurka im Dienst ihres Vaters, Sicherheitskraft auf dem Kreuzfahrtsschiff Spirit of Europe, sucht ihren Liebhaber. Ihr Chef, Sicherheitsoffizier Nikhil Metha wartet auf das Ergebnis seines Prozesses in Indien. Léon Moret liebt die Nacht auf der Kommandobrücke des Schiffes und sehnt sich nach seiner Frau. Sybille Malinowsky und Seamus Clark sind Passagiere und tragen ihre Traumata mit sich herum. Marwan Fakhouri, Flüchtling aus dem syrischen Bürgerkrieg und schwer erkrankt, ist als blinder Passagier aufgeflogen.

Nur Online 19. Juli 2015

Ein Erfahrungsraum revolutionärer Umgestaltungen

Eine militante Untersuchung über selbstverwaltete Betriebe in Argentinien
von Jochen Gester

Unter dem Titel „Wir übernehmen“ gibt es ein neues Buch im Mandelbaum-Verlag Wien. Bei diesem kleinen feinen Verlag hat die Analyse zeitgenössicher Arbeiter/innenbewegungen einen festen Platz. Besetzt wird er vor allem durch linke Aktivist/innen in operaistischer Tradition, die es verstehen ihre sozialwissenschaftliche Ausbildung mit profunden Kenntnissen der Arbeitswelt zu verbinden.

Buch 1. Juli 2015

Die Krise in Griechenland

Die Krise in Griechenland. Ursprünge, Verlauf, Folgen (Hrsg. U.-D.Klemm, W.Schultheiß)*
von Paul B. Kleiser

Anders als der Buchtitel vermuten lässt, behandelt der vom früheren deutschen Botschafter in Athen, Wolfgang Schultheiß (2005–2010), und dem früheren Kulturattaché und späteren Botschafter in Marokko, Ulf-Dieter Klemm, herausgegebene Sammelband keineswegs nur die Wirtschaftskrise in Hellas seit dem Jahr 2009, sondern geht auch auf geschichtliche Entwicklungen seit der Unabhängigkeit des Landes 1830 bis in die jüngste Zeit ein.

Buch 1. Juli 2015

Kinder oder keine?

Sarah Diehl: Die Uhr, die nicht tickt. Kinderlos glücklich.*
von Gisela Notz**

Sarah Diehl, Mitte 30 und selbst kinderlos, hat ein Buch geschrieben zu einem (scheinbar) brennenden Problem: dem Kinderwunsch. Die Uhr, die nicht tickt heißt es, und bereits der Untertitel zeigt die Parteilichkeit für diejenigen, die sie nach dem (fehlenden) Kinderwunsch befragt hat: Kinderlos glücklich, so wie Sarah Diehl und viele andere Frauen, sind auch die Protagonistinnen im Buch.

Buch 1. Juli 2015

Die Lernprozesse der MLPD in der Umweltbewegung

Stefan Engel: Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur? Essen: Neuer Weg, 2015
von Thies Gleiss

Als eines der langlebigsten Produkte der linken Organisationsphase in den 70er Jahren wirkt in Deutschland die unbeirrt maostalinistische «Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands» (MLPD).

Buch 1. Juli 2015

Silvia Federici: Caliban und die Hexe

Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum, 2012. 340 S., 24,90 Euro
von Olga Dedinas

Die italienische Feministin und Marxistin Silvia Federici ist bereits durch mehrere ausgezeichnete Publikationen bekannt, etwa die Essaysammlung Anleitung zum Aufstand aus der Küche. Ihr Hauptwerk Caliban und die Hexe, das 2012 auf deutsch erschien, veröffentlicht die Ergebnisse eines großen Forschungsprojekts zum Thema «Frauen und die ursprüngliche Akkumulation» in einer Schriftform, die für ein breites Publikum lesbar ist.

Buch 1. Juni 2015

Das Konzentrationslager und Zuchthaus Sonnenburg

Ein KZ zur Ausschaltung der Arbeiterbewegung
von Peter Nowak

Das Konzentrationslager und Zuchthaus Sonnenburg. (Hrsg. Hans Coppi, Kamil Majchrzak). Berlin: Metropol, 2015. 240 S., 19 Euro

«Sonnenburg symbolisiert wie kaum ein anderer Ort Beginn und Ende der zwölf Jahre währenden Schreckensherrschaft des NS-Regimes», heißt es im Klappentext.

Buch 1. Mai 2015

Ein Shoabuch für Kinder und Erwachsene

Annika Tetzner: Die rote Masche*
von Dieter Braeg

Annika Tetzner ist ein Kind und Überlebende des Holocaust. Geboren in Prag, lebt sie jetzt in Jerusalem. Sie schreibt und illustriert Bücher für Kinder und Erwachsene. Sie überlebte als einzige ihrer Familie die Konzentrationslager Theresienstadt, Birkenau und Mauthausen.
In dem bemerkenswerten Vorwort zum Buch meint die Philosophin Elisabeth von Samsonow: «Diese drei Geschichten weisen auf die Möglichkeit der Rehabilitation des Menschlichen hin, sie erzählen den großen Triumph des Mädchens, welches immerfort hungert, sich fürchtet und sich auf der Schwelle zur absoluten Katastrophe befindet.

Arbeitswelt 1. April 2015

Robert Becker: Abgruppiert!

Ein Roman aus der Arbeitswelt*

von J.-F.Anders

Arbeiter als Schreiber und als Thema von deutschsprachigen Gegenwartsromanen haben Seltenheitswert – zuletzt gab es das in der BRD vermutlich in den 70er Jahren. Da gab es mal den Werkkreis Literatur der Arbeitswelt und seine Publikationen.

Buch 1. April 2015

Best of KPD

Linke Organisierung damals und heute*

von Florian Osuch

Ein Sammelband zur frühen Geschichte der KPD, bevor sich die Partei «in ein Werkzeug der russischen Außenpolitik verwandelt» hatte.

Anfang der 20er Jahre existierte in Deutschland mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) eine revolutionäre Kraft mit mehreren hunderttausend Mitgliedern und Millionen Wählern.

Buch 1. April 2015

Heinz R.Unger: Proletenpassion ff

Wien: Mandelbaum, 2015*

von Dieter Braeg

Erinnern wir uns noch an die großartige «Proletenpassion»? An den ersten Text dieser ganz anderen Darstellung von Geschichte?

Arbeitswelt 1. März 2015

Der Mindestlohn ist ein Papiertiger

Die Lastenträger. Hrsg. Günter Wallraff und work-watch*

von Dominik Müller

Seit Anfang Januar gilt der lang ersehnte gesetzliche Mindestlohn in Deutschland. Mit 8,50 Euro brutto in der Stunde bleibt er nur geringfügig über dem Hartz-IV-Satz.

Buch 1. März 2015

Die Wiedereinführung des Kapitalismus in Russland

nach dem Scheitern der Selbstreform der Bürokratie

von Paul B. Kleiser

Felix Jaitner: Einführung des Kapitalismus in Russland. Von Gorbatschow zu Putin. Hamburg: VSA, 2014. 174 S., 16,80 Euro.

Die Auseinandersetzungen um die Ukraine haben gezeigt, dass große Teile der deutschen Linken weiterhin dem Lagerdenken des Kalten Krieges verfallen sind und offenbar den großen historischen Bruchs, der sich Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre unter Jelzin in Russland vollzog, nicht wirklich realisiert haben.

Buch 1. März 2015

Die 70er und 80er Jahre in Köln

Irgendwie so wird es wohl gewesen sein

von Thies Gleiss

Die Stadt, das Land, die Welt verändern. Die 70er/80er Jahre in Köln – alternativ, links, radikal, autonom. Hrsg. Reiner Schmidt, Anne Schulz, Pui von Schwind. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014. 627 S., 29,99 Euro

Buch 1. März 2015

Werner Scholem, eine Biografie

Mirjam Zadoff: Der rote Hiob. Das Leben des Werner Scholem. München: Hanser, 2014. 382 S., 24,99 Euro

von Hermann Dworczak

Wer den Namen Scholem hört, denkt unwillkürlich an den jüdischen Religionswissenschaftler Gershom Scholem, den Freund und Briefpartner von Walter Benjamin. Aber es gibt noch einen anderen Scholem, den Bruder Werner – revolutionärer Marxist, Kritiker Stalins und im KZ Buchenwald ermordet.

Buch 1. Februar 2015

Israel Schwerpunkt auf der Leipziger Buchmesse

Der Neue ISP Verlag sagt deshalb Teilnahme ab

von Martin Lejeune

Mit ihrem Messeschwerpunkt «1965–2015. Deutschland – Israel» «würdigt» die Leipziger Buchmesse im März 2015 ein «besonderes Jubiläum»: 50 Jahre deutsch-israelische diplomatische Beziehungen.

Buch 1. Februar 2015

Enzo Traverso: Geschichte als Schlachtfeld

Zur Interpretation der Gewalt im 20.Jahrhundert.
Köln: Neuer ISP Verlag, 2014. 256 S., 22 Euro

von Elfriede Müller

Der lange in Frankreich lebende italienische Historiker Enzo Traverso, der seit einem Jahr an der Cornell University in Ithaca im Staat New York unterrichtet, untersucht in seinem zuletzt auf Deutsch erschienenen Buch Geschichte als Schlachtfeld den Geschichtsbegriff der Jahrhundertwende.

Buch 1. Februar 2015

Indien – Die größte Demokratie der Welt?

Marktmacht – Hindunationalismus – Widerstand. Berlin: Assoziation A, 2014

von Christian Weiß

Der Erfolg der hindunationalistischen BJP bei den letztjährigen Unterhauswahlen in Indien 2014 ist zweifellos eine Zäsur in der indischen Geschichte. Die BJP kam zwar nicht zum ersten Mal an die Macht, mit Narendra Modi wurde aber ein besonders umstrittener Politiker Regierungschef.

Arbeitskämpfe 1. Februar 2015

Bergarbeiterstreik 1984/85 in Großbritannien

COAL NOT DOLE – Fotos* von Michael Kerstgens vom

von Rolf Euler

Coal not dole. The Miner’s Strike 1984/1985. Zu beziehen bei Hannes Wanderer, Peperoni Books, Berlin (www.kerstgens.de, www.peperoni-books.de/“>www.peperoni-books.de)

Dreißig Jahre ist es her, dass der einjährige Streik der britischen Bergleute in Wales und Yorkshire zu Ende ging – mit einer Niederlage nicht nur der Bergleute, sondern für die ganze britische Arbeiterbewegung.

Buch 30. Januar 2015

Wendy Lower: Hitlers Helferinnen

Deutsche Frauen im Holocaust. München: Hanser, 2014. 336 S., 24,90 Euro

von Larissa Peiffer-Rüssmann

Die in diesem Buch geschilderten Biografien machen auf bedrückende Weise deutlich, wie problemlos sich die Frauen nicht nur in die NS-Gesellschaft einfügten, sondern selber auf unbeschreibliche Art und Weise Gewalt ausübten.

Bewegung 1. Januar 2015

Bernd Langer: Antifaschistische Aktion

Geschichte einer linksradiakalen Bewegung

Münster 2014, 266 S., 16 Euro

von Florian Osuch

Bernd Langer, langjähriger Antifa-Aktivist, hat ein Buch zur Geschichte der Antifaschistischen Aktion vorgelegt. Auf 266 Seiten, vielfach ergänzt durch Fotos und zeitgenössische Plakate, erzählt er die «Geschichte einer linksradikalen Bewegung».

Arbeitskämpfe 1. Januar 2015

Drei Betriebsräte gegen den Weltkonzern

Macht und Recht im Betrieb – Der «Fall BMW-Berlin»

Hrsg. Frank Steger. Berlin: Die Buchmacherei, 2014. 352 S., 14,95 Euro

von Dieter Wegner

Es gibt mehrere außergewöhnliche Betriebskämpfe, auch in den letzten Jahren, die wir als radikale Linke kennen sollten, um Hintergrundwissen und Maßstäbe zu haben für heutige und zukünftige Kämpfe. Je besser wir die früheren Kämpfe kennen und verstehen – seien es Kämpfe von Belegschaften, kleinen Gruppen oder Einzelpersonen –, desto besser sind wir für die Zukunft gerüstet, in der die Konflikte gewiß noch härter ausgetragen werden als in der Vergangenheit.

Buch 1. Januar 2015

Martin Matthias Becker: Mythos Vorbeugung

Warum Gesundheit sich nicht verordnen lässt und Ungleichheit krank macht.
Wien: Promedia, 2014. 224 Seiten, 17,90 Euro

von Peter Nowak

Esse viel frisches Obst und Gemüse! Vermeide fetthaltige Nahrung und Süßigkeiten! Mit solchen Aufforderungen sind wir heute ständig konfrontiert. Auf dem ersten Blick scheinen diese Ratschläge sehr vernünftig. Wer wollte bestreiten, dass ein frischer Apfel bekömmlicher ist als ein überzuckerter Powerdrink?

Buch 1. Januar 2015

Friedhelm Hengsbach: Teilen, nicht töten

Frankfurt a.M.: Westend, 2014. 128 S., 12 Euro

von Rolf Euler

Unter diesem provokanten Titel hat Friedhelm Hengsbach, der bekannte katholische Sozialethiker, eine kleine Streitschrift gegen den modernen Kapitalismus veröffentlicht. Gegenüber Stéphane Hessels «Empört euch!» kommt seine Analyse der Umstände, unter denen «diese Wirtschaft tötet!» – wie er zustimmend und titelgebend den Papst zitiert – eher in gemäßigtem Ton daher. In der Sache aber klar und unnachgiebig:

Buch 1. Januar 2015

Joachim Sartorius: Niemals eine Atempause

Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014. 348 S., 22,99 Euro

von Dieter Braeg

Wir haben mit 2014 ein Jahr hinter uns gebracht, in dem wir viel «Geschichte» und «Gedenken» geboten bekamen. Der Autor Joachim Sartorius, der bereits mit seinen Anthologien Atlas der neuen Poesie, Minima Poetica und Alexandria Fata Morgana mehr als nur lyrische Kompetenz bewiesen hatte, hat nun das Handbuch Niemals eine Atempause herausgegeben.

Arbeitswelt 1. Dezember 2014

Arbeitsunrecht – eine Bestandsaufnahme

Werner Rügemer, Elmar Wigand: Die Fertigmacher. Arbeitsunrecht und professionelle Gewerkschaftsbekämpfung. Köln: PapyRossa, 2014. 238 S., 14,90 Euro

von Dieter Braeg

Die Sozialpartnerschaft hat schon lange den Löffel abgegeben. Denen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, drohten und drohen gefährliche Zeiten. Immer dann, wenn man die eigene Lage verbessern will, entwickelt in diesem Land das Kapital Strategien, die dazu führen, dass die Rechte der abhängig Beschäftigten ausgehebelt werden.

Buch 1. Dezember 2014

Ein Spiel mit dem Feuer. Die Ukraine, Russland und der Westen

Hrsg. Peter Strutynski. Köln: PapyRossa, 2014. 216 S., 13,30 Euro

von Hermann Dworczak

Das Buch bietet interessante Einblicke und Informationen, lässt jedoch wichtige Bereiche wie die Herrschaft der Oligarchen ziemlich unbeleuchtet. Pikanterweise kommt in dem von einem Linken geschriebenen Buch die sicher kleine ukrainische Linke kaum vor.

Buch 1. Dezember 2014

Buchtipps

für den Gabentisch

Enzo Traverso: Geschichte als Schlachtfeld. Zur Interpretation der Gewalt im 20.Jahrhundert. Köln: Neuer ISP Verlag, 2014. 253 S., 22 Euro

Enzo Traverso ist einer der führenden Theoretiker der Gewalt im 20.Jahrhundert, das ja in erheblichem Maße von Faschismus, Holocaust und Stalinismus sowie deren Nachwirkungen geprägt war.

Buch 1. November 2014

Kostenfaktor Mensch

Ulrich Schneider: Mehr Mensch. Gegen die Ökonomisierung des Sozialen. Frankfurt a.M.: Westend, 2014. 158 S., 13,99 Euro

von Paul B. Kleiser

Das neue Buch von Ulrich Schneider stellt eine Philippika gegen den unter neoliberalen Vorzeichen immer weiter getriebenen Sozialabbau und die Taylorisierung der Sozialarbeit dar. Geschrieben ist es für die «Gutmenschen, Bedenkenträger und Sozialromantiker», also jene, die sich gegen den neoliberalen «Zeitgeist» wenden, der laut Marx häufig der «Ungeist eines geistlosen Zeitalters» ist.

Buch 1. November 2014

NSU: Ermittlungen auf dem Prüfstand

Geheimsache NSU. Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur. (Hrsg. Andreas Förster.) Tübingen: Klöpfer & Meyer, 2014. 318 S., 22,90 Euro

von Jochen Gester

10 Journalisten stellen ihre Recherchen vor.

Geheimsache NSU. Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur – bereits der Buchtitel bringt kurz und treffend zum Ausdruck, welche Schlussfolgerungen die zehn hier zu Wort kommenden Autoren aus der Praxis der Ermittlungsbehörden in Sachen NSU ziehen.

Buch 1. Oktober 2014

Tails – The amnesic incognito live system

Hefte zur Förderung widerständigen Praxis gegen den digitalen Zugriff, Bd.1, 36 S.*

 von Florian Osuch

Kaum eine Woche vergeht ohne Meldungen von Datendiebstahl, neuer Schadsoftware, Computerviren oder Überwachungsskandalen der Geheimdienste. Die Cyberspione in Berlin, London, Paris, Washington und Moskau bespitzeln sich gegenseitig und schneiden alles mit, was ihnen zwischen die Finger oder vor den Bildschirm gerät.

Buch 1. Oktober 2014

Tayfun Guttstadt: Çapulcu

Die Gezi-Park-Bewegung und die neuen Proteste in der Türkei. Münster: Unrast, 2014. 327 S., 18 Euro

von Bernard Schmid

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Türkei riefen im vergangenen Jahr zeitweilig erhebliche Hoffnungen in fortschrittlichen Kreisen hervor, brachte doch die breite Protestbewegung ab dem Juni 2013 die Verhältnisse auf spektakuläre Weise zum Tanzen. Nichtsdestotrotz gewann die islamistisch-wirtschaftsliberale Regierungspartei unter Recep Tayyip Erdogan (AKP) vielerorts sowohl die Kommunalwahlen im März dieses Jahres als auch die Präsidentschaftswahl im August.

Buch 1. Oktober 2014

Eve Blau: Rotes Wien

Architektur 1919–1934. Wien: Ambra, 2014. 532 S., 102,13 Euro

von Fritz Keller

Nach dem Zusammenbruch der k. und k. Monarchie bracht Wiens sozialdemokratischer Gemeinderat 1919 ein radikales Reformprogramm zur Umgestaltung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur von Österreichs Hauptstadt nach sozialistischen Leitlinien auf den Weg. Kernstück dieses Programms und zugleich die dauerhafteste Errungenschaft des «Roten Wien» war die Errichtung der Wiener Gemeindebauten:

Buch 1. Oktober 2014

Eurovisionen

Aspekte und Entwicklungen der europäischen Repressionsstruktur. (Hrsg. Redaktionskollektiv Hamburger Roten Hilfe.) Hamburg: Laika, 2014. 132 S., 17 Euro

von Florian Osuch

Der Sammelband skizzierte aktuelle Trends der Innen-, Außen- und Sicherheitspolitik in der Europäischen Union. Die Hamburger Ortsgruppe der linken Solidaritätsorganisation Rote Hilfe hat dazu elf Beiträge zusammengestellt.

Buch 1. Oktober 2014

Glenn Greenwald: Globale Überwachung

Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen. München: Droemer, 2014. 368 S., 19,99 Euro

 von Rolf Euler

Wer John Le Carré kennt, weiß, wieviel umgearbeitete Wirklichkeit hinter seinen oft spannenden Spionageromanen stecken. Aber das Buch, das der Anwalt und Journalist Glenn Greenwald über seine Zusammenarbeit mit Edward Snowden geschrieben hat, beschreibt die wahre Geschichte hinter der sogenannten „Affäre» der NSA – spannend und sicher so gut geschrieben wie ein Roman von John Le Carré.

Buch 1. Oktober 2014

Ballesterer

 Fußballmagazin. Nr. 94, September 2014. 4,50 Euro

von Dieter Braeg

In dieser Medienwelt gibt es vor allem, wenn es um die Sportart Fußball geht, eine große Ansammlung überwiegend keiner Notwendigkeit dienende Druckerzeugnisse und dazu natürlich auch Fernsehsendungen, die weder durch den Titel «Doppelpass» noch durch «erlesene» Moderatoren und sehr wenige Moderatorinnen das Sportgerät Fußball noch runder machen, als es eh schon ist, oder außer der ewig währenden Regel «Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift» etwas zu bieten hätten, das einen vom Hocker reißt.

Arbeitskämpfe 1. September 2014

9 Monate Streik bei Neupack

Berichte, Interviews, Dokumentation (Hrsg. Mitglieder des Soli-Kreises Neupack). 2.Aufl. Berlin 2014. 184 S., 11,50 Euro*

von Helmut Born

Die Mitglieder des Soli-Kreises Neupack haben ein Buch über den neunmonatigen Arbeitskampf bei dem Verpackungshersteller Neupack in Hamburg und Rotenburg an der Wümme geschrieben. Darin kommen erfreulicherweise die Träger des Arbeitskampfs, die Beschäftigten, zu Wort, was es sehr lesenswert macht.

Buch 1. September 2014

Geschichte Deutschlands im 20.Jahrhundert

Ulrich Herbert: München, C.H.Beck, 2014. 1451 S., 39,99 Euro

von Paul B. Kleiser

Unter den deutschen Historikern, die nach 1950 geboren wurden, nimmt Ulrich Herbert, der an der Universität Freiburg lehrt, einen besonderen Rang ein. Lange Jahre bearbeitete er Themen, die vom historischen «Mainstream» eher links liegengelassen wurden.

Buch 1. September 2014

Klaus Kufeld: Der kulinarische Eros

Geschichten über die Seele des Kochens & Essens. Wien: Edition Splitter, 2009. 144 S., 22 Euro

von Dieter Braeg

Der Herr Feuerbach hatte schon recht, als er verkündete, der Mensch sei, was er isst! Der Umgang mit Lebensmitteln findet zur Zeit leider nur sehr selten im Bereich Kultur und Philosophie statt. Wir haben es eher mit «Kochkünstlern» zu tun, die Geist und Körper leider nicht einmal leichte Kost bieten, sich «Lafer-Lichter-Lecker» oder so ähnlich nennen und Lebensmittel und Esserin/Esser foltern.

Buch 30. Juni 2014

Mit Mikrokrediten gegen die Armut?

Rendite machen und Gutes tun? Mikrokredite und die Folgen neoliberaler Entwicklungspolitik. Hrsg. Gerhard Klas, Philip Mader. Frankfurt a.M.: Campus, 2014. 217 S., 19,90 Euro

von Paul B. Kleiser

Eines der Ideologeme des Neoliberalismus besteht in der Vorstellung, jeder sei seines Glückes Schmied. Demnach brauchen arme Menschen vor allem im globalen Süden kein gutes Ausbildungs- und Gesundheitssystem, sondern «Mikrokredite» zur Herstellung von einfachen Produkten, die sie dann auf dem Markt mit Gewinn verkaufen und damit die Kredite zurückzahlen. Längerfristig würde dadurch in den Entwicklungsländern die Armut abgebaut, so die offizielle Propaganda.

Buch 30. Juni 2014

Europas Strippenzieher

Wer in Brüssel wirklich regiert. Cerstin Gammelin, Raimund Löw: Berlin 2014. 384 S., 19,99 Euro

 von Paul B. Kleiser

Das Buch der beiden Autoren ist in mehrerlei Hinsicht von Interesse: Löw hat als langjähriger Brüsseler Korrespondent des Österreichischen Rundfunks (ORF) offensichtlich gute Beziehungen zu den Brüsseler «Sherpas», die für die Politiker die Drecksarbeit machen dürfen (aber auch gute Hintergrundinformationen besitzen); auf dieser Grundlage berichtet er häufig detailliert über die Hintergründe von Entscheidungen (und die Abgründe der Treffen); außerdem kommt er aus einem kleinen Land, was seine Kritik am Gerangel beflügelt. Die Journalistin Cerstin Gammelin schreibt für die Süddeutsche Zeitung.

Buch 30. Juni 2014

Roger Willemsen: Das Hohe Haus

Ein Jahr im Parlament. Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2014. 398 S., 19,99 Euro

von Paul B. Kleiser

Roger Willemsen, der viele Jahre mit Dieter Hildebrandt zusammengearbeitet und lesenswerte Bücher über Guantánamo und Afghanistan geschrieben hat, hat den nötigen Masochismus aufgebracht, sich ein Jahr ins Plenum des Bundestags zu setzen und einfach den Abgeordneten zuzuhören. Es werden in diesem Zeitraum (zwischen zwei austauschbaren Neujahrsansprachen der Kanzlerin) unzählige innen- und außenpolitische Themen abgehandelt, wobei es häufig nicht auf Sachkenntnis, sondern auf Beschimpfung des Gegners, allen voran der LINKEN, ankommt.

Buch 30. Juni 2014

Erich Mühsam Lesebuch

.«Das seid ihr Hunde wert!». Hrsg. Markus Liske, Manja Präkels. Berlin: Verbrecher-Verlag. 345 S., 16 Euro

von Dieter Braeg

Vor 80 Jahren, im Juli 1934, wurde Erich Mühsam nach über 16monatiger «Schutzhaft» von der SS ermordet

Geboren am 6.April 1878 in Berlin, wuchs er in Lübeck auf. Früh entstanden erste Texte, die in der Schule und im Elternhaus auf Ablehnung stießen. Wegen «sozialistischer Umtriebe» wurde er relegiert. Er lernte Apotheker, ab 1900 Arbeit arbeitete er verschiedenorts als Apothekergehilfe.

Buch 30. Juni 2014

Die Psychologie soldatischer Männerbünde

Zur Aktualität von Klaus Theweleits Männerphantasien

von Rolf Euler und Manuel Kellner

Klaus Theweleits Männerphantasien erschienen 1977/78 in zwei Bänden und umfassen über tausend Seiten. Sie gehören zu den Schriften, die von Zeit zu Zeit wieder hervorgeholt werden sollten, gerade heute. Denn seine Erkenntnisse gelten nicht nur für die Vergangenheit: Erster Weltkrieg, Kolonialkriege, Faschismus und Nationalsozialismus, sie helfen auch die neueren Kriege, Massaker, gewaltsame Konfrontationen und brutalen Misshandlungen zu verstehen, wie vor wenigen Jahren in Jugoslawien und heute im Irak, in Syrien und in vielen weiteren Teilen der Welt

Buch 2. Juni 2014

Cash oder Crash

Denknetz-Jahrbuch 2013 (Hrsg. Denknetz)

von Peter Nowak

Im Zentrum der Aktionskonferenz Care-Revolution, die Mitte März in Berlin stattgefunden hat, stand das Recht, «selbstbestimmt für sich und andere zu sorgen und selbstbestimmt zu entscheiden, von wem wir versorgt werden wollen», schrieb Gabriele Winker, einer der Kongressorganisatorinnen. Die Diskussion ist überfällig.

Buch 2. Juni 2014

Franz Innerhofer: Schöne Tage

Ergänzte Neuauflage. Salzburg, Wien: Residenz, 2011

von Dieter Braeg

Kein schöner Land? So beginnt ein Volkslied, da findet man sich ein unter Linden zur Abendzeit und versinkt in picksüßer Idylle. Schöne Tage der erste Roman von Franz Innerhofer erschien im Jahre 1974. «Der Pflege einer kinderlosen Frau entrissen, sah Holl sich plötzlich in eine fremde Welt gestellt. Es waren da große Räume und viele Menschen, die keine Zeit hatten für Kinder, denn sie mussten sich heftig bewegen. Die Felder waren verwahrlost und die Menschen hungrig.»

Asien/Australien 1. Mai 2014

Hommage an Sampat Pal

Amana Fontanella-Khan: Pink Sari Revolution – Die Geschichte von Sampat Pal, der Gulabi Gang und ihrem Kampf für die Frauen Indiens. Berlin: Hanser, 2014. 272 S., 19,80 Euro

von Gerhard Klas

Seit eineinhalb Jahren berichten Medien immer wieder von Vergewaltigungen in Indien. Mit Pink Sari Revolution ist nun ein Buch erschienen, das den Widerstand von einfachen, armen Frauen gegen die alltägliche Gewalt und Unterdrückung am Beispiel der Gulabi Gang beleuchtet, die in Zentralindien aktiv ist.

Buch 1. Mai 2014

Die Rote Hilfe in der BRD

Das Prinzip Solidarität. Zur Geschichte der Roten Hilfe in der BRD (Hrsg. Bambule). Hamburg: Laika, 2013. 2 Bd., je Band 21 Eur

von Peter Nowak

In den letzten Wochen haben Häftlinge in Bremen und Thüringen mit Hungerstreiks gegen die aus ihrer Sicht unzumutbaren Haftbedingungen protestiert. Auch die linke Öffentlichkeit nahm wenig Notiz davon. Schließlich handelte es sich nicht um politische Gefangene, die in der Regel Unterstützergruppen haben. Dabei gibt es auch bei sognannten sozialen Gefangenen eine Tradition von Kämpfen um ihre Rechte.

Buch 1. Mai 2014

Wo ist die Zeitlupe?

Hartmut Rosa beschwert sich darüber, dass alles immer schneller geht

von Ale Schmitz

Die Linken haben keine Zeit, Revolution zu machen. So gesehen sind sie tatsächlich der bewussteste Teil der Bewegung – denn die meisten Menschen klagen darüber, dass sie zu wenig Zeit haben. Aber die Revolution soll man ja auch nicht in der Freizeit machen, sondern in den Betrieben, oder?

Buch 1. Mai 2014

Bücherkiste: Paul Frölich, Irène Némirovsky

Paul Frölich: Im radikalen Lager. Politische Autobiographie. 1890–1921. Berlin: BasisDruck, 2013. 416 S., 29,80 Euro

Paul Frölich, von 1908 an bis zu seiner Flucht vor den Nazis an führender Stelle in verschiedenen Parteien und Strömungen der deutschen Arbeiterbewegung aktiv, verfasste seine Autobiografie 1938. Dem Verlag BasisDruck kommt das Verdienst zu, das maschinenschriftliche Manuskript seiner Autobiografie im Internationalen Institut für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam ausgegraben und 2013 erstveröffentlicht zu haben.

Buch 1. Mai 2014

Streifzüge durch das rote 20.Jahrhundert

Christoph Jünke, Hamburg: Laika, 2013. 320 S., 21 Euro

von Dieter Braeg

Spaziergang, Bewegung, Ausflug, Bummel, Marsch, Weg, Exkursion, Tour, Trip, Spritztour, Spaziergang, Bewegung, Bummel, Marsch, Exkursion, Abstecher, Fahrt ins Blaue, Lustfahrt, Landpartie, Abstecher, Erholungsfahrt, Vergnügungsfahrt, Wanderung, Ausflug…

Buch 1. Mai 2014

25.April 1974 – Die Nelkenrevolution

Hrsg. Willi Baer, Karl-Heinz Dellwo. Hamburg: Laika, 2012

von Gaston Kirsche

Mit zwei Dok-Filmen: Viva Portugal!, Portugal/BRD 1975, von Malte Rauch, Christiane Gerhards und Samuel Schirmbeck, 115 Min.; Scenes from the Class Struggle in Portugal, Portugal/USA 1977, von Robert Kramer, 85 Min. Portugiesisch mit deutschen Untertiteln

Buch 1. April 2014

Manfred Jansen: Ihr seid Träumer – sagte der Traum

Beuwsstseinsentwicklung im Betrieb

von Wolfgang Hänisch

Die Welt der Warenproduktion ist das große Mysterium der bürgerlichen Gesellschaft. Gebirge von Waren begraben die Konsumenten unter sich – die Produzenten dieser Waren und die Umstände, unter denen sie leben und arbeiten, bleiben aber praktisch unsichtbar. Medial und gesellschaftlich sind sie nicht präsent.

Buch 1. April 2014

Ulrich Renz: Die Tyrannei der Arbeit

 

Wie wir die Herrschaft über unser Leben zurückgewinnen. München: Ludwig, 2013. 272 S., 17,99 Euro

von Jochen Gester

Im Jahr 1998 beendete der Autor Ulrich Renz seine berufliche Karriere, die er als Arzt begonnen hatte und die ihn zum Leiter eines medizinischen Fachverlages machte. Er hatte das Gefühl, dass andere Dinge des Lebens vor lauter Arbeit zu kurz kommen. Deshalb wechselte zur freiberuflichen Tätigkeit als Publizist und Schriftsteller.

Buch 31. März 2014

Eine neue Zukunft bauen

Manifest für eine akzelerationistische Politik

von Ale Schmitz

Wer sind die Akzelerationisten? Akzeleration heißt Beschleunigung. Das neueste Denk-Ding einer minoritären, akademischen Linken. Erstmal sind darunter nur die Autoren eines typischen Büchleins aus dem Berliner Merve-Verlag zu verstehen: chic, reißerisch, fragmentarisch, aber immer: hoppla, jetzt kommen wir!

Buch 31. März 2014

Im Kältefieber. Februargeschichten 1934

Hrsg. Erich Hackl, Evelyne Polt-Heinzl. Wien: Picus, 2014

von Dieter Braeg

Vier Wochen nach Hitlers Machtergreifung löste der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß am 4.März 1933 nach einer Abstimmungspanne den Nationalrat auf. Pressezensur und die Auflösung des Verfassungsgerichtshofs folgten. Mit Hilfe des Mentors von Dollfuß, Benito Mussolini, wurde auf dem Katholikentag am 12.September verkündet, Österreich werde ein «sozialer, christlicher, deutscher Staat auf ständischer Grundlage mit starker autoritärer Führung».

Buch 28. Februar 2014

Mythen und Fakten zur Rentenpolitik

«Alte kassieren! Junge zahlen nur drauf!»

von Rolf Euler

„Die Alten leben auf Kosten der jungen Generation!“ Das ist das Mantra der gegenwärtigen Propaganda, ob es um Steuern, Haushaltsdefizite oder Renten und Krankenversicherung geht –immer wird die demografische Entwicklung herangezogen, um Spardiktate durchzusetzen. Und immer wird verschwiegen, wie es um die Einkommens- und Vermögensverteilung aussieht: Wer zahlen könnte und wer für alles zahlen muss.

Asien/Australien 27. Februar 2014

Die Bundeswehr in Afghanistan

Ein Comic über den verschleierten Krieg

von Manuel Kellner

David Schraven hat tausende Seiten offizieller Dokumente gesichtet und mit einer Reihe von deutschen Soldaten gesprochen. Die gewonnenen Erkenntnisse verarbeitete er nicht zu einer klassischen Reportage, sondern machte daraus zusammen mit dem Zeichner Vincent Burmeister einen Comic.*

«Soldaten sind keine Brunnenbauer. Soldaten sind Soldaten. Sie tragen Waffen.

Buch 27. Februar 2014

Reform oder Revolution? Die ewige Streitfrage

Reform und Revolution. (Hrsg. M.Kellner, E.Lieberam, R.

Buch 20. Dezember 2013

Die Superreichen

In der Krise nochmal fett geworden

von Paul B. Kleiser

Chrystia Freeland: Die Superreichen. Aufstieg und Herrschaft einer neuen globalen Geldelite. Frankfurt a.M.: Westend, 2013. 358 S., 19,99 Euro

Buch 20. Dezember 2013

Barbara Kalender, Jörg Schröder: Kriemhilds Lache.

Neue Erzählungen aus dem Leben. Berlin: Verbrecher Verlag, 2013. 272 S., 26 Euro

von Dieter Braeg

In der Wexstraße in Berlin wird viel erzählt und auch an allen anderen ehemaligen Wohnorten von Barbara Kalender und Jörg Schröder war das so. Zu Kalender & Schröder gehört der März-Verlag, der viele von uns in den Nachkriegsjahren, als wir noch jung waren und angepasst werden sollten, mit seinen Büchern von einem ordentlichen Lebensweg abhielt.

Buch 1. November 2013

Was tun mit Kommunismus?

Auf der Suche nach der besseren Zukunft
von Ale Schmitz

Hat jemand die Zukunft gesehen? Zwei Berliner Gruppen wollen mit Sammelbänden die «Utopie», bzw. das «Ei des Kommunismus» entdecken. Träumen, wachen, kämpfen. Keine Angst mehr haben. Nicht nur dabei sein, sondern auch dagegen. Guevara, Adorno, Bloch – deren Slogans gibt es immer noch, auch wenn viele 68er schon in Rente sind.

Buch 1. November 2013

Zur Kritik gängiger linker Krisentheorien

Guenther Sandleben, Jakob Schäfer: Apologie von links. Köln: Neuer ISP Verlag, 2013. 145 S., 14,80 Euro
von Thomas Märk

Die Krise ist keineswegs vorbei. Die Wirtschaft befindet sich inmitten eines langwierigen Krisenprozesses, der sich nach kurzer Unterbrechung voraussichtlich weiter zuspitzen wird. Krisentendenzen weisen in Richtung eines Zusammenbruchs, nicht nur des Finanzsystems, sondern der Wirtschaft insgesamt. Dies sind nur drei der Thesen, die die beiden Autoren Guenther Sandleben und Jakob Schäfer in ihrem Buch «Apologie von links. Zur Kritik gängiger linker Krisentheorien» vertreten. Darin legen sie sich so ziemlich mit allen an, die gemeinhin als kritische Ökonomen gelten.

Buch 1. November 2013

«Ich schrieb mich selbst auf Schindlers Liste»

Die Geschichte von Hilde und Rose Berger
von Peter Nowak

Kürzlich hat der Gießener Psychosozial-Verlag einen Band mit der Lebensgeschichte der mittlerweile verstorbenen Hilde und Rose Berger veröffentlicht und damit das Schicksal der jüdischen Familie Berger in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der Band enthält mehrere Interviews, die die Geschwister zwischen 1978 und 1997 in den USA gaben, sowie einen von Hilde Berger 1980 verfassten Bericht über ihr Leben und ihr politisches Engagement in Berlin.

Buch 1. November 2013

Der hessische Landbote 2013

Stuttgart: Peter-Grohmann-Verlag, 2013. 40 S., 3,50 €
von Rolf Euler

Der Hessische Landbote ist wieder erschienen!

Das ist die wohl überraschendste Neuerscheinung anlässlich des 200.Geburtstags des Dichters und Kritikers der herrschenden Zustände. «Der Hessische Landbote 2013» ist ein Aufruf, vielleicht auch in Anlehnung an Stéphane Hessels «Empört Euch!», der im Untertitel von sich sagt: «anstiften will zur Auflehnung».

Buch 1. November 2013

Jörg Huwer: «Gastarbeiter» im Streik

Die Arbeitsniederlegung bei Ford im August 1973. Köln: Edition DOMiD, 1973. 114 S., 12 Euro
von Dieter Braeg

In seinem Vorwort schreibt Manfred Kolb, Geschäftsführer von DOMID (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V.): «Zweifellos war der Ford-Streik ein deutliches Zeichen für das Ende der ‹Gastarbeiterzeit›. Die bereits zuvor aufgetretenen Fragen nach dem ökonomischen Nutzen und den sozialen Folgen der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte wurden noch kritischer diskutiert. Die Bundesregierung reagierte auf ihre Weise: Knapp drei Monate nach Ende des Streiks verkündete sie im November 1973 den offiziellen Anwerbestopp für ausländische Arbeitskräfte.»

Buch 1. Oktober 2013

Haben wir ein Umweltproblem, weil es zuviele Menschen gibt?

Stephen Emmott, Zehn Milliarden. Berlin 2013: Suhrkamp Verlag, 206 Seiten, 14,95 Euro. Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger.
von Gerhard Klas

Seit dem spektakulären Scheitern des Weltklimagipfels Dezember 2009 in Kopenhagen ist das Thema Erderwärmung in der veröffentlichten Meinung zunehmend in den Hintergrund gerückt. Mit der Veröffentlichung des neuesten Berichts des Weltklimarates unter dem indischen Direktor Rajendra Pachauri Ende September ist die Aufmerksamkeit wieder etwas gestiegen.

Buch 1. Oktober 2013

Duisburg. Eine Stadt wird zerstört

Roland Günter: Stadtmassaker und Sozialverbrechen. Studie zur Kommunalpolitik am Fallbei(l)spiel ‚Stadtzerstörung und Stadtentwicklung in Duisburg‘. Essen 2013, Klartext-Verlag. 432 Seiten mit vielen Bildern, 23,95 Euro.
von Leo Löwe

Nein, dieses Buch wirft den Leser nicht in eine tiefe Depression, wie der Autor im Vorwort selbst vermutet und wofür er angesichts der geschilderten Ungeheuerlichkeiten in Duisburg allen Grund hat. Nein, dieses Buch, die dargestellten Vorgänge machen wütend. Sie machen mich so wütend, dass ich mich wundere, dass die Menschen in Duisburg nicht längst zu ganz anderen Mitteln als dem gesprochenen Wort und der politischen Debatte greifen.

Buch 1. Oktober 2013

Wie Bund und Länder bei der NSU-Aufklärung versagen

Bodo Ramelow (Hg.), „Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen. Wie rechter Terror, Behördenkumpanei und Rassismus aus der Mitte zusammengehen“. Hamburg 2013: VSA, 238 Seiten, 12,80 Euro
von Andreas P. Zaleshoff

„958 Seiten Inkonsequenz“. So lautete kurz und knapp die Beurteilung des Abschlussberichts des Bundestagsuntersuchungsausschusses durch die sächsische Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. Köditz ist Obfrau der LINKEN im sächsischen Untersuchungsausschuss, der sich allerdings – ein wichtiger Unterschied – als Gegenstand der Arbeit „Neonazistische Terrornetzwerke in Sachsen“ vorgenommen hat.

Buch 1. Oktober 2013

Eine Linie von Lassalle zu Peer Steinbrück?

Ralf Hoffrogge: Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland.
Von den Anfängen bis 1914. 215 Seiten, Stuttgart 2011: Schmetterling Verlag, 10 Euro.

von Jörg Roesler

Vor 150 Jahren, am 23. Mai 1863, gründete Ferdinand Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Das Datum gilt als Geburtsstunde der Arbeiterbewegung in Deutschland und wurde im vergangenen Mai groß begangen – meist unter dem Titel „150 Jahre Sozialdemokratie“. Doch führt wirklich eine gerade Linie von Ferdinand Lassalle zu Peer Steinbrück?

Buch 1. Oktober 2013

Kein Kochbuch

Reinhard P.Gruber, „Einfach Essen!“ Kochbuch für die harten Zeiten. 120 Seiten. Graz-Wien 2010: Literaturverlag Droschl. 18 Euro
von Dieter Braeg

Über den Autor Reinhard P.Gruber, muss man doch mehr als nur einige lobende Worte erwähnen. Er hat viele gute Texte geschrieben, er wäre es wert, im deutschsprachigen Raum mehr gelesen zu werden. Da wäre zum Beispiel sein Buch „Nie wieder Arbeit“ da kann man ein Manifest lesen, hier eine kurze „Kostprobe“:

Buch 1. September 2013

Die Geschichte der BRD ist noch nicht geschrieben

Josef Foschepoth: Überwachtes Deutschland. Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2013. 378 S., 34,99 Euro.
von Dominik Rigoll

Während die Geschichte der DDR zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf der Grundlage von Quellen ihrer Staatsschutzorgane geschrieben wird, harrt die westdeutsche «streitbare Demokratie» noch immer ihrer Historisierung.

Buch 1. September 2013

Demokratische Autonomie in Nordkurdistan

Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis – eine Erkundungsreise in den Südosten der Türkei.
Neuss: Mesopotamien Verlag, 2012. Schutzgebühr: 5 Euro+Porto.
von Ulf Petersen

Im September 2011 fuhr eine Delegation aus Deutschland nach Nordkurdistan (Südosttürkei), um mehr über die Ansätze der Selbstverwaltung im Rahmen des Konzepts der «Demokratischen Autonomie» zu erfahren. Die Ergebnisse mit ausführlichen Interviews sind in einer 180-seitigen Broschüre zusammengefasst (alle Zitate im Folgenden aus der Broschüre).

Buch 1. September 2013

Vom Wunsch, das Rad zurückzudrehen

Wolfgang Streeck: Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus. Berlin: Suhrkamp, 2013. 270 S., 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser

Das neue Buch des Kölner Soziologen und früheren Direktors des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, Wolfgang Streck, hat wegen seiner Analyse der gegenwärtigen Krise des «demokratischen Kapitalismus» große Verbreitung und Beachtung gefunden.

Buch 1. September 2013

«Wird Zeit, dass wir leben»

Zum fünften Todestag von Christian Geissler
von Michael Banos

Den «Hieronymus Bosch des Deutschen Herbstes» nannte der Schriftsteller Jürgen Lodemann Christian Geissler in einem Nachruf vor fünf Jahren (siehe SoZ 10/2008).

Buch 1. September 2013

Thomas Rothschild: Bis jetzt ist alles gut gegangen. Fälliger Dank und mürrische Zwischenrufe.

Wien: Klever, 2012. 223 S., 19,90 Euro
von Dieter Braeg

Als ich im Jahr 2006 das Buch „Alles Lüge“ von Thomas Rothschild besprach, stellte ich fest: «Gar viele behaupten, an einer schönen Welt zu basteln. Noch mehr lügen in die Taschen anderer, weil die eigene Tasche schon lügenvoll ist. Die Verhältnisse sind nützlich, und es ist so erfreulich, dass Thomas Rothschild noch immer für viel zu viele kein unangenehmer Zeitgenosse ist. Mir wäre lieber, es wäre anders, weil Verhältnisse in diesem Land eben nur für den so sind, wie sie sein sollen, der es sich richtet.»

Buch 5. Juli 2013

Ab durch den Kamin

«Das allerletzte Gefecht»: Wolfgang Pohrt zieht den  Stöpsel aus dem Kommunismus

von Ale Schmitz

Wo bleibt eigentlich die Weltrevolution? Der Essayist und Soziologe Wolfgang Pohrt hat keine Lust mehr, darauf zu warten. Für ihn ist der Kommunismus «wie Rauch durch den Kamin» abgezogen. Während die Banken bislang noch gerettet werden konnten, sei die Linke «jetzt schon bankrott».

Buch 12. Juni 2013

Wolf Wetzel: Der NSU-VS-Komplex

Münster: Unrast, 2013. 130 S., 12 Euro
von Angela Klein

Wenn die zuständigen Behörden – Polizei, Landes- und Bundeskriminalamtes, Landes- und Bundesverfassungsschutz bis hinauf zu den Innenministern – alles wussten, wie zuletzt Report Mainz an Hand einer vergessenen Kladde aus dem sächsischen Innenministerium enthüllte. Wenn der NSU im Untergrund dank 25 eingesetzten V-Leuten von den Behörden «wie Goldfische im Aquarium» gehalten wurden und der Kontakt nie abgebrochen ist. Wenn es zwischen den Behörden vielleicht Kompetenzstreitigkeiten gab, sie aber auf den beiden Feldern «Gewährenlassen» und «Vertuschen» alle an einem Strang zogen. Dann stellen sich viele Fragen, denen Wolf Wetzel bohrend nachgeht.

Buch 12. Juni 2013

Silvia Federici: Aufstand aus der Küche.

Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. Münster: Edition Assemblage, 2012. 128 S., 9,80 Euro
von Rahel Wusterack

Der breite Zugang von Frauen zur Lohnarbeit hat bisher nicht zur vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern geführt. In der Regel wird dieser Umstand damit erklärt, dass derartige Umbrüche Zeit benötigen. Dann folgt meist ein leicht rechtfertigend anmutender Verweis auf die immensen Fortschritte der letzten Jahrzehnte.

Buch 12. Juni 2013

Gisela Notz: «Freiwilligendienste» für alle.

Von der ehrenamtlichen Tätigkeit zur Prekarisierung der «freiwilligen «Arbeit». Neu-Ulm: AG SPAK, 2012. 120 S., 10 Euro
von Rolf Euler

Stopfen der Löcher im Sozialstaat – ehrenamtliche und freiwillige Arbeit ist erneut das Thema dieses Buchs von Gisela Notz. Seit langem forscht und publiziert sie über die nicht (oder gering) bezahlte Arbeit, vor allem von Frauen. Sie beschreibt die Geschichte der sozial Tätigen – «ehrenamtlich» oder «freiwillig» beschäftigt, mehr oder weniger gezwungen durch Kriegs- oder Krisenfolgen.

Buch 12. Juni 2013

Clemens G. Arvay: Friss oder stirb

Wie wir den Machthunger der Lebensmittelkonzerne brechen und uns besser ernähren können. Salzburg: Ecowin, 2013. 232 S., 21,90 Euro

Pferdefleisch und Bioeier brachten zuletzt die Missstände unserer Art der Ernährung wieder in «aller Munde». Auch das österreichische Fernsehen beteiligte sich an der Diskussion mit einer Debatte, an der auch ein junger Agrarbiologe, Clemens Arvay, beteiligt war.

Buch 12. Juni 2013

Die neuen Rechten in Europa

Zwischen Neoliberalismus und Rassismus. (Hrsg. Peter Bathke, Anke Hoffstadt.) Köln: PapyRossa, 2012. 365 S., 18 Euro

Als Nachtrag zu einer Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW vom November 2011 haben Peter Bathke und Anke Hoffstadt einen Sammelband herausgegeben, der Politik und Ideologie der diversen Rechtsparteien in Europa «zwischen Neoliberalismus und Rassismus» beleuchtet.

Buch 12. Juni 2013

*David King: Ganz normale Bürger. Die Opfer Stalins

Essen: Mehring, 2012. 192 S., 196 Abbildungen, 29,90 Euro (englische Erstveröffentlichung 2003)
von Werner Abel

«Die Weltpartei des Leninismus», diesen Titel gab der wortgewaltige Vorsitzende des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, Grigori Sinowjew, der Buchausgabe seiner Eröffnungsrede auf dem V.Weltkongress der KI im Juni 1924. Sinowjew begründete mit dem «Leninismus» nicht nur eine neue Theorie, die den Marxismus in der Epoche des Imperialismus ergänzen sollte (ein «-ismus», verbunden mit seinem Namen, wäre von Lenin mit Sicherheit entschieden abgelehnt worden), er zeigte auch den Weg auf, wie die kommunistischen Parteien in aller Welt auf diese Theorie eingeschworen werden sollten.

Buch 12. Juni 2013

Anja Röhl: Die Frau meines Vaters

Erinnerungen an Ulrike. Hamburg: Edition Nautilus, 2013. 157 S., 18 Euro
von Dieter Braeg

Kindheitserinnerungen, die Ende der 50er Jahre beginnen. Es ist schwer, zu einer Zeit zurückzufinden, sie zu beschreiben, wieder zu durchleben. Anja Röhl kam im Jahre 1955 in Hamburg zur Welt. Sie ist die Tochter aus erster Ehe von Klaus Rainer Röhl (Gründer der Zeitschrift Konkret).

Buch 30. Mai 2013

Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

Eine Geschichte von Faszination und Verachtung
von Michael Banos

Sich selbst ein Bild machen, mit eigenen Augen nachsehen; etwas überprüfen; sich vor Augen führen; sich eine eigene Meinung bilden; sich informieren – das ist eine eigentlich positiv besetzte Kulturtechnik. Dass es auch anders geht, wie Bilder von Verzerrung, Hass, Verachtung und vermeintlicher Bedrohung gemacht und weitergegeben werden, zeigt Klaus-Michael Bogdal in einem fundiert recherchierten Buch, wofür ihm kürzlich auf der Buchmesse in Leipzig den Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen wurde. Er berichtet über ein kollektives Gedächtnis der Ablehnung alles Fremden über Jahrhunderte hinweg, nennt es treffend das «böse Gedächtnis» der Kultur.

Buch 25. April 2013

Ulrich Chaussy, Gerd R. Ueberschär: «Es lebe die Freiheit!»

Die Geschichte der Weißen Rose und ihrer Mitglieder in Dokumenten und Berichten. Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2013. 534 S., 10,99 Euro

von Peter Fisch

«Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit – entscheidet Euch, eh es zu spät ist.» Vor 70 Jahren wurden Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst verhaftet und hingerichtet.

Die letzten Gründe, warum Hans und Sophie Scholl am 18.Februar 1943 Flugblätter vor den noch verschlossenen Hörsälen und in den Gängen der Universität München ablegten und weitere in deren Lichthof warfen, werden wir wohl nie erfahren. War es doch eine fast öffentliche, geradezu leichtfertige Aktion, die zur Festnahme der Geschwister durch den Pedell Jakob Schmid und zur Übergabe an die herbeigerufene Gestapo führte. Neue Erkenntnisse, die das im Februar 2013 von Ulrich Chaussy und Gerd R. Ueberschär unter dem Titel «Es lebe die Freiheit!» herausgegebene Kompendium vermittelt, machen annähernde Vermutungen möglich.

Buch 2. April 2013

Roadmap zum Frieden?

Abdullah Öcalan, Die Roadmap für Verhandlungen: Gefängnisschriften.
Bonn 2013: Pahl-Rugenstein. 146 Seiten, Paperback: 9,90 Euro.
von Nick Brauns

Zwischen dem in Isolationshaft auf der Gefängnisinsel Imrali gefangene Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, und dem türkischen Geheimdienst laufen derzeit Verhandlungen über ein Ende des Krieges in Kurdistan. Wie eine solche Lösung aussehen könnte, hat Öcalan bereits im Jahr 2009 in einer „Roadmap für Verhandlungen“ skizziert. Der vom türkischen Staat eineinhalb Jahre lang geheim gehaltene Text ist auch für die weiteren Verhandlungen von zentraler Bedeutung, betont die Internationale Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan –  Frieden in Kurdistan“; sie ist die Herausgeberin der nun vom Pahl-Rugenstein Verlag vorgelegten deutschen Übersetzung.

 

Buch 2. März 2013

Alice im Niemandsland: Alice Schwarzer in der Kritik

Miriam Gebhardt: Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor.
München: DVA, 2012. 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser

Das Buch der in Konstanz lehrenden Autorin Miriam Gebhardt mit dem Untertitel «Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor» ist nicht nur eine Kritik an den Positionen und der dominanten Rolle, die Alice Schwarzer, als Schülerin von Simone de Beauvoir, seit den 70er Jahren in der deutschen Frauenbewegung einnimmt. Es bringt einen Abriss der Entwicklung der deutschen und internationalen Frauenbewegung und geht der Frage nach, warum die Situation in Deutschland – verglichen mit anderen westlichen Ländern und selbst mit der Vergangenheit im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – so provinziell ist. Eine erklärte Antifeministin wie Kristina Schröder konnte hierzulande Frauenministerin werden.

Buch 2. März 2013

Louis Gill: George Orwell. Vom spanischen Bürgerkrieg zu „1984“

Lich: Edition AV, 2012. 156 S., 16 Euro
von Werner Abel

George Orwells Mein Katalonien gehört zweifelsohne zu den Klassikern der Literatur über den Spanischen Krieg. Orwell fühlte sich verpflichtet, die aus der Zweiten Republik heraus beginnende soziale Revolution und die junge Demokratie gegen die franquistischen Putschisten zu verteidigen. Hätte ihm die Kommunistische Partei Großbritanniens nicht ein Empfehlungsschreiben verweigert, wäre er vermutlich in die Internationalen Brigaden eingetreten. So trat er den POUM-Milizen bei, sicher auch deshalb, weil die POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista) gute Kontakte zur englischen Independent Labour Party hatte, mit der Orwell zu der Zeit sympathisierte und deren Mitglied er 1938 werden sollte.

Arbeitskämpfe 10. Februar 2013

Wilder Streik – das ist Revolution!

Der Streik der Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss 1973. (Hrsg. Dieter Braeg.) Berlin: Die Buchmacherei, 2012. 176 S., 13,50 Euro
von Ulrich Peter

Wenn Linke heute die Stichworte «Ausländerstreik, Wilder Streik, 1973» hören, woran denken sie da? Mit Sicherheit an den Streik im Kölner Fordwerk, der vor allem von Arbeitsmigranten getragen wurde und mit einer Niederlage der Streikenden endete. Dabei spielte eine erhebliche Rolle, dass Betriebsrat und IG Metall den Streik ablehnten und Versuche, ihn auch auf Teile der nichtmigrantischen Belegschaft auszudehnen, fast komplett scheiterten. Die Schlagzeile von Springers Bild: «Deutsche Arbeiter kämpften ihr Werk frei» markierte das Desaster dieses Arbeitskampfs.

Buch 10. Februar 2013

Sarah Kaminsky: Adolfo Kaminsky – Ein Fälscherleben.

München: Verlag Antje Kunstmann, 2012. 219 S., 19,90 Euro
von Dieter Braeg

«Als ich beschloss, das Leben meines Vaters aufzuzeichnen, hatte ich mich bewusst dafür entschieden, nur über seine Kämpfe zu berichten und die Erzählung im Jahr 1971 enden zu lassen, als er jede Untergrundtätigkeit aufgab. Ich meinte, dass sein anderes Leben, zu dem ich gehöre, nur für den engeren Kreis seiner Familie und Freunde interessant sei.»

Buch 9. Januar 2013

Die Karrieristin aus Anderland

Gertrud Höhler analysiert den Weg der Kanzlerin
von Paul B. Kleiser

Das neue Buch Die Patin der Literaturwissenschaftlerin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler stellt die bislang schärfste Abrechnung mit dem «System Merkel» aus bürgerlichen Kreisen dar. Auf der Spiegel-Bestenliste hat es bereits Platz 2 erklommen.

Buch 8. Januar 2013

Omar Barghouti: Boykott – Desinvestment – Sanktionen

Die weltweite Kampagne gegen Israels Apartheid und die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas
Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2012. 232 S., 19,80 Euro.
von Martin Forberg

Dieses Buch führt in eine palästinensische zivilgesellschaftliche Kampagne ein, die seit 2005 international von sich reden macht. Seit den Diskussionen um die US-amerikanische Philosophin Judith Butler, der diesjährigen Trägerin des Theodor-W.-Adorno-Preises, ist die BDS-Kampagne auch in Deutschland ein Begriff, denn Judith Butler unterstützt die Kampagne.

Buch 8. Januar 2013

Robert Grimm – Marxist, Kämpfer, Politiker

Hrsg. Bernhard Degen u.a., Zürich: Chronos, 2012. 232 S., 26 Euro
von Sabine Hunziker

Robert Grimm nimmt in der Geschichte der Arbeitskämpfe in der Schweiz eine besondere Rolle ein: Anfang des letzten Jahrhunderts führte er den Landesgeneralstreik an und wenig später machte er mit einem breiten Bündnis zur Landesverteidigung gegen den Nationalsozialismus sozialistische Ideen regierungstauglich.

Buch 8. Januar 2013

Victor Grossman: Rebel Girls – 32 amerikanische Frauen im Porträt

Köln: PapyRossa, 2012. 251 S., 15,90 Euro
von Anton Holberg

Die Frauen, deren Lebensgeschichte der 1928 in New York geborene und während der McCarthy-Ära in die DDR übergesiedelte Victor Grossman hier erzählt, waren – und sind im Fall der hierzulande wohl bekanntesten, Angela Davis und Jane Fonda – alles andere als «Girls». Beginnend mit Anne Hutchinson (1591–1643) bis zur Gegenwart porträtiert der Autor das Leben von 32 Frauen, die größtenteils zunächst in den britischen Kolonien Nordamerikas, später den USA gelebt und für grundlegende Menschenrechte gekämpft und gelitten haben.

Buch 8. Januar 2013

Marion Brasch: «Ab jetzt ist Ruhe». Roman meiner fabelhaften Familie

Frankfurt: S.Fischer, 2012. 399 S., 19,99 Euro
von Dieter Braeg

Marion Brasch erzählt von der Mutter, die aus Wien stammt, dem Vater, Horst Brasch, und ihren drei Brüdern. Ihr Vater bekleidete in der DDR höchste Ämter. Die Eltern, beide jüdischer Abstammung, lernten sich, nachdem sie dem Naziregime entkommen konnten, in London kennen und lieben. Sie gründeten eine Familie, und nach Kriegsende wollte man ein anderes Deutschland aufbauen.

Buch 8. Januar 2013

Victor Serge und sein «Fall Tulajew»

Victor Serge: Die große Ernüchterung. Der Fall Tulajew. Frankfurt a.M.: Edition Büchergilde, 2012. 448 S., 19,95 Euro.

von Christoph Jünke

Die US-amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag nannte ihn «einen der faszinierendsten moralischen und literarischen Helden des 20.Jahrhunderts», ihr Landsmann und Kollege Adam Hochschild «einen der unbesungenen Heroen eines korrupten Jahrhunderts: eine Gestalt von großer politischer Courage und Menschlichkeit».

Buch 11. Dezember 2012

Barbara Unmüßig u.a.: Kritik der grünen Ökonomie

Impulse für eine sozial und ökologisch gerechte Zukunft.
Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2012. 50 S., kostenlos
von Boris Schultz

Zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel von Rio und kurz vor dem Rio+20-Gipfel brachten die Autoren im Rahmen der Schriftenreihe zur Ökologie der Heinrich-Böll-Stiftung diese Broschüre heraus. In fünf Kapiteln bilanzieren die Vereinbarungen und die Entwicklungen der letzten 20 Jahre, erklären die verschiedenen Begriffe von Grüner Ökonomie und geben einen Ausblick, wie es laufen könnte.

Buch 11. Dezember 2012

Krisenproteste

Beiträge aus Sozial.Geschichte Online
Hrsg. Peter Birke, Max Henninger, Berlin: Assoziation A, 2012. 312 S., 18 Euro
von Jochen Gester

Im Jahr 2009 wurde die von der Stiftung für Sozialgeschichte des 20.Jahrhunderts, Bremen, herausgegebene Zeitschrift Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21.Jahrhunderts als Projekt «Sozial.Geschichte Online» neu konstituiert.

Buch 11. Dezember 2012

Armut im Alter

Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung
Hrsg. Christoph Butterwegge u.a., Frankfurt a.M.: Campus, 2012. 393 S., 19,90 Euro.
von Hans-Dieter Hey

Zum aktuellen Thema Altersarmut ist zur rechten Zeit ein weiteres Buch erschienen. Es enthält eine historische Anklage gegen falsche politische Weichenstellungen und mediale Mythen und rückt einiges wieder ins rechte Licht. Ob die «Zuschussrente» von Ursula von der Leyen, die «Solidarrente» der SPD oder die «Riesterrente» der Schröder-Regierung: Für die Autoren sind sie alles Wege, Altersarmut eher zu kaschieren als zu beheben.

Buch 11. Dezember 2012

Was war? Was bleibt? Wege in die WASG, Wege in DIE LINKE

Hrsg. Klaus Ernst u.a., Hamburg: VSA, 2012. 208 S., 12,80 Euro.<br />
von Dieter Braeg

Das Buch dokumentiert Gespräche mit verschiedenen zentralen Protagonisten dieser Vorläuferpartei der LINKEN.

Buch 11. Dezember 2012

Lucy Redler, Das Verschwinden der WASG

Lehren aus drei Jahren WASG für die Zukunft der LINKEN

Berlin: SAV, 2012. 60 S., 3 Euro. Bezug: www.sozialismus.info.

von Dieter Braeg

«Der vorliegende Text beansprucht nicht, die gesamte Geschichte der WASG wiederzugeben. Es soll darin vielmehr analysiert werden, inwiefern Geburtsfehler der Fusion von WASG und Linkspartei.PDS die Ursache für die heutige Krise der Partei sind und wie dies mit der Geschichte ihres Berliner Landesverbands zusammenhängt.»

Buch 11. Dezember 2012

Klaus Mann: «Lieber und verehrter Onkel Heinrich»

Der Briefwechsel zwischen Heinrich und Klaus Mann. (Hrsg. Inge Jens, Uwe Naumann.) Reinbek: Rowohlt, 2011. 304 S., 19,90 Euro
von Peter Fisch

Inge Jens und Uwe Naumann haben eine gediegene Edition des Briefwechsels zwischen Heinrich Mann und seinem 1906 geborenen Neffen Klaus Mann, die beide zu Repräsentanten des antifaschistischen deutschen Exils wurden, vorgelegt – und nicht nur das. Ergänzt wird der 300-Seiten-Band durch alle Tagebuch-Eintragungen von Klaus Mann, die seinen Onkel betreffen, sowie die wichtigsten Aufsätze, die beide übereinander geschrieben haben.

Buch 11. Dezember 2012

Reginald Hill: Rache verjährt nicht

Berlin: Suhrkamp, 2012. 684 S., 19,95 Euro
von Udo Bonn

Wenn sich in einem Roman mit dem Titel Rache verjährt nicht Elemente aus Der Graf von Monte Cristo mit Lady Chatterley vermischen, eine Prise Bourne hinzugefügt wird, die Verbrechen von Private Equity Fonds, Kinderpornografie und russischer Drogenmafia eine Rolle spielen, dann muss man schon ein guter Schriftsteller wie der kürzlich verstorbene Reginald Hill sein, um nicht eine Vorlage für das sonntägliche Schmonzettenabendprogramm des ZDF abzuliefern.

Buch 3. November 2012

Ein Triumph gescheiterter Ideen. Warum Europa tief in der Krise steckt.

Hrsg. Steffen Lehndorff. Hamburg: VSA-Verlag 2012
von Ingo Schmidt

In zehn Länderstudien stellt dieser Band die Verwandlung der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 in die Eurokrise und deren politische Verarbeitung dar. Mit einem Beitrag zu Ungarn ist Osteuropa deutlich unterrepräsentiert, obwohl der IWF dort bereits Strukturanpassungsprogramme durchsetzte, bevor in Griechenland die Troika auftauchte.

Buch 3. November 2012

Wohlwollender Diktator gesucht: Der dritte Bericht an den Club of Rome

Jørgen Randers: 2052 – Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre – Der neue Bericht an den Club of Rome.
von Gerhard Klas
Die Finanzkrise und die Erschütterungen der Weltwirtschaft haben ein Thema in den Hintergrund gedrängt, das noch viel unausweichlichere Konsequenzen für die Menschheit haben wird: Die Verwüstung der Welt durch Klimawandel, Artensterben und Raubbau an den Ressourcen. Die deutsche Ausgabe des jüngsten Berichts an den Club of Rome setzt genau dieses Phänomen auf die Agenda.

Buch 3. November 2012

Alan Steinweis: Kristallnacht 1938. Ein deutscher Pogrom.

Stuttgart: Reclam 2011. 207 S., 22,95 Euro
von Peter Fisch

Alan Steinweis, Historiker und Direktor des Center for Holocaust Studies an der University of Vermont, hat auf ein bekanntes historisches Ereignis, die «Reichskristallnacht» vom November 1938, einen frischen Blick geworfen, neue Problemstellungen fixiert und Antworten gefunden, die die bisherigen Erkenntnisse nicht unwesentlich erweitern bzw. korrigieren.

Buch 1. Oktober 2012

Gunnar Hinck: Wir waren wie Maschinen

Getrübter Blick auf die 70er Jahre
von Dieter Braeg

Die Maschinenmenschen sind mir im Buch von Gunnar Hinck (Jahrgang 1973) nicht begegnet, dafür begegneten mir vor allem Peter Bernd, Rudi Dutschke, Joschka Fischer, Thomas Schmid, Hans Gerhard Schmierer und einige andere.

Buch 1. Oktober 2012

Domenico Losurdo: Stalin-Geschichten

Legendenkritik und neue Legenden
von Arno Klönne

Der italienische Philosoph Domenico Losurdo, hervorgetreten mit einigen höchst lesenswerten Studien über politische Ideengeschichte, hat sich vor einigen Jahren mit einer «schwarzen Legende» auseinandergesetzt, dem Bild nämlich, das im öffentlichen Diskurs über die Person und Politik des sowjetischen Staatsmannes J.W.Stalin präsent war oder ist.

Buch 1. Oktober 2012

Hat Demokratie eine Zukunft?

Eine Debatte unter Linken
von Paul Kleiser

Der kleine Pariser Verlag La Fabrique, der sich vor allem mit der Publikation von zionismuskritischen Schriften hervorgetan hat, bat vor einiger Zeit eine Reihe von linken Philosophen um Beiträge zur Frage, ob es heute noch Sinn mache, sich als «Demokrat» zu bezeichnen, wo doch «alle Welt» dies tue.

Buch 3. September 2012

Kaltes Land. Gegen die Verrohung der Bundesrepublik.

Für eine humane Gesellschaft

(Hg. H.Platta/R.Bauer), Hamburg: Laika-Verlag, 2012, 253 S., 22,90 Euro

von Karin Gerlich

In der BRD wurde vor allem mit der Agenda 2010 ein gesetzgeberisches Klima geschaffen, in dem Wohlhabende steuerlich – um der Wettbewerbsfähigkeit willen – massiv entlastet und Banken mit Milliardenbürgschaften gestützt, gleichzeitig aber fast 7 Millionen Menschen in Hartz IV abgedrängt werden. Diese Entwicklung wird von der Politik nicht etwa bekämpft, sondern Jahr für Jahr gesetzlich durch materielle Verschlechterungen für die Betroffenen und durch willkürliche Sanktionen untermauert.

Buch 3. September 2012

Krimi von Pete Dexter: God’s Pocket

Frankfurt: S.Fischer, 2012, 368 S., 9,99 Euro

von Udo Bonn

Was Hell’s Kitchen für die irischstämmigen New Yorker war, ist in Philadelphia God’s Pocket.

Buch 1. Juli 2012

Drei Sommerkrimis

Empfehlungen von Udo Bonn

Oliver Harris, London Killing. München: Blessing, 2012, 479 S., 19,95 Euro

Jim Thompson, Der Mörder in mir. Zürich: Diogenes, 1992, 234 S., 9,90 Euro
Michael Robotham, Der Insider. München: Goldmann, 2012, 539 S., 14,99 Euro

Buch 1. Juni 2012

Sapere aude – Wage zu denken!

Heiner Geißler: Sapere aude! Warum wir eine neue Aufklärung brauchen, Berlin: Ullstein, 2012, 157 S., 16,99 Euro

von Paul B. Kleiser

Heiner Geißler zählt hierzulande zu den profiliertesten Vertretern des Wertkonservatismus. Wer ihn noch als scharfmachenden Generalsekretär der CDU in Erinnerung hat, könnte sagen, dass er eine Kehrtwende vollzogen hat und altersweise geworden ist. Die Führung der CDU ist meistens «not amused», wenn er als Gast in diversen Talkrunden Kampfreden gegen Finanzkapitalismus und Neoliberalismus hält.

Buch 1. Juni 2012

Cecosesola: Die gelebte Utopie einer Kooperative

Arbeiten ohne Chef

von Werner Ruhoff

Anlässlich des 45-jährigen Bestehens der Kooperative Cecosesola in der Millionenstadt Barquisimeto östlich von Caracas erschien im Berliner Verlag «die Buchmacherei» das Buch «Auf dem Weg – Gelebte Utopie einer Kooperative in Venezuela». Drei Mitglieder der Kooperative waren in Deutschland unterwegs, um über ihre Geschichte zu berichten.

Buch 1. Mai 2012

Die Ideologie der Ungleichwertigkeit

Zehn Jahre «Deutsche Zustände»
von Christian Linde

Zehn Jahre lang hat das Team um den Soziologen Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld zur «gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit» geforscht. In dieser Zeit hat sich die Bundesrepublik verändert.

Buch 1. Mai 2012

Buch: Ingrid Bachér: Die Grube.

Roman, Berlin: Dittrich, 2011, 173 S.

von Dieter Braeg

Ohne Kriegserklärung gibt es zwischen Köln und Mönchengladbach eine Gegend, die Menschen heimatlos gemacht hat und wohl auch noch macht, dort gibt es eine tote Landschaft.
Landschaft? Nein, es ist ein Bild der Zerstörung, verursacht durch Kapital und Politik. Blühende Landschaften verrecken, Schaufelradbagger, deren größter am Tag (!) 240.000 Kubikmeter Erde, also Landschaft, „bewegt», damit RWE Power Geschäfte macht – auf Kosten der Menschen, ihrer Gesundheit und gegen ihre Interessen.

Buch 2. April 2012

Tomas Sedlacek: Die Ökonomie von Gut und Böse

München: Hanser, 2012, 448 Seiten, 24,90 Euro

von Gerhard Klas

Wenn der Wirtschaftsmotor nicht brummt und ganze Volkswirtschaften in die Rezension zu rutschen drohen, schlägt die Stunde der Ökonomen. Oder besser gesagt: Die Stunde der Ökonomen, die vermeintlich alles – oder vieles – anders machen wollen. Einer von ihnen ist der junge Tscheche Tomas Sedlacek.

Buch 2. April 2012

Marc Thörner, Die arabische Revolution und ihre Feinde

Hamburg: Edition Nautilus, 2012.

Dass die Politik des Westens gegenüber der «arabischen Welt» nicht unbedingt von tief empfundenen demokratischen Überzeugungen geleitet wird, ist mittlerweile eine Binsenweisheit und spätestens während der arabischen Demokratiebewegung wohl auch dem oberflächlichsten Beobachter klargeworden.

Buch 2. April 2012

Günther Sandleben: Finanzmarktkrise – Mythos und Wirklichkeit

Wie die ganz reale Wirtschaft die Krise kriegt, Norderstedt: Books on demand, 2011, 124 Seiten, 7,90 Euro.

Das Büchlein will in der Hauptsache die auch unter Linken verbreitete, bürgerliche, These widerlegen, die neue Weltwirtschaftskrise sei durch den Kollaps der Finanzwelt ausgelöst worden – populär ausgedrückt: durch die Gier der Banker.

Buch 2. April 2012

Raimund Wolfert, Nirgendwo daheim

Das bewegte Leben des Bruno Vogel, Leipzig: Universitätsverlag, 2012, 303 S., 29 Euro

von Werner Abel

«Größenwahnsinnige Offizierstypen hetzen mit unzähligen frechen, verlogenen Phrasen zum Kampf für Recht und Ehre, das blanke Schwert in der Faust, um dann die Machtgelüste ihrer Caligulaseelchen wieder möglichst ungehemmt ausleben zu können … Bedauernswerte empfehlen den Krieg als läuterndes Stahlbad, denn er bietet ihnen tausend köstliche Gelegenheit zur gefahrlosen Befriedigung ihrer Triebe.»

Buch 2. April 2012

Pete Dexter – Zwei Krimis

Train, Frankfurt: S.Fischer, 2012, 400 S., 10,99 Euro
Paris Trout
,
Frankfurt: S.Fischer, 2010, 416 Seiten, 9,50 Euro

von Udo Bonn

Die Entstehung und Reglementierung vieler Sportarten diente häufig der Wehrertüchtigung der bewaffneten Klassen. Nicht nur die Kunst des Bogenschießens und die zahlreichen Varianten des Boxens und Ringens spielten hier eine Rolle, auch Rudern, Reiten und sogar Fußballspielen galt der körperlichen Stärkung der herrschenden gesellschaftlichen Schichten.

Nur Online 1. April 2012

„Es gibt noch Leben in dem alten Kerl Trotzki“

Rezension einer neuen Trotzki-Biografie von Reiner Tosstorf.

Zur Trotzki-Biographie von Robert Service

Buch 13. März 2012

Hans Rudolf Vaget, Thomas Mann, der Amerikaner

Frankfurt: Fischer, 2011, 545 S., 24,95 Euro
von Peter Fisch

Vom Cover der Studie von Vaget blickt uns der fast 70-jährige «Doyen des antifaschistischen deutschen Exils», Thomas Mann, an. Offensichtlich wurde das Foto im Garten seines Wohnhauses in Pacific Palisades am San Remo Drive, inmitten der «seven palms», aufgenommen. Es zeigt uns den Thomas Mann, wie wir ihn kennen, ganz seiner Rolle bewusst und entsprechend stilvoll gekleidet.

Buch 5. Februar 2012

Hörbild zum Zionismus

Söldner gegen die Zukunft oder «Die einzige Demokratie im Nahen Osten». Hörbild zum Zionismus, Neu-Isenburg: Melzer-Verlag, 2011, 14,99 Euro

von Anton Holberg

Der Melzer Verlag hat ein überaus wichtiges, aus zwei CDs bestehendes Hörbuch zum Zionismus und dessen staatlicher Gestalt, Israel, herausgegeben. Von Bedeutung ist insbesondere die erste CD.

Buch 5. Februar 2012

Die Chancengewerkschaft

Martin Kempe: 10 Jahre Ver.di. Die Chancengewerkschaft, Münster: Westfälisches Dampfboot, 2011, 113 S., 9,80 Euro

von Helmut Born

Im letzten Jahr hat Martin Kempe, ehemals Chefredakteur der Ver.di-Zeitschrift Publik, in einem Essay die Geschichte der vereinten Dienstleistungsgewerkschaft aus seiner Sicht zu Papier gebracht. Dabei hat er einen gut lesbaren Text geschrieben. Dass ihn eine sehr spezielle Sicht darauf leitet, verwundert nicht. Allerdings sieht er manches zu positiv.

Buch 5. Februar 2012

Die Quandts: Reich geworden am Elend der anderen

Joachim Scholtyseck: Der Aufstieg der Quandts. Eine deutsche Unternehmerdynastie, München: C.H.Beck, 2011. 1184 S., 39,95 Euro

von Larissa Peiffer-Rüssmann

Der Bonner Historiker Joachim Scholtyseck legt erstmals im Auftrag der Familie Quandt die Firmengeschichte dieses deutschen Industrieimperiums offen.
Mit ihrem weit verzweigten Industrieimperium gehören die Quandts zu den reichsten Familien in Deutschland; das US-Wirtschaftsmagazin Forbes listete 2011 gleich drei Familienmitglieder unter den zehn reichsten Deutschen: Susanne Klatten auf Platz 3, Stefan Quandt auf Platz 5 und Johanna Quandt auf Platz 7.

Buch 5. Februar 2012

Hotel Lux

Ruth von Mayenburg: Hotel Lux. Die Menschenfalle. Mit Drehbuchnotizen von Heinrich Breloer, München: Sandmann, 2011, 384 S., 24,80 Euro

von Werner Abel

Die Kunde von dem Mord im fernen Mexiko im August 1940 versetzte die Bewohner des riesigen Hauses in der Moskauer Maxim-Gorki-Straße 10 in helle Aufruhr. In dem mächtigen Bau, der 1911 als Hotel errichtet und 1921 von der Kommunistischen Internationale zur Unterbringung ihrer nach Moskau gereisten Mitglieder requiriert worden war, wohnten noch immer Funktionäre der Komintern, aber auch Emigranten aus jenen Ländern, in denen die kommunistischen Parteien verboten worden waren.

Buch 5. Februar 2012

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts, Reinbek: Rowohlt, 2011, 426 S., 19,95 Euro

von Jürgen Meier

Dieser Roman ist wahrlich keine erbauliche Lektüre für Kommunisten, die, wie die Romanfigur Kurt, vierzig Jahre der SED die Treue gehalten haben, vielleicht im besten Glauben, auf diese Weise den Sozialismus zur Entfaltung bringen zu können, vielleicht aber auch nur, weil sie zu feige waren, die Welt nicht nur nach den Direktiven des ZK zu interpretieren, sondern sie Marschen Sinne permanent verändern zu wollen. Nach flüchtiger Lektüre scheint dieses mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnete Buch nichts anderes im Sinn zu haben, als den Sozialismus als Alternative zum Kapitalismus in den Dreck zu ziehen. Doch dieser Schein trügt.

Buch 5. Februar 2012

Poststalinistische Eierschalen

Herbert Meißner: Trotzki und der Trotzkismus, Berlin: Verlag Wiljo Heinen, 2011, 190 S., 13,50 Euro

von Paul B. Kleiser

Es gibt keine Figur der modernen Geschichte, die in einem solchen Umfang geschmäht und verleumdet worden ist wie der russische Revolutionär Leo Trotzki. Auch in der Nachkriegszeit erschienen im Ostblock in regelmäßigen Abständen Schriften, die seine Ansichten «widerlegten»; gleichwohl konnte man die «Widerlegungen» nicht überprüfen, da sich Trotzkis Schriften im Giftschrank befanden.

Buch 5. Februar 2012

Paradies in schwerer Zeit

Thomas Blubacher: Paradies in schwerer Zeit. Künstler und Denker im Exil in Pacific Palisades, München: Sandmann, 2011, 169 S., 29,90 Euro

von Peter Fisch

Tausende Kilometer hatten sie hinter sich gelassen, Staatsgrenzen, Berge und Ozeane, um hierher zu gelangen mit dem alles beherrschenden Ziel, dem Terror und Tod, all dem, was ihnen in Nazideutschland drohte, zu entgehen. Es waren meist deutschsprachige Intellektuelle, denen es gelang, überwiegend von Südfrankreich aus, den Pazifik zu erreichen.
So entstand eine einzigartige «Republik des Geistes» in Südkalifornien, ein «überdimensioniertes Sanary-sur-mer» (die Gemeinde an der Côte d’Azur beherbergte im Zweiten Weltkrieg zahlreiche deutsche Emigranten, von denen einige später in Los Angeles wieder zusammentrafen).

Arbeitswelt 5. Februar 2012

Über Arbeit in Volker Brauns Erzählung „Die hellen Haufen“

„Die Enkel löffelns besser aus“1

Volker Braun: Die hellen Haufen, Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011, 96 S., 14,90 Euro

von Michael Banos

In der Januarausgabe der SoZ gab es einen kleinen, in der Kürze aber sehr trefflichen Buchtipp von Christel Berger zu Volker Brauns neuer Erzählung. „Ein Buch, das mehrmals zu lesen lohnt“, schreibt sie. Richtig, denn alle Seiten des schmalen Bändchen sind auch NACHDENKSEITEN. Und: „Als Philosoph und Lyriker, Chronist und sozialistischer Träumer in einer Person, denkt er über das Wesen und den Sinn von Eigentum nach und über Gewalt, über den Wert von Arbeit sowieso.“
Also: nochmals gelesen und über den Wert von Arbeit nachgedacht, bei Volker Braun nachgelesen.

Buch 1. Januar 2012

Den Betrieb übernehmen

Zur dritten Ausgabe der Zeitschrift LuXemburg

Anfang November fand auf Einladung der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin eine internationale Konferenz zum Thema «Belegschaftseigentum, Kooperativen und Genossenschaften: Einstieg in die Transformation?» statt. Der Vorbereitung der Konferenz widmete sich die dritte Ausgabe der Zeitschrift Luxemburg. Einige Autoren waren auch zu Gast bei der Konferenz.

Arbeitskämpfe 1. Januar 2012

Gestreikt. Gekündigt. Gekämpft. Gewonnen.

Gestreikt. Gekündigt. Gekämpft. Gewonnen. Die Erfahrungen der Emmely-Kampagne (Hg. Komitee «Solidarität mit Emmely»), AG SPAK Bücher, 9,50 Euro

Dass Beschäftigte in der Firma einmal etwas mitgehen lassen, ist normal. Auch dass sie bereits bei Verdacht auf Diebstahl gekündigt werden. Doch manchmal ist normal nicht mehr normal. So geschehen im Fall der gekündigten Kassiererin Barbara Emme. Ihre Kündigung mündete in eine öffentlichen Debatte, in der sichtbar wurde, wie unterschiedlich Menschen in dieser Gesellschaft je nach Klassenlage behandelt werden. Emmely war Thema in den Gazetten von Bild bis FAZ und schaffte es zu Kerner und zu Anne Will. Im Juni 2010 hatte die Kassiererin ihre Arbeitsstelle wieder.

Buch 1. Januar 2012

Volker Braun: Die hellen Haufen

Volker Braun: Die hellen Haufen. Erzählung, Berlin: Suhrkamp, 2011, 97 S., 14,90 Euro

von Christel Berger

Knapp hundert Seiten, die es in sich haben! Wieder offenbart Volker Braun eine andere Seite seines Könnens: Diesmal schreibt er – «ein Narr» – über etwas, das es nicht gab: einen Aufstand von Arbeitern, die nach der Auflösung der DDR ihre Betriebe zurückhaben wollen.

Buch 30. Dezember 2011

Buchtipps

von  Anja Köhler

Hugo Blanco: «Wir Indios». Der Kampf der Indígenas gegen rassistische Unterdrückung und die Zerstörung der Umwelt, Frankfurt: Neuer ISP Verlag, 2011, 175 S., 19,80 Euro und
Bernhard Schmid: Distanzieren. Leugnen. Drohen. Die europäische extreme Rechte nach Oslo, Münster: edition assemblage, 2011, 120 S., 12,80 Euro

Buch 30. Dezember 2011

Freiheit statt Kapitalismus

Sahra Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus, Frankfurt: Eichborn, 2011, 365 S., 19,95 Euro

von Paul B. Kleiser

Es ist eine Art Programmschrift, vermutlich mit Blick auf die Debatten um das neue Programm der Linkspartei verfasst. In gewisser Weise tritt Sahra Wagenknecht in die Fußstapfen von Oskar Lafontaine und schreibt sein Werk Politik für alle in die Gegenwart fort; vielleicht bietet sie sich damit auch für höhere Aufgaben an. Angeblich möchte der Star zahlreicher Talkshows «den typischen FDPlern entgegenhalten, wie Marktwirtschaft tatsächlich funktioniert». Es fragt sich nur, welches Idealbild von Markt hier verkündet wird.

Buch 30. Dezember 2011

Eine Geschichte der Novemberrevolution

Richard Müller: Eine Geschichte der Novemberrevolution in 3 Bänden, Berlin: Die Buchmacherei, 2011, 756 S., 19,90 Euro

von Dieter Wegner

Mit seinem Buch Richard Müller. Der Mann hinter der Novemberrevolution entriss der junge Berliner Historiker Ralf Hoffrogge Richard Müller und die Revolutionären Obleute von Berlin vor drei Jahren dem Vergessen. Ihm und dem kleinen Berliner Verlag «Die Buchmacherei» ist es nun zu verdanken, dass nach Jahrzehnten Müllers Geschichte der Novemberrevolution neu aufgelegt wurde.

Buch 30. Dezember 2011

Zeit des Zorns

Don Winslow: Zeit des Zorns, Berlin: Suhrkamp, 2011, 338 S., 14,95 Euro
von Udo Bonn

Ophelia liebt Ben, den liebevollen Weltenbummler, der sein Geld in soziale Projekte steckt. Ophelia liebt Chon, den harten Ex-Marine. Ben und Chon sind Freunde, die in großem Umfang Gourmet-Marihuana züchten und im südlichen Kalifornien an die ausgesuchte Kundschaft bringen. Bis ihnen das mexikanische Baja-Kartell in die Quere kommt:

Buch 8. November 2011

Das Märchen von den Kleinkrediten

von Angela Huemer

Gerhard Klas: Die Mikrofinanz-Industrie. Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut, Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2011, 19,80 Euro, 320 S.

Wer sich jemals selbst um einen Kredit bemüht hat, weiß, dass die Zinsen umso höher sind, je weniger Sicherheiten man zu bieten hat – falls man überhaupt einen Kredit bekommt. In den letzten Jahren sind die Kreditzinsen ziemlich gesunken, für rund 3–5% Jahreszinsen kann man sich Geld leihen. Die Dispozinsen bei der Bank liegen schon etwas höher – bei 14% oder mehr. Und in der kleinen Geschichte der Kredite, die Gerhard Klas an den Anfang seines Buches stellt, erfahren wir, dass in der Antike Kredite nur in absoluten Notlagen aufgenommen wurden und Zinsen verpönt waren. Platon bspw. warf den Zinsnehmern vor, die Armut zu vergrößern.

Buch 8. November 2011

Bis an die Grenzen

Fabien Didier Yene: Bis an die Grenzen, Klagenfurt: Drava, 2011, 19,80 Euro
von Angela Huemer

Die Chronik einer Migration, erzählt von einem Migranten.

Buch 8. November 2011

Die Stunde des Schakals

Bernhard Jaumann: Die Stunde des Schakals, Reinbek: Rowohlt, 2011, 318 S., 9,99 Euro
von Udo Bonn
Bernhard Jaumann hat in seinem zu Recht mit dem deutschen Krimipreis 2011 gewürdigten Roman Die Stunde des Schakals eine Frauenrolle entwickelt, die so tough und dabei so lebensecht ist, dass sie dem Leser nur staunende Bewunderung entlockt.

Buch 3. Oktober 2011

Die jüdische Nationalbewegung und ihr Verhältnis zum Westen

Daniel Cil Brecher, Der David – Der Westen und sein Traum von Israel Köln: PapyRossa, 2011 246 S., 15,90 Euro

von Anton Holberg
Anfang August veröffentlichte der Kölner PapyRossa-Verlag ein wichtiges und, um es vorweg zu sagen, hervorragendes Buch von Daniel Cil Brecher über zentrale im Westen kursierenden Mythen über Israel. Der Autor, 1951 in Tel Aviv geboren und heute in den Niederlanden lebend, ist Historiker, hat an der Universität Haifa und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gearbeitet und war Direktor des Leo Baeck Instituts in Jerusalem.

Buch 3. Oktober 2011

Rote Fahnen – Rote Lippen

Marianne Brentzel, Rote Fahnen – Rote Lippen, Edition ebersbach, 288 S., 18 Euro

von Michael Banos

Wenn wir in diesen Tagen auf 25 Jahre SoZ zurückblicken, lohnt sich auch ein Blick auf die Jahre davor, die Jahre, in denen sich viele tausend Menschen in revolutionären Parteien, Parteiaufbauorganisationen, kommunistischen Bünden organisierten. Marianne Brentzel hat darüber ein sehr lesenswertes Buch geschrieben, worin sie auch von ihren Jahren in der Landesleitung NRW der KPD/AO berichtet.

Buch 3. Oktober 2011

Einschlägig bekannt, Moonlight Mile, Dunkler Gefährte

Dominique Manotti, Einschlägig bekannt, Berlin: Argument, 2011, 250 S. 12,90 Euro.

Dennis Lehane, Moonlight Mile, Berlin: Ullstein, 2011, 380 S., 9,99 Euro.

Jim Nisbet, Dunkler Gefährte, Pulpmaster, 2010, 191 S., 12,80 Euro.

von Udo Bonn
Das wird wohl eine Ausnahme bleiben: Zum dritten Mal in diesem Jahr wird ein Roman von Dominique Manotti an dieser Stelle präsentiert – aber es wäre ein schwerer Fehler darauf zu verzichten. Einschlägig bekannt kann gelesen werden als Abrechnung mit Sarkozys Kärcherpolitik, mit der er als Innenminister seine Präsidentschaftskandidatur vorbereitete, oder als Ursachenforschung für die jüngsten Unruhen in britischen Großstädten.

Buch 3. Oktober 2011

Grenzüberschreitungen

Günter Blamberger, Heinrich von Kleist. Biographie, Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2011; 597 S., 24,90 Euro.

von Paul B. Kleiser

Vor 200 Jahren starb Heinrich von Kleist

Am 21.November 1811 erschoss Heinrich von Kleist am Berliner Wannsee zuerst seine Freundin Henriette Vogel und dann sich selbst. Damit endete das Leben eines der größten und widersprüchlichsten deutschen Schriftsteller, der zu seinen Lebzeiten kaum Anerkennung gefunden hat. Zu radikal war sein Kampf um die Freiheit des Individuums, dessen höchste Verwirklichung der Künstler sein sollte, als dass eine von Standesdünkel geprägte Gesellschaft sich darauf hätte einlassen können. Erst im 20.Jahrhundert begann eine ernsthafte, teilweise aber auch höchst ideologische Rezeption. Heute gehören seine acht Dramen und acht Novellen unbestreitbar zur Weltliteratur; die Zahl der Forschungsarbeiten zu diesem Dichter ist Legion.

Alternativwirtschaft 1. September 2011

Economie Sociale – eine Alternative zum Kapitalismus/Beitragen statt tauschen

Thierry Jeanette, Economie Sociale – eine Alternative zum Kapitalismus
Neu-Ulm: AG SPAK 2010, 114 S., 16 Euro.
Christian Siefkes, Beitragen statt tauschen. Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software
Neu-Ulm: AG SPAK 2010, 168 S., 16 Euro.

von Gisela Notz

Mit dem Zerfall des real existiert habenden Sozialismus scheinen Alternativen zum Kapitalismus in Verruf geraten zu sein, jedenfalls soweit es sich um konkrete Utopien und nicht lediglich um Protesterklärungen und Petitionen handelt. Dass gemeinsame Produktion Spaß machen, dass sie angenehm und befriedigend sein kann, wissen alle, die sich in Projekten der alternativen Ökonomie engagiert haben. Thierry Jeanet und Christian Siefkes spinnen die Ideen weiter. Beide fragen nach theoretischen Ansätzen für eine Wirtschaftsweise jenseits von Warenproduktion und Markt und zugleich nach deren praktischer Umsetzung. Ihr Interesse richtet sich darauf, wie ein Gesellschaft aussehen könnte, die von den Bedürfnissen der Menschen bestimmt wird und nicht alleine durch die Interessen des Kapitals.

Buch 1. September 2011

Die «proletarische Wende» der 70er Jahre

Ein Buch, zwei Ansichten

Jan Ole Arps, Frühschicht. Linke Fabrikintervention in den 70er Jahren,
Hamburg: Assoziation A, 2011, 240 Seiten, 16 Euro

von Jochen Gester und Dieter Braeg

Buch 1. September 2011

Vikas Swarup, Immer wieder Gandhi

Immer wieder Gandhi

Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2001, 623 S., 9,95 Euro
von Udo Bonn

Ein ehemaliger Staatsfunktionär, berüchtigt für seine Korrumpierbarkeit und seine Affären, der nach einer Séance meint, Gandhi zu sein, eine berühmte Schauspielerin, ein Stammesangehöriger von einer der Andaman-Inseln auf der Suche nach einem gestohlenen Totem, ein um seine Liebe betrogener Handy-Dieb, der Innenminister von Uttar Pradesh, dessen Karriere durch die Eskapaden seines Sohnes verbaut wird, und ein Gabelstaplerfahrer aus Waco, Texas, auf der Suche nach seiner Katalogbraut – sie alle könnten Vicky Rai umgebracht haben.

Buch 1. September 2011

«… wird mit Brachialgewalt durchgefochten»

Bewaffnete Konflikte mit Todesfolge vor Gericht. Berlin 1929 bis 1932/33

Köln: PapyRossa, 2011, 154 S., 14 Euro
von  Johannes Fülberth
Schon lange gilt es unter linken und bürgerlichen Antifaschistinnen und Antifaschisten als ausgemacht, dass die Justiz der Weimarer Republik in krasser Weise auf dem rechten Auge blind war. Tatsächlich hatte es die Republik versäumt, Richter- und Staatsanwaltschaft nach dem Novemberumsturz 1918 zu erneuern. Es gab zwar einen Republikanischen Richterbund, dem aber nur wenige Richterinnen und Richter angehörten. Die meisten gehörten zum Deutschen Richterbund, der offiziell als politisch neutral galt, inoffiziell aber monarchistisch und deutschnational ausgerichtet war.

Buch 28. Juli 2011

Chinas Aufstieg zur Weltmacht

Zwei Zeitschriften zum Thema
Fred Schmid, «China – Krise als Chance?» Aufstieg zur ökonomischen Weltmacht. isw-report (München), Nr.83/84, Dezember 2010«China im globalen Kapitalismus»
Prokla (Münster), Nr.161, Dezember 2010
von Paul Kleiser

Seit dem Ende der 70er Jahre und im Gefolge der Wirtschaftsreformen von Deng Xiaoping hat die chinesische Wirtschaft ein unglaubliches Wachstumstempo hingelegt. Ein agrarisch strukturiertes Land hat sich zu einer modernen Industriegesellschaft entwickelt.

Buch 28. Juli 2011

Ulrich Grober, Die Entdeckung der Nachhaltigkeit

Kulturgeschichte eines Begriffs
München: Kunstmann, 2010, 299 Seiten, 22,50 Euro
von Hermann Dworczak
Die atomare Katastrophe in Japan zeigt drastisch, was es mit der Mär vom «billigen, sauberen und sicheren Atomstrom» auf sich hat. Wer tiefer schürfen will und für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur optiert, für die ist das Buch von Ulrich Grober die ideale Lektüre.

Buch 10. Juli 2011

Leonardo Padura, Der Mann, der Hunde liebte

Zürich: Unionsverlag, 2011, 730 Seiten, 28,90 Euro
von Jürgen Meier
Dem Kubaner Leonardo Padura ist es gelungen, einen Roman zu schreiben, der auf drei Ebenen schildert, wie Stalins Terrorherrschaft Millionen Menschen liquidierte, aber auch viele Kommunisten in ihren Bann zog, und wie Trotzki noch sechzig Jahre nach seiner Ermordung für junge Kubaner eine Unperson geblieben ist, dessen tatsächliche Geschichte und Ideen niemand wirklich interessierten.

Buch 10. Juli 2011

Jakob Rosenberg/Georg Spitale, «Grün-weiss unterm Hakenkreuz»

Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus
Hg. DÖW und SK Rapid. Wien 2011, 303 Seiten, 18,99 Euro
von Dieter Braeg

Von Stefan Goch und Norbert Silberbach erschien 2005 das Buch Zwischen Blau und Weiß liegt Grau, es dokumentiert die Geschichte des FC Schalke 04 in der Zeit des Nationalsozialismus.

Buch 27. Mai 2011

Was sollen wir essen?

Leitfaden für kritische Verbraucher
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Thilo Bode, Die Essensfälscher. Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen. Frankfurt 2011: S.Fischer, 14,90 Euro

Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie gibt jährlich 2,8 Milliarden Euro für Werbung aus, mehr als die Autoindustrie. Vor allem die großen Lebensmittelkonzerne sind zum Wachstum verdammt, denn ihr Erfolg misst sich an der Rendite.

Buch 27. Mai 2011

Anita Idel, Die Kuh ist kein Klima-Killer

Marburg 2010: Metropolis, 210 S., 18 Euro
von Boris Schultz
Anita Idel leistet mit diesem Buch einen sehr wichtigen Beitrag zur aktuellen Klimaschutzdebatte. Sie betont die Bedeutung der ökologisch vertretbaren Weidehaltung für den Klimaschutz.

Buch 27. Mai 2011

Klassenanalyse@BRD

Arbeitende Klasse in Deutschland –
Macht und Ohnmacht der Lohnarbeiter

E.Lieberam/J.Miehe (Hg.), Bonn 2011: Pahl-Rugenstein, 210 S., 19,90 Euro
von Jochen Gester

Lieberam/Miehe legen eine Aufsatzsammlung vor, deren Hauptteil sich mit der strukturellen Entwicklung der Arbeiterklasse in den letzten Jahrzehnten befasst und darüber hinaus versucht, die Faktoren zu beschreiben, die verhindern, dass sich die abhängig Beschäftigten als selbstbewusste und handlungsfähige Klasse konstituieren.

Buch 27. Mai 2011

Der Afghanistankrieg ist aussichtslos

Warum wird er dann geführt?
Umgangssprachlich: Krieg – Testfall. Afghanistan und deutsche Politik (Hg.Mario Tal) Köln: 2010, PapyRossa, 275 S., 14,90 Euro
von Anton Holberg

Als einer der führenden Rüstungsexporteure ist die Bundesrepublik Deutschland schon lange indirekt in viele, wenn nicht alle Kriege oder bewaffnete Konflikte der Welt verwickelt; am unmittelbarsten bislang allerdings in den Afghanistankrieg.Der vorliegende Sammelband zeigt in 14 Beiträgen elf verschiedener Autoren faktenreich auf, dass die ursprüngliche Rechtfertigung für diesen Krieg, ebenso wie für den unmittelbar vorhergegangenen Irakkrieg, nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Buch 27. Mai 2011

Kochbuch für die harten Zeiten

Reinhard P. Gruber, «Einfach Essen!». Graz/Wien: 2010, Literaturverlag Droschl, 120 Seiten, 18 Euro
von Dieter  Braeg

Über den Autor Reinhard P. Gruber muss man mehr als nur einige lobende Worte erwähnen. Er hat viele gute Texte geschrieben, und er wäre es wert, im deutschsprachigen Raum mehr gelesen zu werden. Da wäre zum Beispiel sein Buch Nie wieder Arbeit, da kann man ein Manifest lesen, hieraus eine kurze Kostprobe:

Buch 27. April 2011

Hermann Scheer, Der energethische Imperativ

München: Kunstmann, 2010
Hundert Prozent jetzt!
von Rolf Euler
Hermann Scheer, langjähriger Streiter für solare Wirtschaft und Energiegewinnung, Träger des Alternativen Nobelpreises, starb im Oktober vergangenen Jahres. Kurz darauf erschien sein Buch Der energethische Imperativ, sein Erbe sozusagen, das auf erhöhte Aufmerksamkeit stieß, als durch das Atomunglück in Japan alle Welt plötzlich von alternativen Energien redete.

Buch 20. April 2011

Das demokratische Weinbuch

Wein soll das Volk trinken!

Rainer Balcerowiak
Das demokratische Weinbuch
Augsburg: Mondo Communications, 2010
128 S., 14,95 Euro
von Dieter Braeg

Es gibt so Diskussionen in jenen Kreisen, Indiesemihremland, die sich große Sorgen machen, wie man nun den Spargel essen solle – mit Messer und Gabel, mit Spezialbesteck oder gar, ohpfui, mit den Händen. Menschen, die über solche und ähnliche Probleme schreiben, erzeugen dann Sätze wie: «Die Feinschmeckerei als Ausdruck einer hedonistischen Lebensweise gehört mittlerweile zum gängigen Lebensstil.» Ähh, geht‘s denn noch?

Buch 2. Februar 2011

Die Legende vom widerständigen Köln

Horst Matzerath, Köln in der Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945
Teil des Gesamtwerks Geschichte der Stadt Köln, Bd.12
Köln: Greven, 2009, 657 S., 60 Euro

von Larissa Peiffer-Rüssmann
Bis in die 70er Jahre hielt sich die Legende, derzufolge die rheinische Metropole Köln angeblich prinzipiell gegen den Nationalsozialismus eingestellt gewesen sei, gar ein Hort des Widerstands.

Buch 2. Februar 2011

Solidarische Ökonomie: Ein Wegweiser und ein Denkweiser

Gisela Notz, Theorien alternativen Wirtschaftens.
Fenster in eine andere Welt, Stuttgart: Schmetterling, 2010

Elisabeth Voß, Wegweiser Solidarische Ökonomie.
Anders Wirtschaften ist möglich!, Neu-Ulm: AG SPAK, 2010

von Rolf Euler

Nachstehend werden ein „Wegweiser“ und ein „Denkweiser“ vorgestellt: Elisabeth Voß stellt einen „Wegweiser Solidarische Ökonomie“ zusammen, Gisela Notz eine Übersicht über „Theorien alternativen Wirtschaftens“.

Buch 2. Februar 2011

Stefan Klein, Der Sinn des Gebens

Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und wir mit Egoismus nicht weiterkommen
Frankfurt: S.Fischer, 2010, 335 S., 19,95 Euro

von Paul B. Kleiser

Der wirtschaftliche und ideologische Siegeszug des Neoliberalismus seit den 80er Jahren hat auch in den Gesellschaftswissenschaften zu einer Anthropologie geführt, die den Menschen als ein zutiefst eigennütziges Wesen beschreibt.

Buch 2. Februar 2011

Fritz Keller, Gelebter Internationalismus

Österreichs Linke und der algerische Widerstand (1958–1963)
Wien: Promedia, 2010, 315 S., 19,90 Euro

von Paul Kleiser

Der Wiener Fritz Keller hat sich als Historiker der (nicht nur) österreichischen Arbeiterbewegung einen Namen gemacht. Sein neuestes Buch schließt eine nicht unbedeutende Lücke.

Buch 2. Februar 2011

Peter Turrini, Wie verdächtig ist der Mensch?

Wortmeldungen. (Hg. Silke Hassler)
Berlin: Suhrkamp, 2010, 286 S., 9 Euro

von Dieter Braeg

Noch gibt es im deutschen Sprachraum, der politisch mehr und mehr zu einer unterentwickelten Kulturruine wird, Zuhörerinnen und Zuhörer. Jetzt können sie auch lesen, was ihnen Peter Turrini zu sagen hat. Bislang hat er hauptsächlich Theaterstücke geschrieben, dies ist das erste Mal, dass seine Reden und verstreuten politichen Texte in einem Sammelband erschienen sind.

Buch 8. Dezember 2010

Stuttgart 21 – oder: Wem gehört die Stadt?

Hg. V.Lösch/G.Stocker/S.Leidig/W.

Buch 8. Dezember 2010

Peter Nowak: Zahltag. Zwang und Widerstand

Erwerbslose in Hartz IV
Münster: Unrast, 2009, 7,80 Euro

von Willi Hajek

Peter Nowak, freier Journalist in Berlin, hat die Aktionen und Initiativen von Erwerbslosen gegen Schikanen und andere Folgen der Hartz-IV-Gesetze engagiert verfolgt. Er blickt zurück auf die Montagsdemonstrationen im Sommer 2005, ausgelöst in Ostdeutschland, die eine politische Bewegung der Strasse in Gang gesetzt haben. Das Gesetz konnte nicht verhindert werden, aber die Sensibilität gegen Hartz IV war überall präsent.

Buch 8. Dezember 2010

Anté Ciliga: Im Land der verwirrenden Lüge

Die Buchmacherei, 304 S., 12 Euro
von Jochen Gester

Die Oktoberrevolution markierte einen historischen Einschnitt in der Geschichte der Arbeiterbewegung des 20. Jahrhunderts. Ihr Gelingen wurde in fast allen Strömungen der revolutionären Arbeiterbewegung mit Sympahie und großen Hoffnungen verfolgt. Und obwohl sich das stalinistische System zu einem Alptraum entwickelte, gaben viele Sozialisten die Hoffnung nicht auf, dass der Realsoz noch die Kraft zur Selbstkorrektur finden könnte.

Buch 8. Dezember 2010

Daniela Matijevic: Mit der Hölle hätte ich leben können

München: Wilhelm Heyne Verlag, 2010, 240 S., 18,80 Eurovon Paul B.KleiserHinter dem Verlegenheitstitel verbirgt sich ein ebenso ungewöhnlicher wie unter die Haut gehender Erfahrungsbericht einer jungen Frau namens Daniela Matijevic über ihren dreimonatigen Kosovo-Einsatz als Sanitätssoldatin der Bundeswehr. Die Brutalität des Krieges hat sie so stark traumatisiert, dass sie bis heute – wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen, die im Auslandseinsatz waren – an einer «Posttraumatischen Belastungsstörung» (PTBS) leidet und berufsunfähig ist.Das Buch ist auch ein Versuch, sich die täglichen Qualen von der Seele zu schreiben.

Buch 8. Dezember 2010

Drei Bücher übers Wasser

* Petra Dobner, Wasserpolitik, Berlin: Suhrkamp, 2010
* Eric Orsenna, Die Zukunft des Wassers, München: C.H.Beck, 2010
* Ulrich Grober, Vom Wandern, Frankfurt/M.: Zweitausendeins, 2006

von Rolf Euler

Wer sich mit dem Wasser, seiner Verteilung, Nutzen und Schaden beschäftigen will, hatte diesen Sommer genug Anschauungsmaterial: Pakistan, zum großen Teil überschwemmt, doch in der riesigen Wassermasse fehlt vor allem: Wasser – Trinkwasser!

Buch 8. Dezember 2010

Juden- und Islamfeindlichkeit haben dieselbe Wurzel

Achim Bühl
Islamfeindlichkeit in Deutschland. Ursprünge, Akteure, Stereotype
Hamburg: VSA, 2010, 319 Seiten, 24,90 Euro
von Paul B.Kleiser

Vor ein paar Wochen schrieb der Stern-Journalist Hans-Ulrich Jörges unter dem Titel «Wo der Schweinehund knurrt» (Stern 44/2010) einen kritischen Artikel über Sarrazin und wie die Medien über sein Buch Deutschland schafft sich ab «diskutierten». Er bemerkte, das Buch habe in gebildeten, bürgerlichen Kreisen «eine Migranten- und Islamfeindlichkeit aufgedeckt», «die erschrecken lässt. Die Integrationsdebatte wurde darüber, in ihren hysterischen Entgleisungen, zur kaum noch kaschierten, primitiven Ausländer-raus-Kampagne. Sie hat Ressentiments freigelegt, verfestigt und verbreitet, die lange nachwirken werden.»

Buch 8. Dezember 2010

«Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen»

Ilija Trojanow/Ranjit Hoskoté, Kampfabsage
Frankfurt: Büchergilde Gutenberg, 2010, 224 Seiten, 17,95 Euro
von Rolf Euler

Die Thesen des US-Amerikaners Samuel Huntington über den «Kampf der Kulturen» werden hier einer radikalen Kritik unterzogen. Die Autoren gehen der Kulturgeschichte Europas und ihrer Quellen im indischen, arabischen und afrikanischen Raum nach. Sie schildern die vielen geistigen und kulturellen Leistungen in Schrift, Sprache, Wissenschaft, Handwerk, Kunst, Mathematik und Astronomie, die «zusammengeflossen» sind und die heutige europäische Kultur ausmachen.

Buch 7. Dezember 2010

E.Meiksins Wood, Demokratie contra Kapitalismus

Beiträge zur Erneuerung des historischen Materialismus
Köln/Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2010
304 S., 29,80 Euro

von Nancy Holmstrom

Es ist ein verblüffendes Paradox, wie Wood mehrfach bemerkt, dass gerade im Moment der weltweiten Dominanz des Kapitalismus theoretische Richtungen auf der Linken Überhand nehmen, durch die diese Tatsache unwichtig, unbegreifbar oder gar unsichtbar wird. Die postmoderne Feindseligkeit gegenüber jeder Vorstellung von System, Struktur und «großer Erzählung» macht es unmöglich, den Kapitalismus als ein System mit spezifischen Gesetzen oder seinen totalisierenden Charakter zu begreifen;

Buch 6. Dezember 2010

Rudolf Brunngraber, Karl und das 20.Jahrhundert

Wien: Milena Verlag, 2010
270 S., 21,90 Euro

von Dieter Braeg

Dieser Roman wurde erstmals im Jahre 1932 im Frankfurter Societätsverlag veröffentlicht. In Österreich wurde das Buch ausgezeichnet. In Deutschland im Jahre 1933 wurde es von der Gestapo verboten.

Buch 3. November 2010

Günter Benser/Michael Schneider (Hg.), Bewahren – Verbreiten – Aufklären

Archivare, Bibliothekare und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung.
Bonn/Bad Godesberg: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2009
376 Seiten, kostenlos

von Gisela Notz

Über die Geschichte der Archive und Bibliotheken der Arbeiterbewegung im deutschsprachigen Raum gibt es bereits zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen. Über die Menschen, die sie gegründet oder unterstützt haben oder in ihnen maßgeblich tätig gewesen sind, wissen wir wenig.

Buch 3. November 2010

Iris Gusner/Helke Sander, Fantasie und Arbeit

Biografische Zwiesprache, Marburg: Schüren, 2009
291 Seiten,  19,90 Euro.

von Gisela Notz

20 Jahre nach dem Mauerfall haben die beiden Filmemacherinnen Iris Gusner (DDR) und Helke Sander (BRD), in 30 Kapiteln eine deutsch-deutsche Doppelbiografie geschrieben.

Buch 3. November 2010

Abdullah Öcalan: Jenseits von Staat, Macht und Gewalt

Köln: Mesopotamien Verlag, 2010
573 Seiten, 15 Euro
von Ulf Petersen

In den letzten 10 bis 15 Jahren findet ein Prozess der Umwandlung der PKK zu einer antinational, antistaatlich, feministisch und ökologisch orientierten Bewegung statt. Treibende Kraft ist dabei der politische Führer Abdullah Öcalan, der seit seiner Entführung durch den türkischen Geheimdienst 1999 in Einzelhaft auf der Gefängnisinsel Imrali lebt.

Buch 3. Oktober 2010

Martin Dolzer, Der türkisch-kurdische Konflikt

Menschenrechte – Frieden – Demokratie in einem europäischen Land?
Bonn: Pahl-Rugenstein, 2010, 201 S., 19,90 Euro

von Ulf Petersen

Dieses Buch ist im besten Sinne «auf den Knien geschrieben» (Lenin). Es ist eine Art Zwischenbericht von Martin Dolzers intensiver Tätigkeit als Menschenrechtsaktivist und Journalist in der Türkei und Kurdistan mit nicht weniger als 17 Delegationsreisen von 2001 bis 2009.

Buch 3. Oktober 2010

Manuel Kellner, Kritik der Religion und Esoterik

Außer sich sein und zu sich kommen
Stuttgart: Schmetterling, 2010, 240 S., 10 Euro

von Paul Kleiser

Das neue Buch unseres Mitarbeiters Manuel Kellner ist in der verdienstvollen theorie.org-Reihe des Stuttgarter Schmetterling-Verlags erschienen. In 7 Kapiteln behandelt er überblicksweise die verschiedenen Formen des religiösen Bewusstseins,

Buch 3. Oktober 2010

Evelyne Polt-Heinzl. Einstürzende Finanzwelten

Markt, Gesellschaft und Literatur
Nachwort von Wolfgang Polt mit 7 Illustrationen von Thomas Kussin
Wien: Sonderzahl, 2009 240 S., 18 Euro
von Dieter Braeg

Die Krise gibt es heute täglich und man kann sie nachlesen in den Blättern, die die Welt in Schutt und Asche schreiben. Tag für Tag schwatzt es Krisengeräusche aus öffentlichen und privaten Kanälen, da wird der letzte Widerstand der Menschen entsorgt.

Buch 1. September 2010

Leo Trotzki: Denkzettel

Politische Erfahrungen im Zeitalter der permanenten Revolution
(Hg. George Novack/Helmut Dahmer)
Wien: AdV-Verlag, 2010
496 S., 24 Euro
von Hans-Günter Mull

Rechtzeitig zum 70.Jahrestag der Ermordung Leo Trotzkis durch einen stalinistischen Agenten liegt der ursprünglich 1981 im Suhrkamp Verlag erschienene und von Helmut Dahmer herausgegebene Band mit ausgewählten Texten Trotzkis  in einer neuen Ausgabe vor, für die erneut Helmut Dahmer als Herausgeber zeichnet.

Buch 2. Juli 2010

Bertold Huber: «Wechsel für Deutschland»

Berthold Huber formuliert seine Lehren aus der Krise
von Jochen Gester

Wechsel für Deutschland – Die Lehren aus der Krise.
Campus-Verlag 2010

Der Campus Verlag hat ein Buch herausgegeben, das den 1.Metall-Vorsitzenden Bertold Huber als Autor ausweist. Huber zeichnet dort verantwortlich für den Hauptbeitrag über ca. 80 Seiten. Daran schließen sich eine Reihe von Wortmeldungen an, die mehrheitlich von Sozialwissenschaftlern kommen.

Buch 1. Juli 2010

Heinz Dürrbeck (1912–2001)

Das Vermächtnis der «sozialistischen Brückengeneration»
von Ulrich Peter

Stefan Müller
Heinz Dürrbeck (1912–2001): Gewerkschafter, Sozialist und Bildungsarbeiter
Essen: Klartext, 2010
568 Seiten, 39,95 Euro

Gut geschriebene Biografien sind zwischen zwei Buchdeckel gepresste lebendige Zeitbilder. Ein gutes Beispiel dafür ist der vorliegende Band von Stefan Müller über Heinz Dürrbeck. Er leistet im Rahmen einer politischen Biografie einen wichtigen Beitrag zur Organisationsgeschichte der IG Metall und zur Nachkriegsgeschichte des deutschen Linkssozialismus.

Buch 1. Juli 2010

Manuel Kellner: Gegen Kapitalismus und Bürokratie

Zur sozialistischen Strategie bei Ernest Mandel
Köln: Neuer ISP Verlag, 2009
464 Seiten, 36 Euro
von Michael Löwy

Dieses Buch ist der erste substanzielle Versuch, das Denken des wichtigsten Leitungsmitglieds der IV.Internationale in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts systematisch darzustellen.

Buch 1. Juli 2010

Vor 15 Jahren starb Ernest Mandel

Ein unheilbarer Optimist
Michael Löwy bespricht die Biografie von Jan Willem Stutje
Jan Willem Stutje
Rebell zwischen Traum und Tat. Ernest Mandel (1923–1995)
Hamburg: VSA, 2009
470 S., 39,80 Euro

Am 20.Juli 1995 starb der marxistische Ökonom Ernest Mandel. 2005 erschien aus der Feder des niederländischen Historikers Jan Willem Stutje eine erste Biographie über ihn; Ende 2009 veröffentlichte der Neue ISP Verlag eine Darlegung seiner wirtschaftlichen und politischen Theorien von Manuel Kellner.

Buch 3. Juni 2010

Gewerkschaftliches Organizing zwischen Anspruch und Realität

Peter Birke, Die große Wut und die kleinen Schritte.
Gewerkschaftliches Organizing zwischen Protest und Projekt
Hamburg/Berlin: Assoziation A
von Jochen Gester
Dieses Buch hat mir sehr gefallen. Zum einen wird das Thema nicht auf akademische Art und Weise abgehandelt. Die Entstehung der gewerkschaftlichen Organizing-Konzepte und ihre Philosophie werden zwar sozialwissenschaftlich vorgetragen, doch geschieht dies nicht nur auf Basis der Papierlage, sondern nach Maßgabe eigener sozialer Erfahrungen.

Buch 2. Juni 2010

Ein Blick hinter die WM-Kulissen

Südafrika. Die Grenzen der Befreiung
Hg. J.E.Ambacher/R.Khan
Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2010
263 Seiten, 16 Euro
von Peter Nowak

Die ersten Werbesymbole für die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika tauchen schon in deutschen Städten auf. Wer sie zum Anlass nehmen will, um sich über die sozialen und politischen Verhältnisse des Landes zu informieren, dem sei dieses Buch empfohlen.

Buch 2. Juni 2010

Helge Buttkereit: Utopische Realpolitik

Die Neue Linke in Lateinamerika.
Bonn: Pahl-Rugenstein, 2010
161 S., 16,90 Euro
von Andreas Bodden

Der Publizist Helge Buttkereit hat ein Buch zu den derzeitigen linken Bewegungen in Lateinamerika vorgelegt. Owei, könnte man da denken, das xte Buch über lateinamerikanische Linke. Das Buch von Buttkereit hat jedoch einiges zu bieten.

Buch 22. Mai 2010

Marc Thörner: Afghanistan Code

Schießen auf Verdacht. Eine Reportage über Krieg und Fundamentalismus
Hamburg: Edition Nautilus, 2010
160 Seiten, 16 Euro
von Gerhard Klas

März 2009, Imam Sahib, eine Kleinstadt in der Nähe des deutschen Feldlagers in Kundus, Afghanistan. Bei einem Sturm auf das Anwesen des Ortsvorstehers Sufi Manan tötet ein US-Sonderkommando fünf seiner Hausangestellten. Angeblich, so die offizielle Version des US-Militärs, habe es sich um Notwehr gehandelt.

Buch 1. Mai 2010

Zur Lage der Welt

Einfach besser leben. Zur Lage der Welt 2010
(Hg. Worldwatch Institute)
München: oekom, 19,90 Euro
von Rolf Euler

Fast zwanzig Jahre nach der Rio-Konferenz, nach gefühlten tausend Büchern über nachhaltiges Wirtschaften und Leben, stehen Menschen mit der Absicht, eine solidarische Gesellschaft zu bauen, vor steigenden Problemen: Die nötige Abkehr von der Übernutzung der natürlichen und kulturellen Ressourcen findet nur in Kleinstschritten statt.

Buch 1. Mai 2010

Nikolaus Brauns/Brigitte Kiechle: PKK

Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes. Zwischen Selbstbestimmung, EU und Islam
Stuttgart: Schmetterling, 2010
510 S., 26,80 Euro
von Ulf Petersen

Buch 1. Mai 2010

Karin Guth: Z 3105: Der Sinto Walter Winter überlebt den Holocaust

Hamburg: VSA, 2009
228 Seiten,18,80 Euro
von Gaston Kirsche

Am 16.Mai 1940 wurden an die tausend Roma und Sinti aus Hamburg und Umgebung nach Polen in das Vernichtungslager Belzec deportiert. In den Jahren nach der Machtübergabe an die Nazis wurden alle, die nach rassistischen Kriterien als Roma und Sinti eingestuft wurden, ebenso wie alle als Juden eingestufte Menschen, systematisch gesellschaftlich diskriminiert und kriminalisiert. Roma und Sinti wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Buch 2. April 2010

Edelbert Richter: Trotzige Ermutigungen

Die Linke im Epochenumbruch. Eine historische Ortsbestimmung
Hamburg: VSA, 2010
302 S., 20,80 Euro

von Eckart Spoo

Er sagt nicht «Yes, we can», wie einst der Wahlkämpfer Obama. Der philosophisch und ökonomisch interessierte Theologe Edelbert Richter sagt in seinem neuen Buch oft: «Wir könnten.» Und er meint: Wir müssten.

Buch 4. März 2010

Jovan Nikolic

Jovan Nikolic wurde 1955 in Jugoslawien geboren. Beide Eltern waren Musiker. Seine Kindheit verbrachte Nikolic zunächst auf Reisen mit seinen Eltern, später ging er in der Kleinstadt Cacak zur Schule und absolvierte eine Ausbildung als Maschinenbautechniker.

Buch 3. März 2010

Bedingungslos für Israel?

Positionen und Aktionen jenseits deutscher Befindlichkeiten
(Hg. Sophia Deeg/Hermann Dierkes)
Köln: Neuer ISP Verlag. 2010, 224 S., 19,80 Euro

Der Überfall der israelischen Armee auf den dicht besiedelten, abgeschnürten Gaza-Streifen im Winter 2008/09 hat weltweit schockiert. Die jahrelange völkerrechtswidrige Abriegelung des Gazastreifens hält auch nach dem Waffenstillstand an. Die deutsche Bundesregierung, die EU und die USA unterstützten das israelische Vorgehen

Buch 3. März 2010

Winfried Wolf: Sieben Krisen, Ein Crash

Wien: Promedia, 2009, 253 S.
von Hermann Dworczak
Winfrieds Wolf Buch bietet eine gründliche Analyse der aktuellen Krisen des globalen Kapitalismus quer zu diversen, gänzlich an der Oberfläche verharrenden Erklärungen.

Buch 6. Februar 2010

Christa Wichterich, Gleich gleicher ungleich

Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung. Sulzbach: Ulrike-Helmer-Verlag, 2009
240 S., 19,90 Euro

von Gisela Notz
Christa Wichterich hat mehr als eine Aufsatzsammlung geschrieben. Es entstand ein feministischer Weltbericht über Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung.

Buch 26. Dezember 2009

Klassenbewußtsein und Klassensolidarität

Günter Bell
Ein Stadtteil, in dem die Arbeiterklasse zu Hause ist?
Klassenbewußtsein und Klassensolidarität in sozial-räumlichen Milieus
VSA, Hamburg 2009, 206 Seiten, 16,80 Euro

von Angela Klein

Buch 26. Dezember 2009

Biermann/Klönne: Großmachtambitionen in Deutschland

Werner Biermann/Arno Klönne: Ein Spiel ohne Grenzen. Wirtschaft, Politik und Großmachtsambitionen in Deutschland von 1871 bis heute. Köln: PapyRossa Verlag, 2009, 293 S., 17,90 Euro
von Mario Tal

Klaus Kinkel, amtierender Außenminister der FDP in der Regierung Kohl, erklärte 1993 über die Rolle Deutschlands nach der Wiedervereinigung in der FAZ:“Nach außen gilt es etwas zu vollbringen, woran wir zweimal zuvor gescheitert sind: Im Einklang mit unseren Nachbarn zu einer Rolle zu finden, die unseren Wünschen und unserem Potenzial entspricht.” Noch bündiger war Edmund Stoiber (CSU) 1992: „Kohl vollendet, was Kaiser Wilhelm und Hitler nicht erreicht haben.” Und 2007 attestierte Günther Gloser, SPD und

Buch 26. Dezember 2009

Wassili Grossman: Leben und Schicksal

Berlin: Claassen, 2007, 1084 S., 24,80 Euro; Taschenbuch- Ausgabe: Berlin: List, 2009, 1084 S., 14,90 Euro
von Jochen Gester

Der Winter steht vor der Tür, lange dunkle Abende und vielleicht eine Insel mit lohnarbeitsfreier Zeit am Jahresende. Zeit, sich auch mal wieder etwas mehr zuzumuten an schwerer Kost und langer Lektüre. Mein Tipp: Leben und Schicksal (Originaltitel: Shisn i sudba) von Wassili Grossman.