Vor 100 Jahren: Frauen dürfen wählen!
Waren damit alle Frauenträume erfüllt?
von Gisela Notz
In vielen Veröffentlichungen zum 100.Jahrestag der Durchsetzung des Frauenwahlrechts werden heute vor allem die Verdienste der Frauen aus der bürgerlichen Frauenbewegung hervorgehoben, die für das Stimmrecht gekämpft haben, aber lange Zeit nicht wussten, ob sie das wirklich auch für die unteren Klassen erkämpfen sollen. Vergessen wird der Kampf der sozialistischen Arbeiterinnenbewegung, ohne den das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Frauen nicht durchgesetzt worden wäre.
Klaus Gietinger: November 1918. Der verpasste Frühling des 20.Jahrhunderts
Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth. Hamburg: Nautilus, 2018. 270 S., 18 €
von Reiner Tosstorff
Ein neues Buch von Klaus Gietinger
Der 100.Jahrestag der Novemberrevolution führt seit geraumer Zeit zu einer Fülle von Veröffentlichungen, was der Bedeutung dieses Ereignisses durchaus angemessen ist.
Fortgesetzte Geschichtsfälschung
Arn Strohmeyer antwortet auf die «Ausstellung zur Staatsgründung Israels»
von Hermann Dierkes
Arn Strohmeyer: Ein klassischer Fall von Geschichtsfälschung. Eine Gegendokumentation. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2018. 157 S., € 14,90
2008 jährte sich zum 60.Mal die Nakba, die Katastrophe mit Vertreibung, Massakern, Flucht, Zerstörung und Enteignung, mit der das palästinensische Volk die Staatsgründung Israels bezahlen musste – und bis heute bezahlt.
Peter Zudeick: Heimat. Volk. Vaterland. Eine Kampfansage an rechts
Frankfurt a.M.: Westend, 2018. 187 S., € 18
von Paul B. Kleiser
Kampf um Worte und Begriffe
In Umbruchzeiten, wie wir sie im Gefolge der großen Krise von 2008 und der raschen Digitalisierung gerade erleben, werden bei vielen Menschen sicher geglaubte Gewissheiten und Lebensplanungen zerstört.
200 Jahre Karl Marx, Teil 8
Zerstörerische «Reinigungskrisen» und Zusammenbruch
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
Über Leben in Demmin
Deutschland 2017, Regie: Martin Farkas
von Peter Nowak
Am Ende des Films rufen Antifaschisten den Neonazis die Parole zu: «Ihr habt den Krieg verloren.» Der Spruch wird auf vielen Antifademos gerufen. Doch in der mecklenburgischen Kleinstadt Demmin hat er eine besondere Bedeutung. Dort haben sich im Mai 1945 nach der Niederlage Nazideutschlands über 600 Menschen das Leben genommen. Sie haben sich erhängt oder sind mit Steinen in den Manteltaschen ins Wasser gegangen. Familien haben erst ihre Kinder und dann sich selber erschossen. Ein Film über diese Ereignisse kann schnell in Kitsch und deutschen Opfermythos enden. Doch der im Allgäu geborene Regisseur Martin Farkas hat es mit seinem Film Über Leben in Demmin geschafft, die Stimmung in einer Kleinstadt in Ostdeutschland in der Gegenwart einzufangen.
Krimitipp: Jo Nesbø: Macbeth
Berlin: Penguin, 2018. 621 S., € 24
von Udo Bonn
Für Henning Mankell war Shakespeares Macbeth die beste Kriminalgeschichte aller Zeiten. Was liegt da näher, als im Rahmen des Hogarth-Shakespeare-Projekts einen Kriminalroman zu schreiben? Dem norwegischen Autor Jo Nesbø ist die Transformation der blutigen Tragödie aus dem schottischen Mittelalter ins 20.Jahrhundert gelungen.
Das große Geld verdirbt den Spaß
Warum viele Fußballfans rebellieren
von Manuel Kellner
Zwanzig Schweigeminuten in den Stadien aus allen drei Profiligen – so in Berlin, Bremen, München, Hannover, Freiburg und Köln – was ist da los? «Stimmungsboykott»! Zu sehen sind Transparente mit Aufschriften wie «United by money. Korrupt im Herzen Europas», oder «Fußball is for you and me – not for fucking Pay-TV».
Ab ins Museum
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Im Ruhrgebiet gilt das Interesse der Museumsbetreiber in diesem Jahr vorrangig der Beendigung der Steinkohlenförderung auf den letzten beiden Bergwerken. Damit soll mehr als nur örtliches oder kurzfristiges Interesse angesprochen werden. Es ist Anlass für 17 Kunstmuseen, Bilder, Videos oder Skulpturen diesem Thema zu widmen. Für die Industriemuseen der beiden Landschaftsverbände gilt sozusagen «Bergbau» und alles was damit zu tun hat, als «Pflichtveranstaltung».
30 Jahre Wackersdorf
Lieber nachvollziehen, als am Mythos stricken – Ein Zeitzeuge erinnert sich
von Theo Völkl
Dieser Tage ist ein Film über den Widerstand gegen die Wideraufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf in den 80er Jahren angelaufen. Letztlich konnte die Anlage verhindert werden, doch war dies nicht allein das Verdienst der Bewegung – es kam viel zusammen. Ein Lehrstück für den Hambacher Forst?
«Wenn wir den Klassenkampf nicht verstehen, verstehen wir gar nichts»
Über die Bedeutung von Klassenbewusstsein
Gespräch mit Ken Loach
Der britische Filmregisseur Ken Loach ist einer der angesehensten Filmemacher unserer Zeit. Er ist ein sehr engagierter Künstler und einer der wenigen Regisseure, die zweimal die prestigeträchtige Goldene Palme von Cannes erhalten haben. In seinem Werk greift er oft soziale oder politische Themen auf.
Prag 1968: Demokratie in die Betriebe
Das Herzstück sozialistischer Demokratie
von Karel Kovanda*
In den tschechoslowakischen Medien entfaltete sich im Frühjahr 1968 eine intensive öffentliche Diskussion über Fragen der Arbeiterselbstverwaltung. In der Wochenzeitung Reporter erschien im April ein «Offener Brief an die tschechoslowakischen Arbeiter», der zur Bildung einer Arbeiterbewegung für die Selbstverwaltung aufrief.