Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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Europa 1. Mai 2018

Images en lutte

Bilder einer Ausstellung zu 1968
von Bernard Schmid

Die Kunsthochschule Ecole des Beaux Arts in der Pariser Rue Bonaparte wurde zweimal von der Polizei geräumt: einmal im Frühsommer 1968, nach mehrwöchiger Besetzung durch Kunststudierende, Lehrpersonal und andere Rebellierende des Pariser Mai, um vier Uhr morgens. Das andere Mal im Februar 1974, nachdem dort fast drei Jahre lang allwöchentlich Vollversammlungen der im Gefolge des 68er Aufbruchs aufkeimenden feministischen sowie Homosexuellen-Bewegung stattgefunden hatten. Die Regierung unter Präsident Georges Pompidou glaubte, dadurch dem Emanzipationsspuk ein Ende setzen zu können.

Buch 1. Mai 2018

Rudi Dutschke und die Achtundsechziger

«Der sozialistischen Bewegung das ­Unterscheidungsvermögen wiedergewinnen»
von Paul B. Kleiser

Es gibt wenige Namen und Gesichter, die mit der Bewegung von 1968 in Theorie und Praxis so eng verbunden sind wie die von Rudi Dutschke.

Aufgrund der Hetze der Springerpresse und anderer rechter Medien, die im Klima des Kalten Krieges besonders in Westberlin auf fruchtbaren Boden fiel, wurde er am Gründonnerstag 1968 Opfer eines Mordanschlags. Der Täter Josef Bachmann schoss Dutschke mit drei Kugeln nieder.

Europa 1. Mai 2018

«Ohne die CGT hätte 68 in Frankreich nicht ­dieselbe Bedeutung erlangt»

Erforschung neuer Quellen über die 68er Bewegung in Frankreich
Gespräch mit Ludivine Bantigny

50 Jahre nach 1968 ist Archivmaterial zugänglich, zu dem es vorher keinen Zugang gab. Neuere Forschungen ergeben deshalb stellenweise einen sehr anderen Blick als den, die die Akteure von damals bislang transportierten. Ludivine Bantigny ist Historikerin an der Universität Rouen in Frankreich. Sie hat in den Archiven über die 68er Bewegung geforscht und vor kurzem ein Buch darüber auf französisch veröffentlicht.*

Europa 1. Mai 2018

Getrennt marschieren

Die 68er Bewegung in Italien hat die Dominanz der PCI nicht brechen können
von Diego Giachetti

Die Gesellschaftskrise, die in Italien 1968 offenbar wurde, war Teil eines umfassenderen, gleichzeitigen Prozesses, der die industrialisierten Gesellschaften des Westens, aber auch einige Länder des Ostblocks wie Polen und die CSSR erfasste. Der außerparlamentarische Protest der Jugend traf auf ein neues Selbstbewusstsein der einfachen Arbeiter in den gewerkschaftlichen und betrieblichen Kämpfen, auf eine neue Nachfrage nach öffentlichen Dienstleistungen in den Städten, auf die Einforderung neuer Bürgerrechte.

Europa 1. Mai 2018

1968 in Polen

Studentenunruhen und antisemitische Kampagnen
von Stefan Bekier für Le Monde Diplomatique/Polska

Im März 1968 kam es auch in Polen zu bedeutenden Studentenunruhen. Die Studierenden forderten vor allem mehr Meinungsfreiheit. Der polnische Staat machte Juden als Strippenzieher dafür verantwortlich. Nach unterschiedlichen Quellen wanderten deshalb 13000–20000 Polen jüdischer Abstammung mit ihren Partnern aus Polen aus. Auf ihre polnische Staatsangehörigkeit mussten sie verzichten. Sie bekamen sog Reisepapiere, die nur für eine Ausreise galten.

Afrika 1. Mai 2018

1968 im Senegal

Studierende rebellieren gegen Senghor
von Bernard Schmid

Bei der Jahreszahl «1968» denkt man, von Deutschland aus betrachtet, zunächst einmal an Frankreich. Im günstigeren Falle fällt einem dann noch ein, dass die Geschehnisse  internationaler Natur waren und und sich – neben Westberlin und Paris – auch in Mexiko-Stadt, San Francisco und Tokyo abspielten. Aber in Afrika? Hat man dafür im deutschsprachigen Raum einen Gedanken übrig?

Buch 1. Mai 2018

Glenn Jäger: In den Sand gesetzt. Katar, die FIFA und die Fußball-WM 2022

Köln: PapyRossa, 2018. 311 S., € 16,90
von Anton Holberg

Der Titel dieses hervorragenden Buches führt etwas in die Irre. Der Fußball ist hier im wesentlichen glücklicherweise nur der Aufhänger für eine umfangreiche Studie einerseits über den alltäglichen Kapitalismus und die in seine DNA eingeprägte Kriminalität unter besonderer Beachtung der Korruption und andererseits über die mit beidem innigst verbundene politische Entwicklung des Nahen Ostens, insbesondere seit dem vermeintlichen Arabischen Frühling und hier dem «Bürgerkrieg» in Syrien, der von Anfang an – auch und keineswegs in letzter Instanz – Teil einer viel älteren imperialistischen Agenda war und ist.

Buch 1. Mai 2018

Eva Weissweiler: Lady Liberty. Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor

Hamburg: Hoffmann und Campe, 2018. 416 S., 26 €
von Manuel Kellner

Am 1.Mai des Jahres 1890 kommen 300000 Arbeiterinnen und Arbeiter in London zur Kundgebung. Eleanor Marx, mit familiärem Spitznamen Tussy, führt sie vom Themse-Ufer in den Hyde Park und spricht zu ihnen:

Buch 1. Mai 2018

Blaue Blume der Romantik und Utopie

Michael Löwy zum 80.Geburtstag
von Manuel Kellner

Bücher, Aufsätze und Artikel von Michael Löwy, der am 6.Mai 1938 in São Paulo in Brasilien geboren wurde, gibt es in einer Reihe von Sprachen. Der deutschsprachigen Leserschaft liegen einige seiner Schriften vor1, er hat auch immer wieder für die SoZ2 und die Presse der IV.?Internationale (so für Inprecor und International Viewpoint) geschrieben, deren führendes Mitglied er seit langem ist.

Geschichte 1. Mai 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 4

Ein Demokrat wird Kommunist
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Film 1. Mai 2018

Zur Diagonale 2018

Am Puls der Zeit
von Kurt Hofmann

Die Diagonale, das Festival des Österreichischen Films, zeigte sich im dritten Jahr der Intendanz Höglinger/Schernhuber politisch wach und blieb in der Auswahl der Filme am Puls der Zeit.

Buch 1. Mai 2018

Krimitipp: Wolfgang Schorlau: Der große Plan

Köln: Kiepenheuer& Witsch, 2018. 448 S., 14,99 Euro
von Udo Bonn

Anna Hartmann ist verschwunden. Kurz vor ihrem Karrieresprung in Richtung IWF, immer noch im Dienst der Troika, diesem erpresserischen Gremium, das für Kredite an Griechenland die fragile Sozialstruktur zerstören und staatliches Eigentum verhökern lässt, ist die junge Frau nicht mehr auffindbar. Die Videoaufnahmen der irischen Botschaft in Berlin sind nicht eindeutig. Hat sich Anna Hartmann aus ihrem Job und ihrem privaten Umfeld einfach zurückgezogen oder ist sie entführt worden?