200 Jahre Theodor Fontane
«Ich habe mich heut der Reaction verkauft»
von Paul B. Kleiser
Im Unterschied zu den anderen Autoren des «poetischen Realismus», die im deutschsprachigen Raum die wichtigsten Novellen und Romane des 19.Jahrhunderts verfasst haben – etwa Theodor Storm, Wilhelm Raabe oder die beiden Schweizer Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer –, hatte Theodor Fontane immer ein großes Lesepublikum. Nach dem Ende der DDR hat der Einfluss dieses urpreußischen Autors wohl noch zugenommen. Besonders seine «Frauenromane», die eigentlich Gesellschaftsromane sind, Cécile, Stine, Frau Jenny Treibel und natürlich Effie Briest, erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.
Volk der Linken
Ein Beitrag zur sozialistischen Strategiediskussion
von Manuel Kellner
Thomas E. Goes: Klassen im Kampf. Vorschläge für eine populare Linke. Köln: PapyRossa, 2019. 182 S., 14,90 Euro
In seinem neuen, lesenswerten Buch präzisiert Thomas Goes seine Vorstellungen zur strategischen Orientierung der sozialistischen und revolutionären Linken, die er zusammen mit Violetta Bock 2017 in Ein unanständiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte vorgestellt hatte.
Frankreich: Text über und für die Gelbwesten
«Jede Person, die eine Gelbweste verunglimpft, beleidigt meinen Vater»
von Édouard Louis
Dieser im Dezember 2018 verfasste Text des französischen Schriftstellers Édouard Louis erschien mit dessen freundlicher Genehmigung in l’Anticapitaliste, der Monatszeitschrift der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) (Nr.103, Januar 2019). Ebenfalls im Januar ist das neueste Buch von Édouard Louis unter dem Titel Wer hat meinen Vater umgebracht auf Deutsch erschienen (S.Fischer, 80 S., 16 Euro).
1968 im Sport. Eine historische Bilderreise
Hildesheim: Arete Verlag, 2018. 124 S., 18 Euro
von Kai Böhne
Das Jahr 1968 im Spitzensport
Walter Ulbricht und Erich Honecker lächelnd und händeschüttelnd mit breitkremprigen Sombreros auf dem Kopf – dieses seltsame Foto stammt aus dem Bildband 1968 im Sport. Die Hüte waren ein Mitbringsel des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees der DDR, gefeiert wurde das erfolgreiche Abschneiden der DDR-Sportler bei den Olympischen Spielen in Mexiko.
Versailles – der überforderte Frieden
Eine Last, an der wir heute noch tragen
von Paul B. Kleiser
Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. München: C.H.Beck, 2018. 1531 S., 38 Euro
Die Konferenz von Paris und Versailles, die am 28.Juni 1919 mit einem umfangreichen Vertragswerk zu Ende ging, hat im 20.Jahrhundert weitreichende Auswirkungen gehabt.
Crossing Europe 2019
Zum Filmfestival in Linz
von Kurt Hofmann
Kurz vor den Europawahlen vermochte das Filmfestival Crossing Europe, auch in seiner 16.Ausgabe zu überzeugen. Hier eine Auswahl.
Filmtipp: Streik
Frankreich 2018, Regie: Stéphane Brizé
von Rolf Euler
Fast zwei Stunden entführt uns der Film Streik in eine Szenerie, die wie aus einer anderen Welt erscheint: ein massiver Arbeitskampf über mehrere Monate in und vor einer Fabrik für Autoteile im französischen Agens.
Streik ist ein spannender, politischer, kritischer und wie ich finde: menschlicher Film aus Frankreich unter der Regie von Stéphane Brizé, wie man ihn sonst vielleicht von Ken Loach kennt. Hautnah an den Aktivisten der Streikfront wird eine Detailgeschichte des globalisierten Kapitalismus vor uns ausgebreitet, ein Arbeitskampf mit allen Höhen und Tiefen, getragen von einer Gruppe von Männern und Frauen, die ihren Arbeitsplatz verteidigen möchten.
Frauen am Bauhaus
«…für die Werkstatt nicht geeignet»
von Angela Klein
Das 1919 gegründete Bauhaus hat viele Vorläufer. Seine Besonderheit liegt darin, dass bei ihm nicht nur der Wunsch nach künstlerischer Erneuerung Pate stand, sondern auch die gefühlte Notwendigkeit, «alle Bereiche des Lebens zu reformieren», wie es in der lesenswerten Geschichte des Bauhauses von Magdalena Droste heißt.
Friedensbedingungen von Versailles
Die Linke und die deutsche nationale Empörung 1919-1923
von Manuel Kellner
Die revolutionäre Linke, voran die Bolschewiki, waren für „Frieden ohne Annexionen und Kontributionen“. Weil es sich von beiden Seiten her um einen imperialistischen Krieg handelte. Weil die Einverleibung von Gebieten und das Eintreiben von Beute den Keim des nächsten Kriegs in sich tragen, Revanchismus und Nationalismus befeuern. Was Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg betrifft, so ist das mit den Bestimmungen der Versailler Friedensbedingungen bekanntlich prächtig gelungen.
Polnische Presseschau 133, 18.05.2019
NUR SAG ES NIEMANDEN https://studioopinii.pl/archiwa/192755
Es ist ein sehr bewegender Film über den Missbrauch durch Priester ist im Netz. Die Filmemacher geben den Opfern Raum, um ihr Leid zu schildern. Ganz anders als in schriftlichen Berichten sehen wir hier die Opfer und können auf diese Weise eher ermessen, was für eine Last sie das Leben lang begleitet. Es ist mutig und anerkennenswert von ihnen sich öffentlich mitzuteilen. Am Beginn wird eine Szene eingesprochen, bei der eine missbrauchte Frau vor einer kirchlichen Untersuchungskommission mit der Hand auf die Bibel den Eid nachsprechen muss:
Von Opportunismus und Panik geprägt
Angriffe gegen Kevin Kühnert erbärmlich
von Dieter Schulze-Marmeling
„Seine größte Stärke ist die Schwäche der anderen“, schrieb vor einigen Monaten Catarina Lobenstein über Kevin Kühnert in der „Zeit“. Die letzten Tage haben diese Einschätzung bestätigt. Deutschlands politische Elite hinterlässt in der Auseinandersetzung mit dem 29-Jährigen einen erbärmlichen Eindruck. Dies gilt auch für Teile von Kühnerts eigener Partei. Und das ist nicht gut für die politische Streitkultur.
Munition für den Klassenfeind?
Die Rote Hilfe im Kreuzfeuer der Kritik
von Angela Klein
Am 7.Oktober dieses Jahres jährt sich zum 70.Mal die Gründung der DDR – 40 Jahre später war der 7.Oktober 1989 der Auftakt zu ihrem Zusammenbruch.
Nicht zu diesem Anlass, aber in diesem Kontext hat die Rote Hilfe ein Sonderheft herausgegeben, das sich mit der Unterdrückung der linken Opposition in der DDR beschäftigt. Das hat auf der Seite der unverbesserlichen Verteidiger der DDR einen Sturm der Entrüstung hervorgebracht – von der jungen Welt über die DKP, den Freidenkerverband, das Ostdeutsche Kuratorium der Verbände… Antworten darauf gab es u.a. von Teilen der ehemaligen Vereinigten Linken der DDR und der Zeitschrift telegraph.